Herta Müller Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

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Inhaltsangabe zu „Heute wär ich mir lieber nicht begegnet“ von Herta Müller

'Ich bin bestellt.' Im Rumänien Ceauçescus begibt sich eine junge Frau auf den Weg zum Verhör durch den Geheimdienst. Sie hat diese Fahrt mit der Straßenbahn schon oft machen müssen, doch diesmal hat sie aus einer Vorahnung heraus Handtuch und Zahnbürste eingepackt. Unterwegs zieht ihr Leben vorüber: die Kindheit in der Provinz, die halberotische Liebe zum Vater, die Deportation der Großeltern, das gelegentliche Glück, das ihr mit Paul gelingt. Doch an diesem Tag hält die Bahn an der Station, an der sie aussteigen muss, nicht an. Und sie beschließt zum ersten Mal, nicht zum Verhör zu gehen.

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  • Rezension zu "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" von Herta Müller

    Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

    HomersEvil

    20. March 2011 um 01:17

    Herta Müllers Protagonistin ist bestellt. Punkt Zehn. Sie weiß was das heißt. Schon oft musste sie zum Verhör des Geheimdienstes. Pünktlichkeit ist dabei von äußerster Wichtigkeit. Im Verhör selbst hat zudem jede Bewegung und Geste die ihr Körper an den Geheimdienst Offizier zu senden vermag, ob unbewusst oder bewusst, Auswirkungen. Unmittelbare und direkte Folgen für das zukünftige Leben, die Qualität desselbigen und die damit verbleibende Lebensfreude. Alle geäußerten Gedanken, Absichten, Ideen und Überzeugungen müssen möglichst unverfänglich sein. Zudem passend. Passend zu den in den unzähligen vorigen Vernehmungen getätigten Aussagen. Die Strecke die sie auf dem Weg zum Verhör mit der Straßenbahn zurücklegen muss, ist ihr wohl bekannt. Jede Haltestation bringt sie näher. Näher zu einer ungewissen Zukunft. Ist es vielleicht das letzte Mal? Wird sie diesmal nur den Hinweg bestreiten? In einer Art Voraussicht hat sie zumindest Zahnbürste und Handtücher eingesteckt. „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ – wie so oft bei den Werken Herta Müllers, steht allein schon der Titel für diesen besonderen und ungewöhnlichen Umgang mit Worten, Bedeutungen und interessanten Assoziationen, die Müllers Sprache unwillkürlich auslösen kann. Auch das vorliegende Werk bildet dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil, Herta Müller vollzieht auch hier wieder diese, ihre, unnachahmliche Wandlung von diesen so vielfältig und mannigfaltigen Bedeutungen der Sprache und der daraus folgende Neuinterpretation, so dass man nur fasziniert lesen und genießen sollte. In dem vorliegenden Roman beschreibt Herta Müller das Leben einer Frau. Mit Hilfe von Rückblenden und in der Form von sich stetig weiter entwickelnden Gedanken. Die Autorin beschreibt dabei ein so dichtes und emotionales Leben und ein Schicksal, welches aufgrund der beschriebenen Handlung wohl auch viele Aspekte von ihrem, Herta Müllers eigenem Leben darstellt. Ein Leben das von stetiger Vorsicht vor Spitzeln, Verrat, politischer Unterdrückung und Unfreiheit geprägt ist. Jeder Versuch die Staatsautorität anzuzweifeln oder gar dem Staat durch Flucht zu entkommen, könnte auch der letzte sein.

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  • Rezension zu "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" von Herta Müller

    Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

    Linda

    01. May 2010 um 13:35

    Der Roman handelt hauptsächlich von den Erinnerungen einer Frau, die in einer Dikatatur lebt und nun wie schon so oft mit der Strassenbahn zu einem Verhör fährt. Der Anfang des Buches gefiehl mir sehr gut, da ich die Schreibart sehr angenehm empfinde. Durch die Wortwahl und den Satzbau werden die Vorkommnisse sowie die Handlungen nur angedeutet. Als Folge sind jedoch die Atmosphäre sowie die Empfindungen wie Angst, Hoffnung und Verzweiflung über das Leben fiel ausgeprägter und werden deutlicher hervorgehoben. Bis zur Mitte des Buches empfand ich dies als spannend und fesselnd. Aber im Folgenden wurde ich langsam ungeduldig und hoffte auf den Aufbau eine Geschichte in der Gegenwart. Ab diesem Zeitpunkt empfand ich das Buch dann leider als etwas langweilig und musste mich zwingen es weiter zu lesen.

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  • Rezension zu "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" von Herta Müller

    Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

    HeikeG

    22. October 2009 um 16:46

    Mit zerzauster Angst oder Das hier kann nicht immer mein Leben sein . „Ich hatte mir abgewöhnt, vor dem Schlafen zu fragen, wie man den Kopf halten soll, damit er die Tage erträgt, weil ich es nicht wusste. Dass man das Schlafen verlernen kann, wenn man sich diese Frage stellt, war mir bekannt. Die erste Woche nach den Zetteln, als ich drei Tage hintereinander bestellt wurde, ging mir nachts kein Auge zu. Die Nerven, die wurden Glitzerdraht. Keine Schwere mehr, die das Fleisch zu wiegen hätte, nur gestreckte Haut, und Luft in den Knochen. Ich musste in der Stadt auf der Hut sein, mir nicht zu entwischen wie im Winter der Atem, oder mich beim Gähnen nicht selber zu schlucken. Ich konnte den Mund nicht so weit öffnen, wie ich innen fror. Ich fing an, mich von etwas Leichterem als mir getragen zu fühlen und Gefallen daran zu finden, je mehr ich innerlich taub war. Andererseits hatte ich Angst, dass die Gespensterei noch schöner wird, und dass ich keinen Finger rühren werde gegen sie und für die Umkehr.“ . So kunstvoll und lyrisch vermag die gerade frisch gekührte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller zu schreiben. In dem Buch „Heute wär ich mir lieber nicht begegnet“, welches bereits 1999 erschien, zeigt die Autorin in Erinnerungsfragmenten und Episodenreihen, wie das Handeln, Denken und Empfinden der jungen Erzählerin vollkommen von den Ereignissen der „Bestellung“ beherrscht wird. Die Angst beherrscht ihren Tagesablauf und in der Nacht findet sie keine Erholung. In regelmäßig stattfindenden Verhören bei der berühmt-berüchtigten Securitate wird ihr Demütigung beigebracht: „Demütigung, wie soll man es anders sagen, wenn sich am ganzen Körper barfuß fühlt. Nur was dann, wenn sich mit dem Wort nicht viel sagen lässt, wenn das beste Wort schlecht ist.“ . Was ist vorgefallen? Die Protagonistin arbeitet in einer Bekleidungsfabrik. Als eines Tages die Lieferung von Herrenanzügen nach Italien vorbereitet wird, begeht sie einen „sozialistischen“ Fauxpas: „Ich hatte mir vorgenommen, in den Westen zu heiraten und steckte in zehn Gesäßtaschen je einen kleinen Zettel: Ti aspetto, mein Name und meine Adresse. Der erstbeste Italiener, der sich meldet, sollte es sein. (...) Statt einen Italiener bekam ich den Major. Meine Dummheit schrie mich von innen an, Selbstvorwürfe wie Ohrfeigen, ich war ausgestopft mit Stroh.“ Major Albu heißt ihr seelischer Peiniger, der sie psychisch besetzt hält: „Durch dein Verhalten werden alle Frauen unseres Landes im Ausland zu Huren gemacht. Was nehme ich dem Land, wenn ich in ein anderes gehe, fragte ich. (...) Wer seine Heimat nicht liebt, der begreift das nicht. Und wer nicht denken kann, muss fühlen.“ . Müllers Protagonistin fühlt Höhen und Tiefen. Auf ihrer über einstündigen Straßenbahnfahrt vom äußersten Randbezirk der Stadt ins Zentrum, ins Büro des Geheimdienstes, denkt sie nach. Diese Fahrt stellt zugleich die Rahmenhandlung des Romans dar. Sie fungiert als Reise in die Vergangenheit, ins eigene Ich. Neben den gegenwärtigen scharfsichtigen Beobachtungen der Menschen um sie herum werden zwei weitere Stränge aufgerollt. Zum einen die trostlose Biografie der Erzählerin und zum anderen die Darstellung der gesellschaftlichen Zustände unter der Diktatur Ceausescus in einem autoritären Staatssystem. . Alles verwebt Herta Müller zu einem deprimierenden, poetisch-surrealen, mit Lakonie durchzogenen Patchworkteppich, der sich unweigerlich über dem Leser ausbreitet und sein Emotionszentrum umwickelt. Die Autorin imaginiert Bilder tiefer Verstörung in einer unglaublich beklemmenden Dichte, die schockieren, aber gleichzeitig auch verzaubern. Denn trotz des dunklen Bewusstseinsstroms setzt sie winzige, matte, aber wirkungsvolle Glanzlichter - Augenblicke des kleinen, armen, immer gefährdeten Glücks ihrer Protagonistin. So zum Beispiel deren traurige Liebe zu dem Alkoholiker Paul: „Seitdem ich bestellt werde, trenn ich das Leben vom Glück. Wenn ich zum Verhör gehe, muss ich das Glück von vornherein zu Hause lassen. Ich lass es in Pauls Gesicht, um seine Augen, um seinen Mund, an seinen Bartstoppeln.“ Oder: „Ich wüsste gern, ob bei anderen Leuten das Hirn für den Verstand und für das Glück ist. Bei mir reicht das Hirn nur, um ein Glück zu machen. Um ein Leben zu machen, reicht es nicht. Jedenfalls nicht, um meines zu machen. Mit dem Glück habe ich mich abgefunden, auch wenn Paul sagt, dass es keines ist. Alle paar Tage sage ich: Es geht mir gut.“ . Aber die Ich-Erzählerin kann der psychischen Gewalt nicht entkommen. „Das Misslingen des Glücks läuft fehlerfrei und hat uns gebeugt. Glück ist eine Zumutung geworden, und mein verkehrtes ein Hinterhalt.“ Der Roman endet, als die Erzählerin die Straßenbahn verlässt. In ihrem Handgepäck befindet sich zum ersten Mal Handtuch, Zahnpasta und Zahnbürste. Hat sie eine Vorahnung, dieses Mal nicht von Major Albu entlassen zu werden? Steuert Herta Müller ihre Heldin unerbittlich in die Ausweglosigkeit? . Fazit: „Heute wär ich mir lieber nicht begegnet“ ist ein schockierendes, ein nachhaltiges Buch, das für die Grausamkeit schöne Worte findet. „Seit den Zetteln für Italien hab ich keinem Menschen mehr geschrieben. Nur hie und da einem was erzählt, reden muss man, schreiben nicht.“ Herta Müller hat es trotzdem getan. Zum Glück!

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  • Rezension zu "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" von Herta Müller

    Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

    Rodia

    26. September 2008 um 12:00

    Eine biittere beschreibung des lebnens in einer Diktatur. Wem kann man trauen, wer ist Spitzel, Vereinsamung und Vereinzelung als Folge von permanentem Misstrauen, durch ihre Sprache von Herta Müller ausgezeichnet rübergebracht!

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