Narziß und Goldmund

von Hermann Hesse 
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Narziß und Goldmund
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Die Bedeutung, verkörpert durch die dunkle und ermüdende Handlung, ist immens - wie es auch für Werke von Hesse typisch ist. Ansonsten...

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Inhaltsangabe zu "Narziß und Goldmund"

Hermann Hesses Erzählung über den Gegensatz zwischen Geist- und Sinnenmenschen und ihre produktive Vereinigung im Künstler ist eine moderne Gestaltung des Don-Juanund Casanova-Motivs. Sie ist aber auch ein Loblied der Freundschaft, voller Abenteuer in einem zeitlosen Mittelalter. Klösterlicher und städtischer Kunstbetrieb, Zigeunermädchen und Vagantenpoesie: 'Alle diese Elemente deutsch-romantischer Erzählkunst vereinen sich hier in seltener Vollständigkeit' (Rolf Schneider). Jahre bevor der Nationalsozialismus die kulturellen Traditionen Deutschlands mißbrauchte, hat Hesse in diesem Roman die Idee von Deutschland und deutschem Wesen, die er seit seiner Kindheit in sich trug, dargestellt und ihr seine 'Liebe gestanden, gerade weil ich alles, was heute spezifisch deutsch ist, so sehr hasse', schrieb er 1933.
Zu Hesses Lebzeiten war 'Narziß und Goldmund' das erfolgreichste seiner Bücher. Die deutsche Gesamtauflage von 1930 bis heute beträgt mehr als zwei Millionen Exemplare. Übersetzt ist der Roman mittlerweile in dreißig Sprachen.

'Ein wunderschönes Buch in seiner poetischen Klugheit, seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen.' Thomas Mann

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518463567
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:465 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:17.06.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.12.2014 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Gedankennomades avatar
    Gedankennomadevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Konflikt zwischen Künstler und Geistlichem. Landstreicher- und Verführertum.
    Macht Lust darauf, selbst zum umherstreichenden Künstler und Verführer zu werden

    Zumindest fühlte ich so nach der Lektüre.
    Einerseits fand ich die Gegenüberstellung Künstlernatur-Geistlicher interessant. Andererseits brachte mich Goldmunds Leben nach dem Ausbruch aus dem Kloster auf den Geschmack, selbst so ein Leben zu führen ohne Bindungen, ohne Ziel.

    Auf www.gedankennomade.net/5-romane-von-hermann-hesse/ habe ich mir weitere Gedanken über diesen und vier weitere Romane von Hermann Hesse gemacht.

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    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor 2 Jahren
    Denker und Künstler

    Die Erzählung „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse wurde 1930 veröffentlicht und war zu seinen Lebzeiten sein größter Erfolg.

    Die Geschichte ist ins Mittelalter zurückversetzt und spielt sich erst einmal in der Klosterschule Mariabronn ab. Dort wird Goldmund von seinem Vater hingebracht, damit er gebildet wird und nicht nach seiner Mutter, die der Lust sehr zugetan war, schlägt. Goldmund lernt den Novizen Narziß kennen und die beiden entwickeln eine innige Beziehung zueinander. Dabei ist Narziß Goldmund stets einen Schritt voraus in ihren Diskussionen und ahnt, dass Goldmund alsbald das Kloster verlassen wird.

    Nachdem Goldmund das erste Mal von der Liebe kostet begibt er sich dann auf Reisen. Er ist ziellos und wandelt durch Wälder und auf Straßen. Zu Beginn ist er vor allem ein Lüstling und schaut fast jeder Frau unter den Rock, wobei er sich selbst stetig in der Kunst der Verführung schult. Verschiedenste Typen lernt er auf seiner Wanderschaft kennen und ist dabei stets zufrieden, wenn auch rastlos und begehrend.

    Irgendwann entdeckt er dann die Kunst des Schnitzens für sich und lässt sich für einige Zeit als Kunstschnitzer ausbilden. Der Ruf der Ferne wird jedoch immer lauter, so dass er wieder auf die Walz geht. Dabei schafft er es, von der Beulenpest ausgespart zu werden und eher dem Tod hinterher zu laufen, als von ihm verschlungen zu werden.

    Die verschiedenen Menschen, die Goldmund trifft, bringen seine Charakterentwicklung deutlich voran.

