Herman van Veen Einige Gedichte

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Inhaltsangabe zu „Einige Gedichte“ von Herman van Veen

Endlich widmet sich Herman van Veen wieder seinen eigenen Gedichten. Nach den einst großen Erfolgen hat er nun endlich wieder die Zeit gefunden, neue, bisher unveröffentlichte Texte zu schreiben und zu interpretieren, die ihm sehr am Herzen liegen. Dabei widmet sich Herman van Veen Themen, die ihn schon seine gesamte Karriere über beschäftigen: der Liebe mit ihren Hochs und Tiefs, der Gesellschaft, dem scheinbar Unbedeutendem, den Kindern u.v.m. Herman van Veen und Edith Leerkes begleiten die Texte musikalisch.

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  • Rezension zu "Einige Gedichte" von Herman van Veen

    Einige Gedichte
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. March 2010 um 11:22

    Wie ein einzelnes langes Gedicht, so hört sie sich durch, diese CD mit dem Titel "Einige Gedichte". So fügen sich die vom Akzent geprägten Worte aneinander. So sprechen alle Gedichte vom Leben, Zusammensein, von der Eigenartigkeit des Seins. Die Texte decken eine Bandbreite von 1976 bis 2009 ab, "bei einigen Gedichten wusste [Hermann van Veen] leider nicht mehr, in welchem Jahr [er] sie geschrieben [hatte]." Eröffnet wird dieser Reigen an Wortmaterial mit einem Gedicht von Boris Pasternak: "Der Saal wird still / Und ich stehe auf den Planken / Ich lehn mich zögernd an die Tür / Und fange auf in fernen Echoklängen / Was in meinem Leben um mich herum passiert." Auch dieser ein Mensch, der sich mit Klavierspiel, Musiktheorie und Komposition auseinandergesetzt hat. Dabei scheinen schon diese wenigen, bereits hier von Klavierspiel begleiteten Worte Pasternaks, die Hermann Van Veen spricht, Ausdruck für ein Vorgehen der folgenden Texte zu sein: Hier geht es um das Empfangen dessen, was im eigenen Leben um einen herum passiert. So haben auch die meisten Gedichte ein explizites lyrisches Ich, dessen Wahrnehmungsperspektive für die einzelnen Situationen Ausgangspunkt für den entstandenen Text ist. Eine gewisse Distanz meint man dabei den einführenden Worten von Pasternak entnehmen zu dürfen, vielleicht eine durch die Weisheit des Alters entstandene Entfernung oder Unnahbarkeit, doch das mag ein eindringlicher und detaillierter Blick auf die folgenden Gedichte bestätigen oder verwerfen. Einleitend und während der gesamten Tonvorführung spielt das Klavier (und einige musikalische Nebeneffekte) neben Hermann Van Veens Worten und bedeutet so eine ganz eigene Kulisse, einen eigenen semantischen Raum. Dabei wirkt die Musik oftmals wie ein Fragezeichen für den Text, sie interveniert in Sprechpausen und konterkariert das Wort durch seine Koketterie, die oftmals im Missklang endet. Lyrik, das Wort kommt aus dem Griechischen, bedeutet letztlich: "die zum Spiel der Lyra gehörende Dichtung". Mit dieser Zusammenstellung könnte man annehmen, dass beide Elemente wieder zusammen gefunden haben. Doch ganz klar ist es hier die zur Dichtung gehörende Musik, die die Worte unterstreicht, die einzelnen Texte ein wenig von einander abgrenzt. Das "Haupthörmerk" liegt auf den gesprochenen Worten. Ein Begleitheft mit den zumeist recht kurzen Texten liegt der CD leider nicht bei. Anfangs dachte die Rezensentin, das sei wirklich schade, wollte die Wörter vor sich haben, sie in ihrer geschriebenen, auch formalen Form vor sich wissen, und sie selbst auf sich wirken lassen. Doch mit jedem Mal hören, mit jedem einzelnen Gedicht mehr, glaubt die Rezensentin den