Herbert Günther , Ute Martens Mach's gut, Lucia!

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Inhaltsangabe zu „Mach's gut, Lucia!“ von Herbert Günther

Kinder sollen spielen dürfen, lernen und lachen; dem wird jeder zustimmen. Doch in weiten Teilen der Welt können Kinder von dem, was wir Kindheit nennen, nur träumen. Von Kindern ohne Kindheit erzählt der Autor dieses Buches. Seine Geschichten sind erfunden, aber die Kinder darin nicht. In Uganda, Brasilien, Thailand, Russland, Indien – überall leben Kinder so, wie Herbert Günther es beschreibt. Er erzählt Geschichten gegen die Gleichgültigkeit.

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  • Rezension zu "Mach's gut, Lucia!" von Herbert Günther

    Mach's gut, Lucia!

    WinfriedStanzick

    06. December 2011 um 13:13

    Geschichten haben schon vor Urzeiten Menschen zusammengebracht. Geschichten können erzählen von den Sorgen und Nöten, von den Hoffnungen und dem Glück von Menschen. Und so ist der Versuch des Kinder- und Jugendbuchautors Herbert Günther nur zu begrüßen, der ein von Ute Martens mit beeindruckenden Zeichnungen illustriertes Geschichtenbuch vorlegt, in dem er dem jugendlichen Leser sechs Kinder aus Thailand, Indien, Brasilien, Uganda, Deutschland und Russland und ihre jeweilige Geschichte näher bringt. Die das Buch abschließende Geschichte „ Reise nach Europa“ beschreibt die Geschichte einer Flucht von Afrika nach dem goldenen, rettenden Europa, der Sehnsucht für viele, vor allem junge Menschen, nicht nur aus Afrika. In einer Zeit, in der bei uns viel diskutiert wird über neue Kinderarmut, wo durch Pisa-Studien und anderen Erhebungen deutlich wird, dass der Bildungsstand und die soziale Absicherung unserer Kinder mitten in einem reichen Land schon lange nicht mehr diesem Standard entspricht, wo der Rezensent, jedenfalls in seiner unmittelbaren Umgebung in seiner Heimatkommune, von zahlreichen Fällen berichten könnte, wo Kinder vernachlässigt und durch elterlichen Egoismus an ihrer Entwicklung gehindert werden, scheint der Blick auf Kinder aus anderen Ländern ein Luxus zu sein, den man sich nicht erlauben kann. Alle Energie und alle Phantasie sollte auf die Kinder im eigenen Land gerichtet werden, so lautet der dumpfe, fremdenfeindlich angehauchte Einwand auf die Idee der „Einen Welt“, nach der die Situation von Kindern in anderen Ländern sehr wohl etwas mit uns zu tun hat. Tatsächlich legt Herbert Günther in allen seinen Geschichten dieses Buches Wert darauf, diesen Zusammenhang zwischen „uns und den anderen“ explizit und implizit herzustellen. Die Welt wächst zusammen und sie treibt gleichzeitig auseinander. Bücher wie das vorliegende können mithelfen dabei, Kindern und Jugendlichen diese Dialektik nahe zu bringen und sie ermutigen, sich einen eigenen, kritischen Standpunkt zum Thema zu erarbeiten. Nach der Desavouierung der Entwicklungsidee, mitten in einer globalisierten Welt, nach dem Abschied von der Idee eines ideologisch eingefärbten Multikulturalismus müssen neue Wege einer echten Solidarität mit den Menschen anderer Länder gefunden werden. Nach 9/11 ist das schwerer geworden, aber wenn unser Zusammenleben in unseren westlichen Demokratien Bestand haben und weiterentwickelt werden soll, müssen wir hier quasi völlig neue Sprachen erlernen, die uns erklären können, welche Werte und Normen wir vertreten und wie wir sie mit denen anderer Kulturen ins Gespräch bringen können, ohne uns immer gleich für unsere Werte zu entschuldigen. Wer nicht weiß, wer er ist und wo er herkommt, kann Fremden und Anderen nicht wirklich begegnen, sondern übt entweder reine Caritas oder nivelliert ideologisch verblendet die Unterschiede. Das Buch wird abgeschlossen mit Informationen und ausführlichen Landkarten zu den jeweiligen Geschichten und mit einer absolut empfehlenswerten Literaturliste von Kinder – und Jugendbüchern für den interessierten Weiterleser.

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