Hisham Matar Geschichte eines Verschwindens

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Inhaltsangabe zu „Geschichte eines Verschwindens“ von Hisham Matar

Schlimmer als der Tod ist vielleicht das spurlose Verschwinden eines geliebten Menschen. Hisham Matar, dessen Vater vor zwei Jahrzehnten von libyschen Sicherheitskräften entführt wurde, erzählt in seinem neuen Roman von der Verschleppung eines arabischen Dissidenten – und davon, wie diese Entführung das Leben derjenigen, die zurückbleiben, für immer überschattet und verändert. Seit dem Tod seiner Mutter lebt der zwölfjährige Nuri el-Alfi mit seinem Vater Kamal zurückgezogen in einer stillen Wohnung in Kairo. Im Sommer verbringen die beiden einen zweiwöchigen Urlaub am Meer, in einem Hotel in Alexandria. Und hier entdeckt Nuri Mona, die junge Frau im gelben Badeanzug, die Englisch spricht und ein wenig Arabisch, und die ihn von da an vollkommen betört. Doch Mona verliebt sich in Nuris Vater, und als sie Kamal heiratet, beginnt für Nuri eine schwere Zeit. Oft wünscht er sich seinen Vater weit weg und freut sich insgeheim auf die Tage, die er allein mit seiner Stiefmutter in der gemeinsamen Wohnung in Kairo verbringen kann. Er ahnt nicht, dass sein Wunsch auf eine Weise in Erfüllung gehen wird, die sein Leben für immer verändert. Denn nur ein Jahr darauf wird Kamal Pascha el-Alfi, der gegen die eigene Regierung gearbeitet hat, von Unbekannten aus einer Genfer Wohnung verschleppt, und von da an wird Nuri kein Lebenszeichen mehr von ihm vernehmen. Nuris weiteres Leben, seine Zeit in einem nordenglischen Internat, sein Studium in London, seine Schwärmerei für Mona sowie deren abruptes Ende, alles ist überschattet von einer Mischung aus widerstreitenden Gefühlen, von Liebe, Schuld, Reue, Angst, die den jungen Mann, zu dem Nuri im Laufe des Romans wird, prägen. Und es dauert lange, bis er die Kraft findet, den letzten Schritten seines Vaters vor dem Verschwinden nachzuspüren und sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.

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  • Rezension zu "Geschichte eines Verschwindens" von Hisham Matar

    Geschichte eines Verschwindens
    Ruth_liest

    Ruth_liest

    05. December 2011 um 11:19

    Ägypten ist in den letzten Monaten in aller Munde. Ein Grund mehr, sich mit literarischen Werken über das Land am Nil zu beschäftigen. Quasi Druckfrisch fiel mir Hisham Matars jüngster Roman "Geschichte eines Verschwindens" in die Hand. Die Hauptfigur des Romans ist Nuri el-Alfi. Matar begleitet ihn von der Kindheit bis zum Schulabschluss in den 60iger und 70iger Jahren. Nurus geliebte Mutter stirbt früh und hinterlässt dem Kind das Rätsel um ihren Tod und einen kühlen, ständig abwesend wirkenden Vater Kamal. Während eines Urlaubes treffen Vater und Sohn die junge und schöne Mona. Nuri ist sofort Feuer und Flamme für sie und empfindet gerade deshalb die Heirat seines Vaters mit ihr als Zumutung. So ist seine Abschiebung in ein englisches Internat Qual und Erlösung zugleich. Doch dann verschwindet der Vater spurlos in der Schweiz. Und nach einer anfänglich engen Trauergemeinschaft mit seiner Stiefmutter bleibt der Zwölfjährige allein zurück. Nach dem Abschluss des Internats findet er die Kraft, auf den Spuren seines Vaters zu wandeln und so für sich die Hintergründe seiner Familie auszuleuchten. Er erkennt die Zusammenhänge zwischen dem Tod seiner Mutter, dem Verschwinden des Vaters und der Sprachlosigkeit der Stiefmutter. So kann er seinen Frieden schließen mit sich, den Toten und den Überlebenden. Matar gelingt es, einfühlsam das private Schicksal des Jungen zu schildern und den Leser in die ägyptische Gesellschaft und ihre Werte jener Zeit einzuführen.

