Unterm Rad

von Hermann Hesse 
3,9 Sterne bei748 Bewertungen
Unterm Rad
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (545):
P

Die Sprache ist zwar anfangs etwas schwer zu verstehen, aber das Thema ist zeitlos und immer hoch prisant !

Kritisch (62):
Gedankennomades avatar

Wie Leistungsdruck einen jungen Menschen brechen kann ...

Alle 748 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Unterm Rad"

Zu den wichtigsten Frühwerken Hermann Hesses gehört sein Schulroman »Unterm Rad« über das Schicksal eines begabten Kindes, das am Erwartungsdruck seines Vaters und der Umwelt zerbricht. Hesse hat darin viel von dem verarbeitet, was er selbst erleben mußte. So glaubten seine Erzieher, den 14jährigen in einer Heilanstalt für Schwachsinnige und Epileptische unterbringen zu müssen. Es war der Leidensdruck dieser frühen Erfahrungen, der ihn zum Schriftsteller gemacht hat und dem auch seine späteren Werke ihre Brisanz und zeitlose Aktualität verdanken. Wie kein anderes Werk des Dichters hat dieses Buch eine genau dokumentierbare Vorgeschichte, die hier erstmals in allen überlieferten Lebenszeugnissen vorgestellt wird und ein authentisches Bild der Pädagogik vom Ende des 19. Jahrhunderts entwirft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518463529
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:261 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:18.06.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 09.04.2002 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Tulpens avatar
    Tulpenvor 16 Tagen
    Eine sehr schön geschriebene, sensible Erzählung

    Hans Giebenrath ist ein überdurchschnittlich begabter Schüler und der Stolz seines Vaters, seiner Lehrer, des Pfarrers und des gesamten Dorfes. Entsprechend der hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, bereitet er sich, anfangs auch noch mit großem Eifer und Begeisterung, auf das Landesexamen in Stuttgart vor. Nachdem er dieses mit sehr guten Leistungen bestanden hat und damit an der Klosterschule Maulbronn aufgenommen ist, sind natürlich alle begeistert. Die wohlverdienten Ferien werden schnell mit weiteren Vorbereitungen auf die Schule gefüllt, so dass immer weniger Zeit für Freizeit bleibt. Hans ist zu diesem Zeitpunkt immer noch mit Fleiß dabei, es sind aber schon erste Zeichen seines Ausgebranntseins, wie körperliche Schwäche und Kopfschmerzen zu erkennen. Im weiteren Verlauf der Erzählung treten diese Probleme immer deutlicher zutage, verbunden mit Hans' Bewusstsein, dass er sich von seiner Kindheit verabschieden muss, obwohl vieles noch unerlebt ist. Dies führt dazu, dass Hans immer weniger mit den anderen Schülern mithalten kann und will.
    Hesse ist für mich ein sehr gutes Besispiel dafür, dass man die Schullektüre getrost nochmal aus dem Regal holen kann. Früher konnte ich mit seinem Stil ehrlich gesagt gar nicht viel anfangen. Mittlerweile finde ich seine Erzählweise sehr intelligent, sensibel und schön. Menschen, Orte und Gefühle sind sehr anschaulich beschrieben. Die erste Seite des Buches hat mich sprachlich schon so überzeugt, dass mir das Thema schon fast egal war.
    Aber eben nur fast. Denn, wie in vielen anderen Rezensionen bereits geschrieben, das Thema ist hochaktuell.

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    -Coco-vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Zeitweise sehr umfassende Beschreibungen der Umwelt, trotzdem ganz interessant. Ein Buch das trotz seines Alters noch immer hochaktuell ist!
    Ein Buch, das brandaktuelle Themen behandelt!!!

    Im Zuge einer Schullektüre habe ich dieses Buch gelesen und muss sagen, dass ich es gar nicht so schlecht fand.

     

    Klappentext: „Unterm Rad“ beschreibt das Schicksal eines begabten Kindes, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht und es »unters Rad« drängt.


