Hiroko Oyamada

 3,7 Sterne bei 43 Bewertungen
Autor*in von Das Loch, Die Fabrik und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Hiroko Oyamada wurde 1983 in Hiroshima geboren, wo sie heute noch mit ihrer Familie lebt. Nach ihrem Studium der Japanischen Literatur arbeitete sie in wechselnden Jobs, unter anderem bei einem Autohersteller. Diese Erfahrung diente ihr als Inspiration für ihren Debütroman Kōjō (2013; deutsch: Die Fabrik), für den sie zahlreiche Preise erhielt und der nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Für ihren zweiten Roman Ana (2014; 2024 auf deutsch: Das Loch) erhielt sie den Akutagawa-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung in Japan. Ihre Werke wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erschienen in Japan zwei neue Bücher von ihr, darunter ein Familienroman über die Erinnerungen an die Zeit der Atombombenabwürfe und des Pazifischen Kriegs.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hiroko Oyamada

Cover des Buches Das Loch (ISBN: 9783498004866)

Das Loch

(37)
Erschienen am 18.06.2024
Cover des Buches Die Fabrik (ISBN: 9783498007942)

Die Fabrik

(6)
Erschienen am 27.01.2026
Cover des Buches The Factory (ISBN: 9780811228855)

The Factory

(0)
Erschienen am 29.10.2019
Cover des Buches The Hole (ISBN: 9780811228879)

The Hole

(0)
Erschienen am 06.10.2020

Neue Rezensionen zu Hiroko Oyamada

Cover des Buches Das Loch (ISBN: 9783498004866)
Anirahs avatar

Rezension zu "Das Loch" von Hiroko Oyamada

Anirah
Ein surrealer Sommer zwischen Alltagstrott und Wahnsinn

Hiroko Oyamadas „Das Loch“ ist ein faszinierendes, wenn auch schwer greifbares Stück japanischer Gegenwartsliteratur. Wer einen klassischen Roman mit klarer Struktur sucht, wird hier eventuell enttäuscht – wer jedoch dichte Atmosphäre und subtilen Horror mag, sollte einen Blick hineinwerfen.

Worum geht es?

Asahi zieht mit ihrem Mann aufs Land, direkt neben ihre Schwiegereltern. Während ihr Mann arbeitet, verliert sich Asahi in der Monotonie des Hausfrauendaseins in der drückenden Sommerhitze. Die Grenzen zwischen Realität und Einbildung verschwimmen, als sie ein seltsames Tier entdeckt und buchstäblich in ein Loch fällt.

Was mir gefallen hat:

Die Atmosphäre: Oyamada beschreibt die lähmende Hitze und die Zikadengeräusche so eindringlich, dass man beim Lesen fast selbst anfängt zu schwitzen. Die Stimmung ist beklemmend und herrlich surreal.

Sozialkritik: Das Buch thematisiert sehr geschickt die Unsichtbarkeit von Frauen in traditionellen Rollenbildern und die Isolation, die mit einem Umzug in die Provinz einhergehen kann.

Kürze: Mit knapp 100 Seiten ist es ein schnelles Leseerlebnis, das lange nachhallt.

Was ich schwierig fand:

Obwohl ich den Schreibstil mochte, blieb mir das Ende zu vage. Die Geschichte bricht fast schon mitten im Geschehen ab, ohne eine wirkliche Auflösung oder Erklärung für die surrealen Elemente zu bieten. Man bleibt mit vielen Fragen zurück, was einerseits zum Buch passt, mich als Leser aber etwas unbefriedigt zurückgelassen hat. Zudem sind die Charaktere – bewusst – sehr distanziert gezeichnet, was es schwer macht, eine emotionale Verbindung aufzubauen.

Fazit:

„Das Loch“ ist wie ein Fiebertraum am Nachmittag. Es ist eine interessante Parabel über die Leere im modernen Leben, die aber durch ihre extreme Kürze und das offene Ende nicht ihr volles Potenzial entfaltet. Für Fans von Sayaka Murata oder Haruki Murakami definitiv einen Versuch wert, aber kein Buch für jedermann.

Cover des Buches Das Loch (ISBN: 9783498004866)
Svenjas_BookChallengess avatar

Rezension zu "Das Loch" von Hiroko Oyamada

Svenjas_BookChallenges
Ein faszinierender Roman mit starken Bildern

Hiroko Oyamadas Debütroman „Die Fabrik“ hat mich unglaublich begeistert und fasziniert. Und zu meinem Glück ist ihr zweiter Roman „Das Loch“ bereits 2024 in der deutschen Übersetzung von Nora Bierich erschienen, sodass ich den direkt anschließen konnte. In „Das Loch“ gibt die Protagonistin Asa ihren Job auf, um mit ihrem Mann in dessen Heimatdorf zu ziehen – was für Asas Kolleginnen klingt wie ein wahrgewordener Traum, entpuppt sich für sie bald als Gefängnis der Langeweile. Bis Asa in ein Loch fällt und die Landschaft um sie herum in der sengenden Hitze der Sonne ein Eigenleben entwickelt.

Wie schon in „Die Fabrik“ spitzt sich die Handlung irgendwann so weit zu, dass Wirklichkeit und Fantasie miteinander verschwimmen. Das Loch, in das Asa fällt und das die Realität auf eigentümliche und verstörende Weise zu verändern scheint, ist ohne Frage eine Anspielung auf „Alice im Wunderland“ – ein sehr interessantes und spannendes Bild, das Asas Rolle als nicht arbeitende Ehefrau, die nichts hinterfragt und quasi einfach existiert, auf den Prüfstand stellt. Die Kritik an bestehenden Rollenbildern der japanischen Gesellschaft mochte ich in „Das Loch“ sehr, auch wenn ich die Bilder, die Hiroko Oyamada hier zeichnet, nicht ganz so stark und aussagekräftig fand wie in „Die Fabrik“. Aber es ist die Atmosphäre, die „Das Loch“ dennoch besonders und faszinierend macht. Hiroko Oyamada hat einfach einen ganz eigenen Stil und einen scharfen Blick für gesellschaftliche Strukturen und das macht auch ihren zweiten Roman absolut lesenswert.

Cover des Buches Das Loch (ISBN: 9783498004866)
Airdems avatar

Rezension zu "Das Loch" von Hiroko Oyamada

Airdem
Ein soghafter Abgrund im japanischen Sommer

Manchmal braucht es nur wenige Seiten, um eine Atmosphäre zu erschaffen, die einen komplett aus dem Alltag reißt. Hiroko Oyamada gelingt genau das mit Bravour. Der Schreibstil ist absolut genial; die drückende Hitze des japanischen Sommers und die wachsende Isolation der Protagonistin werden so präzise geschildert, dass man die Beklemmung förmlich spüren kann.

Die Erzählung liest sich wunderbar flüssig, allerdings kam das Ende für mein Empfinden sehr abrupt. Während die surrealen Elemente und das Spiel mit der Wahrnehmung meisterhaft konstruiert sind, blieb ich mit etlichen offenen Fragen zurück. Ich habe zwar die Richtung der Geschichte verstanden, doch wohin das Ganze letztlich führen sollte, blieb für mich etwas im Nebel. Es ist ein Werk, das eher ein diffuses Gefühl hinterlässt als eine klare Antwort.

Insgesamt ein sehr gut geschriebenes Buch, das handwerklich auf hohem Niveau agiert, mich durch das schnelle Ende jedoch ein wenig unbefriedigt entlässt.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks