Hermann Stefánsson Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

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Inhaltsangabe zu „Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte“ von Hermann Stefánsson

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  • Nicht einfach, aber besonders sprachlich brillant

    Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

    joergmcfly

    12. June 2013 um 16:49

    Das "Sagenhafte Island" war 2011 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse; in diesem Zusammenhang hatte blogg-dein-buch PUNKT de in letzter Zeit überdurchschnittlich viele isländische Werke im Angebot der zu rezensierenden Bücher. Eines davon hat mich - wie auch bei der letzten Runde - wegen meines Lieblingsthemas "Zeitreise" besonders angesprochen; ich durfte inzwischen tatsächlich ein Rezensionsexemplar des Romans mit dem oben genannten Titel genauer unter die Lupe nehmen. Hermann Stefánsson hat mit dem Roman "Algleymi" (Originaltitel) 2008 offenbar bereits das dritte Buch herausgebracht, das von den Protagonisten Guðjón Ólafsson und Helena erzählt. In diesem Roman hat Guðjón nach einem Unfall - oder war es ein Überfall? - sein Gedächtnis und zunächst auch seine Sprachfähigkeit verloren. Nach und nach muss er sich sein Leben wieder erschließen. Seine Freundin Helena, in deren Perspektive regelmäßig gewechselt wird, kommt mit alledem nicht klar und zieht sich in ihrem Job als Übersetzerin aufs Land zurück wo eine krimiartige Nebenhandlung eröffnet wird, die sich erst um einiges später wieder etwas unmittelbarer mit Guðjóns Erzählfaden verknüpft. Er dagegen wird Teil (oder ist er es bereits geworden? Raum- und Zeitverwirrung greifen hier sehr leicht auf den Leser über...) eines bizarren Experiments, verbunden u.a. mit der umstrittenen Urknall-Forschung im Schweizer CERN-Labor, das schon einmal für einen Zeitreise oder vielmehr "-Stillstand"-Roman herhalten musste ("42" von Thomas Lehr). Er erlebt dabei Visionen bzw. Erfahrungen und Erinnerungen aus Sicht von geschichtlichen Personen... bis in die Zeit Jesu Christi! Zu bemerken ist, dass der Verlag mit dem deutschen Titel einen "Spoiler" produziert hat - das kann man auch dem Klappentext anlasten: Die Hinweise, dass es nämlich im Grunde nicht nur um die Geschichte eines Mannes mit Gedächtnisverlust geht, der - aus welchen Gründen auch immer - "Erinnerungen an die Vergangenheit" anderer Menschen hat, sondern eben um ein beabsichtigtes Zeitreiseexperiment, sind im Text sehr subtil verborgen. Ab und an streuen die Figuren, mit denen Ólafsson interagiert, das Thema ein, und auch er selbst philosophiert unter anderem über die Zeit und diesbezügliche physikalische Experimente - aber doch meistens eher durch das Gedankenwirrwar in seinem Gehirn motiviert: Dass da wirklich ein Zusammenhang besteht zwischen den Spritzen seines Arztes und den Experimenten im CERN, und dass es dabei wirklich um Bewusstseins-Zeitreisen geht, wird erst in der zweiten Hälfte des Romans so richtig klar - aber der Effekt dieser langsamen Erkenntnis wird durch den sperrigen deutschen Titel m.E. verdorben. Zum Vergleich: Das Original hieß, wie ja schon erwähnt, einfach und kurz "Algleymi", was soviel bedeutet wie "Entzücken", "Euphorie", im englischen Titel des Buches - ebenfalls nur in einem Wort - auch als "Nirvana" oder "Vergessen(heit)" übersetzt. Ansonsten kann die erst 2011 erschienene deutsche Fassung aber in jeder Hinsicht glänzen: Der Übersetzer Richard Kölbl schafft es meiner Ansicht nach, sowohl wissenschaftliche Sprache als auch kulturelle Anspielungen ebenso wie die Sprachspielereien - ja zu Beginn auch einfach Sprachfetzen zu nennen, die unter anderem die Tatsache illustrieren, dass Guðjón Ólafssons Sprachzentrum durch den Unfall gelitten hat - mit einer Leichtigkeit ins Deutsche zu übertragen, die einen vergessen lässt, dass es sich nicht um einen Originaltext handelt. Das Buch mag nicht immer einfach zu "verdauen"/verstehen sein, aber für mich als Bewunderer auch experimenteller sprachlicher Finesse war es auf der Bahnfahrt, während der ich es gelesen habe, definitiv mehr Genuss als Anstrengung. Dennoch möchte ich mit meiner 4- statt 5-Sterne-Wertung zum Ausdruck bringen, dass mir bewusst ist, dass das durchaus nicht für jeden Leser so sein mag - auch hier noch einmal der Verweis auf "42", das manchen Leser vor ähnliche Probleme stellt. Der Roman wird auf dem Klappentext übrigens als "Ideen-Thriller" bezeichnet, was insofern treffend ist, als neben der Haupthandlung eben immer wieder philosophiert wird, sei es über das Verständnis der Menschen von ihrer Geschichte oder das Wesen der Zeit allgemein - eins der Beispiele hat es mir besonders angetan, stellt der Autor doch den Vergleich zwischen einem Spiegel als Fenster in die unmittelbare Vergangenheit (schließlich brauchen Licht- und Nervensignale ja ein bisschen Zeit, bis sie in den Spiegel und wieder hinaus respektive von den Augen ins Gehirn gewandert sind und ich mein Spiegelbild wahrnehmen kann) und der leichten Zeitverzögerung, mit der Rundfunksender ihre Ausstrahlungen versehen, um gegebenenfalls z.B. verbale "Ausrutscher" ihrer Moderatoren abfangen zu können - meine Erfahrungen mit der entsprechenden Vorrichtung habe ich bereits selbst in einer Kurzgeschichte verarbeitet, die im Hill Valley Blog unter dem Suchbegriff "Beruhend auf wahren Gegebenheiten" nachzulesen ist. In der Kritik wird, wie netzseitig zu lesen ist ("Sagenhaftes Island" hat eine eigene Website) und, wie ich denke, ganz zu Recht, die Qualität des "avantgardistischen Werkes" in der isländischen wie auch "egozentrischen Literatur" und damit verbunden Hermann Stefánssons feiner Sinn für Humor einhellig gelobt. Von der Erwähnung stark Science-Fiction-lastiger Passagen abgeschreckte Leser vorliegender Rezension mögen beruhigt sein, denn sie können jenen m.E. in der Summe nicht ersticken. Ich bedanke mich bei BloggDeinBuch PUNKT de sowie beim Litteraturverlag (sic) Roland Hoffmann für die Vermittlung bzw. Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars.