    Meinung: Natürlich ist der Schreibstil eines älteren Klassikers nicht der von heute und daher ein bisschen ungewöhnlich. Das störte mich aber keineswegs, nach den ersten Seiten die die Lage und die Geschichte einleiteten wurde es immer verständlicher. Außerdem ist der Schreibstil von Hermann Hesse sehr interessant, anders. Trotzdem konnte man vom Schreibstil her alles verstehen.

    Die Geschichte um Hans fand ich sehr realistisch dargestellt, sie war emotional, aufklärend und auch sehr „arg“. Man kann die Probleme des Hauptprotagonisten und auch die ganze Geschichte gut auf die heute Zeit „ummünzen“, denn Themen wie Depression und Leistungsdruck etc. in einer leistungsorientierten Welt wie unsere sind brandaktuell.

    Weiters ist interessant, dass Hermann Hesse viele Dinge/Gefühle/Ereignisse von seinem Leben in dem Buch „Unterm Rad“ einarbeitete und vielleicht auch verarbeitete. Er verkörperte sich in diesem Werk, dass das Buch zu etwas ganz Besonders macht.

     

    Fazit: Eine Schullektüre die zum Nachdenken anregt und, meiner Meinung nach, auch etwas Tiefgründiges an sich hat, topaktuelle Themen behandelt und ich nur weiterempfehlenden kann.

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    Mopserls avatar
    Mopserlvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Gegen die Zwänge der Gesellschaft
    Typischer Hesse mit der Frage: Woher – wohin?

    Der begabte Junge Hans Giebenrath verliert seine Mutter und lebt nunmehr alleine mit dem Vater, der alles daran gibt, seinen Sohn zu fördern und zu etwas ‚Besonderem‘ zu machen. Auch Lehrer und das gesamte Umfeld tragen zu dieser Förderung bei, so dass Hans ein Stipendium in einem Nobel-Internat erhält. Dort jedoch scheitert der Bub und wird vom Internat verwiesen, was zu seinem tragischen Tod ( es bleibt unklar, ob durch Unfall oder Selbsttötung) führt.

    Es soll sich in diesem Roman um Erlebnisse, die Hesse selbst mit einem Freund hatte, der sich gegen das herrschende System stellte, handeln. Wieder klagt Hesse ein zu eingefahrenes, unmenschliches System an und tritt für eine freiere Welt ein.

    Kommentare: 1
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    DieseAnjavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine zeitlose Geschichte. die sich auch auf heutige Verhältnisse fabelhaft übertragen lässt.
    Unterm Rad


    Mein Bruder musste dieses Buch für die Schule lesen und interpretieren, normalerweise ist er absolut kein Leser, aber dieses Buch hat er förmlich verschlungen. Da er schon sehr begeistert war, wurde ich auch neugierig und er hat es mir in höchsten Tönen empfohlen.
    Nun, ich habe angefangen, das Buch zu lesen, mehr oder weniger zwischen Tür und Angel und ungefähr die ersten zwei Drittel sind sehr langatmig, bis auf wenige Stellen nicht sonderlich fesselnd, erst das letzte Drittel fand ich wirklich interessant, das Ende hat mich sehr schockiert, obwohl ich es mir fast schon denken konnte.
    Das Buch lässt sehr viel Platz für Interpretation und Fantasie, man muss auch viel zwischen den Zeilen lesen. (Im Folgenden liste ich meine Auffassung des Inhaltes auf, evtl. Spoiler.)

    Ich finde die Thematik, mit dem sich die Geschichte befasst, unglaublich wichtig - um es kurz zu fassen, es handelt sich um einen Jungen, der von Lehrern, Pfarrer und dem Vater sehr unter Druck gesetzt wird, da er sehr intelligent und talentiert ist. Im Verlauf des Buches lernt er einen Jungen kennen, der ihm zeigt, dass das Leben nicht nur aus Lernen besteht - Der schulische Druck wird ihm zu viel, seine Leistungen sinken und taucht in Depressionen ein.
    Lernen ist wichtig, aber sich unter Druck zu setzen ist weder gut für die Leistung noch für das Gemüt und natürlich wird auch sehr verschleiert das Thema Homosexualität angesprochen, was mich für ein Buch des Jahres 1915 sehr überrascht hat.

