Herta Müller

 4 Sterne bei 495 Bewertungen
Autorin von Atemschaukel, Herztier und weiteren Büchern.
Herta Müller

Lebenslauf von Herta Müller

Herta Müller wurde 1953 im deutschsprachigen Nitzkydorf in Rumänien geboren. Nach dem Abitur studierte sie deutsche und rumänischen Philologie in Temeswar. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde allerdings entlassen, weil sie sich weigerte, mit der rumänischen Securitate zusammenzuarbeiten. Ihr erstes Buch "Niederungen" wurde 1982 in Rumänien nur in zensierter Form veröffentlicht. Nachdem es 1987 unzensiert in Deutschland erschien, war Herta Müller in Rumänien wiederholt Verhören und Hausdurchsuchungen ausgesetzt, sodass sie schließlich ihre Heimat verließ und mit ihrem Mann nach West-Berlin zog. Dort lebt und arbeitet sie heute noch. Für ihre Werke wurde sie mit zahlreichen deutschen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Unter anderem veröffentlichte sie die Bücher "Der König verneigt sich und tötet", "Die blassen Herren mit den Mokkatassen", "Herztier" und "Der Fuchs war damals schon der Jäger". Im August 2009 erschien ihr neuestes Werk "Atemschaukel", das für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. In diesem Buch beschreibt die Autorin den Weg eines jungen Mannes in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ebenfalls im Jahr 2009 ist Herta Müller für ihre Werke mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. In der Würdigung heißt es, Herta Müller habe “mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit” gezeichnet.

Neue Bücher

Im Heimweh ist ein blauer Saal

Erscheint am 18.02.2019 als Hardcover bei Hanser, Carl.

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Atemschaukel

Atemschaukel

 (248)
Erschienen am 15.05.2012
Herztier

Herztier

 (56)
Erschienen am 01.11.2010
Der Fuchs war damals schon der Jäger

Der Fuchs war damals schon der Jäger

 (30)
Erschienen am 01.11.2010
Der König verneigt sich und tötet

Der König verneigt sich und tötet

 (22)
Erschienen am 01.11.2010
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

 (21)
Erschienen am 01.11.2010
Die blassen Herren mit den Mokkatassen

Die blassen Herren mit den Mokkatassen

 (13)
Erschienen am 08.08.2005
Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

 (16)
Erschienen am 01.11.2010
Niederungen

Niederungen

 (18)
Erschienen am 14.07.2011

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Neue Rezensionen zu Herta Müller

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Caro_Lesemauss avatar

Rezension zu "Atemschaukel" von Herta Müller

Sprachlich ein besonderes Vergnügen - aber auch herausfordernd
Caro_Lesemausvor 3 Monaten

Rumänien, Januar 1945. 'Es war 3 Uhr in der Nacht, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15° C.' So beginnt der erschütternde Bericht eines jungen Mannes, der in ein russisches Straflager verschleppt wird – so wie 60000 andere Rumäniendeutsche, von deren Schicksal Herta Müller in diesem ungeheuren Buch erzählt. In Gesprächen mit dem verstorbenen Dichter Oskar Pastior und anderen Überlebenden der Lager hat sie den Stoff gesammelt – und zu überwältigender Literatur geformt.


Herta Müller beschreibt in poetischer Sprache, gespickt mit zahlreichen Neologismen und Metaphern, den harten Alltag in einem russischen Arbeitslager. Lange Zeit bleibt unklar, wer der Ich-Erzähler überhaupt ist, nicht mal das Geschlecht erfährt man. Das, zusammen mit der recht anspruchsvollen Sprache, machte mir den Einstieg ins Buch eher schwer. Dennoch war es am Ende die sprachliche Gestaltung, die den Roman für mich wertvoll machte. Viele Passagen laß ich mehrfach durch, um keine der bedeutungsschwangeren Wortneuschöpfungen zu verpassen und zu bewundern, wie die Autorin eine bedrückende Atmosphäre und die einschneidenden Erlebnisse des Protagonisten quasi nebenbei transportiert. Es gibt keine konkreten Beschreibungen der Umgebung, das Lager und alles drum herum fließt in die Metaphern mit ein und wird nach und nach enthüllt. Bei mir entstanden gleichzeitig widerstreitende Gefühle beim Lesen: Einerseits empfand ich aufgrund der Sprache eine gewisse Distanz zum Protagonisten und seinen Erlebnissen, andererseits waren die Metaphern und Neologismen intensiv und gingen zum Teil unter die Haut. Es ist schwer, in Worte zu fassen. Ich empfehle daher interessierten Lesern vorab eine Leseprobe.

