Hernán Rivera Letelier Die Liebestäuschung

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Inhaltsangabe zu „Die Liebestäuschung“ von Hernán Rivera Letelier

Die Kinopianistin Golondrina del Rosario ist die wohl anständigste junge Frau, die in Pampa Unión lebt. 1929 ist die Salpeter-Siedlung wenige Jahre alt und schon die Heimat von Glücksrittern, Gaunern und Straßenmädchen. Als dort ein Orchester für den anstehenden Präsidentenbesuch zusammengestellt wird, kommt auch Bello Sandalio in die Stadt. Er wird Teil dieser bunten Truppe; geprobt wird nie, getrunken immer. Schon in der Vergangenheit ging Bello Sandalio auf einer Tour durch die Etablissements zu weit, und er musste über die Dächer von Pampa Unión fliehen. Golondrina, fasziniert von dem hübschen Mann mit der Trompete in der Hand, gewährte ihm in der Stille ihres Zimmers mehr als nur ein Versteck. Und nun beginnt erneut eine Liebe zu wachsen, der scheinbar nichts etwas anhaben kann, solange nur die Musik nicht aufhört zu spielen … Das Flüstern der Liebenden, die Kraft der Musik, das Ringen der Menschen um Freiheit. Meisterhaft erzählt Hernán Rivera Letelier von der gebrochenen Schönheit der chilenischen Wüste.

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  • Onestep in Chile

    Die Liebestäuschung
    walli007

    walli007

    05. August 2017 um 09:15

    Ihr Vater ist etwas besorgt, mit fast dreißig Jahren hat seine Tochter Golondrina del Rosario noch jeden Verehrer abgewiesen. Im Chile des Jahres 1929 ist das schon ungewöhnlich. In der Salpeterstadt Pampa Unión noch mehr. Es bleibt zu hoffen, dass die jüngferliche Kinopianistin ihr Glück findet. Golondrina hegt indes eine heimliche Leidenschaft, nachdem sie vor einem halben Jahr einem Hallodri zur Flucht verhalf. Und nun im August soll in der Stadt ein Orchester gegründet werden, um zu Ehren des Besuchs des Präsidenten aufspielen zu können. Golondrinas Überraschung ist schier unermesslich als sie den Trompeter Bello Sandalio als ihr kleines Abenteuer wieder erkennt. Anarchie, Musik und Liebe könnte man als die Grundthemen dieses Romans bezeichnen. Im Chile Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Blütezeit der Salpeterminen schon vorbei. Doch noch gibt es sie die Städte in der Wüste, schnell aufstrebend. Kultur soll für die Reichen bereitgestellt werden. Ausbeutung, Armut, Kindersterblichkeit ist das, was für die Arbeiter übrig bleibt. Diese Ungerechtigkeit treibt auch Golondrinas Vater um, der heimlich nie davon abgelassen hat, nach einer Gelegenheit zu suchen. Er liebt seine sittsame Tochter, in der ungeahnte Leidenschaft brodelt. Insgeheim ist er sogar froh, dass sie sich dem leichtfüßigen Trompeter zuwendet und ihre anderen eher langweiligen Verehrer verschmäht. Leichtigkeit und Schwere geben sich in "Die Liebestäuschung“ die Hand. Mit teilweise ausschweifenden Worten malt der Autor das Bild einer dem Niedergang geweihten Nische der Kultur eines Landes. Chile einst reich, nun eher auf dem absteigenden Ast. Die politische Klasse lässt die Arbeiter in ihrem Elend, keiner scheint etwas unternehmen zu wollen. Die fahrenden Musiker scheinen die Aufgabe zu haben, die Not mit ihrer Kunst zu übertönen. Welche Kraft dagegen hat Golondrinas Liebe, die sich damit gegen das vorgegebene Leben auflehnt und sich in das für sie wahre Leben stürzt. Bei aller Urgewalt der Gefühle, die über Golondrina hereinbrechen, fragt man sich bald, ob ihr bei diesem Liebestosen eine glückliche Zukunft beschieden sein kann.  Auch wenn die Musiker ihr Publikum mit Onestep-Musikstücken unterhalten, gestaltet sich Golondrinas Liebe eher dramatisch wie ein Tango. 3,5 Sterne

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  • Hernán Rivera Letelier "Die Liebestäuschung"