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  • Rezension zu "Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" von Hermann Stefánsson

    Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

    monja1995

    01. May 2012 um 15:09

    Klappentext: Der Schriftsteller Gudjon Olafsson erwacht im Krankenhaus, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich? Ganz allmählich gewinnt Gudjon seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Lebensgefährtin vorstellt, und er in Island von einem Forscher am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging. Mein Umriss: Rätsel vergangener Jahrhunderte – 200 Jahre Entwicklungsarbeit und das Ergebnis: CERN – der Teilchenbeschleuniger. Dieses wohl größte Labor der Welt verleitet Wissenschaftler, bestehende Theorien zu testen, Beweise zu finden und neu zu definieren. Anhand der Kenntnisse von Zeit und Raum, an denen auch Einsteins Relativitätstheorie nicht ganz unbeteiligt ist, liefert Hermann Stefansson eine mitreissende und zugleich erschreckende Vision, zu was die Wissenschaft vielleicht in absehbarer Zeit in der Lage sein wird. Nach Einsteins Theorie sollten Zeitreisen in die Zukunft nicht unmöglich sein. Hier jedoch werden Menschen wie Gudjon und Helena als Hauptprotagonisten auf Zeitreisen in die Vergangenheit geschickt. Gudjon Olafsson erwacht aus dem Koma. Warum fiel er ins Koma? Warum leidet er an einer massiven Amnesie? Warum ist in seinem Kopf so vieles weiß wie ein unbeschriebenes Blatt? Langsam in kleinen Schritten unter Mithilfe seines Vaters findet er zurück ins Leben. Während der Rehabilitationsphase begegnet er „dem Hinzugekommenen“, wie er seinen Lebensretter nennt. Hier erscheint nun auch Helena, Gudjons frühere Lebensgefährtin. Ab dieser Stelle führen zwei scheinbar unabhängige Handlungsstränge durchs Geschehen. Mein Eindruck: Anfangs für den Leser sehr verworren geschrieben, als würde man selber an Amnesie leiden. Allerdings wird jeder der das Buch nicht nach zehn Seiten zur Seite legt, mit einer rasanten Fiktion um Zeitreisen im 21. Jahrhundert belohnt. Wobei sich herausstellt, dass diese Zeitreisen keineswegs für Gudjon und Helena freiwillig stattfinden, sondern dem „kranken Hirn“ eines unersättlichen Wissenschaftlers entstammen, der im Laufe seiner Forschungen das bewusstseinserweiternde Medikament Deiktin entwickelte und dieses menschlichen „Laborratten“, eben Gudjon, Helena und weiteren unfreiwilligen Probanden injiziert. Die Schreibweise ist nicht ganz einfach, was wohl auch am Thema liegen mag. Daher ist es trotz der wenigen (248) Seiten kein Buch, das man mal eben am Sonntag Nachmittag liest. Durch die etwas ungewöhnliche Schreibweise und den Gesamtaufbau verdient insbesondere der Übersetzer Richard Kölbl den höchsten Respekt für die hervorragende Zusammenarbeit mit Hermann Stefansson. Mein Fazit: Hätte ich das Buch zu lesen angefangen, ohne den Klappentext gelesen zu haben, hätte ich es ganz bestimmt bereits nach 10 Seiten abgebrochen. Da der Klappentext jedoch so vielversprechend war, war der Anreiz umso höher, weiter zu lesen. Es ist kein Buch für ungeduldige Leser, die eine feste Struktur brauchen. Jedoch ein Buch für Leser, die bereit sind sich auf etwas anderes, nicht weniger spannendes über Forschung und Entwicklung durch Einsteins „Erben“, einzulassen.

