Hiroaki Nagahiro Schatten des Wassers

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Inhaltsangabe zu „Schatten des Wassers“ von Hiroaki Nagahiro

Wenn in einem Glas sehr reines Wasser ist, wirft es in der Sonne einen zarten Schatten. Doch wenn das Wasser schmutzig ist, wirft das Glas einen dunklen Schatten. Wie können wir gegen diesen Schatten kämpfen?, fragt Hiroaki Nagahiro in seinem Buch. Mit seinem Weckruf will er Menschen zum Nachdenken anregen. Er erzählt von Herrn Nakata, einem in Deutschland lebenden Japaner, der nach und nach alles verliert: seinen Job, seine Familie, seine seelische Gesundheit. Angestellt in einem internationalen Konzern, entdeckt er Steuerhinterziehungen großen Stils. Diese Entdeckung ist der Beginn seines Abstiegs, der einen Strudel aus Mobbing, Einsamkeit und Depressionen nach sich zieht. Zum Ausgleich befasst sich Herr Nakata kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen und philosophischen Fragen, die über sein individuelles Schicksal hinausreichen.

„Schatten des Wassers“ von Hiroaki Nagahiro Ein Buch von kafkaesker Schönheit

— Gerhard_Ebert

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    Schatten des Wassers

    Gerhard_Ebert

    23. December 2015 um 18:30

    REZENSION: „Schatten des Wassers“ von Hiroaki Nagahiro Ein Buch von kafkaesker Schönheit – mithin nicht jedermanns Sache. Der Titel „Schatten des Wassers“ weckt Neugier, und der Untertitel „Vom Einsamsein in der Gesellschaft“ lässt eine enttäuschte, wunde Seele ahnen. Der Zugang zu dieser Seele - stellt sich heraus - ist nicht eben einfach. In die Texte von Hiroaki Nagahiro, einem in Deutschland lebenden Japaner, muss man sich regelrecht einarbeiten. Keine geradlinig erzählte Geschichte, sondern anrührende Lebens-Erörterungen als Folge eines tragischen Ereignisses. Verwirrende Satzfolgen vermeintlich ohne Zusammenhang, aber von sympathischer  Weisheit. Etwa: „Jeder neue Tag ist nicht selbstverständlich“. Oder: „Der Reichtum verwandelt sich irgendwann in Gerümpel“. Oder: „Jeder steht irgendwann ganz allein da“. Dem Leser erschließt sich alsbald, dass hier ein überaus sensibler Mensch über die hässlichen Verwerfungen der Gesellschaft schreibt, und zwar an Hand seiner zentralen Gestalt, des Buchhalters Nakata, den er ins soziale Abseits geraten lässt, weil er der Ellbogen-Mentalität nicht gewachsen ist.  Der Autor skizziert soziale Oberflächen und leuchtet zugleich ständig hinab in deren abgründigste Tiefen – und dies mit faszinierend poetischen Assoziationen, mit trefflichen Methapern, geprägt von berührender  Menschenkenntnis. Der redliche Herrr Nakata erlebt, dass die Firma, in der er zu arbeiten die Ehre hat und deren Stammsitz in England ist, in Deutschland durch geschickte Manipulation gar keine Steuern zahlt. Sein Gewissen treibt ihn um. Schließlich weist er seinen Geschäftsführer auf die rechtswidrigen Handlungen hin – und sieht sich entlassen. Der Pfarrer hilft ihm nicht, vermag ihn nicht einmal zu trösten. Weil: Der Pfarrer ist ein Beamter! Denn: „Bevor man anderen hilft, muss man die Gefahren, die dadurch die eigene Existenz bedrohen könnten, überprüfen.“  Herr Nakata findet sich in der Psychiatrie eines Krankenhauses wieder, wo er so nebenher mitbekommt, dass seine Frau inzwischen anderweitige Interessen hat. Herr Nakata bereut, „dass er an die Gerechtigkeit der Gesellschaft geglaubt hat“, wird depressiv, hadert mit seinem Schicksal. Er erkennt, dass Heuchelei heutzutage und hierzulande selbstverständlicher Alltag ist und berufliche Ehrlichkeit bei den Geld-Giganten der Wolkenkratzer absolut nicht gefragt. Die schlimme, himmelschreiend absurde, aber staatstragende Situation im globalisierten, zunehmend entnationalisierten Europa ist, dass der Staat Unternehmen rettet, die mit Milliarden Verlust in der Insolvenz sind und ihren heuchlerischen Managern hohe Abfindungen zahlen. Der allein gelassene Buchhalter Nakata, ein Bürger von frappierend logischen ökonomischen Einsichten in Sachen EU,  gibt noch immer nicht auf. Rechtsanwälte können oder wollen nicht helfen, der Petitionsausschuss des Bundestages lässt ihn im Stich. Herrn Nakatas letzte Hoffnung ist die Justiz. Er muss einsehen: „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber auch rechtswidrig“.  Der Mensch – wie ein Käfer hilflos auf dem Rücken liegend und vergeblich zappelnd. Nagahiros Werk ist ein erschütterndes Zeugnis von der gnadenlosen Entfremdung des Menschen im Turbokapitalismus. In der Summe ein nachhaltiges Dokument nackter Verzweiflung über den Untergang das Humanismus in Europa. Es sollte Pflichtlektüre sein in den obersten Klassen aller Schulen. Eindrucksvoll im Übrigen die beigefügten skurril-abstrakten Bilder Nagahiros. Große klagende Augen saugen die Aufmerksamkeit des Betrachters gleichsam magisch an. Wehmut, Schmerz, Einsamkeit. Die Bilder sind im Original gewiss farbig und in grauer Widergabe vom Verlag leider um ihre einmalige Wirkung gebracht.

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