    Mein Fazit ist, dass es sich lohnt, die langatmigen Stellen durchzuziehen, um die Message mitzubekommen.

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    daydreamins avatar
    daydreaminvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Auch mehr als 100 Jahre später trifft Hesse mit dieser Kritik an Lehrern, Erziehern, Ausbildern und Eltern ins Schwarze.
    Auch mehr als 100 Jahre später noch brandaktuell

    Hans Giebenrath ist ein Musterschüler und qualifiziert sich mit seinen vorbildlichen Leistungen in der Dorfschule für das Landexamen. Bei erfolgreichem Bestehen stünde einem Stipendium für die Klosterschule und die hohe geistliche Laufbahn nichts mehr im Wege. Von Vater, Lehrern, Rektor und Pfarrer wird Hans unter Druck gesetzt, lernt wochenlang für die Prüfung und tut die Nächte vorher kaum ein Auge zu. Mit Bravour besteht er schließlich das Landexamen, doch der Druck im Seminar wird nicht geringer und nach und nach gelangt der kleine Hans – wie der Titel es verrät – unter's Rad. Hermann Hesse schrieb dieses Werk vermutlich zur Verarbeitung seiner persönlichen Erfahrungen im evangelisch-theologischen Seminar im Kloster Maulbronn, welches er mit 14 Jahren besuchte und schließlich abbrach.

    Zu Beginn der Erzählung ist Hans noch neugierig und aus eigenem Antrieb ehrgeizig, im Verlaufe seiner Ausbildung saugen ihn die Erwachsenen jedoch gnadenlos aus, bis eine gebrochene Seele zurückbleibt. Hans darf nicht einmal mehr seinem großen Hobby, dem Angeln, nachgehen und auch die geliebten Haustiere werden ihm genommen. In den Ferien wird wiederholt und vorgearbeitet, damit Hans auch ja mit den anderen Jungen mithalten kann. Was dieser Druck auf Dauer in Hans auslöst, erfährt der/die LeserIn hautnah.

    "Hans wusste nicht, warum er gerade heute an jenen Abend denken musste, nicht, warum diese Erinnerung so schön und mächtig war, noch warum sie ihn so elend und traurig machte. Er wusste nicht, dass im Kleide dieser Erinnerung seine Kindheit und sein Kabentum noch einmal fröhlich und lachend vor ihm aufstand, um Abschied zu nehmen und den Stachel eines gewesenen und nie wiederkehrenden großen Glückes zurückzulassen." (S. 141)


    Ständig ist Arbeiten und Lernen angesagt und sollte Hans sich doch einmal eine freie Minute nehmen, hat er selbst schon ein schlechtes Gewissen und wünscht sich sofort an den Schreibtisch zurück. Einen großen Anteil an diesem Verhalten tragen genau diejenigen, die Hans eigentlich vor Gefahren beschützen sollten: Sein Vater und seine Lehrer. Letzteren ist in der Erzählung nur daran gelegen, die Schüler zu unauffälligen Mitläufern zu erziehen, welche sich möglichst still und gefügig benehmen. Auf die Bedürfnisse und Besonderheiten eines einzelnen Kindes wird keine Rücksicht genommen, im Gegenteil, diese werden durch den Lehrer sogar noch glatt gebügelt.

    "Wie schön hatte sich der kleine Giebenrath entwickelt! Das Strolchen und Spielen hatte er fast von selber abgelegt, das dumme Lachen in den Lektionen kam bei ihm längst nimmer vor, auch die Gärtnerei, das Kaninchenhalten und das leidige Angeln hatte er sich abgewöhnen lassen." (S. 47)

    Auch wenn diese Erzählung bereits über 100 Jahre alt ist, erkannte ich doch erschreckend viele Parallelen zur heutigen Zeit. Hesses Kritik an Lehrern und Erziehern hat kaum an Aktualität verloren und mich gerade dadurch sehr beeindruckt.