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  • Rezension zu "Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" von Hermann Stefánsson

    Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

    PrinzessinAnne

    05. December 2011 um 17:52

    Worum geht es: Gudjon kann sich an nichts erinnern. Eines Tages erwacht er im Krankenhaus, kann sich weder an Dinge aus seiner Kindheit und von vor kurzem erinnern, noch funktioniert sein Kurzzeitgedächnis, und trotzdem muss er es irgendwie schaffen sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Doch andauernd überkommen in scheinbare epileptische Anfälle die ihn in eine andere Welt befördern. Das alles verspricht aber ein Ende zu haben, als ihn sein Arzt Karl in die Schweiz schickt, um ihn dort einer neuen Heilungmethode zu unterziehen. Meine Meinung: Vorsichtig formuliert ist dieses Buch skurril, mit meinen Worten ist das Buch einfach nur ziemlich verwirrend und teilweise leider auch ziemlich ätzend. Aber mal der Reihe nach. Ich habe das Buch kostenlos zum Rezensieren von der Seite http://www.bloggdeinbuch.de/ zugeschickt bekommen, nachdem ich es mir bewusst aus einer ganzen Auswahl von Titeln ausgewählt habe. (Bestellen könnt ihr euch das Buch dann übrigens hier: http://www.litteraturverlag.com/bestellen.html) Es klingt für mich nach einer eher dramatischen Geschichte um einen Mann der sein Gedächtnis verliert und anschließend Fiktion von Realität nicht mehr unterscheiden kann. Außerdem spielt es auf Island, für mich eine der interessantesten und mystischsten Länder überhaupt. Aber schon nach den ersten 10 Seiten war ich unglaublich genervt von dem Buch, von dem Schreibstil, von allem. Der Einstieg ist total schlecht verständlich, eben auch deshalb weil es aus der Sicht bzw. mit den Rückständen eines Wortschatzes von Gudjon geschrieben ist, der sich an nichts erinnert. Die Sätze sind zusammenhanglos, unlogisch etc. Wüsste ich nicht, worum es in dem Buch ginge, hätte ich nach 5 Seiten aufgehört, weil es mir schlicht und ergreifend nicht möglich war, rein zu kommen. Teilweise sind dann die Ansichten in dem Buch ganz cool, vor allem für Leute wie mich, die mit Physik beispielsweise nicht allzu viel am Hut haben. Z.B. die Tatsache, dass man sich selbst im Spiegel als jemand anderes wahrnimmt, als man ist, aber andere physikalische Phänomene wurden seitenweise breit getreten und am Ende hab ich trotzdem nicht verstanden wie das funktionieren soll. Über Teilchenbeschleunigung, Materie, den Urknall und und und. Mittendrin wird das Buch dann aber spannend, und ich dachte wirklich schon: Juchuh, jetzt ist der Knoten geplatzt, das Buch ist doch keine so große Katastrophe wie angenommen. Gudjons Freundin Helena reist in ein abgeschiedenes Dorf und wird in die kranken Phantasien eines Mannes verwickelt. Klingt nach Krimi und Thriller. Hält 20 Seiten an. Und dann wird das Buch wieder irreal und anstrengend. Wenn ich Sterne vergeben würde, bekäme das Buch höchstens noch 1 von 5. Ich hatte beim Lesen absolut gar keinen Spaß. Das Buch ist total furchtbar, nicht flüssig, und so an den Haaren herbei gezogen, dass ich es mehr als einmal liebend gerne vergraben hätte.