    Später dann treffen Narziß und Goldmund wieder aufeinander, um Jahre gealtert und in ihrer eigenen Profession einander ebenbürtig.

    Ja, und es war vielleicht nicht bloß kindlicher und menschlicher, ein Goldmundleben zu führen, es war am Ende wohl auch mutiger und größer, sich dem grausamen Strom und Wirrwarr zu überlassen, Sünden zu begehen und ihre bitteren Folgen auf sich zu nehmen, statt abseits der Welt mit gewaschenen Händen ein sauberes Leben zu führen, sich einen schönen Gedankengarten voll Harmonie anzulegen und zwischen seinen behüteten Beeten sündenlos zu wandeln. Es war vielleicht schwerer, tapferer und edler, mit zerrissenen Schuhen durch die Wälder und auf den Landstraßen zu wandern, Sonne und Regen, Hunger und Not zu leiden, mit den Freuden der Sinne zu spielen und sie mit Leiden zu bezahlen. - S. 431

    Die Erzählung ist in 20 längere Kapitel eingeteilt, die auch als Episoden in Goldmunds Leben verstanden werden können. Die letzten Kapitel erzählen dann mehr aus Narziß' Perspektive.

    Wirklich verwunderlich war für mich der malerische Klang in Hesses Sprache, der schon sehr nah an romantische Texte kommt und teilweise sehr erotisch ist, wenn auch verhüllt erotisch. Zuvor laß ich „Der Steppenwolf“ und „Unterm Rad“ von ihm, in denen er eine ganz andere Sprache verwendet. Dies zeigt mir jedoch nur einmal mehr, wie virtuos Hesse es verstand, mit der Sprache zu spielen und sie seinem Sinnen nach zu formen.

    Es handelt sich – heruntergebrochen – um den Kampf zwischen Denkern und Künstlern, der bereits so lange währt. Dabei wählt Hesse den Zugang, beide Pole miteinander in enger Freundschaft zu binden und so eine Auseinandersetzung unabdingbar zu machen. Sowohl Narziß als auch Goldmund verzweifeln zu Beginn aneinander und streiten sich immer wieder, doch erst als sie sich Jahre später wieder sehen und sich als ebenbürtig in ihrer Profession erkennen, ist der Kampf ausgefochten, denn sie erkennen: Es gibt gar keinen Kampf.

    Die Erzählung lädt dazu ein, sich selbst zu reflektieren. Ist man Denker oder Künstler? Ich für meinen Teil finde die Frage sehr schwer zu beantworten und wünschte, Hesse hätte einen Zwischenweg aufgemacht. Er schließt es zwar nicht ganz aus, doch wirklich hoffnungsvoll klingt er nicht. Dabei sollte aber beachtet werden, dass beide Protagonisten Idealfiguren sind und obwohl sie dies sind, brauchen sie einander, um zur Erkenntnis zu gelangen.

    Ach, und es hatte dies ganze Leben doch nur dann einen Sinn, wenn beides sich erringen ließ, wenn das Leben nicht durch dies dürre Entweder-Oder gespalten war! Schaffen, ohne dafür den Preis des Lebens zu bezahlen! Leben, ohne doch auf den Adel des Schöpfertums zu verzichten! War denn das nicht möglich? - S. 355

    Die Erzählung birgt so viel Lesevergnügen und so viele Anstöße zum vertieften Sinnieren, dass ich nicht anders kann, als das Werk weiterzuempfehlen.

    Kommentare: 7
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    Phlieges avatar
    Phliegevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ich will manchmal einfach jedes Wort von Hesse unterschreiben!!!!
    Vielschichtig und schön

    Wie wahrscheinlich fast alle, die Herrmann Hesse mal zur Hand genommen haben, gehört "Der Steppenwolf" und "Unterm Rad" zu meiner bisherigen Sammlung. "Narziss und Goldmund" ergänzt die Zusammensetzung der üblich gelesenen Werke wohl ganz gut. Und von den drei Werken sticht letzteres für mich wirklich heraus.

    Goldmund kommt als Schüler in das Kloster Mariabronn und stürzt sich eifrig in die Lehre, um dem vornehmen und in strenger Askese lebendem Narziss nachzueifern. Doch der erkennt, dass das geistliche Leben dem Inneren des jungen Goldmunds gänzlich widerstrebt und befreit ihn von seiner zwanghaften Vorstellung des tugendhaften Lebens. Entgegen dem ursprünglichen Plan Novize zu werden, zieht Goldmund los in die Welt. Als Vagabund und Frauenheld, Casanova lässt dabei grüßen.

