Hernán Rivera Letelier

 4 Sterne bei 66 Bewertungen
Autor von Die Filmerzählerin, Die Liebestäuschung und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Hernán Rivera Letelier

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Die Filmerzählerin

Die Filmerzählerin

 (60)
Erschienen am 12.03.2012
Der Traumkicker

Der Traumkicker

 (3)
Erschienen am 13.02.2012
Die Liebestäuschung

Die Liebestäuschung

 (3)
Erschienen am 17.02.2013
Der Traumkicker: Roman (insel taschenbuch)

Der Traumkicker: Roman (insel taschenbuch)

 (0)
Erschienen am 13.02.2012
La contadora de películas

La contadora de películas

 (0)
Erschienen am 12.10.2016
Lobgesang auf eine Hure

Lobgesang auf eine Hure

 (0)
Erschienen am 01.01.1999
Die Liebestäuschung: Roman

Die Liebestäuschung: Roman

 (0)
Erschienen am 18.02.2013

Neue Rezensionen zu Hernán Rivera Letelier

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msmedlocks avatar

Rezension zu "Die Filmerzählerin" von Hernán Rivera Letelier

Filme erzählen
msmedlockvor einem Jahr

Ich mag die Bücher vom Inseltaschenbuch-Verlag. Sie haben genau die richtige Seitenstärke und Schriftgröße und auch von außen sind sie sehr ansehnlich. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem ganz bestimmten Klassiker und habe die Suhrkamp-Seite durchsucht, als mir dieses Buch über den Weg gelaufen ist. Irgendetwas daran hat mich berührt und fasziniert, sodass ich es mir schließlich (zusammen mit ein paar anderen Büchern) bestellt habe.

Lasst mich zuerst einmal sagen: Das Buch ist nicht dick. Es übersteigt gerade mal so die 100-Seiten-Grenze und die Kapitel sind kurz. Aber das macht überhaupt nichts. Obwohl das Buch eher ein Büchlein ist, beherrbergt es eine Geschichte, die in einem nachklingt und die ich wohl niemals ganz vergessen werde.

María Margarita erzählt von ihrem Leben in dem chilenischen Minendorf, von ihrer Familie und wie es dazu kam, dass sie die Filmerzählerin wurde. Sie erzählt von ihrer fasziniation für Spielfilme, von ihren Vorbereitungen für die Erzählungen, von ihrem Dorf und den Gerüchten, die sich um einzelne Personen ranken.
Sie ist aufgeweckt, aber auch ernst und so wie sich ihre Umwelt mit der Zeit verändert, so muss sich auch María Margarita verändern.

Die Geschichte ist gefühlvoll und berührend. Sie bringt einem zum Lächeln, stürzt einen aber auch in tiefe Traurigkeit. Als ich am Ende des Buches angekommen war, war ich randvoll mit Melancholie und einer neuen Wertschätzung für Kinofilme und das Kino an sich.

Ich habe das Buch gerne gelesen. Ich habe das Buch nicht gerne gelesen. Ich freute mich für María, weil sie etwas gefunden hatte, in dem sie gut war. Ich wollte etwas Besseres für María. Ich war gefangen und befreit und am Boden zerstört. Dieses Buch hat mir beim Lesen viele Gefühle beschert und ich lege es euch ans Herz, wenn euch mal wieder nach einer Gefühlsachterbahn ist.

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walli007s avatar

Rezension zu "Die Liebestäuschung" von Hernán Rivera Letelier

Onestep in Chile
walli007vor einem Jahr

Ihr Vater ist etwas besorgt, mit fast dreißig Jahren hat seine Tochter Golondrina del Rosario noch jeden Verehrer abgewiesen. Im Chile des Jahres 1929 ist das schon ungewöhnlich. In der Salpeterstadt Pampa Unión noch mehr. Es bleibt zu hoffen, dass die jüngferliche Kinopianistin ihr Glück findet. Golondrina hegt indes eine heimliche Leidenschaft, nachdem sie vor einem halben Jahr einem Hallodri zur Flucht verhalf. Und nun im August soll in der Stadt ein Orchester gegründet werden, um zu Ehren des Besuchs des Präsidenten aufspielen zu können. Golondrinas Überraschung ist schier unermesslich als sie den Trompeter Bello Sandalio als ihr kleines Abenteuer wieder erkennt.


Anarchie, Musik und Liebe könnte man als die Grundthemen dieses Romans bezeichnen. Im Chile Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Blütezeit der Salpeterminen schon vorbei. Doch noch gibt es sie die Städte in der Wüste, schnell aufstrebend. Kultur soll für die Reichen bereitgestellt werden. Ausbeutung, Armut, Kindersterblichkeit ist das, was für die Arbeiter übrig bleibt. Diese Ungerechtigkeit treibt auch Golondrinas Vater um, der heimlich nie davon abgelassen hat, nach einer Gelegenheit zu suchen. Er liebt seine sittsame Tochter, in der ungeahnte Leidenschaft brodelt. Insgeheim ist er sogar froh, dass sie sich dem leichtfüßigen Trompeter zuwendet und ihre anderen eher langweiligen Verehrer verschmäht.


