Hiromi Goto

 3,7 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Chor der Pilze, Chorus of Mushrooms (Nunatak Fiction) und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hiromi Goto

Hiromi Goto, geboren 1966 in Japan (Präfektur Chiba); kam 1969 mit der Familie nach Kanada. Für Chor der Pilze (OT: A Chorus of Mushrooms, The NeWest Press 1994 und 2014) erhielt sie 1995 den Commonwealth Writersʼ Prize Best First Book (Canada and Caribbean Region), außerdem den Canada-Japan Book Award. Das Buch wurde ins Japanische, Koreanische, Italienische und Hebräische übersetzt. Goto schreibt auch Kinder- und Jugendbücher, zuletzt Darkest Light. Sie lebt in Vancouver.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Chor der Pilze (ISBN: 9783941009738)

Chor der Pilze

Erscheint am 24.06.2021 als Hörbuch bei Diwan Hörbuchverlag.

Alle Bücher von Hiromi Goto

Cover des Buches Chor der Pilze (ISBN: 9783944751245)

Chor der Pilze

 (5)
Erschienen am 18.09.2020
Cover des Buches Chor der Pilze (ISBN: 9783941009738)

Chor der Pilze

 (0)
Erscheint am 24.06.2021
Cover des Buches Chorus of Mushrooms (Nunatak Fiction) (ISBN: B00AR42SMC)

Chorus of Mushrooms (Nunatak Fiction)

 (1)
Erschienen am 01.03.2008

Neue Rezensionen zu Hiromi Goto

Cover des Buches Chor der Pilze (ISBN: 9783944751245)JayLaFleurs avatar

Rezension zu "Chor der Pilze" von Hiromi Goto

Chor der Pilze
JayLaFleurvor 2 Monaten

Als ich am Ende angekommen bin und die letzten Seiten gelesen habe, war ich ratlos. Habe ich alles verstanden? Habe ich den großen Raum für Interpretationen genutzt? Vielleicht habe ich nicht alles verstanden, aber gefühlt habe ich ganz viel. Das war auf jeden Fall ein außergewöhnlicher Ritt mit einer wunderbaren Sprache!

 

In „Chor der Pilze“ geht es nicht nur darum, auf wie viele Art und Weisen man Geschichten erzählen und ihnen zuhören kann, sondern auch darum, dass Wahrheit und Lüge ineinander verwoben sind und zwischen den Zeilen liegen können. Das Wichtigste, das, was man sagen will, liegt meist zwischen den Zeilen und in den Worten. Hören wir den Geschichten richtig zu?

Murasaki erzählt ihrem Freund ihre eigene Geschichte. Sie erzählt von sich, ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Durchzogen sind die Geschichten und Rückblenden mit telepathischen Gesprächen zwischen Murasaki und ihrer Großmutter.

 

Ich wollte Gutenachtgeschichten hören, Lügen hören und demontierte Wahrheit. Ich wollte die Leere mit Tönen füllen und mit Schmerz. Brüllen wie der Präriewind. Brüllen wie Ōbachan. (S. 42)


Hiromi Goto erzählt dabei von drei Frauen - es geht um Naoe, Keiko und Murasaki. Drei unterschiedliche Frauen, deren Ansichten genau so unterschiedlich sind wie sie selbst. Es geht um Generationen und deren Konflikte untereinander. Ist der Lebensweg der einen für die anderen genau so erstrebenswert? Und wieso verbirgt die eine ihre Identität, während andere auf der Suche nach ihr sind? Es geht um Kultur und Rassismus, um Immigration und das Fehlen der eigenen Wurzeln. Wohin gehöre ich wirklich? Welcher der Kulturen gehöre ich an? Ist das überhaupt wichtig?

 

Als Leserin hatte ich unheimlich viel Interpretationsspielraum. Das kann natürlich einerseits super sein, andererseits kann es überfordern, wenn die Wege nicht gänzlich ausgeleuchtet werden. Für mich fühlte es sich stellenweise so an, als wäre ich in der Schwebe. Und ganz ehrlich? Ich mochte es so sehr gern. Ich bin der Meinung, dass man in der Literatur nicht alles verstehen und nicht alles ergründen muss - das zeigte mir Hiromi Goto mit ihrem autobiografisch angehauchten Roman sehr deutlich.