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  • Rezension zu "Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" von Hermann Stefánsson

    Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

    Rabenfrau

    23. October 2011 um 16:24

    Der Schriftsteller Guðjón Ólafsson wacht im Krankenhaus auf, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich? Allmählich gewinnt Guðjón seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Freundin vorstellt, und er am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging… „Die Versuche des Menschen, die Welt um sich herum zu verstehen, ist eine der wenigen Dinge, die das Leben aus der Flachheit der Farce zu tragischen Höhen emporhebt.“ - Steven Weinberg - „Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte“ von Hermann Stefánsson erschien in Island bereits im Jahre 2008, und hat nun endlich auch den Weg auf den deutschen Buchmarkt gefunden. Ich hatte von Beginn an sehr große Erwartungen an dieses Buch gestellt. Zum einen hat mich bereits der Titel angesprochen, zum anderen natürlich die Erwähnung von CERN. Wenn man, wie ich, selbst eher im Forschungslabor zu Hause ist, dann erscheint ein solches Buch fast schon wie ein Geschenk des Himmels. Im Vergleich zu anderen aktuellen Veröffentlichungen ist das Cover von „Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte“ eher schlicht gehalten, aber meiner Meinung nach würde Stefánssons Werk allein aus diesem Grund in einer Buchhandlung auffallen, denn dezent in Grautönen gehaltene Cover sind heutzutage schon eher eine Seltenheit. Von der ersten Zeile an zieht einen Steffánssons Werk in seinen Bann. Es ist wunderschön zu lesen, bietet wundervolle Formulierungen, ist mal einfach gehalten, und dann plötzlich wieder hoch philosophisch und wissenschaftlich. „Weiße Welt stürzt ihm ins Bewusstsein, konfus und fremd. Fragmentarisches Erkennen, verschwommene Grenzen zwischen dem einen Gedanken und dem nächsten.“ Es gelingt dem Autor Guðjóns Verwirrtheit direkt nach dem Aufwachen auf faszinierende Weise sprachlich darzustellen. Verdrehte Worte und Buchstaben wechseln sich mit zusammenhanglosen Gedankenfetzen ab, und lassen es dem Leser ähnlich ergehen wie der eigentlichen Hauptperson. Guðjóns als Charakter erweist sich als ungemein faszinierend, ist er sich doch seiner eigenen Identität oft selbst nicht sicher. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wird, sind sowohl sein Langzeit- als auch sein Kurzzeitgedächtnis schwer angegriffen. Er vergisst viele Dinge sofort wieder, stellt ständig die selben Fragen, die ihm sein Vater immer wieder beantworten muss. Vor dieser Vaterfigur hatte ich von der ersten Minute an großen Respekt, stellt er sich doch dieser ungemein schweren Aufgaben, die alles an Geduld und Gemütsruhe fordert, die ein Mensch aufweisen kann. Wechsel zwischen Ich- und Er-Perspektive zeigen zusätzlich als sprachliche Mittel Guðjóns Schwierigkeiten in Sachen Identitätsfindung auf. Er leidet an Flashbacks; macht oft keinen Unterschied zwischen sich selbst und erfundenen oder historischen Persönlichkeiten, in deren Leben er während seiner Anfälle (Ausfälle?) er episodenhaft Einblick gewinnt. Neben Guðjón fungiert Helena ebenfalls als wichtiger Charakter, der immer mehr Raum einnimmt und Guðjón zeitweise als Erzähler ablöst. Im Gegensatz zum ihm wirkt sie normal, ihre Textpassagen unterscheiden sich deutlich von Guðjóns, sind klarer, direkter und weniger verworren gehalten. Doch bald schon ereignen sich auch in ihrem Leben Dinge, die Fragen aufwerfen – bei ihr und beim Leser. Und Fragen stellt sich der Leser bei diesem Roman wohl ständig. Was ist real? Was ist Fiktion? Handelt es sich bei dieser oder jener Szene um etwas, das tatsächlich in der realen Welt geschieht, oder doch nur um eine von Gudjons Episoden? Nach und nach kommt Licht ins Dunkel. Das Voynich-Manuskript, Schrödingers Katze als Symbol für einen zeitlosen Wahrscheinlichkeitsraum, Quantenmechanik, Teilchen – all dies beginnt sich zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. „Traum und Wirklichkeit sind eins geworden, die Zeit legt sich quer, schließlich aber verläuft sie sich.“ Hermann Stefánsson hat mit „Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte“ einen Roman geschaffen, der sich an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Amnesie und den Gesetzmäßigkeiten der kleinsten Teilchen der materiellen Welt orientiert, und daraus eine Geschichte formt, die so anders ist, so besonders, so faszinierend, das es kaum passende Worte zu geben scheint, um dieses Werk wirklich gebührend zu würdigen. Kein einfacher Roman, aber in meinen Augen ein wahrer Diamant, der all jene, die sich die Zeit nehmen um in Guðjóns Welt einzutauchen, mit auf eine unvergessliche Reise nimmt.