    "Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner." (S. 90)

    Allerdings muss ich anmerken, dass mir der Einstieg dank des anspruchsvollen Schreibstils nicht besonders leicht gefallen ist. In Sachen Klassikern bin ich auch eher eine Einsteigerin, trotzdem konnte ich manch ältere Bücher flüssiger lesen. Ab und an verliert sich Hesse in meinen Augen außerdem in Nebensächlichkeiten.

    Fazit

    Hermann Hesse hat mit dieser an seine eigene Jugend angelehnten Erzählung eine Schulkritik verfasst, die auch über 100 Jahre später erschreckend aktuell ist. Die Verwandlung des begabten Hans zu einem erschöpften, gebrochenen und daher für die Lehrer und den Vater nicht weiter interessanten Protagonisten bewegt und stellt eine Warnung dar, die sich jeder, der mit Kindern zu tun hat, zu Herzen nehmen sollte. 

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    Maria0001vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Es nimmt einen mit.
    Muss man gelesen haben!

    Die Zeit im evangelischen Stift in Tübingen ging nicht spurlos an Hesse vorbei...

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    diesteppenwoelfins avatar
    diesteppenwoelfinvor einem Jahr
    Unterm Rad: Hesse, wie leibte, lebte und litt

    Kurz zum Inhalt:
    Hans Giebenrath ist ein begabter Junge, der aufgrund seines zu erwartenden Potentials schon früh mehr intellektuelle Förderung erhält als seine Mitschüler. Er besteht das Landesexamen, was ihm erlaubt, einen höheren Bildungsweg in der Klosterschule in Maulbronn einzuschlagen. Doch gehen die gestohlenen Kindheitsjahre und der tägliche Leistungsdruck nicht spurlos an Hans vorbei.

    Der Schreibstil:
    Ich würde ihn als sehr „Hesse-typisch“ beschreiben. Wortschatzreich und über einige Passagen emotional sehr tiefgehend. Er verlangt ein konzentriertes Lesen ab, aber man wird hierdurch mit literarischem Genuss belohnt.

    Warum ich diesem Werk 5 Sterne geben habe:
    Hermann Hesse und seine Biographie berühren mich sehr. In „Unterm Rad“ verarbeitet er seine eigenen Kindheits- und Jugenderfahrungen. Mich brachten seine Worte tatsächlich zum Weinen, so bewegt war ich von seiner Sensibilität und so sehr wünschte ich mir, Hans Giebenrath (oder nun eben Hermann Hesse) beistehen zu können, ihn in seiner emotional bedürftigen Seite zu bestätigen und aus dem endlosschweren Leistungsdruck zu erlösen.

    Für wen empfehle ich das Buch?
    Pädagogik-Kritiker, im Speziellen solche, denen es wichtig ist, einem Kind eine individuelle Förderung zu geben, Träumern ihre Träume zu lassen, keinen Einheitsbrei zu kochen.
    Menschen, die sich für psychische Krankheiten interessieren. Hier werden etwa „Burnout/ Depression“ und „Suizidalität“ thematisiert.
    Hesse-Liebhaber, denn man erfährt einiges über seine eigene Kindheit und Jugend.

    Fazit:
    Wen jene oben genannten Themen (Pädagogik, psychische Krankheiten, Hermann Hesse) nicht interessieren, der wird wohl weniger emotionale Leseerlebnisse haben. Dennoch bleibt seine ästhetische Ausdrucksweise, die mir oft sehr imponierte.
    Für mich gilt: Bisher konnte mich noch kein Buch zum Weinen bringen, aber dieses schaffte es, meine Seele zu berühren. Wohl auch, weil ich im Lesen eigene vergangene Erfahrungen hochholen und sogar ein Stück weit verarbeiten konnte.
    5 Sterne und ein Dank an diesen wunderbaren Autoren!

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    Gedankennomades avatar
    Gedankennomadevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wie Leistungsdruck einen jungen Menschen brechen kann ...
    Nur zwei Sterne weil ...

    ... dieser Roman zwar gut ist aber meiner Meinung nach weit unter einigen anderen von Hesses Werken rangiert.

