Herta Müller

 4 Sterne bei 497 Bewertungen
Autorin von Atemschaukel, Herztier und weiteren Büchern.
Autorenbild von Herta Müller (© Carl Hanser Verlag, München)

Lebenslauf von Herta Müller

Mit den höchsten Preisen geehrt: Herta Müller wurde 1953 im deutschsprachigen Nitzkydorf in Rumänien geboren. Nach dem Abitur studierte sie deutsche und rumänischen Philologie in Temeswar. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde allerdings entlassen, weil sie sich weigerte, mit der rumänischen Securitate zusammenzuarbeiten. Ihr erstes Buch »Niederungen« wurde 1982 in Rumänien nur in zensierter Form veröffentlicht. Nachdem es 1987 unzensiert in Deutschland erschien, war Herta Müller in Rumänien wiederholt Verhören und Hausdurchsuchungen ausgesetzt, sodass sie schließlich ihre Heimat verließ und mit ihrem Mann nach West-Berlin zog. Dort lebt und arbeitet sie heute noch. Unter anderem veröffentlichte sie die Bücher »Der König verneigt sich und tötet«, »Herztier« und »Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel«. Im August 2009 erschien ihr bisher erfolgreichstes Werk »Atemschaukel«, das für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Ebenfalls im Jahr 2009 ist Herta Müller für ihre Werke mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Zudem ist seit 1989 die Collage ein besonderes Charakteristikum Müllers Arbeit, beispielsweise wurde 2012 im Literaturhaus Berlin eine Ausstellung zu ihrem Buch »Vater telefoniert mit den Fliegen« gezeigt, das über 180 Collagen beinhaltet. Ein weiteres Beispiel für die Gedichte und Texte, die sie mithilfe von Papierschnipseln erstellt, liefert der 2019 erschienene Band »Im Heimweh ist ein blauer Saal«. Neben Romanen und Collagen veröffentlicht Müller auch regelmäßig Essays, beispielsweise im Jahr 2015 »Hunger und Seide«. Mehrere ihrer Texte, darunter »Herztier« und »Niederungen«, wurden für das Theater adaptiert. Neben dem Literaturnobelpreis gewann Herta Müller unter anderem auch den Heinrich-Böll-Preis, den Hermann-Sinsheimer-Preis und bekam mehrere Ehrendoktorate sowie den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Alle Bücher von Herta Müller

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Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)

Atemschaukel

 (254)
Erschienen am 15.05.2012
Cover des Buches Herztier (ISBN: 9783596511532)

Herztier

 (56)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Der Fuchs war damals schon der Jäger (ISBN: 9783596511549)

Der Fuchs war damals schon der Jäger

 (30)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Der König verneigt sich und tötet (ISBN: 9783596511556)

Der König verneigt sich und tötet

 (23)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Heute wär ich mir lieber nicht begegnet (ISBN: 9783596188222)

Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

 (21)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Die blassen Herren mit den Mokkatassen (ISBN: 9783446206779)

Die blassen Herren mit den Mokkatassen

 (14)
Erschienen am 08.08.2005
Cover des Buches Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (ISBN: 9783596511563)

Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

 (17)
Erschienen am 01.11.2010
Cover des Buches Niederungen (ISBN: 9783596189816)

Niederungen

 (18)
Erschienen am 14.07.2011

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Neue Rezensionen zu Herta Müller

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Rezension zu "Atemschaukel" von Herta Müller

Hungerengel und Wangenbrot
Buchstabenliebhaberinvor 21 Stunden

Herta Müller ist besonders, ihre Art zu schreiben sehr eigenwillig. Sie polarisiert damit. Ich gehöre zu ihren Bewunderern. In Atemschaukel schreibt sie über einen 17-jährigen Deutsch-Rumänen, der 1945 nach Russland ins Internierungslager gebracht wird. Fünf Jahre lang ist er Hunger, Kälte, Erniedrigungen, Prügel und harter Arbeit ausgesetzt, fünft Jahre knallharter Überlebenskampf. Er nennt sie die Friedensjahre. Als er wieder nach Hause kommt, ist er ein Anderer. Seine Familie, vertraut, aber fremd. Weit weg. Das Lager hat sich eingebrannt, unauslöschlich, wie das Stück Schlacke am Schienbein.

Herta Müller ist Wortakrobatin. Der Hungerengel von Leo wird einem vertraut, das Hasoweh, die Herzschaufel. Und natürlich die Atemschaukel aus dem Titel. Für mich sind diese Begriffe nicht fremd, sondern absolut treffend. Poetisch. Intensiv.