Fazit:
Der Roman ist nichts für "zwischendurch", auf die Sprache muss man sich einlassen und in gewisser Weise auch darauf konzentrieren können. Für mich war es ein tolles Leseerlebnis. Dennoch kann ich aufgrund der bis zum Schluss bleibenden Distanz zum Schicksal des Protagonisten nicht die volle Sternebewertung geben.

Kommentare: 2
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StefanieFreigerichts avatar

Rezension zu "Atemschaukel" von Herta Müller

Robert, geb. am 17. April 1947
StefanieFreigerichtvor 3 Monaten

„Robert, geb. am 17. April 1947“ S. 212

Intensiv.
“Alles, was ich habe, trage ich bei mir.
Oder: Alles Meinige trage ich bei mir.
Getragen habe ich alles, was ich hatte. Das Meinige war es nicht.“ S. 7
Das ist keine sprachliche Spinnerei – der 17jährige aus der deutschstämmigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen in Rumänien hat die Ankündigung bekommen, von den Russen ins Lager abgeholt zu werden. Es ist Januar 1945, Herrmannstadt. Nachbarn und Familie hlefen aus, mit der warmen Hose, dem Mantel.

Naiv.
„Ich wollte weg aus dem Fingerhut der kleinen Stadt“ S. 7
Unberührt von den diffusen Ängsten der anderen, wünscht sich der Ich-Erzähler das Entkommen aus der Enge. Er will weg von den konkreten Ängsten des bisherigen Lebens „Ich trage stilles Gepäck. Ich habe mich so tief und so lang ins Schweigen gepackt, ich kann mich in Worten nie auspacken. Ich packe mich nur anders ein, wenn ich rede.“ S. 9

Das Buch wurde geschrieben, nachdem sich Herta Müller, selbst in Rumänien geborene Deutsche, zu vielen Gesprächen getroffen hatte mit Oskar Pastior, angelehnt an dessen Lagerjahre. https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Pastior
Auch die Mutter der Autorin war in einem Lager gewesen. 2009 - das Erscheinungsjahr dieses Buches und das Jahr, in dem Müller den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Hunger. Heimweh. Wiederholung.
 „Ich esse seit meiner Heimkehr aus dem Lager, seit sechzig Jahren, gegen das Vergessen.“ S. 25
Krankhungrig, giftschön, Hungerecho
Beim Apell sucht er im Himmel nach einem „Haken“, für seine Knochen, nachdem das Fleisch vom Körper verschwunden ist.
„Oft gab es keine Wolke, nur einerlei Blau wie offenes Wasser.
Oft gab es nur eine geschlossene Wolkendecke, einerlei Grau.
Oft liefen die Wolken, und kein Haken hielt still.
Oft brannte der Regen in den Augen und klebte mir die Kleider an die Haut.
Oft zerbiss mir der Frost die Eingeweide.“ S. 27

Die Mittel der Autorin wirken wie dumpfe Trommelschläge, die dem Leser die Eindrücke unter die Kopfhaut schieben. Es gibt viele eigene Wortschöpfungen, erfunden, um in Worte zu fassen, wofür der „normal lebende“ keinen Begriff hat. Die Wiederholungen für die ewigen Wiederholungen des Lagerlebens, der ewige Hunger mit allem und mit allen. Es geht nicht um irgendwelche Folter im Lager, es gibt sogar anrührende Fälle von Menschlichkeit. Da gibt die alte Frau aus der Region Suppe, ein Taschentuch – der eigene Sohn wurde vom Nachbarn denuziert, sitzt in einem anderen Lager. Der Ich-Erzähler gibt das Taschentuch nie weg, es wird ihm zum Pfand, wie der Satz, den die Großmutter gesagt hatte „ICH WEISS DU KOMMST WIEDER.“ S. 14

Fortlaufend finden Rückblenden und Vorausblicke des lange namenlosen Ich-Erzählers statt, ich weiß, er wird nach fünf Jahren nach Hause kommen, ich erfahre, was vorher war. Die fünf Jahre werden chronologisch erzählt, die Einschübe ins Vorher und Nachher weisen auf, was bleibt, was nie gehen wird, wie wenig sich etwas ändert.

Ich kam im Anfang nicht voran im Buch, weil es wirklich SEHR intensiv wirkte; ich musste Pausen einlegen.
Der Schreibstil war für mich genau SO richtig – einige empfinden ihn als maniriert. Ich empfehle das Antesten mit einer Leseprobe.
Von den dieses Jahr gelesenen Büchern beeindruckt mich dieses von 2009 bislang am meisten. Einzig um die Seite 200 herum wurde es mir ein wenig zu viel mit den Wiederholungen der Beschreibungen des Schaufelns, Zement, Kohle, Schlacke, die verschiedenen Arten – ja, das war sicher endlos, monoton, aber irgendwann auch für die Lektüre. Das ändert aber nichts am Allgemeineindruck.

