Herta Müller Herztier

(54)

Lovelybooks Bewertung

  • 57 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 2 Leser
  • 6 Rezensionen
(24)
(15)
(8)
(6)
(1)

Inhaltsangabe zu „Herztier“ von Herta Müller

Rumänien unter der Diktatur Ceausescus: Eine Gruppe von Freunden leistet Widerstand gegen das Regime, sie schreiben oppositionelle Gedichte und dokumentieren die alltägliche Überwachung durch die Securitate. Allmählich aber werden sie selbst Opfer der Verfolgung. Als drei von ihnen in den Westen ausreisen, geht der Terror weiter.

Von Anfang an ein Buch, das so perfekt in den Zeilen ist. Herta Müller schreibt wahre, außergewöhnliche und perfekte Literatur.

— Gedankenlabyrintherin
Gedankenlabyrintherin

Ich brauchte fast 50 Seiten, um hereinzukommen. Nun bricht mir die Geschichte das Herz.

— Milagro
Milagro

Stöbern in Romane

In einem anderen Licht

Ein sehr mitreißender Roman abends mit Tee und Kerzen

Anja_Si

Der Junge auf dem Berg

Eine Geschichte, die wach rüttelt und wieder und wieder an das appelliert, was wichtig ist. Wer bestimmt deine Gedanken?

Maren_Zurek

Palast der Finsternis

Zu viel, was man schon gelesen hat.

momkki

Zartbitter ist das Glück

Tiefgründig, exotisch und emotionsgeladene Geschichte von fünf Freundinnen die ihren lebensabend gemeinsam auf den Fidschis erleben möchten

isabellepf

Der Vater, der vom Himmel fiel

Britischer und schwarzer Humor bis hin zu brüllender Komik

Hennie

Liebe zwischen den Zeilen

Eine liebevolle Geschichte, wie Bücher unterschiedlichste Menschen verbinden und ihre Leben verändern können.

MotteEnna

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Herztier" von Herta Müller

    Herztier
    Cosifan

    Cosifan

    03. July 2012 um 15:37

    Das Buch erzählt in vielen fremden Mataphern die Geschichte der Ich-Erzählerin, einer jungen Studentin und Übersetzerin im Rumänien der 80er Jahre. Das System der Ceausescu-Diktatur durchdringt das Buch wie Gift, in allen Assoziationen und Bildern wirkt es untergründig und schleichend. In jeder Zeile wittert man Verrat, Misstrauen ist allgegenwärtig, es ist bedrückend zu lesen. Und trotzdem ist es ein sehr gutes Buch, dem ich wegen seiner bildgewaltigen Sprache 5 Punkte gebe.

