Hiromi Kawakami Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

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Inhaltsangabe zu „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ von Hiromi Kawakami

Frei, aber einsam. So verbringt die Enddreißigerin Tsukiko regelmäßig ihre Abende, bis sie in einer Kneipe auf ihren alten Japanischlehrer trifft. Auch er lebt allein, ein weise gewordener Mittsechziger, dessen Leidenschaft allein dem Dichten von Haikus gehört. Von nun an gehen sie gemeinsam aus. Sie teilen den Hang zur familiären Thekenatmosphäre, und sie schätzen beide kulinarische Entdeckungsreisen. Ganz allmählich kommen sie sich näher bei Thunfisch, Lotuswurzel, Walfischspeck und jeder Menge Sake. Selten wurde der Beginn einer Liebe so verhalten und zart beschrieben und zugleich so delikat mit feinem Humor für all die schamvollen Selbstzweifel gewürzt, die einen daran hindern, ja zu sagen.

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  • Rezension zu "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" von Hiromi Kawakami

    Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß
    yoko

    yoko

    08. October 2010 um 22:33

    Aha. Aha. Ich spreche das Wort zweimal aus. Aha. Dreimal. Doch irgendwie klingt es nicht so, wie erhofft. Nicht so, wie ich es mir wünsche. Aha. Vielleicht liegt es an der Sojabohne, die ich zwischen den Zähnen habe. Aha. Seltsam, aber schön und lustig. Ich lächle und spule noch einmal zurück. Aha – bei Fritzi Haberlandt hört sich das Wort anders an. Besonders. Das werde ich ihr nicht nehmen, ebenso wenig wie die wunderschöne Liebesgeschichte, die sie vorgelesen hat. „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ ist eine Liebesgeschichte, die bezaubert und glücklich macht. Sie ist aber auch skurril und philosophisch, nebenbei eine kulinarische Köstlichkeit, denn um das Essen dreht sich hier vieles. Die Geschichte beginnt damit, dass Tsukiko an der Theke einer Kneipe sitzt und sich „eine Portion Thunfisch mit fermentierten Sojabohnen, einmal gebratene Lotuswurzeln in süßer Sojasoße und eingelegte Perlzwiebeln dazu“ bestellt. Als ein älterer Mann neben ihr das Gleiche ordert, horcht sie auf und betrachtet den Opa, wie sie ihn bezeichnet, genauer. Während Tsukiko noch überlegt, woher sie das Gesicht kennt, spricht der Sitznachbar Tsukiko direkt an. Der Japanisch-Lehrer erkennt seine ehemalige Schülerin sofort. Er plappert fröhlich darauf los, nennt sie beim Namen und ihr fällt nur eine Antwort ein: „Aha.“ Weil Tsukiko nach langem Überlegen immer noch nicht der Name ihres Lehrers in den Sinn kommt, nennt sie ihn Sensei. Schon nach wenigen Minuten hat sie das Gefühl, dass dieser Mensch ihr näher ist als manch gleichaltriger Freund. Sensei ist 30 Jahre älter. Bis zu der Begegnung führte Tsukiko das Leben eines Einsiedlerkrebses, der einsam seine Runden drehte. Sie ging allein durch die Stadt, fuhr allein mit dem Bus, ging allein in die Kneipe. Ehrlich gesagt, fühlte sie sich für die Liebe nicht geeignet. Irgendwie hat sie sich mit dem Leben arrangiert. Bis zu jenem Abend als sie dem Sensei wieder trifft. Dieser Mann wirbelt vieles durcheinander. Da ist erstmal er selbst, der ein wenig verrückt ist. So sammelt der Sensei beispielsweise alte Batterien. Er tut das vor allem deshalb, weil er glaubt, dass sie noch Leben in sich haben. Dies reicht zwar nicht mehr, um einen Motor anzutreiben, aber es ist immer noch zu viel um sie wegzuschmeißen. Also hebt er sie im Schrank auf. In diesen Momenten sieht man Tsukiko direkt vor sich, wie sie schmunzelnd den Kopf schüttelt. Und da ist die andere Sache, dass sie öfter an den Sensei denkt, ihn vermisst, wenn er nicht da ist. Schon nach der ersten Seite habe ich Tsukiko Herz geschlossen. Es ist ihre ehrliche und offene Arte, Dinge auszusprechen, der trockene Humor, den sie gern ihrem Gesprächspartner an die Stirn klatscht. Ich mochte aber auch ihre tiefsinnige Art, dem Leben zu begegnen. Ihre Gedanken sind fernab jeglicher Gefühlsduselei. Sie haben stets die Frische einer Meeresbrise. Man steht am Strand. Der Wind fährt einem durchs Haar und am Horizont erkennt man etwas. Was genau, lässt sich allerdings nicht sagen. Direkt und gleichzeitig geheimnisvoll umwoben – so empfand ich das, was die Geschichte in mir ausgelöst hat. Fritzi Haberlandt liest in ihrem typischen Singsang, der perfekt hier rein passt. An den richtigen Stellen hebt sie die Stimme oder senkt sie. Sie liest wie eine gerade Linie, die aber auch gern vom Weg abkommt. Schief ist es immer, wenn man Romane von Hiromi Kawakami liest. Die japanische Autorin ist bekannt für ihre poetische Sprache, mit der sie das Leben von Menschen erzählt. Menschen wie du und ich sind das dort, aber sie tanzen ein bisschen aus der Reihe, weil sie skurrile Eigenarten haben. Die japanische Autorin sprengt mit ihren Geschichten die normalen Konventionen und zeigt immer wieder, dass ausgerechnet Menschen, die anders sind als andere eine besondere Bedeutung im Leben haben. Ein Fleck, der nur für sie reserviert ist und den man sich nicht abrubbeln will. Sicherlich schmunzelt jeder über das Holprige, was die ebenmäßige Bahn unterbricht. Doch wenn wir mal ganz ehrlich sind, kriecht nicht genau dann so was Warmes ins Herz? Verrücktes ist nämlich oft auch liebenswert. Schön, dass es eine Autorin gibt, die uns daran erinnert.

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