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  • Rezension zu "Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" von Hermann Stefánsson

    Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

    Ritja

    04. October 2011 um 10:09

    Klappentext: Der Schriftsteller Guðjón Ólafsson wacht im Krankenhaus auf, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich? Allmählich gewinnt Guðjón seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Freundin vorstellt, und er am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging. Meine Rezension: Ich bin eigentlich ein Fan von den „kalten“ Autoren, d.h. Autoren aus dem skandinavischen Gebiet oder eben Island. Bisher habe ich auch gute Erfahrungen mit ihren Büchern gemacht und wusste, dass sie einen speziellen Humor bzw. auch Schreibweise haben. Deshalb nahm ich auch an, dass „Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" von Hermann Stefansson eine gute Wahl wäre. Doch leider erwies sich das Buch als meine bisher langweiligste und enttäuschendste Erfahrung in Sachen isländischer Autoren. Das Buch beginnt verwirrend und für den Leser durcheinander, denn es gibt keinen so richtigen Einstieg in das Buch. Wenn man den Klapptext nicht gelesen hat, weiß man auf den ersten Seiten nicht, worum es eigentlich gehen könnte. Die ersten Seiten quält man sich durch, in der Hoffnung, dass es besser und interessanter werden könnte. Doch leider erfüllt sich diese Hoffnung nicht, denn der Autor bleibt bei seinem verworrenen Stil und schiebt nur gelegentlich mal ein paar Seiten klarer Handlung dazwischen. Sie handeln meist von der Ex-Freundin Guðjón, Helena, die mit der Situation und dem (Denk-)Verhalten von Guðjón überfordert ist (und nicht nur sie) und dankbar ein Angebot für eine Buchübersetzung annimmt und somit ihm ausweichen kann. Sie selbst gerät dabei auch in das Visier eines krankhaften Mannes, dessen Buchskript sie als schlecht bewertet hat. Nach diesen kurzen Abschnitten des „angenehmen“ Lesens muss der Leser wieder in das Wirrwarr des Verunglückten Guðjón einsteigen und mit ihm leiden, wenn er wieder einmal Realität und Fiktion/Träume nicht auseinander halten kann. Auch die Bezeichnung von Personen mit „der Hinzugekommene“ ist für das Verständnis wenig hilfreich und schafft keine zusätzliche Spannung und Anregung, sondern noch mehr Unverständnis. Der Schreibstil des Autoren strengt sehr an, so dass ein flüssiges Lesen des Buch kaum möglich war. Ich hätte das Buch bereits nach gut 20 Seiten weglegen können ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Es war für mich eher eine Qual des Lesens als eine Freude. Die Handlung war für mich mehr als chaotisch und unlogisch gewesen. Mit anderen Worten: an den Haaren herbeigezogen. Was wollte mir der Autor vermitteln? Ich weiß es nicht. Und am Ende wollte ich einfach nur fertig werden, um mich anderen Büchern widmen zu können. Für Leser, die noch nie isländische Autoren gelesen haben, sollte dies kein Einstiegsbuch werden.

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