Holger Fock

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf von Holger Fock

Holger Fock, 1958 geboren, und Sabine Müller, 1959 geboren, übersetzen u. a. Cecile Wajsbrot, Alain Mabanckou, Antoine Volodine, Oliver Rolin und Patrick Deville. Für ihre Arbeit wurden sie 2011 mit dem Eugen-Helmle-Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

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 (24)
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 (62)
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 (40)
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 (28)
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 (28)
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Cover des Buches Die geheimste Erinnerung der Menschen (ISBN: 9783446274112)

Die geheimste Erinnerung der Menschen

 (24)
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 (19)
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 (18)
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Hure

 (16)
Erschienen am 01.05.2004

Neue Rezensionen zu Holger Fock

Cover des Buches Die geheimste Erinnerung der Menschen (ISBN: 9783446274112)
Leselampe_s avatar

Rezension zu "Die geheimste Erinnerung der Menschen" von Mohamed Mbougar Sarr

Sehr komplexe Geschichte
Leselampe_vor 5 Tagen

Diégane lebt in Paris und schreibt an seiner Doktorarbeit - zumindest sollte er das. Doch vielmehr ist er mit seinem eigentlichen Traum beschäftigt: er will einen anspruchsvollen, richtungsweisenden Roman schreiben. Durch eine zufällige Bekanntschaft mit der Autorin Siga D. kommt er in den Besitz eines Buches, das im Frankreich der 30er Jahre einen gewaltigen Skandal auslöste. Es handelt sich um den Roman "Das Labyrinth des Unmenschlichen", geschrieben vom schwarzen Schriftsteller T.C. Elimane, der damals als "Schwarzer Rimbaud" gefeiert wurde - und persönlich nie in Erscheinung getreten ist. Elimane wuchs im kolonialisierten Senegal auf und kam 1935 mittels eines Stipendium nach Frankreich, um an einer Pariser Hochschule zu studieren aus welcher Intellektuelle, Denker, Schriftsteller und Professoren hervorgingen. Elimanes Roman wird in gebildeten Kreisen unter größter Faszination gelesen, doch die kolonialistische Denkart ist tief in der Gesellschaft verankert und der senegalesische Autor seinen Kritikern, nunja, nicht schwarz genug. Die Kritiker schreiben: "Wir hätten mehr tropisches Kolorit, mehr Exotismus, mehr Durchdringung der rein afrikanischen Seele erwartet. [...] Der Autor ist gebildet. Doch wo ist das echte Afrika in alldem?" (S. 93). Hinterfragt wird dabei auch in weitgreifenden intellektuellen Kreisen die Herkunft des Autors, ist es ja schließlich ungewöhnlich, schwarz zu sein und doch so einen klugen Roman verfassen zu können - ist das nicht ein Widerspruch? Genauestens wird das Werk also unter die Lupe genommen und bald aufgrund von schwerwiegenden literarischen sowie ethnologischen Plagiatsvorwürfen aus dem Verkehr gezogen. Dann aber sterben die Kritiker des Autors, hauptsächlich durch eigene Hand - ganz gleich, ob die Kritiken positiv oder negativ waren. Zufall oder steckt doch mehr dahinter? Hat das Buch seine Kritiker in den Wahnsinn und folglich in den Selbstmord getrieben, oder war der Autor gar der schwarzen Magie fähig und nutze sie auf seinem blutigen Rachestreifzug gegen die Kritiker seines Werkes?


Mit dem beginnenden Kriegseinzug Frankreichs erlischt der Skandal um den Autor endgültig, das Buch gerät in Vergessenheit und die Existenz des immer noch unbekannten Autors wird verdrängt. Bis Diégane an das vermutlich letzte Exemplar des verschollenes Werks gerät, fließt viel Wasser die Seine hinab, doch rund 80 Jahre später ist er sofort fasziniert von der Geschichte des Romans und um die Geschichte des "schwarzen Rimbauds". So begibt er sich auf eine literarische Ermittlung, sucht im dichten Nebel der Literaturgeschichte nach vereinzelten Spuren des vergessenen Autors, taucht immer tiefer in die Geschichte von Elimane hinab im Bestreben, ihn zu finden.