    Die Handlung ist an dem Buch weiß Gott nicht das Besondere. Das Buch deckt aber so viele Ebenen ab und ist so vielschichtig. Es geht um Geistliches und Sinnliches, die Zusammenkunft von beidem in der Kunst, es geht um Liebe (natürlich geht es um Liebe), um Freundschaft und einfach um ein ganzes Leben. Gleichzeitig ist es aber auch so einfach geschrieben, dass es keine Rolle spielt, ob man Nietzsche gelesen hat oder etwas mit Carl Gustav Jungs "Anima" etwas anfangen kann.
    In dem Buch spiegelt sich eine große Lebenserfahrung wieder. Kein Wunder, Hesse war fünfzig, als er es schrieb. In dem Buch sind die Ansichten eines ungestümen Jünglings bis zum besänftigten alten Mann enthalten. Mit dem Voranschreiten Goldmunds Reise ändern sich die Nuancen und Wahrnehmungen seiner Liebschaften. Ob unerfüllt, kurz (sehr häufig sehr kurz) oder heftig. Egal ob er über Abschied und Freundschaft schreibt. Ich würde fast jedes Wort Hesses fett unterschreiben und noch mit vielen, vielen Ausrufezeichen untermauern!!!!

    Der Schreibstil wird in diesem Werk zuweilen als schwülstig beschrieben. Aber ganz ehrlich - Hesse schreibt schön. Ja, es klingt alt. Aber das ist nicht schlecht, vor allem wenn man so ein Werk hinlegt. jedem der Hesse einmal in die Hand nehmen will, lege ich dieses Buch ans Herz. Gegenüber dem Steppenwolf büßt es nichts an Komplexität ein, ihm ist aber einfach besser zu folgen. Und ein bisschen heftiger blinzeln musste ich am Ende dann auch noch.

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    Iudass avatar
    Iudasvor 4 Jahren
    Eine lange Freundschaft - eine längere Erzählung.

    Hermann Hesse ist wohl einer der bekanntesten deutschsprachigen Autoren der frühesten Li­teraturgeschichte. Mit »Unterm Rad« (1906) spricht er auch heute noch vielen Schülern aus der Seele, sein »Steppenwolf« (1927) beflügelte besonders die 60er Generation mit seiner an­tibürgerlichen Haltung. Drei Jahre nach diesem Buch erschien im S. Fischer Verlag das Werk, mit dem ich mich anschließend befassen möchte.

    Es trägt den schönen und klangvollen Titel »Narziß und Goldmund« – die Namen der bei­den Protagonisten.

    Der junge Goldmund, einst von der Mutter verlassen und vom Vater streng aufgezogen, trifft in der mittelalterlichen Klosterschule von Mariabronn auf den nur wenig älteren Narziß, der aufgrund seines Intellekts und seiner Begabungen schon ersten Unterricht geben darf. Die bei­den könnten nicht verschiedener sein, sie sind wie »Sonne und Mond, sind Meer und Land« (Kapitel 4). Narziß ist der vornehme, still beobachtende, denkende Asket – Goldmund dagegen der emotionale, unstete Geist, der immer von einer inneren Unruhe getrieben wird und neue, erfrischende Erfahrungen sucht. Und trotzdem verbindet sie eine lebenslange, tiefe Freundschaft, die für beide neue Erkenntnisse bringt.

    Durch Narziß’ Beobachtungsgabe wird Goldmund schnell deutlich, daß das Leben eines Geistlichen und ein Versinken in den Wissenschaften nicht das seine ist und daß er, angetrie­ben durch seinen mütterlichen Teil, den er lang verdrängte, in die Welt ziehen und Gefühle er­leben muß. Und so trennt er sich von seinem Freund und zieht in den Landen umher, lernt Frauen kennen und lieben und erlebt bunte, schöne, leidensvolle und schreckliche Seiten des Lebens. Doch seinen Freund Narziß kann er nie vergessen…

