Herwig Knaus , Wilhelm Sinkovicz Alban Berg

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Inhaltsangabe zu „Alban Berg“ von Herwig Knaus

ALBAN BERG WAR UNBESTRITTEN DER MEISTER der Wiener musikalischen Moderne. Herwig Knaus hat Tausende von Aufzeichnungen und Briefentwürfe aus dem Nachlass Bergs geordnet und entziffert. Daraus entstand diese einzigartige Biographie, die einen neuen, authentischen Blick auf den Künstler bietet. Die bisher zugänglichen, von seiner Frau Helene Nahowski mitunter kräftig zensierten Quellen gaben bisher nur einen gelenkten Blick auf den Komponisten frei. Viele Aspekte von Alban Bergs Biographie blieben dabei ausgespart: seine Schwierigkeiten mit der eigenen Familie und der lesbischen Schwester, die aus Kriegs- und Nachkriegszeit entsprungenen wirtschaftlichen Nöte, sein Verhältnis zu Frauen, Kollegen und – vor dem Hintergrund des traditionellen Wiener Antisemitismus – die Beziehung zu seinem Lehrer Arnold Schönberg. Aus diesen ungeschminkten Einblicken in Alban Bergs Privatleben entsteht nicht nur ein äußerst lebendiges Porträt dieses musikalischen Rebellen, sondern auch ein spannendes Sittenbild der Zeit nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie.

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  • Rezension zu "Alban Berg" von Herwig Knaus

