Hermann Borgerding Mein Mittelfinger dem Krebs

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Mein Mittelfinger dem Krebs“ von Hermann Borgerding

„Manchmal ersetzt ein Gedicht einen Roman manchmal eine Bananenflanke, manchmal eine volle Rechte ans Glaskinn Ein Gedicht, das ist Leben Und davon kann ich nie genug kriegen“ Als der Underground-Dichter Hermann Borgerding 2007 an Mundhöhlenkrebs erkrankt, beschließt er zu kämpfen und wieder intensiv zu schreiben. Die Gedichte dieser Sammlung beschreiben unter anderem das Unbeschreibliche der Krankheit. Sie thematisieren Niederlagen, Siege und die Kraft der Musik. Diese Gedichte erzählen aber auch vom Leben und von der Liebe und von der Macht der Poesie. Borgerding will die Herzen der Menschenerreichen. Manchmal schafft man das eben nur mit einem Tritt in den Unterleib. Schonungslos. Ehrlich. Voller Wärme.

Stöbern in Gedichte & Drama

Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke

Egal was für eine "Krankheit" man auch hat, Erich Kästner kuriert einen schneller als man denkt :P

Vanii

Des Sommers letzte Rosen

Insgesamt eine schöne Sammlung von Gedichten, die einen guten Einblick in die Landschaft deutscher Dichtkunst vermittelt.

parden

Quarter Life Poetry

Lustige Erzählungen und nette Unterhaltung! Tiefgründigkeit hat gefehlt.

Bambisusuu

Eine Wiege

ein erinnerungsbuch für einen schönen lesetag angela krauß hat eine rede in versen geschrieben, kein wort ist zuviel und kein wort fehlt

frauvormittag

Frühlingsregen

Eine psychedelische Reise in die Welt des Magischen. Aufgefangen durch die surreale Tradition.

Fritz_Nitzsch

Kolonien und Manschettenknöpfe

Ein wirrer, irrer Lyrikband, der einen sprachlich durch die Bank weg in Atemberaubendes und Luzides entführt.

Trishen77

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Mein Mittelfinger dem Krebs" von Hermann Borgerding

    Mein Mittelfinger dem Krebs

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. April 2011 um 23:55

    Inhalt: 47 Gedichte + 1 anstelle eine Vorwortes. Meinung: Wenn ich richtig liege, ist dies die erste Veröffentlichung seit "Die Leichen werden wohl warten müssen", 2007, von Hermann Borgerding. Das Titel gebende Gedicht ist auch in diesem Band vertreten. Der 2007 an Mundhöhlenkrebs erkrankte Dichter arbeitet hier seine Ängste und Hoffnungen auf, die mit der Diagnose einher gingen. Wie schon bei seinen früheren Arbeiten, nimmt er kein Blatt vor den Mund und legt seine Gefühle offen vor uns hin. Dabei ist er jedoch immer kämpferisch, niemals jammernd und manchmal, wenn er meint vielleicht ein wenig zuviel aufgetragen zu haben, beschließt er lakonisch: "Ich habe Krebs/ich darf so etwas schreiben:" (Station 17 Zimmer 8) Hermann hat den Schlag hingenommen, hat ihn eingesteckt und teilt jetzt wieder aus. Denn bei einem ist er sich sicher: "Wie das endet/ist mir egal/…/hoffe nur/dass es noch lange weiter gehen wird" (Wie das endet) Dabei kann er jederzeit wütend werden, melancholisch, aber er behält seinen Humor, er bleibt über Wasser, wenn er schreibt: "Ich habe fünf Abstiege des VfL Bochum überlebt/da lasse ich mich doch nicht von Krebs besiegen" (Die Leichen werden wohl warten müssen) Das Hermann dabei ganz und gar nicht nur auf Papier beschränkt bleibt, habe ich auf der Monsters of Poetry Tour 2009 erfahren, als er gerade frisch mit neuen Zähnen bestückt mit uns mit fuhr und dem Krebs seinen gestreckten Mittelfinger darbot. "Viel zu früh", wie er in "Die Geduld in Person" beschreibt, aber größtenteils immer auf der Höhe. Er schreibt auch über Rock and Roll, über die Liebe und auch die Politik kommt nicht zu kurz. Er ist wieder da, spürt den Herzschlag der unruhigen Tage und Nächte, den Zwang zu schreiben. Er ist wieder da, denn: "Manchmal ersetzt ein Gedicht einen Roman/manchmal eine Bananenflanke, manchmal/eine volle Rechte ans Glaskinn/Ein Gedicht/das ist Leben/Und davon kann ich nie genug kriegen" (Dichter und Gedichte) Im Herbst 2011 soll der Roman erscheinen, in dem er ausführlicher seine Krebserkrankung schildert.