    Warum?
    Darüber habe ich mir vor kurzem Gedanken gemacht:
    http://www.gedankennomade.net/5-romane-von-hermann-hesse/

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    Julinos avatar
    Julinovor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Hesse zeigt auf erschreckende Weise, wie ein junger Mensch durch sein bevormundendes Umfeld zu Grunde gerichtet wird. Sehr lesenswert!
    Hermann Hesse: Unterm Rad

    "Und so wiederholt sich von Schule zu Schule das Schauspiel des Kampfes zwischen Gesetz und Geist, und immer wieder sehen wir Staat und Schule atemlos bemüht, die alljährlich auftauchenden paar tieferen und wertvolleren Geister an der Wurzel zu knicken. Und immer wieder sind es vor allem die von den Schulmeistern Gehaßten, die Oftbestraften, Entlaufenen, Davongejagten, die nachher den Schatz unseres Volkes bereichern. Manche aber ­­– und wer weiß wie viele? — verzehren sich in stillem Trotz und gehen unter."

    Hans Giebenrath ist ein kluges Köpfchen, er stellt sich gut an in der Schule und wird deshalb ausgewählt, sich für das durchaus begehrte Landexamen zu bewerben. Dort würde er eine ausgezeichnete Ausbildung erhalten und könnte eine hoch angesehene, geistliche Berufslaufbahn einschlagen. Vom Ehrgeiz gepackt, von seinem Vater, den Lehrern im Dorf und dem Pfarrer angetrieben und unterstützt, gibt Hans alles, um die Aufnahmeprüfung in Stuttgart zu bestehen. Neben seinem Streben vergisst er jedoch, seine kindliche Freiheit zu genießen. Freunde hat er schon lang nicht mehr, auch geht er kaum noch in die Natur, die Bücher und Extrastunden bei Lehrern und dem Pfarrer bestimmen seinen Alltag. Glücklich ist er mit dieser Situation nicht, aber er will nicht versagen. Er will es den Menschen, die eigentlich wissen sollten, was für Hans das Beste ist, recht machen.

    "Alle diese ihrer Pflicht beflissenen Lenker der Jugend, vom Ephorus bis auf den Papa Giebenrath, Professoren und Repetenten sahen in Hans ein Hindernis ihrer Wünsche, etwas Verstocktes und Träges, das man zwingen und mit Gewalt auf gute Wege zurückbringen müsse. Keiner […] sah hinter dem hilflosen Lächeln des schmalen Knabengesichts eine untergehende Seele leiden und im Ertrinken angstvoll und verzweifelnd um sich blicken."

    Ein unheimlicher Druck lastet auf dem jungen Menschen, als er merkt, dass er womöglich einige Aufgaben im Examen falsch beantwortet habe. Letztendlich wird Hans aber aufgenommen, die Erwachsenen sind stolz auf ihn. Im Internat selbst kann er zunächst seinen Ehrgeiz noch halten, doch nach und nach schleicht sich die Pubertät in seinen Kopf und Körper, bis er schließlich wegen mangelnder Leistungen die Lehranstalt verlassen muss. Zurück in der Heimat bleibt ihm nun nicht mehr viel. Seine Kindheit ist verstrichen, ohne dass er sie je ausgelebt hat, mit Erschrecken stellt Hans fest, dass er langsam erwachsen wird und doch fehlt ihm ein Stück seines Heranwachsens. Es wurde geraubt, von den Erwachsenen um ihn herum, die in ihm nur den Leistungsschüler sahen und ihn nun fallen lassen.

    "[…] eigentlich ging Hans sie nichts mehr an. Er war kein Gefäß mehr, in das man allerlei hineinstopfen konnte, kein Acker für vielerlei Samen mehr; es lohnte sich nicht mehr, Zeit und Sorgfalt an ihn zu wenden."