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  • Rezension zu "Geschichte eines Verschwindens" von Hisham Matar

    Geschichte eines Verschwindens
    sabatayn76

    sabatayn76

    30. October 2011 um 11:58

    'Alles, was ich geliebt und verloren hatte, war einmal hier gewesen. Und jetzt kam ich in die Abwesenheit. Nichts war mehr da.' Inhalt: 1971 lernt Nuri in Agami bei Alexandria eine junge Frau kennen, die er bewundert und für die er schwärmt - und die schließlich Nuris Vater, der zwei Jahre zuvor Witwer geworden ist, heiratet. Nuri wird an ein englisches Internat geschickt, wo er sich einsam fühlt und wo er über seine Verluste - der frühe Tod der Mutter, die unerfüllte Liebe zu seiner Stiefmutter Mona - grübelt. Ein Jahr später verschwindet der Vater des nun 14-jährigen Nuri unter mysteriösen Umständen aus einer Genfer Wohnung. Nuri ist davon überzeugt, dass der libysche Geheimdienst hinter der Entführung steckt, hat hierfür jedoch keinen Beweis. Nuri macht sich verzweifelt auf die Suche nach Spuren seines Vaters, nach dessen Vergangenheit und nach seiner eigenen Geschichte. Mein Eindruck: Ich habe bereits 'Im Land der Männer' mit viel Begeisterung gelesen und hatte große Erwartungen an 'Geschichte eines Verschwindens'. Diese wurden nicht enttäuscht, obwohl ich aufgrund des Buchtitels eine ganz andere Geschichte erwartet hatte. 'Geschichte eines Verschwindens' zeigt durch die unterschiedlichen Zeitebenen und den häufigen Wechsel der Handlungsorte die Zerrissenheit von Nuri, dessen Leben sich nicht nur zwischen Orient und Okzident abspielt, sondern der zudem viele Verluste und frühe Entbehrungen zu beklagen hat. Dabei sind diese traumatischen Ereignisse und Begebenheiten oft durch Unwissenheit gekennzeichnet - Unwissenheit, woran die Mutter gestorben ist, Unwissenheit über die Vergangenheit des Vaters, Unwissenheit darüber, wohin und von wem der Vater verschleppt wurde, wo er sich befindet, ob er noch am Leben ist, ob er irgendwann zurückkehren wird. Auf weniger als 200 Seiten gelingt Hisham Matar eine komplexe und glaubhafte Schilderung einer Kindheit und Jugend, wobei der Autor die Emotionen der Protagonisten und die Beziehungen zwischen ihnen so authentisch und lebensnah beschreibt, dass man nach der Lektüre tief bewegt von der Geschichte und beeindruckt von Matars schriftstellerischer Fähigkeit ist. Mein Resümee: Sehr empfehlenswert. Ich warte bereits ungeduldig auf Matars nächsten Roman.

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  • Rezension zu "Geschichte eines Verschwindens" von Hisham Matar

    Geschichte eines Verschwindens
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    08. August 2011 um 12:35

    Die arabischen Revolutionen und Aufstände der vergangenen Monate haben unseren Blick auch ganz neu gelenkt auf die Literaturen dieser Länder. Waren etwa aus Ägypten (Nagib Machfus u.a) oder Tunesien schon seit vielen Jahren immer wieder Romane auf Deutsch erschienen, war Libyen bislang eher unterbelichtet. Der vorliegende neue Roman des im Londoner Exil lebenden libyschen Schriftstellers Hisham Matar zeigt eindrucksvoll, welchen hohen Preis die Menschen in den arabischen Unrechtsregimen in der Vergangenheit gezahlt haben. Hisham Matars Vater wurde vor zwei Jahrzehnten vom libyschen Geheimdienst entführt und verschleppt. Indem er die Geschichte von dem zwölfjährigen Nuri erzählt, bearbeitet er auch das, was ihm und seiner Familie selbst widerfahren ist. Nuris Vater, der ein hohes Amt in der libyschen Regierung innehatte, ist nach dem dortigen Sturz der Monarchie nach Ägypten geflüchtet. Seine Frau stirbt früh und so lebt er zusammen mit seinem Sohn ein stilles Leben. Eines Tages, wir schreiben das Jahr 1971, lernt Nuri die junge Mona am Strand kennen, doch seine Bewunderung für dieses Mädchen darf nicht lange dauern, denn völlig überraschend ist es der Vater, der dieses Mädchen heiratet. Dies stürzt den Jungen in große Verwirrung, die auch nicht nachlässt, als er vom Vater nach London in ein Internat geschickt wird. Dann ist irgendwann der Vater verschwunden und Nuri ist davon überzeugt, dass er vom libyschen Geheimdienst verschleppt wurde. Im englischen Original trägt das Buch den Titel „Anatomie des Verschwindens“. Es ist aber mehr ein Buch über die Irritationen eines Jungen, dessen Mutter früh stirbt, und dessen Vater dann verschwindet. Es ist sowohl ein Roman darüber, wie eine Entführung das Leben der Zurückbleibenden verdunkelt und verändert, als auch eine Coming- of -Age Geschichte Nuris, der über den Verlust der Eltern so etwas wie Schuld empfindet und auf einer dauernden Suche ist nach Liebe und Zuwendung. Es stellt sich heraus, dass sein Vater nicht nur eine Geliebte und nicht nur eine Identität hatte. Ob ihn die Leidenschaft weiterbringt, die er für seine Stiefmutter Mona empfindet und mit der er eine semi-ödipale Affäre hat? All das wird erzählt auf dem historischen Hintergrund der libyschen Verhältnisse, die erst seit ein paar Monaten ins Wanken geraten sind, mit bis heute noch unsicherem Ausgang. Es ist ein leidenschaftliches Buch, das eine sehr stark autobiografisch geprägte Geschichte erzählt. Fazit: Das Buch ist absolut lesenswert und lässt den Leser mit einem literarischen Eindruck der Lebenswelt von jungen, gebildeten Menschen in Nordafrika zurück.

