Hermann Bahr

 3,8 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor*in von Die gute Schule, Das Konzert. und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Hermann Bahr (1863–1934) war Schriftsteller, Essayist und Kritiker sowie unermüdlicher Anreger und Förderer der Strömungen der Moderne und Wortführer der österreichischen Literatur der Jahrhundertwende (das »Junge Wien«).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hermann Bahr

Cover des Buches Die Rotte Korahs (ISBN: 9783903798298)

Die Rotte Korahs

(1)
Erschienen am 25.05.2015
Cover des Buches Briefwechsel (ISBN: 9783835312173)

Briefwechsel

(0)
Erschienen am 09.09.2013
Cover des Buches Die Mutter (ISBN: 9781279578353)

Die Mutter

(0)
Erschienen am 07.04.2012
Cover des Buches Expressionismus (ISBN: 9783954555369)

Expressionismus

(0)
Erschienen am 12.11.2013
Cover des Buches Leander : Erzählungen. (ISBN: B0026LBU32)

Leander : Erzählungen.

(0)
Erschienen am 01.01.1986
Cover des Buches Die gute Schule (ISBN: 9783548241616)

Die gute Schule

(3)
Erschienen am 01.02.1999
Cover des Buches Sanna (ISBN: 9781145312067)

Sanna

(0)
Erschienen am 23.02.2010

Neue Rezensionen zu Hermann Bahr

Cover des Buches Die gute Schule (ISBN: 9783548241616)
M

Rezension zu "Die gute Schule" von Hermann Bahr

Malte_Hermann
Sinnliche Krise eines Künstlers – Mein Erlebnis mit Hermann Bahrs Die gute Schule

Als ich Hermann Bahrs Roman Die gute Schule. Seelenstände las, betrat ich eine Welt, in der ästhetische Leidenschaft, psychologische Zerrissenheit und Gesellschaftskritik auf packende Weise verschmelzen. Der Text, erschienen 1890, erzählt die Geschichte eines jungen Wiener Malers, der sich im Pariser Künstlermilieu der Weltausstellung verliert – eine Suche nach Ausdruck, Liebe und Selbstzerstörung. (Mehr Rezensionen: https://love-books-review.com/de/)

Die Hauptfigur flieht vor ihrer eigenen Kunstunfähigkeit in exzessive erotische Erlebnisse und scheitert letztlich auch in der Liebesbeziehung zu Fifi, die gleichzeitig Quelle tiefster Sehnsucht und Zerstörung ist. In dieser Erfahrung spürt er, dass große Gefühle oft große Irrtümer sind. Die Sprache Bahr überträgt mir diese emotionale Unruhe: sie ist sinnlich, psychologisch intensiv und von einem Dekadenzgefühl geprägt, das zwischen Nietzsche und Freud verortet ist.

Beim Lesen habe ich mich gleichermaßen fasziniert wie verstört gefühlt – allein die Darstellung der Seele in Bewegung, im Kampf zwischen Rausch und Erkenntnis, erzeugte in mir ein tiefes Nachhallen. Bahr beschreibt die Gefühlsdynamik nicht linear, sondern als Bewegung im Inneren: das Entstehen, Vergehen und Wiederkehren von Emotionen, bevor sie bewusst werden.

Die gute Schule ist für mich keine leichte Unterhaltung, sondern ein psychologischer Tauchgang in die Herzen junger Künstler. Es ist ein Roman, der nicht nur eine Zeit spiegelt, sondern ein Lebensgefühl – voll widersprüchlicher Vitalität und schmerzlicher Erkenntnis.

Cover des Buches Die Rotte Korahs (ISBN: 9783903798298)
Olaf_Ls avatar

Rezension zu "Die Rotte Korahs" von Hermann Bahr

Olaf_L
Erhellend!

Ich habe dieses Buch in einer Ausgabe aus dem Jahr 1948 zufällig auf einem Flohmarkt gefunden. Vom Autor kannte ich bis dahin nur ein dünnes Bändchen, betitelt schlicht "Wien" (auch lesenswert!); ansonsten kannte ich Bahr nur dem Namen nach, als einflußreiche, leicht exzentrische Figur aus der Wiener Zeit des Fin de siecle und als (selbsternanntes) Oberhaupt des "Jungen Wien". Aus diesem Kreis kennt man heute wohl noch Hugo von Hofmannsthal, Felix Salten und v.a. Arthur Schnitzler. Vom recht umfangreichen Prosa-Schaffen Bahrs kannte ich bisher aber nichts. "Die Rotte Korahs" beschäftigt sich vor allem mit einem Thema: Dem Antisemitismus. Schon 1917/18, als das Buch entstand und auch spielt, ein großes Thema. Bahr war wie vielleicht kein zweiter berufen, darüber zu schreiben; schließlich waren die genannten Autoren des Jungen Wien alle jüdischer Herkunft, er selbst aber nicht.

Hauptfigur ist Ferdinand, ein junger Mann aus dem Kleinadel Österreichs, der sich gerade von einer schweren Kriegsverletzung erholt. Die 12 recht langen Kapitel bestehen hauptsächlich aus Dialogen von Ferdinand mit Verwandten und Freunden, meist unter vier Augen. Dramatische Handlung gibt's sehr wenig; das ist auch mein Haupt-Kritikpunkt an dem Buch. Als langatmig empfand ich es dennoch nie: Die Charakterzeichnung Bahrs ist brillant, und selbst bei den meisten Gegenwarts-Büchern hatte ich nie so oft das Gefühl, auf wohlbekannte Charaktere zu stoßen. Hat sich wirklich so wenig geändert in den letzten 100 Jahren?

Eine Hauptfigur des Buches tritt nie persönlich auf: Jason, einst Jakobsohn, ein jüdischer Kriegsgewinnler von sagenhaftem Reichtum. Als dieser plötzlich stirbt, erfährt Ferdinand, dass er dessen natürlicher Sohn und einziger Erbe ist.

Damit verrate ich nicht allzu viel, denn hauptsächlich geht es im Buch darum, wie Ferdinand mit dieser Neuigkeit umgeht, wie er sich zu entscheiden versucht, ob er das Erbe annehmen oder ablehnen soll. Zu seiner Überraschung rät ihm fast jeder dazu, es anzunehmen, und selbst die größten Antisemiten in seinem Freundeskreis wollen es ihm nicht zum Vorwurf machen, dass Ferdinand nun ein Jude sein könnte/ sollte.

Ich kann hier die Argumente nicht im Detail rekapitulieren; nur so viel: Was Bahr zum Thema Antisemitismus zu sagen hat, gehört mit zum Erhellendsten, was ich je zu dem Thema gelesen habe. Freilich, ganz ist er auch nicht von Vorurteilen frei; das zeigt sich v.a. an der Zeichnung des Dr. Beer, eines brillanten jüdischen Chirurgen. Nicht gerade ein sympathischer Charakter! Aber Schurken und Helden gibt es in diesem Buch ohnehin nicht; es geht auch nicht um dramatsische Auseinandersetzungen oder gar 'Action', sondern innere Konflikte und gesellschaftliche Strömungen. Wer sich für die Spätzeit des K.u.K.-Reiches interessiert, für den ist dieses Werk eine Pflichtlektüre. Hätte eine Neuauflage verdient!

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