    Über dreihundert Seiten stark ist dieses Buch. Und über dreihundert Seiten lang läßt Hesse ein sprachliches Biedermaierfeuer auf den Leser ab, das sich gewaschen hat. Was in »Unterm Rad« noch fast lyrisch daherkam und Atmosphären, Landschaften und Gefühle bildhaft dar­stellte, verkommt hier doch oftmals zu reinen Phrasen, zu goldglänzendem Kitsch, der einfach schön klingt, aber sich wie zähes Gummi in die Länge dehnt. So viele Abhandlungen über Hesses Werk wurden schon geschrieben, über das Verhältnis der beiden Freunde zueinander, über die Einflüsse des Psychologen Carl G. Jung und von Friedrich Nietzsche, über die Aus­wirkungen und das Verständnis von Perfektion. Und ich will »Narziß und Goldmund« diese Tiefe auch nicht absprechen und weiß, daß man durchaus Stunden damit zubringen kann, über die Wirkung der großen Mutter zu diskutieren oder auch das Verhältnis von Emotionalität und Verstand analysieren.

    Aber über all dem liegt ein dicker Zuckerguß aus gekünstelter Sprache und hölzernen Dialo­gen. Es scheint stellenweise ein idealisierter Historienroman zu sein, in dem die Protagonisten allesamt perfekt wirken und gute Bildung und Manieren aufweisen.

    »Sie kam nach einigen Tagen wieder, das süße weiße Gespenst, und lag eine Viertelstunde bei ihm, wie das letztemal. Flüsternd sprach sie, von seinen Armen umschlossen, ihm ins Ohr, sie hatte viel zu sagen und zu klagen. Zärtlich hörte er ihr zu, sie lag auf seinem linken Arm, mit der rechten Hand streichelte er ihr Knie.
    ›Goldmündchen‹, sagte sie sie, mit gedämpfter Stimme dicht an seiner Wange, ›es ist so trau­rig, daß ich nie werde dir gehören dürfen. Es wird nicht mehr lang dauern, unser kleines Glück, unser kleines Geheimnis. Julie hat schon Verdacht, bald wird sie mich zwingen, es ihr zu sagen. Oder der Vater merkt es. Wenn er mich bei dir im Bett fände, mein kleiner Goldvogel, dann ginge es deiner Lydia übel; sie stünde mit verweinten Augen und blickte zu den Bäumen hinauf und sähe ihren Liebsten droben hangen und im Winde wehen. Ach du, lauf lieber fort, lieber jetzt gleich, statt daß der Vater dich binden und aufhängen läßt. Ich habe schon einmal einen hängen sehen, einen Dieb. Ich kann dich nicht hängen sehen, du, lauf lieber davon und vergiß mich; daß du nicht sterben mußt, Göldchen, daß nur in deine blauen Augen nicht die Vögel hacken! Aber nein, du Schatz, du darfst nicht fortgehen – ach, was mache ich, wenn du mich allein läßt.‹« (Kapitel 8)

    Und in diesem schluchzend-pathetischen Tonfall geht es weiter. Auch Wortwiederholungen fin­den sich zuhauf und können auch nur schwerlich als stilistische Feinheiten durchgehen (dar­über schrieb auch schon der Kritiker Karlheinz Deschner).

    Die Erzählung plätschert so vor sich hin, immer wieder werden neben ausführlichen Beschrei­bungen der Örtlichkeiten, wie man sie von Hesse kennt, Dialoge derart, wie im Zitat schon er­sichtlich, eingeschoben, die aber oft so gestellt und unwirklich sind und den Text in die Länge ziehen, daß man als Leser schnell in einen »Laß mich mal ein paar Zeilen überspringen«-Mo­dus verfällt. Das ist schade, denn es schlummern viele schöne Gedanken und sprachliche Per­len in dem Text – man muß sie nur unter der Patina aus Wortwülsten erkennen: »Unser Ziel ist nicht, ineinander überzugehen, sondern einander zu erkennen und einer im andern das se­hen und ehren zu lernen, was er ist: des anderen Gegenstück und Ergänzung.« (Kapitel 4).

