Hermann Kant Die Summe

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  • Rezension zu "Die Summe," von Hermann Kant

    Die Summe

    Heike110566

    07. April 2011 um 08:11

    Das Fazit: "Die Summe", erschienen bei Rütten und Loening 1987, ist eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Polit-Satire. Hermann Kant (geb. 1926) hat mit dieser Erzählung eine sehr schöne, zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte vorgelegt. Kurt Schleede ist Leiter des Schöpferischen Büros des MfAA, des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Er wird vom DDR-Außenministerium als staatlicher Repräsentant in die simulierte Direktion der simulierten Alleuropäischen Kulturstiftung, die im Zuge der KSZE-Vereinbarungen von Helsinki ins Leben gerufen wurde, nach Budapest entsandt. Die Veranstaltung ist eine Simulation von 33 europäischen KSZE-Unterzeichnern sowie USA und Kanada, die auch diese berühmte Schlussakte von Helsinki unterschrieben haben. Simuliert wird hier deshalb, weil man, um Kosten zu sparen, erst testen will, ob eine solche Kulturstiftung funktionieren könnte, bevor man es vielleicht macht und dann das Ganze scheitert. Jedes Land entsendet dazu eine Person, die den jeweiligen Staat darstellt. Aus der DDR ist dies, wie bereits erwähnt, Kurt Schleede. Er reist also nach Budapest, um an der Konferenz teilzunehmen, auf der die neun geschäftsführenden Direktoren bestimmt werden sollen. Das Direktionsgremium soll dabei aus jeweils drei Vertretern von NATO, Warschauer Vertrag und Blockfreien bestehen. Da es sich ja nur um eine, im Grunde bedeutungslose Simulation handelt, erwartet Schleede, dass das Ganze recht unproblematisch abläuft. Aber: weit gefehlt. Schon die Sitzordnung stößt ihm auf. Die Plätze der Teilnehmer sind nach dem französischen Ländernamen geordnet und so sitzt er in der Mitte zwischen dem Vertreter der BRD und dem der USA. Und noch symbolträchtiger ist, dass sein Hotel-Zimmernachbar der Herr aus der BRD ist. Wand an Wand, oder wie man auch sagen könnte: auf verschiedenen Seiten ein und derselben (Zimmer-) Mauer, wohnt er mit ihm. Der erste Sitzlungstag beginnt und Schleede ist frohen Mutes, dass er recht schnell wieder nach Hause fliegen kann. Aber schon die Bestimmung des Sitzungsleiters führt zu erheblichen, kontroversen, vom Blockdenken und Hegemoniestreben gekennzeichneten Konfrontationen der 35 Teilnehmer. Die staatlich geprüfte Fernseh-Lottomaschine muss herbeigeholt werden ... Natürlich soll diese Kulturstiftungssimulation auch einen gemeinsamen europäischen Rundfunksender haben. Für das Pausenzeichen wird die Ode "An die Freude" von Friedrich Schiller vorgeschlagen. Doch ist sie wirklich geeignet? Der Text ist voller poltischer Fallstricke. "Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken Himmlische, dein Heiligtum. Deine Zauber binden wieder, Was die Mode streng geteilt, Alle Menschen werden Brüder, Wo dein sanfter Flügel weilt." Was Schiller sich dabei bloß gedacht hat? Das Elysium ist laut Brockhaus die Insel der Seligen am Westrand der Erde. Am Westrand!!! Das geht ja politisch nun gar nicht irgendwie. Und dann auch noch, dass gebunden werden soll, was streng geteilt. Da gibt es doch sofort die Assoziation vom geteilten Deutschland. Und die Überwindung dieser Teilung erfolgt durch diese ominöse Tochter von der Insel der Seligen am Westrand der Erde. Also eine Einheit unter Obhut des Westens. - Also, was hat Schiller da bloß sich bei gedacht? Damit aber nicht der Probleme Ende. Von seiner Enkelin Rita hat er den Auftrag bekommen ihr eine besondere Ausführung von lila Zopfhaltern zu besorgen, die es nur in Ungarn gibt und gerade modisch in sind. Zwar erwirbt er sehr schnell dieses, von der Enkelin ersehnte Schmuckstück, aber dummerweise hat der Vertreter der Sowjetunion, der Genosse Karpow, von seiner Enkelin denselben Auftrag bekommen. Und er hatte Pech: die lila Zopfhalter waren ausverkauft. Was nun? Hermann Kant, bekannt besonders für seinen legendären Roman "Die Aula", erweist sich in diesem Buch wieder mal als Meister der satirischen Erzählweise. Locker und leicht bringt er ironische Anspielungen auf die Politik während des Kalten Krieges. Und dies insbesondere im Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion sowie der BRD und der DDR. Es ist absolut keine anspruchsvolle Literatur, sondern Unterhaltungslektüre, die man aus heutiger Sicht auch noch durchaus lesen kann. Es ist, so meine Meinung, ein guter Spiegel der Zeit. Mit 174 Seiten ist dieses Buch auch nicht allzu umfangreich und da es sehr unterhaltsam geschrieben ist, ist es auch zügig gelesen.

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