Leichtigkeit und Schwere geben sich in "Die Liebestäuschung“ die Hand. Mit teilweise ausschweifenden Worten malt der Autor das Bild einer dem Niedergang geweihten Nische der Kultur eines Landes. Chile einst reich, nun eher auf dem absteigenden Ast. Die politische Klasse lässt die Arbeiter in ihrem Elend, keiner scheint etwas unternehmen zu wollen. Die fahrenden Musiker scheinen die Aufgabe zu haben, die Not mit ihrer Kunst zu übertönen. Welche Kraft dagegen hat Golondrinas Liebe, die sich damit gegen das vorgegebene Leben auflehnt und sich in das für sie wahre Leben stürzt. Bei aller Urgewalt der Gefühle, die über Golondrina hereinbrechen, fragt man sich bald, ob ihr bei diesem Liebestosen eine glückliche Zukunft beschieden sein kann. 


Auch wenn die Musiker ihr Publikum mit Onestep-Musikstücken unterhalten, gestaltet sich Golondrinas Liebe eher dramatisch wie ein Tango.


3,5 Sterne

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RitaLeseviels avatar

Rezension zu "Die Filmerzählerin" von Hernán Rivera Letelier

Dem tristen Leben in der Wüste mit Worten Farbe geben.
RitaLesevielvor 2 Jahren

Zu Hause waren wir fünf Geschwister. Vier Jungs und ich.

Als mein Vater auf die Idee mit dem Wettbewerb kam, war ich zehn Jahre alt und in der dritten Klasse Grundschule. Seine Idee bestand darin, uns nacheinander ins Kino zu schicken und uns dann den Film erzählen zu lassen. Wer ihn am besten erzählte, würde jedes Mal gehen dürfen, wenn ein guter Film lief

Darf ich vorstellen? Maria Margarita, Tochter eines behinderten Minenarbeiters in der chilenischen Atacama-Wüste. Die Mutter hat sich beizeiten aus dem Staub gemacht, um nicht den Rest ihres jungen Lebens fünf Kinder und einen gelähmten Gatten mittels einer spärlichen Invalidenrente durchzubringen.

Da kein Geld vorhanden ist, dem Vater seine tägliche Weinration zuzugestehen und alle Kinder ins Kino zu schicken, kommt dem Vater die Idee, des Wettbewerbs zum Filmerzähler. Obwohl die jüngste in Bunde, setzt sich Maria Margarita durch und versorgt von nun an, zunächst nur die Familie, dann einige Nachbarn und schlussendlich fast das ganze Dorf mit ihren grandiosen Nacherzählungen der Kinofilme.

Das Buch von Autor Hernán Rivera Letelier ist mir durch Zufall auf einem Flohmarkt in die Hand gefallen. Es ist ein kleines, schmales Buch von etwas mehr als 100 Seiten, was dem Roman keinen Abbruch tut. Letelier versetzt sich in eine Zehnjährige, die selbst über ihr Talent überrascht ist und darin ihre Zukunft sieht. Mit viel Empathie, einer großen Portion Humor und Situationskomik, aber auch Wehmut, darf der Leser dem Leben der Hauptdarstellerin in anschaulicher Weise folgen. Dass der Roman ein wenig dahin plätschert hat mich dabei wenig gestört. Es gibt keinen riesigen Spannungsbogen, keine Schenkelklopfer oder poetischen Meisterleistungen und doch ist es ein eher leises, lesenswertes Buch, welchem nicht an Realismus fehlt. Es bringt einem das Sprachgefühl einer anderen Kultur näher - ein Perspektivwechsel.

Wer sich mit dem Autor Letelier befasst, wird schnell erkennen, dass seine Geschichten nicht reiner fiktiver Natur sind, sondern oftmals seinem Leben entnommen sind. Zum Schreiben kam er aus reiner Not. Ein Radiosender hatte einen Wettbewerb zu einem Gedicht ausgerufen, dessen erster Preis ein Essen in einem teuren Restaurant war. Letelier schrieb ein vierseitiges Liebesgedicht, gewann und ist bis dato kein unbekannter in der spanisch schreibenden Literaturgemeinde.

Fazit: Für mich ein überraschendes Kleinod. Eine Geschichte, die nicht mehr als knapp 100 Seiten braucht um einen in kurzer Zeit in eine weit entfernte, andersartige Welt zu entführen. Eigentlich ein schöner Stoff, um daraus einen Film zu machen, der in Programmkinos seine Fans finden würde.

Leseempfehlung? Ja. Mich hat die der Roman zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Er ist eine perfekte kurze Ablenkung vom lärmenden, hektischen Alltag. Letelier bringt Dinge auf den Punkt, bedient sich dabei einer klaren Sprache ohne viele Schnörkel, aber mit leiser Hintergrundmelodie.

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