    Wie eine leere, ausgesaugte Seele trottet Hans fortan durch sein Heimatdorf. Einziger Lichtblick ist eine amouröse Anwandlung mit Emma:

    "Sie streckte ihm ihre Hand über den Zaun weg hin. Er nahm sie schüchtern und zärtlich und drückte sie ein wenig, da merkte er, daß sie nicht zurückgezogen wurde, faßte Mut und streichelte die warme Mädchenhand fein und vorsichtig."

    Doch auch diese verschwindet so schnell aus seinem Leben wie sie gekommen war und stürzt Hans nur noch tiefer in seine Depressionen.

    Hermann Hesse war 29 Jahre alt, als er 1906 Unterm Rad schrieb. Er selbst wurde in seiner Kindheit gezwungen, ein Landexamen abzulegen und den beruflichen Weg des Pfarrers einzuschlagen. Auch er wollte dies irgendwann nicht mehr, rebellierte, flüchtete sich wenig später in Suizidgedanken. Nach einem missglückten Selbstmordversuch wurde er schließlich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Der spätere Literaturnobelpreisträger hat in erster Linie seine Eltern für diese misslungene Jugend verantwortlich gemacht und seine Geschichte schließlich in Unterm Radverarbeitet. Dieses Buch zeigt einerseits, wie konservativ und prestigesüchtig die Gesellschaft in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts noch war. Andererseits konnte ich auch einige Parallelen zu heutigen Erziehungsmethoden und zu unserem Schulsystem, jedenfalls so, wie ich es erlebt habe, erkennen. Leistungen in der Schule werden gesellschaftlich hoch angesetzt. Eine Note sagt allerdings rein gar nichts über einen Menschen aus. Immer wieder wurde uns von Lehrern und Eltern eingebläut, wie wichtig es sei, gut in der Schule zu sein. Im Nachhinein interessieren unsere Schulnoten doch nun wirklich niemanden mehr, weil, meiner Meinung nach, doch jeder seine oder ihre Nische in diesem Land finden kann. Beim Lesen machte es mich unendlich traurig, wie sehr die formal Mündigen einen jungen Menschen so zerstören können. Nicht umsonst gehören Hesses Werke zu den Klassikern der deutschen Literatur. Unterm Rad ist zeitlose Lektüre und so aktuell wie jeher. Menschen, die an der Erziehung eines Kindes beteiligt sind, sollten dieses Buch als Pflichtlektüre auf ihrem Nachtisch liegen haben.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Für mich war der Stil der Horror!
    Durschnittliches Buch!

    Cover: Das Cover passt sehr gut zum Inhalt der Geschichte. Man erkennt ein Schreibtisch mit einem Tintenglas und einer Feder. Der Hintergrund ist weiß und dadurch ist das ganze Bild sehr schlicht aufgebaut. Insgesamt ist das Cover sehr gut gelungen. Meine Meinung: Dieses Buch lese aktuell in der Schule, da mich ein paar gefragt haben ob ich wieder eine Rezi schreiben, meinte ich kann dies gerne tun.

    Die Handlung: Die Handlung war jetzt nicht gerade der Brüller, aber war schon sehr lebendig und es gabe Abwechslung. Richtung Ende des Buch war es dann doch sehr zählflüßig und langwierig. Zudem waren die Kapitel an sich sehr lange gehalten. Insgesamt ist die Geschichte sehr langanhalten und nicht wirklich spannend.

    Die Charaktere: Die Charaktere wurden sehr gut beschrieben und man konnte sich recht gut in Hans Gefühlswelt denken. Trotzem waren sie sehr stereotypisch und nicht immer lebendig. Es war eher sehr trostlos und nicht wirklich einfühlsam.

    Der Stil: Der Stil war auf jeden Fall nicht meine Art. Er war sehr altmodisch und für mich nicht gut zu lesen. Er war sehr zähflüssig und sehr schleppend. Mir hat er nicht gut gefallen.

    Das Ergebnis: Dieses Buch fand ich als Schullektüre nicht besonders, da der Stil altmodisch ist und sich die Geschichte sehr zieht. Man hätte ein paar "Flashbacks" auslassen könne und die Geschichte am Schluss nicht so lange weiterziehen. Insgesamt ist dieses Buch durchschnittlich.

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