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  • Rezension zu "Geschichte eines Verschwindens" von Hisham Matar

    Geschichte eines Verschwindens
    Clari

    Clari

    28. July 2011 um 19:47

    Libyen steht im Hintergrund einer mysteriösen politischen Geschichte. Hisham Matar gehörte schon mit seinem Roman „ Im Land der Männer“ zu den ausgezeichneten Schriftstellern. Wieder handelt es sich auch hier um eine Geschichte aus dem arabischen Raum, in dem seit dem Ende des osmanischen Reichs Chaos und kriegerische Handlungen die Regel sind. Nuri, ein zwölfjähriger Junge, lebt mit seinem Vater in Kairo. Dorthin ist Kamal Pascha el-Alfi Ende der sechziger Jahre vor den politischen Unruhen in Libyen mit seiner Frau und seinem Sohn über Paris geflüchtet. Kamal bekleidete einst selbst ein hohes Regierungsamt in Libyen und musste nach dem Sturz der Monarchie das Land verlassen. Nach dem frühen Tod seiner Frau lebt Kamal ein abgeschiedenes Leben zusammen mit seinem Sohn und dem verbliebenen Hauspersonal. 1971 lernt Nuri am Strand von Alexandria die hübsche und sehr junge Frau Mona kennen. Er ist ganz hingerissen von ihr. Umso größer ist die Enttäuschung, als der Vater die um viele Jahre jüngere Mona heiratet. Der an der Grenze zur Adoleszenz stehende Junge leidet unter Einsamkeit und Eifersucht bis ihn weiteres Ungemach trifft. Mit der vorbereitenden Einleitung beginnt eine Geschichte, die uns in die Wirren komplizierter politischer Verhältnisse entführt. Aus den Augen des jungen Nuri betrachtet man den Vater, der geheimen Aktivitäten nachgeht. Woher soll ein Junge wissen, wie Politik aussieht und warum sein Vater ein sehr vorsichtiger Mann geworden ist? Nuri verehrt den Vater und weiß nicht, warum dieser ihn nach England ins Internat schickt. Doch eines Tages ist der Vater verschwunden. Man ahnt mehr als zu wissen, dass der libysche Geheimdienst seine Hände im Spiel hat. Hishan Matar findet die richtigen Worte, mit der unheilvolle Ereignisse ihr Mysterium behalten. Orient und Okzident sind gegenwärtig, wenn die Familie ihre Aufenthalte zwischen Kairo, der Schweiz, Frankreich und England wechselt. Eingebettet in die politische Geschichte erlebt man das Heranwachsen von Nuri, der sich mit Mona in einer schicksalhaften Nacht verbindet. Poetische Beschreibungen bieten die schönsten Geschichten, die orientalische Lebensart und hierarchische Strukturen erkennen lassen. Nuri findet nach dem Verschwinden des Vaters seinen eigenen Weg, der von Einsamkeit gezeichnet ist und immer wieder bei der Suche nach Spuren des Vaters endet. Hinreißende Stimmungsbilder zeigen die leicht melancholisch gefärbte Welt, in der Nuri heranwächst. Mit Spannung erwartet man das Ende der Geschichte. Schon der fein entworfene Einband offenbart in nebligen Grautönen verwischte Spuren von exotischen Pflanzen und Gebäuden. Ähnlich verwischt sind die Farben, mit denen man Nuri in seiner familiären Verlassenheit erkennt. Werner Löscher - Lawrence bietet mit der Übersetzung eine Meisterleistung. Der vielfach mit Preisen ausgezeichnete Autor Hisham Matar lebt heute in London und hat in den Roman eigene autobiographische Erlebnisse einfließen lassen. Er hat erneut mit diesem Werk einen hoch zu lobenden Roman geschrieben.

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