    Mehr
  • Rezension zu "Mein Mittelfinger dem Krebs" von Hermann Borgerding

    Mein Mittelfinger dem Krebs

    Urs_Boeke

    30. March 2011 um 18:12

    Vielleicht müsste es nicht so sein, doch Fakt ist, daß die meisten Frauen irgendwann die Schnauze voll haben und gehen. Fakt ist außerdem, daß kein Job und keine Arbeit für die Ewigkeit gemacht ist, weil all das viel zu wenig wäre. Fakt ist außerdem, daß all die Alltagsnöte und kleinen, bescheidenen Sorgen nichts weiter sind als Fürze im Wind, wenn das Schicksal –oder eher der Zufall?- tatsächlich einmal zuschlägt. Und genau diesen Schlag ab bekam im Jahr 2007 der Bochumer Dichter Hermann Borgerding. Die Diagnose hieß Mundhöhlenkrebs und ließ alles weitere verständlicherweise in den Hintergrund treten. Verarbeitet hat Borgerding das Dilemma der Krankheit in Prosa ebenso wie in den hier vorliegenden Gedichten: „Es gab mal Zeiten/ da hatte ich einen Oberkiefer/ und Zähne im Mund...“ – und Borgerding erzählt es so, als ob es um die letzten Urlaubserinnerungen oder ähnliche Belange ginge, er erlaubt sich den Luxus, in seiner innerlichen Schreibe lakonisch zu bleiben, um Betroffenheit nicht zu Kitsch oder Selbstmitleid verkommen zu lassen: „Ich glaube am meisten vermissen/ werde ich die Zigaretten“ um im gleichen Text „All that heaven allows“über den vielleicht nahenden Tod zu fragen: „Es wird keine Befehle geben/ und keine Erniedrigungen/ und niemanden/ der Geld zählt/ aber eine Sache interessiert mich dann doch:/ werde ich meine Tarantino-Filme dort sehen können?“ Und beinahe Erstaunen überfällt den Rezensenten just, wenn Borgerding zwischen Operationen, neu modellierten Kiefern, Chemotherapie und Traurigkeit seinem Geist und seiner (politischen) Wut freien Lauf lässt, weil er weiß, daß er nicht allein ist auf dieser von Krebs zerfressenen Welt. Er ist zornig, ein verletzlicher, körperlich scheintoter Dichter, der nur noch das Wort hat, um zu kämpfen: „Lasst die Freaks nach vorne/ die Punker, die Hippies, die Rocker/ und all das Gesocks/ die Süchtigen und die Behinderten/ und die Armen und die Kranken.“ Borgerding schreibt weiter von Hoffnungen, Träumen, Seifenblasen (die er immer noch im Schädel hat) und –mehrfach- von der Liebe. Das ist äußerst menschlich und das ist über jedes Limit hinaus, wenn man den Zeitpunkt der Entstehung der meisten Gedichte bedenkt. Und dann, ganz heimlich, findet er in all dem Elend noch zurück zu typischen Ruhrpott-Humor, wenn er mit seinen eigenen Gedichten und Themen kokettiert: „Ich nehme mir vor/ Krebsgedichte zu reduzieren...“ um schließlich doch noch Gewißheit zu haben, die vielleicht auch Weisheit ist: „Ich habe Krebs/ ich darf so etwas schreiben:/ das Leben ist schön/ jeder Tag ist ein Geschenk/ und es lohnt sich/ ich weiß/ das ist pathetisch und kitschig/ deshalb ist es/ trotzdem wahr.“ Dieser Band beinhaltet Gedichte. Das ist für die meisten Menschen nicht viel. Aber manchmal eben doch alles. Urs Böke

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks