Hilmar Klute

 3,7 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Oberkampf, Was dann nachher so schön fliegt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hilmar Klute

Alles über Haustiere und Burn-out: Hilmar Klute ist ein deutscher Journalist und Sachbuchautor. Geboren wurde er 1967 in Bochum, zog dann aber nach München, um ab 2009 für die Süddeutsche Zeitung zu schreiben. Dort verantwortet er seit 2010 die beliebte Kolumne „Streiflicht“. Neben seiner journalistischen Tätigkeit veröffentlichte Klute mehrere Sachbücher. Größere Aufmerksamkeit wurde ihm 2012 mit dem Titel „Wir Ausgebrannten: Vom neuen Trend, erschöpft zu sein“ zuteil, der im Diederichs Verlag erschien. Klute ergründet darin den Burn-out als eine Modeerscheinung, hinter der sich Egoismen und Selbstbezogenheit verstecken. Diese Polemik wendet sich insbesondere gegen die Nutznießer der neuen Befindlichkeit in Form von zahlreichen kostspieligen Therapieangeboten. Im Berliner Galiani Verlag brachte Klute 2015 ein Buch über das Leben des Dichters Joachim Ringelnatz unter dem Titel „War einmal ein Bumerang“ heraus. Seine schmalen Bändchen über Hunde und Katzen als Haustiere im Antje Kunstmann Verlag aus den Jahren 2008 und 2010 fanden wenig Beachtung. Klutes belletristisches Debüt „Was dann nachher so schön fliegt“, 2018 ebenfalls von Galiani verlegt, spielt im Ruhrgebiet und thematisiert die Liebe zum Schreiben und die Leidenschaft für die Literatur. Hilmar Klute lebt in München und schreibt nach wie vor für die Süddeutsche Zeitung.

Alle Bücher von Hilmar Klute

Cover des Buches Oberkampf (ISBN: 9783869712154)

Oberkampf

 (12)
Erschienen am 20.08.2020
Cover des Buches Was dann nachher so schön fliegt (ISBN: 9783462054194)

Was dann nachher so schön fliegt

 (9)
Erschienen am 07.05.2020
Cover des Buches HerzKammerJäger (ISBN: 9783442371099)

HerzKammerJäger

 (7)
Erschienen am 18.10.2008
Cover des Buches Winston oder Der Hund, der mich fand (ISBN: 9783888975363)

Winston oder Der Hund, der mich fand

 (5)
Erschienen am 03.09.2008
Cover des Buches War einmal ein Bumerang (ISBN: 9783869711096)

War einmal ein Bumerang

 (2)
Erschienen am 09.02.2015
Cover des Buches Wir Ausgebrannten (ISBN: 9783424350814)

Wir Ausgebrannten

 (2)
Erschienen am 03.09.2012
Cover des Buches Das Streiflicht (ISBN: 9783864971402)

Das Streiflicht

 (0)
Erschienen am 01.04.2013
Cover des Buches Das Streiflicht (ISBN: 9783864971013)

Das Streiflicht

 (0)
Erschienen am 06.04.2013

Neue Rezensionen zu Hilmar Klute

Cover des Buches Oberkampf (ISBN: 9783869712154)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Oberkampf" von Hilmar Klute

Eine Selbstverwirklichung, die nicht so verläuft, wie gehofft.
Gwhynwhyfarvor 3 Monaten

Erster Satz: «In der Rue de Bretagne waren viele Bistros schon voll mit Gästen, nur der Marché des Enfants Rouges kam eher langsam in Gang; die Fische lagen mit offenen Mäulern auf dem Eisbett, und ein Imbissverkäufer briet einen gigantischen Berg von frisch geschnittenen Zwiebeln in einer großen Pfanne.»