    Die Liebestäuschung
    glasperlenspiel13

    glasperlenspiel13

    08. September 2013 um 21:16

    Hernán Rivera Letelier ist in Deutschland vor allem durch sein Roman "Die Filmerzählerin" bekannt geworden. Ich habe mich vor kurzem seinem letzten auf Deutsch erschienenen Buch "Die Liebestäuschung" gewidmet. Es ist eine Liebesgeschichte, die im Norden von Chile, genauer gesagt in den Gebieten der ehemaligen Salpeterminen, um die Jahrhundertwende angesiedelt ist. Als Kenner der Region schafft es Hernán Rivera Letelier den Leser in eine detailgetreue Welt zu entführen. Wer sich für das Land und seine Geschichte interessiert, ist mit dieser Lektüre auf jeden Fall bestens ausgestattet. Trotz meines Faibles für Chile bin ich von dem Roman aber leider etwas enttäuscht. Erst mit dem letzten Drittel gewann die Geschichte für mich an Substanz und nahm mich gefangen. Golondrina, Tochter eines aufrührerischen Friseurs, der unter den Minenarbeiter in den Salpetermienen als Freund der Arbeiter geschätzt wird und einer früh verstorbenen Mutter, lebt mit ihrem Vater in der Stadt Pampa Unión. Sie hat sich durch ihre zahlreichen kulturellen Aktivitäten zu einer angesehenen Persönlichkeit und lokalen Größe entwickelt. "Neben außergewöhnlicher Schönheit und einer fast durchsichtigen Blässe ihrer Haut hatte das Fräulein Golondrina del Rosario von ihrer Mutter ein feines künstlerisches Gespür geerbt. Sie gab einigen wohlhabenden Damen des Ortes Klavierstunden und unterrichtete außerdem, bei sich daheim und völlig kostenlos ein paar Kinder, die sich zum Morgenappell der kleinen Grundschule besonders hervortaten, in der schwierigen Kunst des Vortrags. Das Fräulein Golondrina del Rosario war die beliebteste Stummfilmbegleiterin weit und breit. Die Filmfreunde vor Ort waren sich einig, dass sie die Beste war, die je an dem einfachen Klavier im Arbeiterlichtspielhaus gesessen hat." Bello, ein begnadeter Trompetenspieler, war für Musikerkollegen "ein Spinner, und sie hielten es für einen Spleen, dass er sein Instrument nie einpackte. Mit seinem stets unerschütterlichen, eiskalten Lächeln sagte er, die Trompete sei - wie gewisse Frauen auf dieser Welt - dazu geschaffen, ihr Leben nackt zu verbringen, vor allem nachts. Und mit einem fachmännischen Augenzwinkern trank er erst ein gutes Glas Wein - dieses Thema erörterte er ausschließlich mit der Kante eines Tresens vorm Bauch - schob dann seine schmale, gepunktete Flieg zurecht und fügte mit meisterhafter Nonchalance hinzu, in der Nacht würden die Frauen die Liebe aufs schönste vertonen und die Trompeten aus den Tönen umso schönere Harmonien weben ... das habe er ganz allein beim Spielen in den verruchtesten Hurenhäuser gelernt; weil das nämlich die einzigen Orte waren, wo sich ein echter Musiker genauso fühlen konnte: als echter Musiker." Durch schicksalhafte Wendungen lernen sich die Golondrina und Bello in einer Nacht in Pampa Unión, "dem gefeiertsten Ort der Atacama-Wüste" kennen, lieben und trennen sich, um erst ein Jahr später wieder aufeinander zutreffen. Eine leidenschaftliche Liebesgeschichte beginnt, die beide aber geheim halten. Erst durch den Umstand, dass der ungeliebte Präsident das kleine Städtchen am Ende der Welt besuchen soll, verdichtet sich die Geschichte. Golondrinas Vater sucht eine Möglichkeit sich gegen den Besuch des Diktators zu währen und Bello probt mit seiner Musikkapelle den gebührenden Empfang des Staatsoberhauptes. Am verhängnisvollen Tag des Präsidentenbesuches überstürzen sich die Ereignisse und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Wie schon erwähnt haben mir die letzten Kapitel besonders gut gefallen. Überraschende Wendungen und eine dynamische Handlung nahmen mir teilweise den Atem. Die tragische Entwicklung wird später im Epilog näher erklärt und der Leser erhält einen weiteren interessanten Einblick in das Leben der damaligen Salpeter-Siedlungen.

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