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Samy86

vor 2 Jahren

(7)

Inhalt:

Diagnose Alzheimer, dies muss Henning erst einmal verdauen, aber auch seine Familie hat schwer zu schlucken daran. Steht er doch Mitten in der Blühte seines Lebens und mit seiner lebensfrohen Art kommt der 68 Jährige Niederländer auch überall gut an. Doch der Gedanke daran in geraumer Zeit als eine leere und hilflose Hülle durch die Welt zu wandeln, dass bereitet ihm wahnsinnige Angst.

Die Aussicht irgendwann in einem Pflegeheim zu landen ist grausam, auch wenn seine Familie sehr zuversichtlich auf ihn einredet, dass es dazu nie kommen wird.  So kommt es, dass sich Henning intensiv mit dem Thema „ Sterbehilfe „ auseinander setzt. Jedoch bedarf es dazu eine Sondergenehmigung seitens der Euthanasie-Kontroll-Kommission und vor allem muss diese Entscheidung schnell getroffen werden, denn die begleitete Sterbehilfe kann in seinem Fall nur dann durchgeführt werden, wenn er noch Herr aller Sinne ist.

Die Zeit drängt, doch was bedeutet dies schon, wenn es um eine Entscheidung geht, die das Leben aller verändert und wenn es dabei auch noch um „ Leben und Tod, Lebensfreude und Leid, Zusammenhalt und Selbstbestimmung“ geht.

 

Meine Meinung:

Dieses Thema sollte wirklich nicht in einem emotionslosen und unrealistischen Roman bearbeitet werden. Gilt  „ Sterbehilfe „ und auch die Entscheidung zu einem begleiteten Tod immer noch als strenges Tabu-Thema und wird in Deutschland noch als absolutes rotes Tuch angesehen.

Die Autorin Hilda Röder geht sehr sensibel, authentisch und voller Emotionen genau an diese Thematik heran und bietet dem Leser an der Seite des betroffenen Protagonisten Henning genau nachvollziehbar alle Schattenseiten nach dem Wunsch nach Sterbehilfe zu erleben, mit ihm den Weg seiner letzten Endes getroffenen Entscheidung zu begleiten und vor allem sich ein eigenes Bild zu diesem Thema zu bilden.

Selbst arbeite ich auf einer onkologischen Station als Krankenschwester und auch oft kommt dort dieses Thema auf. Die Gradwanderung zwischen Helfen das Leid zu mindern und aktiv Sterbehilfe zu begleiten ist minimal, so dass man schneller als man Schauen kann sich mit einem Bein im Gefängnis wiederfinden kann.

Doch genau dies und auch wie wichtig dieses Thema im weitläufigen Sinn ist für Patienten, Angehörigen und auch Pflegekräfte und Ärzte hat die Autorin sehr angenehm und vor allem so realistisch herüber gebracht, dass man nicht anders kann als sich damit auseinander zusetzen.

Die Charaktere sind alle sehr menschlich beschrieben, ihre Ängste, Zweifel und Zerrissenheit, aber auch der Zusammenhalt und vor allem die Natürlichkeit der Personen machen diesen Roman zu einem authentischen Erlebnis. Wenn man sich durch die Handlung an der Seite von Henning und seiner Familie führen lässt, hat man sehr oft den Eindruck als könnte es die eigene Oma, Freunde & Bekannte, aber auch der Nachbar sein, dem das Ganze wiederfährt und dem man selbst als stütze versucht durch die Misere zu begleiten.

Der Schreibstil ist absolut stimmig zu dem brisanten Thema gewählt und bringt einem durch die Wahl das Ganze geschehen nochmals einen ticken näher.

Fazit:

Ein brisantes Thema welches gehört und vielleicht auch irgendwann akzeptiert werden sollte. Doch um die Gründe und Verhaltensweisen besser verstehen zu können muss man die Geschichte von Henning einfach gelesen und erlebt haben, um zu verstehen was es in einem Auslöst und vielleicht auch wie wichtig das Thema in der heutigen Zeit aber auch in naher Zukunft sein wird, aber auch wie entscheidend es ist sich damit auseinanderzusetzen um die Gradwanderung zu verstehen der man dadurch jederzeit auch ausgesetzt werden kann.

Sehr empfehlenswerter und authentischer Lesestoff, der einem sehr nahe gehen kann!

Autor: Hilda Röder
Buch: Henning flieht vor dem Vergessen
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