Die langjährige Beziehung im Eimer, die Vermittlungsagentur pleite, die Jonas Becker mit der Lebenspartnerin und dem besten Freund gegründet hatte, so schließt er sein Leben in Berlin ab. Voll Enthusiasmus zieht er nach Paris, um seinen einstigen Traum vom Leben als Schriftsteller zu verwirklichen. Ein Verlag hatte ihm den Auftrag erteilt, den 86-jährigen österreichischen Schriftsteller Stein zu interviewen, der sein Leben lang um Anerkennung kämpfte. Jonas soll ein Buch über den Literaten schreiben. Dazu stellt man ihm das kleines Verlags-Appartement in der Rue Oberkampf zur Verfügung. Seine Tage verbringt Jonas mit dem Autor, nachts trifft er sich mit Christine, die er am ersten Abend kennenlernt. Eine Selbstverwirklichung, die nicht so verläuft, wie er gehofft hatte.


«Jonas lief dicht an den Hauswänden entlang, so als müsste er sich nah an die Stadt schmiegen, der nun jemand ins Herz geschossen hatte.»


Die «Rue Oberkampf», klingt so gar nicht französisch; sie ist nach Christophe-Philippe Oberkampf,  einem französischen Industriellen mit deutschen Wurzeln im späten 18. Jahrhundert benannt, die im 11. Arrondissement von Paris liegt. Mitten im Zentrum der pulsierenden Stadt. Kaum in Paris angekommen, erlebt Jonas das Desaster: 7. Januar 2015 - Attentat auf Charlie Hebdo. Es ist sein erster Morgen in dieser Stadt. Zunächst verfolgt Jonas die Berichterstattung sehr genau, doch nach der ersten Neugier verebbt sein Interesse. Plötzlich sind alle «Charlie», aber alles läuft weiter wie zuvor. Jonas betrachtet den Anschlag völlig distanziert. Der Schriftsteller Richard Stein zeigt sich als knorriger Alter, bestimmend und übergriffig. Er dominiert, sagt, wo es im Interview langgeht. Auch bucht er auch einen Flug für sich und Jonas in die USA, um seinen drogenabhängigen Sohn zu suchen, der anscheinend in Schwierigkeiten steckt. Die Reise ist bloß eine Nebensächlichkeit in der Geschichte, ebenso der Besuch eines Freundes in Paris, Dinge die Jonas nicht berühren, nehmen keinen Raum ein.


«Die Stadt, das Land, die ganze Welt verfolgte diese zwei oder drei Männer, die mit ein paar Kalaschnikow-Salven die Zivilisation zum Krüppel geschossen hatten. Die Gewalt machte aus einem Volk ein anderes Volk. Sie stellt die Angst an die Stelle der Sicherheit.»


Es gibt unendlich viele Beschreibungen der Pariser Straßen, Restaurants und Cafés, Auseinandersetzungen seitens Jonas mit Schriftstellern – das beginnt bereits mit dem Umzug, dem Aussortieren der Bücher, die er mitnehmen möchte, nur zwei Kisten voll aus dem riesigen Sortiment seiner Regale. Corinne ist die Aussortierte, Christine die viel jüngere Studentin, mit der der Mittvierziger eine Beziehung in Paris anfängt, die aber selbst keine Rolle spielt, lediglich als Transmitter zur Bevölkerung dient. Frauen sind Nebensache, präsent die Männer in diesem Roman. Überhaupt zeigt sich Jonas als desinteressiert an anderen Menschen, er ist nur mit sich selbst beschäftigt. Seine Rue Oberkampf, die Restaurants, Bistros und Cafés, seine Bücher. Der Roman ist ein Hoch auf die Pariser*innen, auf ihre Bars und auf Restaurantterrassen, ein Verriss von Berlin. Er beschreibt die Pariser*innen, die auch nach dem Anschlag ihren Lebensstil weiter inszenieren, gerade deshalb: Wir lassen uns keine Angst machen! Christine, die Studentin, öffnet Jonas mit ihrem Blick auf die Banlieues die Augen, zeigt ihm die heruntergekommene Hochhaussiedlungen in der Vorstadt, in der meist Migranten wohnen, arm, von Perspektivlosigkeit geprägt. Das hat rein gar nichts mit dem 11. Arrondissement gemeinsam. Und so entwickelt Jonas eine gewisse Sympathie zu den Terroristen, ein Verständnis für ihr Handeln. Stein wirft Jonas irgendwann vor, dass er ein Pragmatiker sei, der sich nichts traut. Sein Leben bestehe aus Kompromissen. Er habe Schriftsteller werden wollen, aber nie den Schritt gewagt. Auch mit diesem Buch über Stein habe er nicht den Sprung geschafft, lediglich eine Auftragsarbeit angenommen, die ihn in der Komfortzone hält. 