 

Die Sprache hat es mir besondern angetan. Extrem poetisch, sodass ich an vielen Stellen innehalten musste vor lauter Schönheit. Was Sprache auszudrücken vermag und welche Sogwirkung Worte haben können - das sind Gänsehaut-Momente für mich, die mich sprachlos zurücklassen. An vielen Stellen war die Sprache fast schon brachial und grob, was mich ein paar Mal ein bisschen störte. Ein ganz kleiner Kritikpunkt.

 

 

Fazit

„Chor der Pilze“ von Hiromi Goto war für mich ein ganz wunderbares Stück Literatur. Ein Buch, das ich sehr gerne weiter empfehle, weil es so vielschichtig ist und mit einer ganz besonderen Sprache besticht. Ich vergebe 4,5 Sterne. ⭐️⭐️⭐️⭐️✨


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Cover des Buches Chor der Pilze (ISBN: 9783944751245)Julia79s avatar

Rezension zu "Chor der Pilze" von Hiromi Goto

Konnte mich nicht begeistern..
Julia79vor 3 Monaten

Zunächst einmal, der Inhalt des Romans ist wirklich gut. Eine Familie japanischer Auswanderer lebt in Kanada. Muriel (auch Murasaki genannt), die Enkelin, wächst als Außenseiterin auf. Sie hat nie japanisch gelernt, denn ihr Mutter Keiko, die sich selbst Kay nennt, hat ihren Wurzeln abgeschworen und ist zur waschechten Kanadierin mutiert. Naoe, die Großmutter, spricht hingegen ausschließlich japanisch, sitzt Tag für Tag in ihrem Stuhl in der Diele und murmelt. Doch eines Tages läuft sie davon, sie hat genug von diesem fremden Leben, das ihre Herkunft für null und nichtig erklärt. Enkelin und Großmutter haben jedoch auch über Grenzen von Zeit und Raum eine besondere Verbindung zueinander.
Eine bewegende und anrührende Geschichte, in der es um das Fehlen von gemeinsamen Worten geht und somit um viel Unausgesprochenes, Ungesagtes. Es geht um Sprache und Herkunft als Teil der eigenen Identität, um die Verbindung zur Heimat, die in der Sprache verankert ist.
Laut Naoe ist die Sprache der Heimat die Sprache des Herzens und man darf sie nicht ablegen, sonst ist es unmöglich, mit ganzem Herzen zu sprechen.
Es geht aber auch um Entwurzelung, um Vorwürfe und Schuldgefühle zwischen Naoe und Keiko, die Enkelin steht irgendwo dazwischen, ein Generationenkonflikt in einer Auswandererfamilie.

Aber.

Leider war die Umsetzung insgesamt überhaupt nicht mein Fall. Die häufigen Perspektivwechsel, ein hin und her in den Zeitebenen, zusätzlich die übernatürliche Verbindung zwischen Enkelin und Großmutter und die Geschichten, die die Handlung unterbrechen, haben es mir schwer gemacht zu folgen. Zu ungleichmäßig, sprunghaft. Es kommt meinem Empfinden nach schlicht keine Erzählung zustande.
Mit der Sprache habe ich auch so meine Schwierigkeiten Die zum größten Teil kurzen Sätze lassen alles abgehackt und unzusammenhängend erscheinen. Teilweise schimmern mal poetische Beschreibungen durch, doch nicht konstant, manchmal klingen Aussagen hart, sogar vulgär, das passt einfach nicht. Womöglich ist es die Absicht des Buches, hart und wütend zu klingen? Für mich blieben jedoch so die Personen, vor allem Murasaki sehr unnahbar und abgeklärt. Ich gebe zu, ich mochte sie nicht wirklich.
Der Funke ist einfach nicht übergesprungen.

