Herlinde Koelbl Schreiben!

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Inhaltsangabe zu „Schreiben!“ von Herlinde Koelbl

Überlaufene Großbuchhandlungen an Samstagen und gebannt lesende Zeitgenossen in überfüllten Vorortzügen beweisen: Unsere Begeisterung für Bücher ist ungebrochen. Bei Lesungen und Literaturfestivals sucht eine stetig wachsende Lesergemeinde die Nähe der Autoren. Die Aufnahmen von Herlinde Koelbl erlauben uns weit intimere Begegnungen: den Blick auf die engste Umgebung der Schreibenden, auf den Moment der Kreativität im privaten Umfeld. Dieser Blick hinter die Kulissen ist gepaart mit den Worten der Dichter, die uns schildern, wie, wo und wann sie schreiben, und die uns so dem Schaffensprozess näher bringen.

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  • Rezension zu "Schreiben!" von Herlinde Koelbl

    Schreiben!

    HeikeG

    14. August 2008 um 16:55

    Vom großen Glück zu schreiben: Autoren über die Schulter geschaut. Bereits im Jahr 1998 erschien ein großartiger Bild- und Interviewband mit deutschsprachigen Schriftstellern und Schriftstellerinnen der Fotografin Herlinde Koelbl. "Im Schreiben zu Haus. Wie Schriftsteller zu Werke gehen" lautete der damalige Titel. Jetzt ist ein "Best Of" daraus erschienen: Schreiben! 30 Autorenporträts, ein schöner, handlicher Band, der um einiges preiswerter als das großformatige Original angeboten wird. Das Layout wurde modernisiert und die Interviews etwas gekürzt, jedoch im Wortlaut nicht verändert. Neu sind ein Günter-Grass-Porträt sowie das Vorwort Koelbls, in dem sie auf die damaligen Begegnungen noch einmal zurückblickt. Dass Herlinde Koelbl, hinreichend bekannt für ihre mehrfach ausgezeichnete Porträtfotografie und fundierte Interviewführung, immer feinfühlig diplomatisch vorgeht, war bereits in ihrer berühmten Politiker-Langzeitstudie "Spuren der Macht" oder ihren "Jüdischen Porträts" zu sehen. In den Jahren 1997 und 1998 führte die Autorin 30 Gespräche mit deutschsprachigen Autoren: von H.C. Artmann über Elfriede Jelinek bis hin zu Martin Walser. Nur im Schreiben fühl' ich mich zu Haus." (Peter Handke) Herlinde Koelbl besuchte die Schriftsteller an ihrem Arbeitsort und porträtierte dabei nicht nur in wunderbaren Schwarz-Weiß-Bildern die Befragten, sondern lichtete auch Arbeitszimmer und Schreibutensilien ab. Dadurch holte sie die Menschen, die sonst hinter dem Werk (meist) unsichtbar bleiben, in den Vordergrund. Für die Vielzahl der geführten Interviews hat Frau Koelbl offensichtlich weder Aufwand noch Mühe gescheut. Die Interviews entstanden von 1996-1998 in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz, zum Teil erst nach langem Bemühen. Außerdem hat sie "praktisch von fast allen alles gelesen". Unglaublich! Wahnsinn! "Ja", sagt sie, "das war Wahnsinn." Darunter geht es für sie nicht. "Ich finde es schlicht eine Unverschämtheit, wenn man als Fotograf zu einem Schriftsteller kommt, die Sachen nicht gelesen hat, und sagt, den guck ich mir jetzt einfach mal an. Das ist auch eine Respektlosigkeit seinem Werk gegenüber." Was Herlinde Koelbl macht, das macht sie ganz. "Man muss sich entscheiden: Will ich etwas Authentisches oder will ich etwas Artifizielles machen. Aber nicht halb-halb!" Die Fotografin hat sich für das Authentische entschieden. "Am Schreibtisch kann ich ein bisschen fliegen" (Jurek Becker) Verglichen mit anderen spektakuläreren Tätigkeiten geht die literarische Arbeit unscheinbar vonstatten. Schriftsteller sitzen meist allein in irgendeinem Zimmer und schreiben vor sich hin. Zu sehen gibt es dabei nicht viel. Daher ist es umso interessanter zu erfahren, wie sie zu Werke