«Jonas spürte etwas Kaltes seine Brust heraufkriechen, ein Unbehagen vor der Menge und ihren Ritualen, die ihm eigenartigerweise nicht weniger barbarisch vorkamen als die Hass-Inszenierungen der Mörder. Eigentlich sollte man doch wütend sein, dachte Jonas. Wie konnte man anders empfinden als heillose Wut auf die drei Schweinehunde, die zwölf Franzosen mit ihren Kalaschnikows die Köpfe zerballert hatten. Aber diese Milde, diese zurückgenommene, als Ohnmacht inszenierte Fassungslosigkeit, war auch wieder so ein nationaler Snobismus. Gleich würden sie auch wieder singen, dachte Jonas.»


Auf der einen Seite hat mich die Sprache gepackt, einige Passagen sind genial geschrieben. Es macht Spaß, diese Stellen zu lesen. Hilmar Klute ist ein guter Beobachter und er bringt dies auch noch treffend und geschliffen zu Papier. Die Dialoge sind klasse und gewisser Humor ist diesem melancholischen Roman zur Selbstverwirklichung nicht abzuschreiben. Darum lohnt es sich, das Buch zu lesen. Aber andererseits war es für mich ein Oberkampf, das Lesen immer wieder aufzunehmen, da ich die Geschichte an sich recht langweilig fand. Auch die Figuren konnten mich nicht packen, sie blieben mir fern, bedeutungslos. 


Hilmar Klute ist Streiflicht-Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er hat einige Bücher veröffentlicht, darunter den zeitkritischen Essay Wir Ausgebrannten (2012). 2015 erschien bei Galiani seine »ebenso kluge wie gründliche und liebevolle« (FAZ) Ringelnatz-Biografie War einmal ein Bumerang. Sein literarischer Debütroman Was dann nachher so schön fliegt erschien 2018 und wurde von der Presse hochgelobt; 2020 folgte der Roman Oberkampf. Hilmar Klute lebt in Berlin.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/oberkampf-von-hilmar-klute-rezension.html


Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Oberkampf (ISBN: 9783869712154)Buecherseele79s avatar

Rezension zu "Oberkampf" von Hilmar Klute

Neuanfang im Oberkampf
Buecherseele79vor 7 Monaten

Mit 40 versucht Jonas nochmals einen Neuanfang. Nach gescheiterter Beziehung und Firma will er in Paris sich als Schriftsteller versuchen und sein Idol Richard Stein interviewen. In der Oberkampf beginnt sein Leben in Paris und mit ihm auch die schrecklichen Terroranschläge auf Charlie Hebdo.


"Die Stadt, das Land, die ganze Welt verfolgte diese zwei oder drei Männer, die mit ein paar Kalaschnikow- Salven die Zivilisation zum Krüppel geschossen hatten. Die Gewalt machte aus einem Volk ein anderes Volk. Sie stellte die Angst an die Stelle der Sicherheit. Und der Krieg, von dem es so viele Bilder, Texte und Vorstellungen gab, der Krieg war in Endlosschleife im Fernsehen zu sehen." (Seite 64)


Ich kann mir vorstellen dass nicht viele meine Begeisterung für dieses Buch verstehen werden. Und es fällt mir auch schwer diese genau zu beschreiben, zu umschreiben, aber Hilmar Klute hat mich gepackt mit seinem Buch.


Was für mich unglaublich gelungen ist - der Schreibstil, die Erzählungen über das französische Leben. Diese Leichtigkeit, diese pure Lebensfreude, diese Offenheit aber auch das Kulinarische bringt der Autor so gekonnt, bunt, laut und vielfältig an den Leser heran. Es war herrlich mit Jonas seinen Augen durch Paris zu schlendern.