    Zwei Drittel des Romans darf man dem streunenden Goldmund dabei zusehen, wie er von Ort zu Ort und von Frau zu Frau geht. Seine wechselnden Liebschaften, an denen er seine Man­neskraft schult und die vor dem Hintergrund seiner verlorenen Mutter gerechtfertigt werden, scheinen kein Ende zu nehmen. Besonders das Frauenbild leidet da doch ganz enorm und auch wenn ich kein Verfechter einer militant emanzipierten Literatur bin, so wurde mir der Umgang mit den weiblichen Personen hier doch irgendwann zu viel. Sie erschienen nur als willenlose Objekte, die reihenweise dem Charme des blonden, wohlerzogenen Jünglings erla­gen. Einzig die Jüdin Rebecca zeigt Charakter und widersetzt sich ihm und ist in der Lage, mit Goldmund eine Konversation auf Augenhöhe zu führen und ihn schlußendlich sogar im Wortgefecht zu besiegen. Diese Ehre einer ordentlichen Charakterisierung und nicht bloß ei­ner reinen Reduktion auf körperliche Merkmale wird keiner anderen Frau zuteil – und es wa­ren viele, die Goldmund in seiner Wanderschaf traf.

    Aber auch Goldmunds »Gegenstück und Ergänzung« Narziß muß sich eher im Schatten der Erzählung bewegen. Er, der Denker und Wissenschaftler ist per se von diesem Standpunkt aus unfehlbar und daher ist seine Laufbahn im Kloster schon fest vorgegeben und weniger span­nend als es Goldmunds Reise durch das Land sein könnte. Ich möchte mich nicht dazu hinrei­ßen lassen, Narziß zu einem puren Komparsen seines Freundes zu degradieren – dafür prägte er das Leben Goldmunds zu nachhaltig, auch ohne physisch bei ihm zu sein – aber sein Le­ben, seine Gefühle und Gedanken bekommen nur wenig Raum.

    Ich hatte mir weit mehr von dem Roman erwartet. Hermann Hesse – er konnte mich schon mit so manchen seiner Romane oder mit seiner Lyrik überzeugen. Mit »Narziß und Goldmund« aber gelang ihm das nicht. Es ist kein durchweg schlechtes oder langweiliges Buch, aber es ist doch sehr durchwachsen, wirkt altbackener und aufgeblasener als man es von Hesse kennt.

    Die Gedanken darin, die Darstellung einer Freundschaft – ja, einer lebenslangen Liebe – zwi­schen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können und die gerade dadurch die perfekte Einheit ergeben, sind es wert, gelesen zu werden und ich glaube, vielen Menschen wird darin auch der Spiegel vorgehalten und sie erkennen sich und ihre Mitmenschen darin, wenngleich extremer dargestellt, wider. Der überkanditelte Wortschwulst und das pathetische Geplauder darum machen es aber doch manchmal zu einem anstrengenden, langweilenden Lesen und ich war froh, als ich das Buch endlich zuklappen konnte. Und dabei fährt Hesse gerade zum Schluß mit Goldmunds Tode nochmal einen sprachlichen Leckerbissen auf:

    »Und mit einer Bewegung, als versuche er den Kopf zu schütteln, flüsterte er: ›Aber wie willst du denn einmal sterben, Narziß, wenn du doch keine Mutter hast? Ohne Mutter kann man nicht lieben. Ohne Mutter kann man nicht sterben.‹
    Was er später noch murmelte, war nicht mehr verständlich. Die beiden letzten Tage saß Narziß an seinem Bett, Tag und Nacht, und sah zu, wie er erlosch. Goldmunds Worte brannten in seinem Herzen wie Feuer.« (Kapitel 20)

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    janett_marposnels avatar
    janett_marposnelvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbare Freundschaft, in welcher ein Denker und ein Künstler unabhängig voneinander nach dem Sinn des Lebens suchen.
    Ein Denker, ein Künstler, eine Freundschaft

    Dieses Buch über die Freundschaft zwischen dem scharfsinnigen Menschenkenner Narziss und dem anmutigen Goldmund beginnt für meinen Geschmack etwas blumig, was daran liegen könnte, dass ich mich an die überschwängliche und bisweilen schwer anmutige Ausdrucksweise Hermann Hesses erst gewöhnen musste. Jedenfalls wurde die Geschichte für mich ab der fünfzigsten Seite interessant, als Narziss seinen Freund und Schüler Goldmund vor Augen hält, dass er im Begriff ist, ein falsches, unaufrichtiges Leben, nämlich das Leben in einem Kloster, führen zu wollen. Nach diesen scheinbar anklagenden, jedoch ehrlichen Worten fällt Goldmund in Ohnmacht, findet danach aber zu sich selbst und verlässt den keuschen Weg, den sein Vater für ihn vorgesehen hatte.