"Alle Tage hat mir der Hungerengel das Hirn gefressen."(S.135)

"Der Brottausch ist das Gepolter des Abends, ein glitzriges Geschäft mit den Augen und ein zittriges mit den Fingern."(S.147)

"So war der Lauf der Dinge: Weil jeder nichts dafür konnte, konnte keiner was dafür."(S.285)

Sie schreibt über einen umgekehrten Heimweg, über Meldekraut, Eigenbrot und Wangenbrot, das Schlitzmaul und den angenähten Bruder.

Herta Müller beschreibt Leos Leiden und sein Leben so kunstvoll, das es mir auf keiner Seite langweilig oder zu viel wurde. Die Geschichte geht absolut ans Herz, sie will in kleinen Etappen gelesen werden. Der Hunger ist schwere Kost. Man ist Leo so nahe beim Lesen, und gleichzeitig spürt man sehr deutlich, dass niemand der es nicht selber erlebt hat, sich das Lagerleben auch nur ansatzweise vorstellen kann.

Herzzerreißend auch der schmale Abschnitt am Buchende, das Nachlagerleben von Leo. Ein Buch das ich endlos weiterlesen hätte können.

Die anderen Bücher von Herta Müller kommen auf die Wunschliste. Eine absolute Entdeckung, eines meiner Lesehighlights 2020.

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Rezension zu "Atemschaukel" von Herta Müller

Sprachgewaltig, trotzdem klar und ungeheuer bewegend
silvie1111vor 3 Monaten

Dieses Buch hat mich tief beeindruckt.
Die Sprache ist klarer als zB bei "Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet" und man kann tiefer in die Gefühlswelt des Protagonisten eintauchen. Besonders beeindruckt hat mich die literarische Ausarbeitung des Themas "Trigger-Words." Genial gelungen. 

Und natürlich erfreut es mich ebenso, wenn homsoexuelle Charaktere auch in den allerhöchsten Kreisen der Literatur eine Rolle spielen, ohne dass man extra darauf verweisen muss. 

Der Ich-Erzähler hat mich tief bewegt, Herta Müller hat aus einem Tatsachenbericht einen wunderschönen Roman gestrickt. Ich musste zwischendurch immer mal wieder ein paar Tage Pause beim Lesen einlegen, weil es eines dieser Bücher ist, die man langsam genießen sollte, obwohl man es in einem Rutsch durchlesen möchte.

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Rezension zu "Atemschaukel" von Herta Müller

Poetische Sprache, erschütternder Inhalt
Schlehenfeevor 5 Monaten

Siebenbürgen 1944: Der 17jährige Leo Auberg wird in einer kalten Januarnacht abgeholt, um in Russland Zwangsarbeit zu leisten. Alle Deutschen einer gewissen Altersspanne, egal aus welchen Siedlungsgebieten, wurden per Viehwaggon nach Osten gebracht. Eine Tatsache, die von den Überlebenden aus Scham meist verschwiegen wurde. Herta Müller, selbst in Rumänien geboren, hat nach Gesprächen mit einem ehemaligen Zwangsarbeiter dieses Buch verfasst.


Es ist eine kontroverse Frage: dürfen die Besiegten das Unrecht anprangern, das unbeteiligten Menschen nach der Niederlage angetan wurde oder geschah ihnen ganz recht?
Herta Müller hat einen guten Mittelweg als Antwort gefunden: sie beschreibt, ohne zu urteilen. Leo nimmt sein Zwangsarbeiterleben gefasst hin, der Hunger hat jegliches Ungerechtigkeitsgefühl aus ihm verbannt, nur das Überleben zählt. Außerdem erfährt man, wie arm und von den Nachwirkungen des Krieg gebeutelt auch die Russen sind.


Gelungen ist der Autorin meiner Meinung nach die Darstellung des Protagonisten, der vom unbekümmerten, homosexuellen Jugendlichen zu einem ausgemergelten „Knochenmännlein“ wird, den Sexualität nicht mehr interessiert. Leos Bericht über das Lagerleben ist erschütternd und wird von der Autorin mit vielen Wortschöpfungen greifbar. Was Hungerengel oder Atemschaukel sind, wurde mir klar, manches wie die Herzschaufel oder Wangen- und Eigenbrot eher weniger. Vielleicht kann man die Erlebnisse dieser fünf Jahre nicht anders beschreiben, als mit neuen Worten, jedenfalls macht dieser Aspekt einen wichtigen Reiz des Buchs aus.

Am Ende kehrt der Protagonist heim, doch die Spuren des Lagerlebens, wie zum Beispiel das Essen gegen das Verhungern, werden für den Rest seines Lebens bleiben.

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Herta Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf (Rumänien) geboren.

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