gehen, ob oder wann sie die Muse küsst, ob Schreiben für sie Lust, Euphorie oder Qual, schwere Arbeit oder einfach ein Handwerk ist, das ausgeübt werden will. Die Vorlieben, Rituale und z. T. Obsessionen sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen und ihr schriftstellerisches Werk. Manche Schriftsteller können ohne die vertraute Umgebung nicht arbeiten, andere werden unruhig, wenn sie zu lange an einem Ort verharren und sind eigentlich nur bei häufigem Ortswechsel produktiv. Und jeder favorisiert sein ganz spezielles Schreibwerkzeug. "Die Arbeit am Text ist ein geradezu erotischer Zustand." (Günter Grass) So schreibt Günter Grass am Stehpult und laut: "Ich verstehe Literatur als einen oralen Vorgang", Peter Bichsel oft in Eisenbahnzügen und H. C. Artmann braucht zur Inspiration das Hämmern der Tasten seiner uralten Schreibmaschine. Neben der guten alten Schreibmaschine ist erstaunlicherweise oft noch Bleistift, Füller und Kugelschreiber anzutreffen. Katja Lange-Müller lobt die Handschrift: „Wenn ich das mit der Hand mache, ist es erst einmal sinnlicher." Aber vor allem die Jüngeren setzen auf moderne Computertechnik, für Ingo Schulze ist der Computer gar sein "Herzschrittmacher". Walser im Gegenzug schreibt mit der Hand und schnürt seine Manuskripte mit dem Bindfaden. "Da zeigen sich die Gegensätze nicht nur einer Generation, sondern einer Haltung zum Schreiben", stellt Herlinde Koelbl fest. "Ich brauche Schweigen. Was ich zu reden habe, schreibe ich"(Friederike Mayröcker) Auch die Einrichtung der Arbeitszimmer spricht Bände. Da herrscht bei Friederike Mayröcker wahrhaft pures Chaos, im Gegensatz sterile Kargheit bei H. C. Artmann, Robert Menasse und Peter Handke, wohnliches Ambiente hingegen bei Ingo Schulze oder es gibt das gemütliche Durcheinander bei Bichsel. Neben den Abbildungen der Arbeitszimmer und Porträts der einzelnen Autoren enthält der Band immer wieder Fotografien von arbeitenden Schriftstellerhänden. "Die Künstlerexistenz verhindert, erwachsen werden zu müssen" (Robert Menasse) Die Aussage Hans Magnus Enzensbergers: "Das Interessante an den Schriftstellern sind ihre Bücher. Persönlich sind viele Autoren ausgemachte Langeweiler", bewahrheitet sich beim Lesen dieses Buches überhaupt nicht: Im Gegenteil: Die Menschen hinter ihren Texten sind so spannend wie ihre Bücher. Schreiben! 30 Autorenporträts ist ein hervorragender und sehr empfehlenswerter Bildband zum Schauen, Schmökern, Staunen, Blättern und natürlich Lesen, der das Herz jedes Literaturfreundes höher schlagen lässt. Es ist ein Buch, was hinter die Kulissen blickt und die schöpferische Kraft, die hinter Büchern und Literatur steht, näher bringt und begreif- und sichtbar macht. Wer dieses außergewöhnliche Buch nicht verschenken möchte, der sollte sich selbst damit etwas Gutes tun. Eine bemerkenswerte Ausgabe! "Literatur ist nichts anderes als eine Maske. Nach außen schauen die Masken immer anders aus. Aber in der Maske ist man immer man selbst. Und durch diese Maske reden, das ist Literatur." (Raoul Schrott) Folgende Schriftsteller werden in Schreiben! vorgestellt: Hans Carl Artmann, Jurek Becker, Peter Bichsel, Thomas Brussig, Günter de Bruyn, Hilde Domin, Hans Magnus Enzensberger, Robert Gernhardt, Günter Grass, Durs Grünbein, Peter Handke, Peter Härtling, Wolfgang Hilbig, Ernst Jandl, Elfriede Jelinek, Ernst Jünger, Walter Kempowski, Sarah Kirsch, Brigitte Kronauer, Katja Lange-Müller, Hermann Lenz, Friederike Mayröcker, Robert Menasse, Herta Müller, Christoph Ransmayr, Peter Rühmkorf, Ingo Schulze, Raoul Schrott, Martin Walser und Christa Wolf.

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