    Er flieht aus dem dunklen Kloster und beginnt ein buntes, abwechslungsreiches Leben, welches er in vollen Zügen genießt, während sich Narziss in Askese übt, indem er bis zur Selbstaufgabe fastet und betet, um seinen Weg als Mönch antreten zu können. Goldmund indessen liebt die Frauen genauso wie die Wanderschaft von Ort zu Ort und das Umherstreifen zwischen Wiesen und Wäldern. Er will und kann nicht sesshaft werden. Die Sesshaften denken immer nur an die Zukunft und an ihre Sicherheit, Goldmund aber lebt im Hier und Jetzt und bringt kein Verständnis für das nie enden wollende Streben der Anderen auf.

    Mitunter nehmen aber auch bedrückende Gedanken von Goldmund Besitz. Hin und wieder fühlt er sich vom Leben genarrt. Es stört ihn, dass der Mensch nicht alles haben kann. Entweder lebt man mit allen Sinnen - so wie es der Wanderer tut, aber in solch einem Leben ist alles Schöne vergänglich, denn der Vagabund schafft keine bleibenden Werte. Oder man wird sesshaft, büßt seine Freiheit, die Fülle und Lust des Lebens ein, baut sich dafür ein Denkmal, indem man Unvergängliches wie Kinder, Haus oder Kunst schafft, so wie Meister Niklaus, Goldmunds Lehrmeister, es getan hat.

    Durch Meister Niklaus entdeckt Goldmund sein Künstlerherz und ist seitdem von der Idee beseelt, Figuren mit Gefühl zu schnitzen, die tief aus seinem Innersten kommen, und es gelingt ihm hervorragend. Jetzt hat er eine Möglichkeit gefunden, Unvergängliches zu schaffen. Durch die Kunst lernt er sich selbst zu verwirklichen. So wie es sich sein Freund Narziss, der geradlinige Denker, einst für ihn erhofft hat.

    Narziss, der das vollkommene Sein nur im Denken zu finden glaubte und die Kunst für Spielerei hielt, erfährt durch seinen Freund, dass gelebte Kunst etwas sinnliches, etwas freies und lebensbejahendes sein kann und für kurze Zeit zweifelt er an seinem, ihm jetzt borniert vorkommenden, eingeschlagenen Weg als Denker und Asket. Im Nachhinein aber ist er froh, dass sein Freund Goldmund ihm den Liebreiz der Kunst vermitteln konnte und er durch ihn lernen durfte, auch diesen berauschenden Weg zu verstehen. Mehr kann man von einer Freundschaft nicht erwarten und von Hermann Hesse auch nicht, der in diesem Werk so wunderbar leise und doch so stark nach dem Sinn des Lebens sucht.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Zweiteilung

    Vor allem in Verbindung mit Informationen zu den gängigen Motiven des Autors ist dieses Werk spannend. Die Seele teilt er in vielen Bereichen in zwei Teile. Man kann sich als Leser je nach momentaner Phase im einen oder anderen, im schnelllebigen Goldmund oder im strengen Narziss wiederfinden.

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    SandraWers avatar
    SandraWervor 5 Jahren
    Schöne Sprache, schöne Gedanken!

    Goldmund ist die Hauptperson in dem Buch. Das Buch beginnt in seiner Jugend, in der er ganz alleine ins Kloster geschickt wird. Seine stärkste Bezugsperson dort ist Narziß, ein Geistlicher und Gelehrter. Zwischen Goldmund und Narziß entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und Liebe.

    Klosterschüler Goldmund bei heimlichem nächtlichem Ausflug ins Dorf:

    „… Am liebsten aber hätte er nichts anderes angeschaut als die Kleine mit den Zöpfen, aber gerade dies verbot er sich. Immer aber, wenn einmal sein Wille nachließ und sein Blick sich zu dem stillen süßen Mädchengesicht hinüber verirrte, fand er unfehlbar ihre dunklen Augen auf sein Gesicht geheftet, wie verzaubert starrte sie ihn an.“

    Goldmund hat doch einige Probleme mit dem Klosterleben und entschließt sich eines Tages, das Kloster zu verlassen und in Wanderschaft zu gehen. Lange Zeit lebt er nun als Heimatloser, Tag für Tag, und sammelt viele Erfahrungen. Liebschaften mit Frauen, Tod und Töten; alles das sind Dinge, die Goldmund in diesen Jahren beschäftigen. Bis zu dem Tage, als er eine Lehre bei einem Bildhauer beginnt und anfängt, sich mit der Kunst zu beschäftigen.

    "Vielleicht, dachte er, ist die Wurzel aller Kunst und vielleicht auch alles Geistes die Furcht vor dem Tode. Wir fürchten ihn, wir schauern vor der Vergänglichkeit, mit Trauer sehen wir immer wieder die Blumen welken und die Blätter fallen und spüren im eigenen Herzen die Gewissheit, daß auch wir vergänglich sind und bald verwelken. Wenn wir nun als Künstler Bilder schaffen oder als Denker Gesetze suchen und Gedanken formulieren, so tun wir es, um doch irgend etwas aus dem großen Totentanz zu retten, etwas hinzustellen, was längere Dauer hat als wir selbst."

    Er altert schnell und am Ende, zum Tode verurteilt, tritt wiedermals Narziß ins Bilde und rettet Goldmund vor dem drohenden Galgen. Goldmund lebt alsdann wieder im Kloster und arbeitet dort als Künstler. Er wird seßhaft und merkt, dass in diesem Leben dauerhaft etwas fehlt für ihn. Er schöpft all seine Inspiration aus dem abenteuerlichen Leben als Landstreicher und entschließt sich erneut eine Reise zu wagen. Diese Reise wird allerdings seine letzte sein. Er hat nicht mehr genug Kraft und geht an dieser Expedition zugrunde.

    So schön ist die Sprache Hesses, so viele Sätze, die man nicht vergessen will, weil sie sowohl vom Klang, als auch vom Inhalt sehr berührend sind und oft eine Art Weisheit vermitteln. Wichtige Themen werden behandelt. Die Liebe, der Tod, Vergänglichkeit, Ewigkeit in der Kunst, Gefühl und Verstand und viele andere mehr...

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    animantiss avatar
    animantisvor 5 Jahren
    Ein Wort: genial!

    "Wir zwei, mein Freund sind wie Sonne und Mond, wie Meer und Land, nicht dazu gemacht, ineinander überzugehen, sondern zu erkennen, was der Eine dem Anderen ist: Sein Gegenstück und seine Ergänzung." 
    So ähnlich sagt es der große Hermann Hesse. 
    Gab es je schönere Worte, die die Unterschiede zwischen uns Menschen beschreiben?

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    luckyups avatar
    luckyupvor 6 Jahren
    Rezension zu "Narziss und Goldmund" von Herman Hesse

    Geschichte, welche im Mittelalter spielt, aber mit der Selbstfindung zwischen Mystik und Kultur in jede Zeit passt.
    Eine Geschichte zwischen Kommen und Gehen, Verabschiedung und Ankommen und der Beständigkeit von Freundschaft zwischen Männern.

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    fwieflorians avatar
    fwieflorianvor 6 Jahren
    Rezension zu "Narziß und Goldmund" von Hermann Hesse

    In einem unvergleichlich schönem und lesenswerten Stil beschreibt Hesse zwei Männer, die jeder eine ganz eigene Form des Lebens repräsentieren. Narziß, der Asket, der Mönch,sogar Abt, der Geistesriese. Bei hm ist jeder Schritt vorhersehbar und folgerichtig. Er ist für ein Leben im Kloster geschaffen. Sein Freund Goldmund dagegen passt nicht in den Rahmen dieser Frömmighkeit. Seine Schritte sind viel weniger bedacht. Er sucht das Abenteuer und verleiht dem Leben durch seine Kreativität und seine Kunstfertigkeit Farbe. Obwohl so gegensätzliche Charaktere, haben sich beide, der strenge, asketische Narziß und der großzügige, sanguinische Goldmund ihre nie in Frage gestellte Menschlichkeit bewahrt. Darauf beruht ihre Freundschaft. Die beiden so klar gezeichneten Chartaktere betrachtend, ist es ist für mich ein Vergnügen, bei manchen Menschen, die ich kennen lerne, mich zu fragen. ob ich einem Neziß gegenüberstehe oder eher einem Goldmund. Sollte ich Politiker benennen, dann stellte ich Richard von Weizsäcker gegen einen Norbert Blüm. Das Buch ist in jedem Falle wärmstens zu empfehlen.

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