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Cover des Buches Chor der Pilze (ISBN: 9783944751245)N

Rezension zu "Chor der Pilze" von Hiromi Goto

Sprache und Herkunft
nonostarvor 7 Monaten

In "Chor der Pilze" begleitet der Leser drei Frauen aus drei Generationen einer japanischen Familie, Großmutter, Mutter, Tochter. Die Großmutter wanderte mit ihrer kleinen Tochter vor Jahren nach Kanada aus und die japanische Herkunft hat einen ganz unterschiedlichen Stellenwert bei den drei Frauen. Während die Großmutter Naoe an ihrer Herkunft und ihrer Vergangenheit festhält, zu Hause nur japanisch spricht, legt die Mutter Keiko ihr Japanisch-Sein ab, spricht die Sprache nicht mehr, verleugnet ihre Herkunft und versucht sich anzupassen. Die Tochter Muriel steht zwischen den Stühlen, sie hat ein inniges Band zu ihrer Großmutter und wächst doch mit der kanadischen Kultur auf. Ihre japüanischen Wurzeln lernt sie erst später im Leben zu verstehen und zu lieben.

Muriel fungiert hier als Erzählerin, die ihrem Freund zwischen Liebesspielen im gemeinsamen Bett von ihrer Familie und ihrer Großmutter, die vor Jahren spurlos verschwand. Nachdem sie jahrelang stumm im Flur ihrer Tochter auf einem Stuhl saß, stand sie plötzlich auf und ging. Niemand weiß wohin sie verschwunden ist, was sie seitdem getrieben hat und ob sie überhaupt noch lebt. Nur Muriel scheint sich dessen sicher, denn sie hat eine telepathische Verbindung zu Naoe, die ihr hilft, wenn sie nicht weiter weiß, wenn sie stolpert über die Sprache, über die Taten. Die beiden verstehen sich schon immer, auch ohne Worte, es ist ein tiefergehendes Verständnis, an dem Muriel den Leser teilhaben lässt. Muriel ist keine geborene Erzäherin, sie stolpert eher durch die Geschichten, wenn ihr Freund fragt, ob das wirklich wahr ist, gibt sie ihm nur als Antwort, "es wird wahr, wenn ich es erzähle". Und doch gibt sie ihm und dem Leser ein umfassendes Bild über das Leben und ihre Kindheit aber auch über die Erinnerungen an und von ihrer Großmutter. Und die hat so einiges zu erzählen, auch wenn alle denken, sie ist stecken geblieben in der Vergangenheit und dass sie nur japanisch versteht. Sie ist eine emanzipierte Frau, schon immer gewesen, selbst als das noch nicht gerne gesehen wurde. Sie hat sich getraut neue Wege zu gehen, auch ohne Mann oder vertrautes Zuhause. Als Kind hat sie nicht verstanden, warum ihr Bruder mehr wert sein soll als sie und so hat sie sich nur widerwillig in dieses Schicksal gefügt. Und immer hat die Sprache eine wichtige Rolle gespielt in ihrem Leben. In Kanada noch mehr als in Japan, denn die Sprache, die sie eigentlich mit ihrer Familie verbinden sollte, hat sie schließlich von ihrer Tochter getrennt.

Hiromi Goto hat hier ein sehr berührendes Buch geschrieben, in dem es um viele Themen geht: Sprache, Herkunft, Familie, Heimat, Identität, Ankommen und Aufbrechen. Und doch ist es nicht zu viel, alles fügt sich ineinander zu einer großen Erzählung, zu einer Familie die getrennt erscheint und doch irgendwie miteinander verbunden ist und die durch Muriel hier neues Leben eingehaucht bekommt. Goto schreibt sehr intensiv fand ich und auch wenn nicht alles gut läuft im Leben der Frauen, haben mich die eigensinnige Naoe, die immer genau weiß, was sie will und die ständig Respekt einfordert und die junge Muriel, die gerade ihre Identität neu entdeckt immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Mit dieser schönen Sprache, die Goto hier verwendet, hat er mich direkt gepackt und so haben mich auch die japanischen Ausdrücke irgendwann nicht mehr sonderlich gestört. Ein Buch, das trotz des vielleicht bedrückenden Themas des Unverstandenseins, eine Wärme in mir entfacht und das ich wirklich gerne gelesen habe.

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