Hiromi Kawakami Am Meer ist es wärmer

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Inhaltsangabe zu „Am Meer ist es wärmer“ von Hiromi Kawakami

Kurz bevor er sie für immer verließ, hat Keis Ehemann den Namen eines Fischerdorfs, zwei Bahnstunden von Tokio entfernt, in sein Tagebuch geschrieben: Manazuru. Das ist jetzt viele Jahre her, und immer wieder fährt Kei, die mit ihrer pubertierenden Tochter und ihrer alten Mutter zusammenlebt, in den kleinen Ort am Meer. Warum hat Rei sie damals im Stich gelassen, obwohl sie mit ihm so glücklich war? Wohin ist er gegangen? Doch Kei liebt ihren Mann immer noch und versucht dem Rätsel seines Verschwindens auf die Spur zu kommen. Dabei begegnet sie einer geheimnisvollen Unbekannten, die mehr als sie selbst zu wissen scheint.

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  • Rezension zu "Am Meer ist es wärmer" von Hiromi Kawakami

    Am Meer ist es wärmer

    yoko

    05. January 2011 um 15:30

    Das Gestern verschwimmt, das Morgen ist noch fern, es dominiert nur das Jetzt. Als ich Hiromi Kawakamis neuen Roman „Am Meer ist es wärmer“ als Hörbuch lauschte, glaubte ich daran: An eine Welt jenseits von der Wirklichkeit. Die Japanerin erzählt die Geschichte von Kei, die den Spuren ihres verschollenen Ehemanns folgt, der sie vor 13 Jahren verlassen hat. Schon zu Beginn erfahren wir von Keis Schmerz und davon, dass sie nicht loslassen mag. Selbst ihr Geliebter spürt den Ehemann immer zwischen den beiden. Kei pendelt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und kann nicht loslassen: „Rei, der nicht da war und doch da war. Und Seiji, der da war und doch nicht da.“ Rei ist vor vielen Jahren einfach so verschwunden und hat keine Nachricht zurückgelassen, nur sein Tagebuch. Darin findet sie den Namen Manazuru. Dies ist ein Ort am Meer und die einzige Spur, in der Kei hofft die Antwort zu finden. Dorthin begibt sie sich immer öfter und merkt nicht, wie sie sich von ihrer Familie und ihrem Geliebten entfernt. Die Wirklichkeit schrumpft von Mal zu Mal zu einem kleinen Etwas. Der Roman nimmt eine Sonderstellung in Kawakamis Werken ein und unterscheidet sich sehr stark im Grundton von den Vorgängern. Dieser ist sehr melancholisch und hängt wie ein kalter Schatten auf der Schulter des Lesers. Die vertraute, verspielte Leichtigkeit suchte ich vergebens. Die Melancholie bei Kawakami ist nichts Fremdes, doch ihre anderen beiden Bücher „Herr Nakano und die Frauen“ und „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ – wurden von einem besonderen Witz aufgefangen. Bevor ich einen langen Seufzer ausstoßen konnte, gesellte sich schnell ein Lachen dazu. So wurden die Geschichten nie von der Schwere erdrückt. Der aktuelle Roman wiegt einiges. Auch die skurrilen Figuren fehlen, wenn man davon absieht, dass Kei eine Begabung für tote Menschen hat. Sie spürt ihre Anwesenheit. Während sich in den anderen Romanen weitere Personen um die Ich-Erzählerinnen reihten, bleibt einzig Kei im Mittelpunkt des Geschehens. Hier dreht sich alles um ihre Gedanken und Gefühle. Kei ist wie ein Planet, der sich um die eigene Achse dreht und Kollisionen aus dem Weg geht. Ihre Gedanken führen sie in eine Welt, die sich für uns oft befremdlich anfühlt. Da ist so ein Spalt in der Wirklichkeit, in den sie abrutscht. Sie reißt uns mit und wir fallen mit hinunter. Komisch fühlt sich das an, anfangs etwas verschoben vielleicht, als hätte man das Gleichgewicht verloren. Wenn man sich darauf einlässt und ihr folgt, wird man auf eine spezielle Art belohnt. Sprachlich ist sich Hiromi Kawakami treu geblieben. Sie schreibt sehr einfühlsam und poetisch. Die Autorin schenkt uns wieder wunderbare, wohlige Kissen, in die wir uns glücklich plumpsen lassen. Sie findet Worte für Beschreibungen, wo uns manchmal die Buchstaben im Halse stecken bleiben. Gerade dann, wenn die Gefühle die Oberhand übernehmen. Nina Petri ist eine gute Besetzung zum Vorlesen, obwohl ich es am Anfang nicht glauben wollte. Bisher hat Fritzi Haberlandt Kawakamis Romane mit Bravour vorgelesen und mich begeistert. Ihr typischer Singsang legte sich perfekt in die jüngeren Ich-Erzählerinnen. Kei hingegen ist älter, reifer und nachdenklicher. Mit ihr schaut man aus dem Fenster und spürt noch die Vorhänge vor den Augen. Diese Trägheit hätte ich bei Fritzi Haberlandt wahrscheinlich vermisst. Seitdem sitze ich in dem Spalt zwischen der Wirklichkeit und der Zwischenwelt. Es ist ein Kommen und Gehen, was man nur spürt, wenn man aufmerksam hinschaut und genau hinhört.

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