    Mehr
  • Rezension zu "Herztier" von Herta Müller

    Herztier
    VOWI

    VOWI

    13. April 2010 um 20:48

    „Puh“ - das war mein erstes Resumée, nachdem ich die letzte Seite umgeschlagen und das Buch zur Seite gelegt hatte. Ein sehr ungewöhnliches Buch. Faszinierend. Nachdenklich machend. Zur Verzweiflung bringend. Bevor ich das erkläre, jedoch zunächst ein Wort zum Inhalt. Die Protagonistin erzählt aus einer Zeit in den 80er Jahren, als Rumänien hinter dem eisernen Vorhang unter der Diktatur von Ceausescu stöhnt. Elend und die Angst vorm Staat haben die Menschen fest im Griff. Das einfache Volk spaltet sich in diejenigen, die das Regime unterstützen, diejenigen, die sich mit dem Regime arrangieren, und diejenigen, die das nicht können. Die Erzählerin gehört zur letzten Gruppe. Sie studiert Sprachen und wohnt zusammen mit einigen anderen Mädchen zusammen in einem Zimmer. Die systemkritische Erzählerin trifft im Verlauf ihres Studiums drei junge Männer, die ähnlich wie sie denken. Zusammen lesen sie verbotene Bücher und schreiben Gedichte. Das nicht systemkonforme Verhalten der vier bleibt nicht unbemerkt. Schon bald folgen erste Verhöre durch Hauptmann Pjele, der im Buch das Regime verkörpert. Nach dem Studium bleibt nur die Erzählerin in der Stadt, hält aber mit den anderen über Briefe mit verschlüsselten Botschaften Kontakt. Eine skurrile Kommunikationsform entwickelt sich. Kommas anstelle von Ausrufezeichen sind Morddrohung und keine bloßen Satzzeichen mehr. Stück für Stück zieht sich das Netz der Securitate enger. Es folgen Durchsuchungen in den Elternhäusern und Verleumdung im Bekanntenkreis, schließlich das berufliche Ende. Immer wieder hört man fast beiläufig von Flüchtlingen, die die Grenze zur vermeintlichen Freiheit überqueren wollen und dabei umkommen. Verzweiflung und Angst der vier Freunde steigern sich bis zur drohenden Resignation und Selbstaufgabe - Selbstmordgedanken kommen auf. Wem kann man trauen? Am Ende stehen Paßbeantragung und Ausreise nach Deutschland, die zwei der Freunde in Deutschland mit dem Leben bezahlen - ob Mord oder Selbstmord wird nicht aufgeklärt. Im ersten Moment steht man einem dichten Gewirr aus teilweise fast kindlich anmutenden Metaphern, Gedankensprüngen und Satzkonstrukten gegenüber, die teils unverständlich daherkommen, teils aber auch auf geniale Weise Empfindungen vermitteln, wie man es mit erzählenden Texten kaum erreichen könnte. Herztier ist kein bloßer Roman, der eine Geschichte erzählen will. Vielmehr - und das ist das eigentlich Außergewöhnliche - vermittelt er Satz für Satz ein Gefühl für die gesamte Situation. Jede Metapher, selbst wenn man nicht auf Anhieb weiß, wie sie in den Sinn passt, vermittelt ein Gefühl. Da werden Streichhölzer in Streichholzschachteln zu Menschen in Särgen, aufgebrochene Nüsse zu eingeschlagenen Köpfen und arrogant staksende Pferde zu Pferden mit Stöckelschuhen. Die Umwelt sieht nicht nur aus, sie schmeckt, riecht und fühlt sich an. Auf mehreren Ebenen beschrieben entdeckt man keine erzählte Welt sondern einen gefühlten („Lebens-“) Raum, der die Verzweiflung und Not der Menschen unter Ceausescu widerspiegelt. Alles in allem wirklich ein beeindruckendes Buch, das ich allerdings nur Lesern empfehlen würde, die eine Affinität für metaphernreiche Texte haben. Es handelt sich auf keinen Fall um leichte Kost, die „so nebenbei mal“ gelesen werden kann. Viele Dinge stehen nur zwischen den Zeilen, was bei unaufmerksamem Lesen zwangsläufig zum Nichtverständnis führt, womit wir bei der zu Beginn angesprochenen Verzweiflung im Angesicht des Textes wären. Trotz der Einschränkung ein sehr lesenswertes Buch also, das weit mehr gibt als nur eine bloße Geschichte - sofern man die Geduld aufbringt, sich darauf einzulassen.

    Mehr
  • Rezension zu "Herztier" von Herta Müller

    Herztier
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    20. February 2010 um 12:42

    Die amazon-Beschreibung ist sehr unpräzise und m.M. nach auch tlw. falsch. In "Herztier" erzählt eine Ich-Erzählerin von ihrem (jungen) Leben - nicht mehr und nicht weniger. Sie gehört (wie Müller selbst) der deutschen Minderheit in Rumänien an und studiert Übersetzerin. Nach dem Tod (Selbstmord/Mord?) ihrer Zimmergenossin Lola, einer überzeugten (?) Anhängerin des Regimes, freundet sie sich mit Edgar, Kurt und Georg, die ebenfalls studieren und heimlich verbotene Bücher lesen und Gedichte schreiben. Trotz aller Vorsicht kommt die Securitate hinter die "falsche Einstellung" der jungen Leute, und ein System aus Überwachung, Verrat, Repression, Druck, Bedrohung und sogar Mord(?) beginnt. Warum die vielen Fragezeichen? Weil Herta Müller nur andeutet, nicht beim Namen nennt, was geschieht, und damit den Leser ein wenig unbefriedigt, aber auch mit einem bedrückenden Gefühl zurück lässt - ich konnte vieles nicht durchschauen, viele Motive nicht erkennen, ob das ein oder andere der Grund für das Geschehen war - mir ist es unklar. Aber gerade das macht es ja so spannend, darüber nachzudenken, was in einer Diktatur passiert, Leerstellen für sich und Sprache mit Leben zu füllen. Anfangs ist Herta Müllers Sprache wirklich gewaltig und nahezu erschlagend. Manch eine Rezension bei amazon meint sogar, es gäbe keine Story. Aber das ist schlichtweg falsch. Es wird eine Geschichte erzählt, und zwar eine ziemlich eindrucksvolle - nicht die Geschichte einer Heldin in finsterer Zeit, sondern eine Geschichte eines jungen Menschen, der etwas anders machen will - mehr für sich als für "seine" Gesellschaft - und wie er dabei an seine und die Grenzen des Erlaubten stößt. Ich denke, für viele von uns ist es heute unvorstellbar, was es heißt, in einer Diktatur zu leben, was es heißt, wenn man etwas anders machen will als "alle", wie sich Verfolgung aufgrund eines Gedichts oder eines Gedanken anfühlt. Ich will es gar nicht wirklich wissen. Aber Herta Müllers "Herztier" eröffnet einen Blick in eine bedrückende Zeit der Diktatur in Rumänien, und wahrscheinlich ist diese Story und sind diese Empfindungen nichts abwägiges, nichts vergangenes. Dieses Buch hilft sich zu 'erinnern', wie gut es uns eigentlich geht.

    Mehr
  • Rezension zu "Herztier" von Herta Müller

    Herztier
    *Arienette*

    *Arienette*

    20. February 2010 um 09:24

    Klappentext Rumänien in den achtziger Jahren: Eine Gruppe von Freunden leistet Widerstand gegen das Terrorregime Ceausescus, sie schreiben oppositionelle Gedichte und dokumentieren die alltägliche Überwachung durch die Securitate. Allmählich aber werden sie selbst Opfer der Verfolgung. Als drei von ihnen in den Westen ausreisen, geht dort der Terror weiter. Herta Müller zweiter Roman "Herztier", 1994 erschienen, zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und den elementaren Gefühlen seiner Bewohner: allgegenwärtige Angst und verzweifelte Liebe, gefährdete Freundschaft und schwarzer Hass. Zugleich entsteht unter den Augen des Lesers ein Sprachkunstwerk von ganz eigener Poesie und Schönheit - metaphernreiche, magische Prosa. Spätestens mit diesem Roman wurde Herta Müller zu einer der bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur und in ihr eine absolut unverwechselbare und originelle Stimme. Die Autorin Herta Müller wurde 1953 in einem deutschsprachigen Dorf in Banat/Rumänien geboren. Nach einem Publikationsverbot und Repressionen durch die Securite konnte sie 1987 nach Berlin ausreisen, wo sie auch heute lebt. Zu ihren bekanntesten Werken gehören der Erzählband "Reisende auf einem Bein" und der Roman "Der Fuchs war damals schon der Jäger. Für "Herztier" erhielt Herta Müller 1998 den Impac Dublin Literary Award, den weltweit höchstdotierten Literaturpreis für ein einzelnes Werk. Darüber hinaus wurde sie mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter den aspekte-Literaturpreis, der Kleist-Preis, der Franz-Kafka-Preis und der Walter-Hasenclever-Literaturpreis. Meine Meinung "Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, wenn wir reden, werden wir lächerlich.« Dieser Satz ist der erste und der letzte Satz des Romans. Die "Ich"-Erzählerin lernt nach dem Selbstmord ihrer Mitstudentin Lola drei junge Männer kennen: Edgar, Kurt und Georg. Diese leisten Widerstand, schreiben Gedichte, die dem Regime nicht passen und kommen so in das Visier des Staatsapparates. Sie werden verhört, ihre Wohnungen durchsucht. Ihre Angehörigkeit zu der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien fördert sicher auch das Misstrauen ihnen gegenüber. Selbst nach der Ausreise sind sie Repressalien ausgesetzt. Sogar nach der Ausreise stürzt sich ein Freund in den Tod. Die Trostlosigkeit und die Verzweiflung werden dem Leser gut "rübergebracht". Der Name Ceauşescu fällt nur ein einziges Mal in diesem Roman. Herta Müller bedient sich einer sehr bildhaften, dichten und zum Teil auch derber Sprache. Manchmal waren die Bilder zumindestens für mich zu verschlüsselt. Es gibt Passagen, die man einfach mehrfach lesen muss und einige Metaphern habe ich sicher überlesen. Wahrscheinlich muss man das Buch zweimal lesen, um alles zu verstehen. ;) Und es ist auf gar keinen Fall ein Roman, der sich schnell lesen lässt -man muss sich auf ihn einlassen. Wegen der Bezeichnung "Herztier" habe ich gegoogelt: Herztier: "Von einer ihrer Großmütter lernt sie das Wort »Herztier«, dessen genaue Bedeutung freilich im Dunkeln bleibt. Aus Andeutungen lässt sich nur vermuten, dass es sich bei dieser – höchst privaten – Vorstellung um den vitalen und unverwechselbaren Teil eines jeden Lebewesens handelt. Dieser kann nur durch den Tod vernichtet werden, ist aber unter den Bedingungen einer Diktatur größter Gefahr ausgesetzt." (Quelle: Buchreport) Auf dem Cover ist eine Schüssel voller Pflaumen abgebildet - Pflaumen werden im Roman mehrfach erwähnt

