Herman Melville Bartleby. Erzählungen

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Inhaltsangabe zu „Bartleby. Erzählungen“ von Herman Melville

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  • Rezension zu "Bartleby. Erzählungen (Benito Cereno - Das Mahl der Armen - Das Junggesellenparadies - Der Geiger - Bartleby - Die Encantadas oder Die verzauberten Inseln)" von Herman Melville

    Bartleby. Erzählungen
    Sokrates

    Sokrates

    03. March 2011 um 09:46

    Bartleby der Schreiber: Unter Literaturwissenschaftlern, so habe ich gelesen, eine schwer zu deutende Materie... Melville's Kurzgeschichte erzählt aus der Perspektive eines Anwalts dessen Erlebnisse mit seinem Schreiber Bartleby. Zunächst kommt Bartleby seinen Aufgaben nach, aber schon als er seine Schriften nochmals mit seinem Chef durchgehen soll, meint er mit Nachdruck "Ich möchte nicht". Immer mehr seiner Aufgaben lehnt Bartleby ab mit der immer gleichen Begründung "Ich möchte nicht". Am Ende arbeitet er garnicht mehr, bleibt den ganzen Tag in der Kanzlei, sein Chef versucht ihn zunächst zum Auszug zu bewegen, geht aber schließlich selbst, da sich Bartleby keinen Deut bewegt. Dass die Geschichte traurig endet, kann sich jeder denken (sollte es aber besser selbst lesen). Ein Melville, der einem nicht aus dem Kopf gehen wird! Der Schreibstil ist rund, angenehm und flüssig zu lesen. Melville lässt den verzweifelten Chef die Geschichte seines Schreibers erzählen, zeichnet so den für Dritte nicht nachvollziehbaren leisen, sanften Weg des Widerstands des Schreibers Bartleby. Zunächst muss man schmunzeln, denkt, man liest eine humorvolle Kurzgeschichte, die eine Charakterstudie werden soll. Erst ab der Mitte des Buches kippt die Stimmung ins nachdenklich-resignative, denn als Bartleby immer mehr Arbeiten verweigert, überhaupt nicht mehr redet, teilweise regungslos in der Mitte eines Raumes verharrt, beginnt man über die Ursachen nachzudenken, kann sein Verhalten nicht mehr entschuldigen, denn er liefert nie eine Erklärung. Das Ende bleibt für den Leser unbefriedigend, traurig, freudlos: Melville's (mögliche) Erklärung für das traurige Ende des Bartleby offenbart eine seltsame Sinnlosigkeit. Melville's Erklärung für Bartlebys "Lebensaufgabe", seinen Rückzug aus der Welt, seine stille Verweigerung, ist recht einfach (eine frühere Arbeitsstelle) und gerade diese Einfachheit vermag in ihrer drastischen Wirkung nicht wirklich überzeugen - ich war leicht desillusioniert. Möglicherweise handelte es sich bei Bartleby um einen sehr empfindsamen, ängstlichen und depressiv-veranlagten Menschen --- aber lest selbst! Weitere Erzählungen in diesem Band: Der Erzählband aus dem Reclam-Verlag (DDR) enthält noch die folgenden Erzählungen: Benito Cereno, Das Mahl des Armen und die Brosamen von des Reichen Tische, Das Junggesellenparadies und die Hölle der Mädchen, Der Geiger und Die Encantadas oder der Verzauberten Inseln.

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