Die Schicksal der Rumänendeutschen im Gulag nach dem Zweiten Weltkrieg ist eine Schilderung des Schrecklichen. Hier mit gewisser Sprachgewalt - oder ist es nur eine harte, gekünstelte Sprache? Was wohl bewusst so gewählt ist, berührt mich kaum. Einerseits fehlt mir die Nähe zur erzählenden Hauptperson, ich kann den Ich-Erzähler nicht spüren, andererseits fehlen die "heiligen Momente" - wie zum Beispiel in Dostojewskis Erzählungen vom menschlichen Elend: Irgendwann gibt es dieses Heraussteigen und Aufleuchten. Einzig herausleuchtend für mich ist der Name der "Trudi Pelikan", weniger als Figur, als dieser Name. Der Sprachstil mag wohl manche Lesende ansprechen, mich hat er nur punktuell erreicht.
Auch wenn man sich scheut, so hochgelobte Werke kritisch zu betrachten, bleibt mir nur meine ehrliche Meinung über dieses Buch.
Herta Müller

Lebenslauf
Mit den höchsten Preisen geehrt: Herta Müller wurde 1953 im deutschsprachigen Nitzkydorf in Rumänien geboren. Nach dem Abitur studierte sie deutsche und rumänischen Philologie in Temeswar. Später arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde allerdings entlassen, weil sie sich weigerte, mit der rumänischen Securitate zusammenzuarbeiten. Ihr erstes Buch »Niederungen« wurde 1982 in Rumänien nur in zensierter Form veröffentlicht. Nachdem es 1987 unzensiert in Deutschland erschien, war Herta Müller in Rumänien wiederholt Verhören und Hausdurchsuchungen ausgesetzt, sodass sie schließlich ihre Heimat verließ und mit ihrem Mann nach West-Berlin zog. Dort lebt und arbeitet sie heute noch. Unter anderem veröffentlichte sie die Bücher »Der König verneigt sich und tötet«, »Herztier« und »Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel«. Im August 2009 erschien ihr bisher erfolgreichstes Werk »Atemschaukel«, das für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Ebenfalls im Jahr 2009 ist Herta Müller für ihre Werke mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Zudem ist seit 1989 die Collage ein besonderes Charakteristikum Müllers Arbeit, beispielsweise wurde 2012 im Literaturhaus Berlin eine Ausstellung zu ihrem Buch »Vater telefoniert mit den Fliegen« gezeigt, das über 180 Collagen beinhaltet. Ein weiteres Beispiel für die Gedichte und Texte, die sie mithilfe von Papierschnipseln erstellt, liefert der 2019 erschienene Band »Im Heimweh ist ein blauer Saal«. Neben Romanen und Collagen veröffentlicht Müller auch regelmäßig Essays, beispielsweise im Jahr 2015 »Hunger und Seide«. Mehrere ihrer Texte, darunter »Herztier« und »Niederungen«, wurden für das Theater adaptiert. Neben dem Literaturnobelpreis gewann Herta Müller unter anderem auch den Heinrich-Böll-Preis, den Hermann-Sinsheimer-Preis und bekam mehrere Ehrendoktorate sowie den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen.
Alle Bücher von Herta Müller
Atemschaukel
Herztier
Der Fuchs war damals schon der Jäger
Der König verneigt sich und tötet
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet
Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt
Niederungen
Die blassen Herren mit den Mokkatassen
Neue Rezensionen zu Herta Müller
Die Jahre, nachdem man deponiert wurde und jetzt im Arbeitslager schuftet. Genau diese Gefühl wird hier sehr überzeugende dargestellt. Manchmal ein bisschen abschweifen, manchmal genau treffend.
Ich fand das Buch wirklich gut. Auch wenn es ein schweres Thema war. Hatte nur das Gefühl, dass mich die Gefühle nicht ganz mitnehmen könnte.
Jedoch sehr empfehlenswert!
Seitdem ich die Bücher von Herta Müller entdeckt habe, sind alle anderen Romane irgendwie wortkarg und sinnlos! Die Sprache von Niederungen ist ein erfundenes suchtigmachendes Alphabet für fühlende Menschen, die Extase erleben wenn die ausgeprägte Beobachtungsgabe von Herta Müller ihre glasfarbige Welt beschreibt. Ich lese die wunderbaren Metaphern und staune über so viele stechende Wörter, die Ersatz für die harte Wahrheit in das schwäbische Dorf des rumänischen Banats geworden sind. Die impressionistische Wahrnehmungen und die außergewöhnliche Wortwahl sind Markenzeichen für die Nobelpreisträgerin! Meine Rezension und meine gewöhnlichen Wörter können die wunderschönen paradoxischen Bilder aus dem dörflichen Universum und aus dem kindlichen Schädel der Beobachterin nicht gerecht werden. Jeder einzelne Satz ist ein Poem, jeder hässliche Gefühl und Schmerz bekommen Empfindungen, die aus der Genialität der unerträglichen Formulierungen leidende Schönheiten auf der lesenden Seele pinseln. Es sprechen schreiende Münde und schwarze Augen, es fühlen taube oder tote Finger und Stirne, es träumen verstümmelte und weinende Menschen und es ist ein Privileg diese Sprache nachspüren zu können und dadurch mich verbunden, einfühlsam und begeistert zu erleben! Für dieses Leseerlebnis braucht man Sinnen, Affinität zur ungewöhnlichen Sprache und Zeit zu verweilen und zu genießen!
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Die Leserunde beginnt am 10. April. Jeder liest mit seinem eigenen Exemplar, also kein Gewinn
Zusätzliche Informationen
Herta Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf (Rumänien) geboren.
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