    Mehr
  • Rezension zu "Herztier" von Herta Müller

    Herztier
    verena83

    verena83

    28. January 2010 um 08:09

    die geschichte spielt im rumänien der 80er-jahre... vier freunde wollen sich nicht mit dem terrorregime ceausescus abfinden und leisten daher widerstand. schlussendlich werden jedoch auch sie opfer der verfolgung und daher beschließen sie in den westen auszureisen - dies gelingt drei vor ihnen. doch auch dort geht der terror weiter. "herztier" konnte mich leider nicht so überzeugen, wie ich erwartet hätte... die geschichte klang zwar interessant, jedoch konnte sie mich aufgrund des schreibstils (und teileweise auch des inhalts wegen) nicht wirklich berühren. dieses buch zu lesen war teilweise einfach etwas mühsam, obwohl ich mit der 2.hälfte dann doch etwas besser zurechtkam.

    Mehr
  • Rezension zu "Herztier" von Herta Müller

    Herztier
    firlefanz

    firlefanz

    08. November 2009 um 11:52

    Das Nobel-Komitee wird ja oft kritisiert, gerade wenn es um Literatur geht. Ob zu Recht oder nicht, mag ich nicht beurteilen. Fest steht aber, dass in diesem Jahr eine Schriftstellerin gewonnen hat, die es wert ist, von vielen Menschen gelesen zu werden. Ich wählte zum Einstieg Müllers "Herztier". Die "Atemschaukel" fliegt zwar irgendwo auf meiner Festplatte herum, aber mit elektronischen Büchern kann ich nicht viel anfangen. Deshalb also "Herztier". Die Geschichte von vier Studenten im Rumänien der 80er Jahre. Terror, Bespitzelung, Selbstmorde. Am Anfang wurde mir etwas bang ums Herz, denn auf den ersten Seiten liest man Wörter, von denen man meint, sie gehörten da nicht hin und man verstände rein gar nichts. Dem ist aber nicht so. Bald wird klar, was anfangs unverständlich schien und man versteht Metaphern und Hintersinn. Die Sprache ist knapp aber präzise. Kurze Sätze, aneinandergereiht wie eine Kette. Mit einer ganz eigenen Melodie. Die Figuren konnten mir die Atmosphäre des damaligen Rumänien überzeugend vermitteln, Emotionen wirken glaubwürdig, nichts überzeichnet oder konstruiert. Da muss ich mich bei diesem Nobel schon bedanken, denn sonst hätte ich das Buch vermutlich nie gelesen. Und das wäre wirklich ein Jammer.

    Mehr