Jonas ist eine gescheiterte Existenz, möchte aber in Paris einen Neuanfang wagen. Einen roten Faden im Leben von Jonas gibt es nicht. Er schweift sehr oft und zu Beginn ab in die Zeit als er noch in Berlin lebte. Dies war zu Beginn auch etwas schwer zu verfolgen und brachte Unruhe in das Verstehen und lesen. Mit der  Zeit legt sich dies aber.


Wie die Welt ist auch Jonas von den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo schockiert. Er verfolgt die Berichterstattung sehr genau, womöglich ebenso wie viele Leute zu dieser Zeit auch. Wie sehr es den Alltag beeinflusst und das Leben und die Leichtigkeit verändert. Wie Ängste plötzlich mehr Raum erhalten. 


Es geht um soviel mehr. Um einen Neuanfang wo andere schon Haus, Familie und Jahresurlaub haben. Um alte und neue Liebe. Um das selbst finden. Wie das Leben nehmen und genießen? Was zählt? Wie will ich mein Leben gestalten. 


Wie Frankreich anfing mit dem Terror zu leben, versucht sich nicht seine Werte stehen zu lassen. Aber auch wo die Probleme liegen, wie leicht es diese Terroristen haben. Auch die Gedanken zu diesem Thema haben mich bei Jonas fasziniert und selbst zum nachdenken angeregt denn er, als "Nicht" Franzose geht damit immer noch anders um als die Landsleute selbst.


Wie gesagt, vieles wird nur angeschnitten,nicht vertieft und doch ist es das Buch wie das Leben selbst. Einen roten Faden hat nicht wirklich jeder, oder?


Ich persönlich bin sehr angetan und empfehle dieses Buch gerne weiter. 





Kommentieren0
4
Teilen
Cover des Buches Oberkampf (ISBN: 9783869712154)N

Rezension zu "Oberkampf" von Hilmar Klute

Luft nach oben
nonostarvor 8 Monaten

Jonas hatte zusammen mit seiner Freundin Claudia eine Vermittlungsagentur. Als sie die Agentur aufgeben müssen, stellen die beiden fest, dass auch zwischen ihnen die Luft raus ist und gehen von da an getrennte Wege. Jonas reist nach Paris um dort eine Biografie über den Schriftsteller Richard Stein zu schreiben. Doch kurz nach seiner Ankunft geschieht der Anschlag auf Charlie Hebdo und Jonas hadert mit allem. Dennoch trifft er sich regelmäßig mit Stein und fängt auch eine neue Beziehung zu Christine, einer Französin an.

Hilmar Klute hat eine angenehme Sprache. In "Oberkampf" spricht er auch viele interessante Themen an, wie zB. den Anschlag auf Charlie Hebdo, die Beziehungen von Jonas zu Claudia und Christine, vergangene und neue Liebe, Freundschaft, Ausländerfeindlichkeit, Familienbande, Drogenproblemeund das leben als Schriftsteller. Aber in meiner Aufzählung merkt man schon, das ist ein bisschen viel für so wenig Platz. Die Themen werden leider nur angerissen, auf den Tisch gelegt und dann stehen gelassen, nicht weiter verfolgt, was ich ziemlich schade fand.Gerade von der französischen Situation nach dem Anschlag erfährt man nur sehr wenig, Christine zeigt Anzeichen einer Verarbeitung und Reaktion aber auch das verläuft im Sand, man geht dann doch lieber auf ein Konzert. Die abstruse Reise auf der Suche nach Steins Sohn wird ebenfalls nur schnell abgehandelt, vieles in einem Satz zusammengefasst und das wars. Und so geht es mir leider mit allen Themen. Sie sind da aber werden leider nur gestreift und nicht tiefer behandelt.

Die Figuren konnte ich mir zwar ganz gut vorstellen aber ihre Gefühle und Handlungen nicht richtig nachvollziehen. Warum tatensie das wassie taten und wie geht es ihnen damit? Das blieb mir auch am Ende ein Rätsel. Ich bereue es nicht, "Oberkampf" gelesen zu haben, aber ich hatte mir etwas anderes erhofft, mehr erwartet.

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks