Hermann-Josef Rapp Baumriesen und Adlerfarn

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Inhaltsangabe zu „Baumriesen und Adlerfarn“ von Hermann-Josef Rapp

Das bekannteste Waldstück Deutschlands, das Naturschutzgebiet „Urwald Sababurg“ mitten im nordhessischen Reinhardswald, steht im Jahre 2007 seit hundert Jahren unter Schutz. Dies ist der geeignete Anlass, um in einer Gemeinschaftsarbeit von 20 anerkannten Experten die Entwicklung dieses Kleinods, seine außergewöhnlichen ökologischen Aspekte aus Flora und Fauna, seine Wechselwirkungen zu den Menschen sowie seine grandiosen Landschaftsbilder geprägt von alten, mächtigen Bäumen und hohem Wildnischarakter zu dokumentieren. Mit Beiträgen von Eckard Braun, Helmut Burmeister, Leo Flatau, Dr. Petra Fischer, Dr. Bettina Günzl, Prof. Wolfgang Hetsch, Walter Keitel, Dr. Klaus Olischläger, Hermann-Josef Rapp, Harald Reubert, Prof. Dr. Gerd Rohmann, Peter Schirmer, Prof. Dr. Gunter B. Schlechte, Dr. Marcus Schmidt, Heinz Siebert, Bernd Steiner, Dr. Jochen Tamm, Prof. Dr. Hardy Vogtmann und Dr. Gunnar Waesch.

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  • Rezension zu "Baumriesen und Adlerfarn" von Hermann-Josef Rapp

    Baumriesen und Adlerfarn
    wolfschwerdt

    wolfschwerdt

    19. May 2010 um 14:18

    100 Jahre Denkmalschutz in Preußen, dieses Jubiläum feierte man 2006, als das Buch Baumriesen und Adlerfarn erschien. 2007 feierte man 100 Jahre Naturpark „Urwald Sababurg“, den Grund für das Erscheinen dieses außergewöhnlichen Buches. Der seit hundert Jahren mehr oder weniger sich selbst überlassene Wald ist wild, romantisch und zauberhaft. Aber es ist kein Urwald. Denn unberührt, also im Urzustand ist der Wald spätestens seit dem Mittelalter nicht mehr. Im Gegenteil, Das Waldgebiet, in alten Quellen auch als Hammelhute, Kuhberg oder Hutewald bezeichnet, wurde von den Bauern als Viehweide genutzt. Brenn- und Bauholz lieferte der Wald, Nahrungsmittel, Bast oder Eichenrinde zum Gerben. Die Waldnutzung war so intensiv, dass von der Obrigkeit immer wieder regulierend eingegriffen werden musste. Als der Wald schließlich auf Initiative des zu seiner Zeit bekannten Malers Theodor Rocholl von der gerade erst gegründeten Preußischen Denkmalschutzbehörde unter Naturschutz gestellt wurde, da war es ein lichter Wald mit imposanten einzeln aus Gebüsch und Unterholz herausragenden Bäumen. Bis heute hatte sich das Gebiet mehrfach verändert und auch bis zur völligen sich selbst Überlassung war es noch gewissen Nutzungen unterworfen. Die 20 Autoren, die das Buch Baumriesen und Adlerfarn mit hochwertigen Texten füllen, haben jeder für sich einen ganz persönlichen aber auch professionellen Bezug zu diesem Stück Natur. Leidenschaftlich und sachlich zugleich setzen sich die Autoren unter ganz verschiedenen Blickwinkeln mit dem Urwald Sababurg auseinander. Da ist die Geschichte des Naturschutzes, die Rolle des Malers Rocholl auch vor dem Hintergrund des sich damals verdichtenden völkischen Gedankens ebenso wie die vielhundertjährige Nutzungsgeschichte des Waldes nur ein Aspekt, der den Leser aber immer dichter an den eigentlichen Gegenstand des Interesses, den Urwald Sababurg im Besonderen und den Wald im Allgemeinen heranführt. Überblicksartig erfährt der Leser etwas über den großen Brand von 1933, die archäologischen Denkmale, die im Waldboden verborgen sind, die Besonderheiten der Jagd, die Infrastruktur und nicht zuletzt über das Alter und die Größe der Bäume des Urwaldes Sababurg, die von Besuchern gern überschätzt werden. Nach den Kapiteln, die die Entwicklung vom Hutewald zum Urwald darstellen, betritt der Leser mit spanndenden Ausführungen zur Geologie, und Chemie des Waldbodens sowie der kompetenten Beschreibung des vielfältigen Lebens vom und im toten Holz zumindest verbal erstmals den Urwald Sababurg. Die sehr ausführlichen Darstellungen zu Flora und Vegetation sind unglaublich faszinierend. Man taucht ein in die Welt der Farne und Gräser, der Moose und Flechten der Pilze und schließlich auch der Tierwelt. Es ist kaum zu fassen, wie faszinierend Insekten sein können und natürlich dürfen auch Fuchs, Wildkatze, Wildschweine, Marder und Waschbären nicht fehlen. Durch die zahlreichen hervorragenden Fotos, die die Texte sehr anschaulich illustrieren, kann man sich als Leser förmlich im Urwald Sababurg verlieren. Bei aufmerksamer Lektüre des Buches wird dem Leser schnell klar, dass dieser Wald noch längst kein Urwald im Sinne eines weitgehend stabilen Gleichgewichtes ist. Er ist im Wandel, seit seiner Unter Naturschutz Stellung und er wird es noch einige hundert Jahre lang sein. Die Flora und Fauna, die Heute dort beobachtet werden kann, ist eine andere als die vor 20, 30, 50 oder hundert Jahren und auch in Zukunft werden Arten in diesem Gebiet verschwinden, während andere neu hinzukommen. Und wer das alles ganz genau nachvollziehen möchte, der findet hervorragende tabellarische Übersichten am Ende des Buches. Hier findet man die Beschreibung wichtiger Vegetationstypen mit den im Gebiet charakteristischen Pflanzenarten, die Artenliste der Gefäßpflanzen einschließlich der Veränderungen im Laufe der Zeiten, Die Artenliste der Moose, Flechten und Pilze und seltener Holzkäfer. Dass die Listen auch die jeweiligen Lebensräume und –bedingungen beinhalten versteht sich von selbst. Denn die Entwicklung des Waldes mit all seinen Facetten war im Laufe der letzten 100 Jahre weitgehend systematisch erfasst und wissenschaftlich ausgewertet worden. Und ein Teil der Ergebnisse wird in diesem vielseitigen Buch präsentiert. Dieses Buch, in dem sich Autoren auch über die verschiedenen Aspekte des Verhältnisses zwischen Urwald Sababurg und Öffentlichkeit Gedanken machen, ist trotz seiner reichhaltigen vierfarbigen Bebilderung, der eingängigen Texte und der zusätzlichen englischen Zusammenfassungen der Kapitel auf „nur“ knapp 200 Seiten nicht schnell einmal durchgelesen. Man muss es immer wieder in die Hand nehmen, und jedes mal findet man etwas Neues, das man gerne mit auf seine Spaziergänge in die Natur nimmt. Das Buch ist jedenfalls weit mehr als nur eine Ode auf den Urwald Sababurg.

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