Bei Mohamed Mbougar Sarrs zweifellos meisterhaft erzählten Werk "Die geheimste Erinnerung der Menschen", welches 2021 mit dem französischen Literaturpreis "Prix Goncourt" ausgezeichnet wurde, handelt es sich um eine eindrucksvolle Geschichte durch Raum und Zeit; über Ländergrenzen und Kontinente hinweg, von der Gegenwart bis in die Vergangenheit greifend. Es ist eine geheimnisvolle, aufregende Spurensuche, die viel Aufmerksamkeit erfordert und bei der man am Ball bleiben muss, um sich nicht unterwegs irgendwo zu verlieren. Einer Geschichte mit so vielen Charakteren unterschiedlicher Zeiten täte ein Personenregister vielleicht ganz gut, ich fand es zwischendurch etwas verwirrend und auch ermüdend, den Handlungssträngen zu folgen und nachzuvollziehen, über wen gerade überhaupt erzählt wird. Aber wer sich ins Labyrinth aufmacht, wird auch irgendwann am Ziel ankommen, nur komplett packen konnte es mich leider nicht und es hat mich zwischendurch auf längerer Stecke gelangweilt. Dennoch war der Roman eine interessante, rätselhafte Irrfahrt durch die Zeit und das Leben eines wie vom Erdboden verschluckten Menschen, und beim erneuten und genaueren Lesen ließen sich sicherlich noch einige lose Fäden miteinander verbinden.

  

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Cover des Buches Die geheimste Erinnerung der Menschen (ISBN: 9783446274112)
dunkelbuchs avatar

Rezension zu "Die geheimste Erinnerung der Menschen" von Mohamed Mbougar Sarr

Einer der Höhepunkte meiner Lesejahre 2022/23
dunkelbuchvor 14 Tagen

Ein Kernthema des Romans ist das Selbstverständnis bzw. Fremdverständnis der Schriftsteller aus den ehemaligen Kolonien Frankreichs. 

Es ist lohnenswert, sich gemeinsam mit Diégane auf die Suche nach der "geheimsten Erinnerung der Menschen" zu begeben.

Der Einstieg in den Roman ist nicht ganz leicht. Man muss sich darauf einlassen und konzentration aufwenden um sich nicht in der verwobenen Handlung zu verlieren.

Sehr zu Recht wurde Sarrs Roman mit dem Prix Goncourt 2021 ausgezeichnet. Er sticht wohltuend aus der Masse heraus. 

Lesenswert *****

Kommentare: 5
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Cover des Buches Die geheimste Erinnerung der Menschen (ISBN: 9783446274112)
Lesebiene017s avatar

Rezension zu "Die geheimste Erinnerung der Menschen" von Mohamed Mbougar Sarr

Im Netz eines famosen Erzählers
Lesebiene017vor 15 Tagen

Zugegeben: Der Einstieg in den Roman wird einem nicht ganz leicht gemacht. Man muss sich darauf einlassen, denn eine stringente Handlung sucht man vergebens. Worum geht es? Auch diese Frage lässt sich zunächst nur umreißen. Mit dem folgenden Zitat möchte ich mich ein wenig um eine umfassende Inhaltsbeschreibung drücken: „Versuche nie zu sagen, wovon ein großes Buch handelt. (…) In Wahrheit, Diégane, handelt nur ein mittelmäßiges, schlechtes oder banales Buch von etwas. Ein bedeutendes Buch hat kein Thema und spricht von nichts, es versucht einfach nur, etwas auszudrücken oder zu entdecken, aber dieses „einfach nur“ ist schon alles, und dieses „etwas“ ebenso.“(S. 46)

Diégane Latyr Faye ist ein junger, aus dem Senegal stammender und in Paris lebender Doktorand, der von seinem Durchbruch als Schriftsteller träumt. Sein großes Vorbild ist T.C. Elimane, ein Autor ebenfalls senegalesischer Herkunft, der nur ein Buch schrieb, nämlich „Das Labyrinth der Unmenschlichkeit“, das 1935 in Paris erschien und um das sich Geheimnisse winden. Durch Zufall gelangt dieses Buch in Diéganes Hände, es schlägt ihn sofort in seinen Bann, verzaubert ihn und zwingt ihn, dem verschollenen Urheber nachzuspüren. „T.C. Elimane war kein Klassiker, sondern Kult.“(S. 15)

