Hermann Hesse Klingsors letzter Sommer

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Inhaltsangabe zu „Klingsors letzter Sommer“ von Hermann Hesse

Geschildert werden die letzten Lebensmonate eines Malers, dessen Lebensgier und Schaffensrausch an die Intensität Vincent van Goghs erinnern, seinen Wettlauf mit dem Tod, den er mit immer neuen und waghalsigeren Bildern zu überrunden versucht.

Unbedingt lesenswert. Nicht allzu lang, aber dafür hat es das Buch in sich. Wirkt nach. Braucht Zeit. Hat Nachgang.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Farbexplosionen und Todesangst...

    Klingsors letzter Sommer

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    FARBEXPLOSIONEN UND TODESANGST... In 'Klingsors letzter Sommer' kommt das ekstatische Lebensgefühl einer ganzen Generation zum Ausdruck. Geschildert werden die letzten Monate eines Malers, dessen Schaffensrausch an die Intensität Vincent van Goghs erinnert. Eine dramatische Szenenfolge zeigt Klingsors Wettlauf mit dem Tod, den er mit immer neuen und waghalsigeren Bildern zu überrunden versucht. "Die kleine Palette voll reiner, unvermischter Farben von hellster Leuchtkraft, sie war sein Trost, sein Arsenal, sein Gebetbuch, seine Kanone, aus der er nach dem bösen Tode schoß." (S. 66) Als Kind spielte Klingsor mit seinen Freunden gerne 'Sheriff und Indianer': jeder hatte zehn Leben, und immer wenn man getroffen wurde, verlor man eines, bis man gar keines mehr hatte. Klingsor wollte immer seine zehn Leben behalten, keines davon abgeben, sonst war es nichts wert. Und so lebte er auch sein wirkliches Leben. Wie eine Kerze, die an beiden Enden gleichzeitig abgebrannt wurde. Bis er nicht mehr konnte, zusammenbrach und sich einigelte. Doch kaum ging es ihm wieder besser, schöpfte er wieder aus dem Vollen: schlief kaum, malte jede Minute des Tages, feierte des abends mit viel Wein, und gerne versüßte er sich die Nächte mit einer Geliebten. Er weiß selbst, dass es besser wäre, es anders zu handhaben - aber er kann einfach nicht anders. "Vielleicht, wenn man eine Reihe von Nächten wirklich schlafen würde, sechs oder acht Stunden richtig schlafen, so würde man sich erholen können, so würden die Augen wieder gehorsam und geduldig sein, und das Herz ruhiger, und die Schläfen ohne Schmerzen. Aber dann war dieser Sommer vorüber, dieser tolle flackernde Sommertraum, und mit ihm tausend ungesehene Liebesblicke gebrochen, tausend unwiederbringliche Bilder ungesehen erloschen!" (S. 11) Er betäubt sich mit Arbeit, mit Schaffen, mit Wein, mit Geselligkeit - und doch ist er durchdrungen von Todesahnungen, Todesangst. Seine Freunde können ihm nicht helfen, die Ablenkungen sind nur von kurzer Dauer, die Melancholie hat ihn fest im Griff. Ein letztes Bild will er noch malen, all sein Leben, all seine Erkenntnis, all seine Sehnsüchte darin ausdrücken - dem Tod ein letztes Schnippchen schlagen. Ich habe eine sehr alte Ausgabe dieses Erzählbandes, auf dem Umschlag ein farbenfrohes Aquarell von Hesse selbst - er schrieb ja nicht nur, sondern malte auch. Die Ahnung, dass auch in diesem Band Hesses viel Autobiografisches mitschwingt, wurde noch durch handschriftliche Randbemerkungen des Vorbesitzers bestätigt. Hesse, selbst häufig schwermütig und melancholisch, drückt Klingsor eindeutig seinen Stempel auf. Wenn den Randbemerkungen zu trauen ist, tauchen auch - unter anderem Namen - einige Menschen in der Erzählung auf, die in Hesses Leben eine wichtige Rolle spielten. In dieser Erzählung hat man als Leser manchmal das Gefühl, in Farben geradezu zu ertrinken. Nicht nur die Bilder Klingsors werden so sehr präsent, sondern auch die Gefühlswelt des Malers werden dergestalt verdeutlicht. "Tief biß er sich fest im verschossenen Lila einer Zeltborte, im freudigen Grün und Rot der schwerfälligen Wohnwagen, in den blau-weiß gestrichnen Gerüststangen. Grimmig wühlte er im Kadmium, wild im süßkühlen Kobalt, zog die verfließenden Striche Krapplack druch den gelb und grünen Himmel. Noch eine Stunde, oh, weniger, dann war Schluß, die Nacht kam (...), der Tod lachte versteckt im bräunenden Laub. Klinge hell und schmettre, Kadmium! Prahle laut, üppiger Krapplack! Lache grell, Zitronengelb! Her mit dir, tiefblauer Berg der Ferne! An mein Herz ihr, staubgrüne matte Bäume!" (S. 64 f.) Hesse zieht einen in den Strudel seiner Erzählung, wort- und bildgewaltig - und durchsetzt von Schwermut und Todesahnung. Das ist zuweilen recht bedrückend, aber Hesses Schreibstil hat mich einmal mehr bezaubern können. Scheinbar spielerisch, oft poetisch reihen sich die Sätze aneinander - und auch wenn Reich-Ranicki Hermann Hesse einst als drittrangigen Schriftsteller abqualifiziert hat: ich lese ihn immer wieder gern, wenn auch wohl dosiert, weil die Melancholie seinen Werken doch immanent ist. "Es war die spätgoldene Stunde, noch glühte Licht des Tages überall, doch gewann der Mond schon Schimmer, und erste Fledermäuse schwammen in der grünen Flimmerluft." (S. 82) Eine kleine Erzählung, die sich nicht einfach schnell herunterlesen lässt, aber einen tiefen Eindruck hinterlässt. © Parden