Erzähler in Herman Van Veen zu entdecken. Einen Menschen, der dieser alten Tradition des mündlichen Erzählens nachgeht. Der Titel der CD ist auch ganz schlicht "Einige Gedichte". Bis zum 18. Jahrhundert war dieser Begriff noch nicht nur der Poesie vorbehalten. Man bezeichnete alles schriftlich Abgefasste als Gedicht. So, wie auch das Wort Dichtung, letztlich auf ein verdichtetes sprachliches Werk hinweist, auf die Kunstform des Wortefindens. Wenige Worte machen hier oftmals ein Gedicht aus, kaum 14 Sekunden lang ist zum Beispiel der Text, der dem Pasternak-Gedicht folgt und es postuliert im Titel: "Man hat nichts." Um das Erzählen geht es da. Wer hat etwas zu erzählen, worüber erzählen wir? Ist das Erzählen eine allgemeine menschliche Konstruktion? Mit all dem mag man sich sehr oft nach den winzigen Gedichten, die so viele Fragen aufwerfen, konfrontiert sehen. Gut so. Das geringe Wort hinterlässt manchmal mehr als das lange, epische, ausformulierte, pointierte Gedicht es zu tun vermag. Und dann, einige Gedichte weiter, ja, da ist es, Van Veen beschäftigt sich tatsächlich mit dem Alter. "Ich wach noch nicht auf", ein Text aus dem Jahr 2008, konstatiert, wo man steht, wer man ist, wie man noch funktioniert, im Verhältnis. Und gerade in diesen "Ich-kann-noch"-Phrasen erkennt sich der Hang zum kommenden Unvermögen, dem Nachlassen, das im Alter wohl wartet. Dabei werden ganz alltägliche Szenerien zu poetischen Ausdrucksmöglichkeiten, die genau darum auch funktionieren. Weil sie so nah sind, weil sie so greifbar sind. Und doch, manchmal findet man auch ein Urteil in den Gedichten, wie auch hier: "So gut wie es früher war, ist es früher nicht gewesen." Und die wirken nicht belehrend, die sind lebenserprobt. Deshalb nimmt man sie als echt wahr und möchte dieses oder jenes Gedicht noch einmal hören. Auch, weil die niederländische Stimmfarbe gefällt und den etwas tristen Ton der Gedichte in einem weichen Klangbett auffängt. Es ist also immer eine Ich-Perspektive, die den Leser erwartet? Ja, durchaus, aber sie ist jedes Mal anders, jedes Mal ein wenig neu nuanciert. Vor allem auf die kleinen Dinge ausgerichtet, in die Details verliebt. Da sollte man genau hinhören. Denn manchmal mag man dazu neigen, der nostalgischen Stimmung hinterherzulaufen, die sich gar nicht als solche entpuppt. Und immer wieder ist das Gedicht auch ein Gespräch mit einem Anderen, noch einem mehr als dem Leser. Dieses Gespräch sucht nach der anderen Perspektive, fragt nach der Wahrnehmung, die doch nie enthoben oder klar objektiv sein kann. " [...]Sah mich da liegen / eine tote Amsel / auf dem Gartenweg / Konnte überall hin / wie etwas, das es nicht gab / quer durch die Wände [...]" Fast möchte man sagen, dass dies Gedichte sind, die dem magischen Realismus entspringen, sind sie ja auch nicht in allererster Linie auf eine stark verdichtete und metaphorische Sprache ausgerichtet, sondern bestechen durch ihren Inhalt, die oftmalige Einfachheit der Wörter, die eine Stimmung ergeben und das Wundersame des Lebens preisen oder verwerfen. "Wenn du willst / schicke ich dir einen Clown aus Papier / der dir die Tränen trocknet /[...]" Das sind die ersten Zeilen eines Gedichts mit dem Titel "Wenn du willst" aus dem Jahr 1972. Wenn der Leser dies möchte, dann kann er in so manch kontemplativem Moment zu dieser CD greifen, um sich von Hermann Van Veen durch die Jahre hindurch einmal fremdbefragen zu lassen. Der eine oder andere Papierclown wird ganz sicher darunter sein.

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