Im Zuge seiner Nachforschungen erfährt Diégane immer mehr über Werk und Autor. Er muss feststellen, dass die Literaturkritik seinerzeit nicht fair mit Elimane umging, dass man ihn rassistisch auf seine Hautfarbe reduzierte, ihm unhaltbare Vorwürfe machte und sein Werk dermaßen verfemte, dass der Autor offenbar untertauchte. Als Folge ging sein verlegender Kleinverlag ebenfalls in Konkurs. Doch das ist längst nicht alles. Sarr spannt einen weiten erzählerischen Bogen über verschiedene Kontinente, stellt facettenreiche Figuren vor, zeigt die Folgen des Kolonialismus, webt wichtige historische Ereignisse ein und stellt Bezüge zu ihnen her. Alles wird höchst authentisch erlebbar gemacht.

Als Informationsquellen dienen Diégane Berichte anderer Suchender, allen voran die der bekannten Schriftstellerin Siga D., deren Faszination für T.C. Elimane gleichsam ungebrochen ist. Darüber hinaus gilt es, Tagebucheinträge, Zeitungsausschnitte, Briefe, Mails und Interviews auszuwerten. Als Leser ist man recht schnell in diesem kunstvollen Labyrinth aus Fakten, Mythen und Vermutungen gefangen, die durch alterierende Sprachstile glänzen. Die Perspektivenvielfalt ist faszinierend. Der Ton variiert je nach Erzähler, ist originell und abwechslungsreich. Die Anlehnungen an die afrikanische Erzähltradition, die sich auch in Dingen wie unsterblichen Geistern, Mythen, kryptischen Weissagungen oder magischen Elementen ausdrücken, sind überall spürbar – stets im Spannungsfeld zu europäischen Gepflogenheiten. Die Probleme des Postkolonialismus sowie afrikanischer Erzähler im Exil werden ohne Pathos und Larmoyanz verdeutlicht. Dabei werden Literatur, Literaten, Kritiker und Schriftsteller mitunter auf die Schippe genommen, vieles darf man mit einem Augenzwinkern lesen. Allerdings gibt es andererseits auch bitterernste Szenen, die den über Jahrzehnte schwelenden Rassismus verdeutlichen, so dass sich die Stimmungen beim Lesen ebenfalls verändern. 

Mohamed M. Sarr versteht es, den Leser zu fesseln, indem er zahlreiche Fährten und Fäden auslegt, sie eine Weile außer Acht lässt, um sie dann wieder aufzunehmen. Daraus ergibt sich eine verschachtelte, kunstvolle Konstruktion, die am Ende ein stimmiges Gesamtkonzept ergibt. Der Roman strotzt vor Erzählfreude. Zahlreiche einprägsame, poetisch-philosophische Sätze, wunderschöne Metaphern, originelle Wortspiele und -schöpfungen gilt es zu bestaunen, gleichsam literarische Bezüge zu bekannten Werken der Weltliteratur. Als Leser sollte man Freude an literarischen Rätseln haben, um die ausgelegten Puzzlesteine in die richtige Reihenfolge zu bringen. Der Roman verlangt Konzentration und ist dermaßen vielschichtig, dass auch eine zweite Lektüre neue Erkenntnisse bringen dürfte. Er verbindet Leichtes mit Schwerem, Historisches mit großer Aktualität – einfach grandios!

Ich bin vollkommen begeistert. Sehr zu Recht wurde Sarrs Roman mit dem Prix Goncourt 2021 ausgezeichnet. Er sticht wohltuend aus der Masse heraus. Ein riesiges Kompliment ist auch dem Übersetzerteam Holger Fock und Sabine Müller zu machen, das diesen anspruchsvollen Text meisterhaft ins Deutsche übertragen hat. Für mich ein absolutes Highlight, dem ich viele begeisterte Leser wünsche! 

Kommentare: 4
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