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    • 8

    Igelmanu66

    14. November 2014 um 18:11
  • Rezension zu "Klingsors letzter Sommer" von Hermann Hesse

    Klingsors letzter Sommer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. September 2012 um 18:51

    Hesse und ich werden wohl keine großen Freunde mehr ... Ich hab mir das Buch ursprünglich aus 2 Gründen gekauft: Einerseits wollte ich Hesse, nach dem eher wenig glücklichen Steppenwolf-Abenteuer, noch eine Chance geben, und andererseits wegen folgendem Zitat: „Aber dann war dieser Sommer vorüber, dieser tolle flackernde Sommertraum, und mit ihm tausend ungetrunkene Becher verschüttet, tausend ungesehene Liebesblicke gebrochen, tausend unwiederbringliche Bilder ungesehen erloschen!“ Tja, das Zitat ist schön - aber das war es dann leider auch schon wieder. Nicht falsch verstehen, für Freunde von Hermann Hesse ist das Buch bestimmt sehr beeindruckend und nett zu lesen. Für mich aber ist die Sprache doch etwas zu blumig, die Ausdrucksweise etwas zu überladen, die Bilder etwas zu naiv.

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  • Rezension zu "Klingsors letzter Sommer" von Hermann Hesse

    Klingsors letzter Sommer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. September 2012 um 21:18

    Wunderbar, ein "typischer Hesse": hochpoetisch, subtil, romantisch, melancholisch, impressionistisch und die Kunst feiernd. Der Autor versteht es auch hier, in dieser recht kurzen Erzählung, Eindrücke, Gefühle und Gedanken zu einem literarischen Gesamtkunstwerk zu verbinden und den Leser zu verzaubern. Ich muss zugeben, dass ich eine ausgemachte Hesse-Liebhaberin bin (abgesehen von wenigen Ausnahmen wie "Narziss und Goldmund" oder "Peter Camenzind") und meine Beurteilung daher subjektiv gefärbt ist - aber wer ist das nicht? Fazit: Für alle, die eine poetische Einführung in Hermann Hesses Werk suchen, ist "Klingsors letzter Sommer" ideal!

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  • Rezension zu "Klingsors letzter Sommer" von Hermann Hesse

    Klingsors letzter Sommer

    Bluesmaker

    10. December 2008 um 16:26

    Mein absolutes Lieblingsbuch. Es atmet den Sommer von der ersten bis zur letzten Zeile. Man riecht und schmeckt und spürt die Hitze - beeindruckend.
    Unbedingt lesen. Vielleicht nicht das bekannteste Werk von Hesse, aber nach Siddharta für mich das wichtigste.

  • Rezension zu "Klingsors letzter Sommer" von Hermann Hesse

    Klingsors letzter Sommer

    Beagle

    14. June 2008 um 11:01

    Die Geschichte über den Maler Klingsor, der in seiner Schaffensperiode von dem nahenden Tod überrascht wird - sich damit aber nicht abfinden kann und wahnsinnig wird. Hesse besticht wie immer in gewaltiger Sprache und Erzählkunst, wenn es auch kein Buch für jedermann ist, so ist es doch ein Klassiker. Lesen!

  • Rezension zu "Klingsors letzter Sommer" von Hermann Hesse

    Klingsors letzter Sommer

    flutedevoix

    14. October 2007 um 21:42

    Eine bildgewaltige Erzählung, die sich dem Schaffensprozeß eines Mahlers in all seinen Phasen und emotionalen Zuständen widmet. Hesse gelingt es dabei, dem Farbenreichtum des Mahlers eine ausdruckstarke und bildgewaltige Wortpalette entgegenzusetzen, die keinen Vergleich zu scheuen braucht.
    Grandios!

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