Der Hilfsprediger

von Hilary Mantel 
3,0 Sterne bei3 Bewertungen
Der Hilfsprediger
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Schöner kurzweiliger Roman über die Liebe in einer gottlosen Kleinstadt in England Ende der 50er Jahre.

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Inhaltsangabe zu "Der Hilfsprediger"

Fetherhoughton ist ein eintöniges, gottverlassenes Nest, eine Enklave der Ignoranz und des Aberglaubens, von undurchdringlichen Moornebeln vor den Avancen der Aufklärung und der Vernunft beschützt. Vater Angwin ist der Gemeindepriester, ein Zyniker, der längst seinen Glauben verloren hat und nur noch in Ruhe gelassen werden will. Vor allem von dem neuen eifrigen Bischof, der die Region in moderne Zeiten führen will. Die zweite Heimsuchung des Priesters ist Mutter Perpetua, die ihr Kloster mit eiserner Hand führt und jede Abweichung des Glaubens hart bestraft. Sie hat es vor allem auf die freiheitsliebende junge Nonne Philomena abgesehen.
Eines Abends taucht ein Fremder an der Tür des Pfarrhauses auf und bietet Vater Angwin seine Dienste an. Ist er die Hilfe, die der Bischof angedroht hat? Doch wie ein Spion des Bischofs sieht der Mann namens Fludd nicht aus. Vielmehr umgibt ihn etwas Unwirkliches, das die einen voller Entzücken anzieht, so wie Philomena, und die anderen voller Entsetzen erstarren lässt, so wie Angwins Haushälterin, die sich zum Schutz aufs Singen verlegt. Ist er ein Engel, der die Bewohner aus ihrer Gleichgültigkeit befreit, dem Priester seinen Glauben wiederbringt und Philomena die Liebe lehrt? Oder ist er gar der Teufel, der alle in den Abgrund reißen wird?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832164621
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:13.09.2018

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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor einem Jahr
    Eine Nase aus Knetgummi

    Nahezu 30 Jahre nach seinem Erscheinen auf Englisch wurde Hilary Mantels Geschichte über den Glauben in Fetherhoughton nun auch ins Deutsche übertragen und zwar gekonnt, wie ich direkt anmerken möchte. Der Hilfsprediger erschien im Dumont Buchverlag.

    Ich störe mich ja häufig an Übersetzungen bei älteren Büchern oder sprachlich anspruchsvolleren, hier ist alles stimmig, alles paßt. Werner Löcher-Lawrence hat als Übersetzer wirklich sehr gute Arbeit gemacht. Mantel und er finden die richtigen Worte, die Dorfatmosphäre der 50er einzufangen und den Leser direkt ins Geschehen in diesem kleinen Nest in den Mooren zu versetzen. Der Hilfsprediger schafft es, mich zu begeistern.

    Der Gemeindepfarrer Angwin hat seinen Glauben ein wenig verloren oder auch verlagert, der Aberglaube hielt Einzug in seine Gemeinde und das findet der modern ausgerichtete Bischof eher weniger witzig. Daher taucht als Hilfe für Angwin Fludd auf, ob diese Figur "Spion" oder "Engel" ist, das sieht jede der Figuren ein wenig anders. Jedes Gemeindemitglied, auch die eher heidnisch erzogenen der umliegenden Dörfer, hat Charakter und wird trotz der Kürze des Buches sehr eindrücklich eingeführt und vorgestellt. Mantel hat hier einfach ihre ganz eigene Art zu beschreiben und zwischen den Zeilen erahnen zu lassen. Bereits nach wenigen Worten hat man ein sehr genaues Bild der jungen Nonne Philomena, der Klostervorsteherin und auch der Kinder der "Heiden".

    Mich hat vorallem die singende und Tee und Kakao kochende Haushälterin begeistert. Die an Türen lauscht und ihre ganz eigene Meinung zu den verbuddelten Kirchenheiligen hat, die der gebeutelte Pfarrer Angwin einfach mal ruckzuck auf dem Friedhof hat bestatten lassen, um der Modernität, die der Bischof fordert, gerecht zu werden.

    Fludd schafft es die Dorfgemeinschaft zu bezaubern, zu faszinieren oder zumindest aufzuwühlen. Besonders hat mir hier die Szene gefallen, in der er gemeinsam mit einer jungen Nonne einer der Statuen eine Nase aus Knetgummi anheften möchte oder in der er mit der Klostervorsteherin in den Kleidern der Nonnen, die diese bei ihrem Eintritt ins Kloster mitbrachten, wühlt. Fludd ist schlecht zu durchschauen, seine Absichten unklar und dennoch begeistert diese Figur alle anderen. Mit viel bissigem Witz und religiöser Kritik schreibt Mantel sich hier eine Welt zusammen, die skuriler und charmanter nicht sein könnte, die aber trotzdem bei genauem Hinsehen der Realität dieser Zeit auf einem solchen Dorf recht nahe kommen dürfte. Ein wenig bigott, ein wenig frömmelnd, absurd und widersprüchlich, kämpfen und hadern die Figuren mit ihrem eigenen und dem Glauben der anderen.

    Mich hat das Buch wirklich sehr begeistert und das ganz klar vorallem, weil mir Dank der Erziehung auf einem klösterlichen Gymnasium so manche Handlungsweise der Nonnen und des Pfarrers nicht unbekannt sind. Mantel setzt sich in ihrem Buch mit Gut und Böse auseinander und zeigt auf, wie nah bei einander und wie leicht zu vermischen hier die Grenzen sind. Das Dorf sehnt sich nach Regeln, darf man an Fastentagen getoastetes Brot essen und wird das Brot beim Toasten leichter, so dass man sogar zwei Scheiben nehmen dürfte? Ist Marmelade an Fastentagen in Ordnung? Straffe Regeln sind gewünscht und Pfarrer Angwin und Mutter Perpetua stellen sie mit eher unsicherer Hand auf. Ob Fludd der Gemeinde nun wieder auf den rechten Weg zurück hilft oder sie in noch größeres Chaos stürzt, würde zu weit führen, aber ich möchte sagen, ich hatte großen Spaß beim Lesen und sein Alter merkt man dem Buch zu keinem Zeitpunkt an.

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    ELSHAs avatar
    ELSHAvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schöner kurzweiliger Roman über die Liebe in einer gottlosen Kleinstadt in England Ende der 50er Jahre.
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    Fiona89s avatar
    Fiona89vor 9 Monaten

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