Harter Tobak. Ein grandioses Buch.

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Insider2199s avatar

Rezension zu "Atemschaukel" von Herta Müller

Thematisch interessant, aber die künstliche Sprache zerstört den Lesegenuss!
Insider2199vor 4 Monaten

Thematisch interessant, aber die künstliche Sprache zerstört den Lesegenuss!

Die im deutschsprachigen Nitzkydorf in Rumänien (Banat) geborene Autorin, studierte deutsche und rumänischen Philologie in Temeswar und arbeitete später als Übersetzerin und Lehrerin, bevor ihr Debüt „Niederungen“ 1987 in Deutschland erschien (1982 in Rumänien nur in zensierter Form). Im selben Jahr reiste sie nach Westberlin aus, wo sie heute noch lebt. Für ihre Werke wurde sie mit zahlreichen deutschen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Das vorliegende Werk wurde 2009 für den dt. Buchpreis nominiert und bescherte ihr den Nobelpreis für Literatur. In der Würdigung heißt es, Herta Müller habe “mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit” gezeichnet.

Inhalt (Klappentext): Hermannstadt, Rumänien, Januar 1945. 'Es war 3 Uhr in der Nacht, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15° C.' So beginnt der erschütternde Bericht eines jungen Mannes, der in ein russisches Straflager verschleppt wird – so wie 60.000 andere Rumänien-Deutsche. In Gesprächen mit dem verstorbenen Dichter Oskar Pastior und anderen Überlebenden der Lager hat sie den Stoff gesammelt – und zu überwältigender Literatur geformt.

Meine Meinung: Ich wollte das Buch unbedingt lesen, weil es die Geschichte meiner Großeltern beschreibt, v.a. die des Großvaters mütterlicherseits, den ich nie kennenlernte. Selbst in Kronstadt (Siebenbürgen) geboren und in Hermannstadt aufgewachsen, ging mir die Geschichte sehr nahe, weil ich mich dabei zum ersten Mal fragte, welche Erlebnisse wohl mein eigener Großvater in dem russischen Gefangenenlager hatte, ob sie so ähnlich oder gar schlimmer waren. Auf eigenartige Weise brachten mich diese Gedanken meinem unbekannten Großvater näher, was aber meine Leseerfahrung mit dem Werk an sich in keiner Weise beeinflusste.

Thematisch ein wichtiges Buch, das von den Erfahrungen des Hungers und Heimweh berichtet, aber sprachlich würde ich die ganzen künstlichen Wortneubildungen wie „Eigenbrot“ oder „Herzschaufel“ oder „Atemschaukel“ oder auch die anderen Metaphern als Effekthascherei bezeichnen: es drängt sich bei mir nämlich die ganze Zeit das Gefühl auf, hier will mir jemand mit allen Mitteln zeigen wie gut er doch mit Sprache umgehen kann.

Sicher die Autorin kann schreiben, aber wenn dadurch der Erzählfluss zerstört wird, nimmt die Qualität des Werkes rapide ab. Man hat beim Lesen einfach nicht das Gefühl, dass hier ein 17-Jähriger von seinen Erlebnissen berichtet, was natürlich enorm an Authentizität verliert und gleichzeitig eine große Distanz zum Helden schafft. Ich wurde mit dieser Figur einfach nicht warm und wegen dieser fehlenden Identifikation, ließ dann auch mein Mitleid für sein Hungerleiden zu wünschen übrig.

Auch störte mich etwas, dass am Anfang das Setting nicht ausreichend beschrieben war. Erst nach und nach versteht man endlich, welches Geschlecht die Figur hat und an welchem Ort sie sich befindet.

Fazit: Thematisch interessant, aber die künstliche Sprache zerstört den Lesegenuss! Ein gutes Beispiel dafür, dass Thema und Plot wichtiger sind als Sprache: ein guter Plot macht ein sprachlich durchschnittliches Buch besser, jedoch kann ein Plot noch so gut sein, wenn die Sprache schlecht ist, hat er keine Chance! Plot = 4 Sterne, Sprache = 1 Stern ergibt insg. 2,5 Sterne. Oops und für diese Sprache gab es dann noch den Nobelpreis für Literatur – tja, entweder habe ich keine Ahnung oder die Juroren, jeder Leser bilde sich bitte seine eigene Meinung, daher also mein Tipp: Lesen, aber auf eigene Gefahr!

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Herta Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf (Rumänien) geboren.

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