Hermann Hesse »Eine Bresche ins Dunkel der Zeit!«

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Inhaltsangabe zu „»Eine Bresche ins Dunkel der Zeit!«“ von Hermann Hesse

Wohl keine Zeitspanne brachte so viele Veränderungen in das Leben des Dichters wie die Jahre von 1916 bis 1923. Obwohl Hermann Hesse das Deutschland des letzten Kaisers bereits 1912 für immer verlassen hatte, war er nach wie vor Staatsbürger des inzwischen kriegführenden Landes und musste jederzeit mit der Einberufung an die Font rechnen. Durch die Gründung der Berner Fürsorgezentrale zur Versorgung der deutschen Kriegsfangenen mit guter Lektüre entging er diesem Los, doch um den Preis, bis 1919 fast ganz auf seine dichterische Produktion verzichten zu müssen. Wie er mit Hilfe der Psychoanalyse, einem Pseudonym für seine Mahnrufe zur Völkerversöhnung, der explosiven Niederschrift des »Demian« und dank seiner ersten Malversuche die daraus resultierenden Krisen zu überwinden vermochte, illustrieren diese Briefe. Zugleich zeigen sie den damit einhergehenden Schiffbruch seiner ersten Ehe, den Neubeginn im Tessin als expressiver Maler und Verfasser der dramatischen »Klingsor«-Novellen sowie seiner den Eurozentrismus überwindenden indischen Legende »Siddhartha«.

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    »Eine Bresche ins Dunkel der Zeit!«

    michael_lehmann-pape

    27. May 2015 um 12:12

    Umbruch und Neuorientierung Nicht nur, aber gerade auch für Hesse selbst waren die Jahre zwischen 1916 und 1923 Zeiten des Umbruchs. Zeitenwenden durch den verlorenen Krieg, Zerstörung der intellektuellen Hoffnung der Einigung Europas durch die „Dichtkunst“, die Bearbeitung der Zerrissenheiten in seiner Person, die Verarbeitung des „Gesamten“ in einem Roman („Damian“) und di Neu-Orientierung in dieser Welt, all das stand für Hesse „Auf dem Programm“ und all das lässt sich in seiner ausführlichen und breiten Korrespondenz jener Jahre nachverfolgen. Der, der sich 1914 noch dringend hat einberufen lassen wollen für die deutsche Seite des Krieges, beendet diese Phase auch mit einem „Nationenwechsel“, 1923 wird Hesse Schweizer Staatsbürger. Dennoch, gerade die Jahre des ersten Krieges erlebten auch eine andere Fokussierung Hesses. Vom Dichter weg zum „helfenden Organisator. Eine Zeit aber, vor allem, geprägt von privaten Umbrüchen und einer Reflexion seiner selbst. Der Tod des Vaters, die immer klarer zutage tretenden Distanzen zu seiner Ehefrau und die eigene , innere Depression, die immer stärker zu Tage trat. Eine Zeit ebenso, in der Hesse sich in psychoanalytische Behandlung begab. Wichtige Ereignisse und Entwicklungen, die Hesse zwar nicht explizit und breit zum Thema seiner vielfachen Korrespondenz machte, deren Auswirkungen aber im Hintergrund so manches seiner Briefe erkennbar mitschwingt. So passt der Untertitel dieser kommentierten Briefsammlung durchaus in vielfacher Hinsicht, denn „Breschen ins Dunkel der Zeit“ hatte Hesse in mehrfacher Hinsicht zu erleben und selbst zu schlagen. Mit Rückschlägen, durchaus. Denn sein hoffnungsfroher Blick auf den „Neubeginn“ nach Ende des Krieges trübte sich nicht lange danach, sein schriftstellerisches Agieren gegen den „Kadavergehorsam“ vermochte es nicht, sich gegen die „Dolchstoßlegende“ und damit gegen ein rückwärts gerichtetes, unverändertes Denken Gehör zu verschaffen. „Um einen Neubeginn zu wagen, war ein Abschied von allem bisher Überlebten nicht zu umgehen“. Eine überaus spannende und in sich Veränderungsträchtige, ,zu sich selbst findende, den „späteren Hesse“ ausprägende Phase also ist es, welche diese Briefe begleiten und deren Befindlichkeiten in ihnen zum Ausdruck kommen (in aller manchmal auch Alltäglichkeit des Schriftverkehrs und der mannigfaltigen Themen und Anlässe, zu denen Hesse seine Briefe schrieb). Von den letzten Kriegsjahren bis zu Hesses endgültigem Neubeginn im Tessin re4ichen diese Jahre und lassen sich, nicht zuletzt ob der hypnotischen Kraft seiner Sprache und seines konzentrierten, immer auf das genau Gemeinte reduzierten Umganges mit dem Wort in seinen persönlichen Ausdrucksformen jener Zeit finden. Das Buch beginnt „mitten drin“ und führt sofort in die Briefe Hesses ein, die den größten Teil des Werkes ausmachen, bevor zum Ende hin zu ausgewählten Briefen nähere Erläuterungen erfolgen und, ganz am Schluss, ein biographischer Blick auf jene Jahre die entscheidenden Faktoren und Ereignisse jener Lebensjahre erläuternd in den Blickpunkt rücken. „Ich lebe seit langem ganz als Einsiedler und es wird wohl noch eine Weile dauern“. Eine sehr zu empfehlende Lektüre, um dem Mann und dem Werk Hesses näher zu kommen und ein Zeitzeugnis über Veränderungen der Welt und der Weltsicht Hesses im Großen wie im Kleinen.

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