    Alban Berg
    HeikeG

    HeikeG

    01. September 2008 um 20:17

    Leidenschaftlich und penibel Für die meisten ist auch heute noch die Zwölftonmusik der Inbegriff von unmelodischer, unverständlicher, unanhörbarer schräger Musik. Kaum eine andere musikalische Stilrichtung ist so kontroversiell. Doch unbestritten erobert sich diese Musik mittlerweile über die Hintertür einen Platz. Vor allem in Filmmusiken wird ihr Unbegreifbares gern als Mittel benutzt, um subtil ins menschliche Bewusstsein einzudringen. Vordringlich drei Namen haben sich um diese musikalische Moderne einen Namen gemacht, sie zum Leben erweckt. Allen voran der österreichische Komponist Arnold Schönberg (1874-1951) und seine Schüler Anton Webern (1883-1945) und Alban Berg (1885-1935), die als Begründer der sogenannten "Zweiten Wiener Schule" und für die nicht immer den besten Ruf genießende Tonkunst stehen. Alban Berg selbst verstand sich als "natürlicher Fortsetzer richtig verstandener guter, alter Tradition". Ihn zeichnete zusätzlich aus, dass er einerseits streng im Zwölftonsystem arbeitete, andererseits Wärme und Gefühle vermittelte. Sein "Wozzeck"“ gilt als Markstein in der Geschichte der Oper, ebenso seine unvollendete Oper "Lulu". Die beiden Musikwissenschaftler Herwig Knaus uns Wilhelm Sinkovicz haben sich diesem Mann genähert. Aus Briefentwürfen, Notizen auf Schmierzetteln, alten Kalenderblättern, halb zerrissenen Reklamesendungen oder gebrauchten Briefkuverts - Tausenden, sehr eigenwilligen und bislang ungehobenen handschriftlichen und getippten Lebensspuren - hievten die beiden Autoren in mühsamer Kleinarbeit das Leben des Wiener Komponisten an die Oberfläche. Da fanden sich Korrespondenzentwürfe an seinen verehrten Lehrer Arnold Schönberg, an den weniger geschätzten Richard Strauss oder an die befreundete Alma Mahler. Aber auch solch private Aufzeichnungen wie der Schriftverkehr mit einer Versicherung nach einem Autounfall, Einkaufslisten oder einfach nur die hingekritzelten Bummerl- oder Schnapspunkte eines Kartenspieles zwischen Alban Berg und Peter Altenberg. Vor allem die Original-Texte machen das Buch ungemein lebendig. Aus diesem Konvolut entstand das vorliegende Buch, das - darauf legen die beiden Autoren in ihrem Vorwort Wert -, sich jedoch nicht als Künstler-Biografie versteht. Wie es der Untertitel verrät, wollen Knaus und Sinkovicz anhand bisher nicht erschlossener Quellen die Zeit- und Lebensumstände dieses gespaltenen, ewig kränkelnden Komponisten beleuchten. Gerade durch diese ganz intimen Einblicke gewähren sie einen großartigen Zugang zu Alban Bergs Persönlichkeit und seinem Künstlertum. Gleichzeitig zeichnen sie ein wunderbares gesellschaftliches, wirtschaftliches und politisches Bild Österreichs während der untergehenden k.u.k.-Monarchie und der unruhigen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Viele, bisher weitgehend unbekannte Bild-Dokumente ergänzen anschaulich die Briefe und Briefentwürfe, die immer wieder eingeflochten und bestimmender Bestandteil dieses Werkes sind. Letztendlich werden authentische Charakterbilder aller "handelnder Personen" skizziert, die neben Alban Berg auch dessen Familie und die Familie seiner Frau, Helene Nahowski - Spross der geheimen Beziehung des Kaisers Franz Joseph mit Anna Nahowski - beleuchten. Die große Nähe Bergs zu seiner Mutter Johanna und zu seiner Schwester Samaragda, ist im Buch deutlich zu spüren. Die beiden Autoren haben beiden den gebührenden Platz gewidmet. "Ebenso den finanziellen Belangen", wie Knaur und Sinkovicz bemerken, "die sich wie ein roter Faden durch Bergs persönliche Aufzeichnungen ziehen und die realistische Schlaglichter auf die Lebensumstände werfen." Auf subjektive Auslegungen oder Kommentare haben die Autoren weitgehend verzichtet und wenn doch, verwenden sie den Konjunktiv. Zu Gunsten einer durchweg angenehm flüssigen Lesbarkeit, wurde bei den durch Primärquellen belegten, wissenschaftlich fundierten Aussagen auf eine Unmenge von Fußnoten verzichtet. Beginnend im Jahr 1900 - wenige Wochen vor dem Tod des Vaters von Alban Berg - durchlebt der Leser in chronischer Reihenfolge wie aus dem einstmals literarisch interessierten und begabten Jungen aus gutbürgerlichem Hause, ein über die Grenzen Österreichs hinweg beachteter Komponist wurde. Dabei zeigen Knaur und Sinkovicz ungeschminkt auch Bergs Schwierigkeiten mit der eigenen Familie, die wirtschaftlichen Nöte, die zwangsläufig aus Kriegs- und Nachkriegszeit entsprangen oder aber sein Verhältnis zu anderen Frauen auf. Gleichzeitig wird immer wieder der nicht nur harmonisch verlaufende Kontakt zu seinem Lehrer Arnold Schönberg, der zu einer Art Ersatzvater wird, erlebbar. Bis letztendlich - vor dem Hintergrund des Wiener Antisemitismus - Alban Berg in der Nacht auf den 24. Dezember 1935 an den Folgen einer - in eine Blutvergiftung mündenden - Furunkulose stirbt. So erweist sich diese Biografie letztendlich alles andere als ein Notenzitat, das der geniale Noten-Jongleur einer Autogrammjägerin auf ihren Zettel kritzelte. Die auf der Notenlinie entworfene Tonreihe Es, C, H, Eis, Es, E entpuppte sich nämlich weniger als Melodie, sondern als ein Buchstabencode, der folgendes unanständige Wort offenbarte: "Sch ... e". Fazit: Herwig Knaus und Wilhelm Sinkovicz haben eine äußerst gelungene Melange aus verschiedensten, teilweise ganz persönlichen Zeugnissen des Komponisten Alban Berg zusammengetragen und in ein hochinformatives, flüssig lesbares Zeitzeugnis übertragen, das einem der bedeutendensten Vertreter der musikalischen Moderne Österreichs gebührend gerecht wird.

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