Spoilerfreie Meinung💕
Das Buch wurde mir als Einstieg in die Krimiwelt empfohlen. Und das war es wirklich! Es ist ein Jugendbuch, das zum Miträtseln einlädt. Es überwiegt die Ermittlungsarbeit der Protagonistin, weniger eine spannende Krimiatmosphäre. Das macht es aber nicht weniger fesselnd. Es werden sehr wichtige Themen angesprochen, die gut eingebunden wurden. Für mich kamen wenig Emotionen auf, aber der Spaß an der Suche des Täters hält einen definitiv am Lesen. Es ist ein Krimi zum Teilhaben. Wenn man gerne True-Crime Podcasts hört und gerne Kriminalfälle verfolgt, wird man viel Freude an diesem Buch haben.
Achtung, ab hier folgen Spoiler❗
Setting⭐⭐⭐,5
Das Setting wurde wenig beschrieben, aber ich konnte mich trotzdem gut zurechtfinden. Dadurch überzeugt das Buch aber wenig durch eine besondere, atmosphärische Stimmung. Die Handlung steht stark im Vordergrund. Während des Lesens erschloss sich mir die Entferungen der Orte und der Welt nicht von alleine.
Charaktere⭐⭐⭐⭐
Pip fand ich schnell sympathisch. Ihre Hausarbeit ist für sie in dieser Zeit das Wichtigste und sie versteift sich darauf. Sie erinnerte mich an einigen Stellen sehr an Kim aus den Büchern der drei Ausrufezeichen. Dazu passt für mich auch, dass sie manchmal sehr kurzsichtige Entscheidungen traf, wie sie sich in Nachrichten als jemand anderes (Chloe an Emma) ausgab. Es erschien mir unrealistisch, dass es den beiden ehemaligen Freundinnen nicht auffiel. Sie verabredeten sich beinahe am Ende des Nachrichtenaustauschs. Später bricht sie mit Ravi auch einfach in ein Haus ein, was ohne Konsequenzen blieb. Außerdem bringt sie sich öfter in Gefahr. Dabei hat sie zwar Spaß und verkopft sich sehr in den Ermittlungen, aber manchmal hätte ich mehr Vorsicht erwartet (z.B. dass sie die Drohbriefe meldet)
Pip vertraute Ravi sehr schnell. Sie gab ihm einfach Informationen weiter und fand ihn von Beginn an sympathisch. Auf der einen Seite ging mir das zu schnell, auf der anderen Seite machte es deutlich, dass es sich dabei nicht um polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern "nur" um eine 17-Jährige mit Neugierde handelte. Später im Buch beschlossen Ravi und Pip niemanden mehr direkt zu kontaktieren. Pip schrieb dennoch Rezensenten zum Ivy House an. Das wurde danach nicht mehr aufgegriffen. Für mich stellt das keinen großen Stolperer dar, aber ich bemerkte es.
Ravi stand ich zu Beginn skeptisch gegenüber. Ich vermutete sogar, dass er vielleicht seinen Bruder umgebracht hat. Er wirkte auf mich zu engagiert, zu bemüht, mit Pip die Ermittlungen zu führen. Es geht um seinen Bruder. Aber andererseits ist es schon Jahre her, die Justiz vermeintlich sicher und er lässt sich auf eine kleine Schularbeit mit Pip ein? Man erfährt über sein sonstiges Leben leider auch wenig. Was macht er sonst den ganzen Tag? Trotzdem wurde er mir immer sympathischer. Und ich hoffte immer mehr, dass diese sympathische Nebenfigur bestimmt nicht der Täter se. So kam es zum Glück auch.
Er setzt Pip später eine klare Deadline für ihren Versuch, Naomi zu schützen. Erst war ich darüber nicht glücklich, denn es entspricht dem Klischee, dass der Ältere (hier 20), die Jüngere (17) unter Druck setzt. Aber als er merkte, dass es ihr zusetze, nahm er es zurück. Er baute sie auf und riet ihr, sich erstmal auf ihre Prüfung in Cambridge zu konzentrieren.
Ich war am Ende erleichtert, dass er nicht mit Pip zusammenkam. Dafür ist mir der Altersabstand zu groß, die Freundschaft zu schön.
Zu Elliot fiel mir nur ein Satz ein: Er hatte Angst, dass er für einen Mord verdächtigt werden würde, also beging er einen.
Verwundert war ich aber darüber, dass er Pip sofort alles gestand. Es wirkte unrealistisch, dass er all seine Spuren über Jahre verwischte , aber es einer 17jährigen für eine Schularbeit gestand. Das fiel nicht nur bei ihm auf, sondern bei einigen von Pips Tatverdächtigen. Für mich blieben Emotionen in der Luft hängen, die durch mehr Details vielleicht aufgekommen wären.
Während ich Cara sehr sympathisch fand, wusste ich anfangs (wie vom Buch gewollt) nicht, was es mit Naomi auf sich hat. Manchmal wünschte ich mir mehr Perspektiven im Buch, auch wenn es vielleicht verwirrend geworden wäre. Was hat sich Naomi bei Pips Ausfragerunden gedacht? Als ihre Auflösung kam, war ich zwar erleichtert. Trotzdem fehlte mir die Reaktion von Cara & Naomi auf Elliots Tat. Es lässt Interpretationsspielräume offen.
Handlung⭐⭐⭐,5
Das Buch spricht einige wichtige Themen an: Rassismus, Sexismus, Drogensüchte und warum es "Ja heißt Ja" braucht. Für mich waren alle Themen sinnvoll eingebunden. Mehrmals habe ich im Internet gelesen, dass es sich um den "White Savior" Trope handeln könnte, da Pip sich unbedingt für die "unterdrückte, schwarze" Familie einsetzen möchte. Dagegen stehen die Argumente, dass gesagt ist, wie problematisch es ist, dass Menschen eher Pip als Ravi zuhören. Ravi ist ein aktiver Teil und wird am Ende auch dafür belohnt. Es ist eine gemeinsame Arbeit, die Pip nicht für sich alleine nutzt.
Durch die schnellen Geständnisse kam die Auflösung relativ unaufgeregt. "Es war dann halt so." Pip hielt später einen Vortrag, aber der Weg von dem sehr spannenden Setting mit Elliot zu dem Einreichen der Schularbeit wurde nicht beschrieben. Dadurch blieben bei mir Emotionen aus. Es wirkte eher wie Fakten, die am Ende feststanden.
Am Ende bleiben einige Fragen für mich offen. Bei ihren Recherchen fällt Pip auf, dass Jason, Andies Vater, seine Frau sowie seine Töchter nicht immer gut behandelt. Nachdem die Tat rekonstruiert wurde und die wahren Täter enthüllt, spielte das für Pip keine Rolle mehr. Außerdem wurde zwar erwähnt, dass Pip sich mit Cara versöhnt hat. Da hätte ich es schön gefunden, wenn ich dieses Treffen lesen hätte können. So wirkte es auf mich sehr abrupt.
Schreibstil-Gefühl⭐⭐⭐,5
Der Schreibstil hielt mich gebannt. An wenigen Stellen wurde "Beweismaterial" im Drehbuch-Stil geschrieben, wo ich mich erwischte, eher drüberzulesen. Es las sich sehr gut, aber Emotionen verbinde ich mit diesem Buch nicht. Dafür fehlten mir die Bezüge. Pip handelte vieles schnell ab, ohne sich näher damit zu beschäftigen.
Unterhaltung⭐⭐⭐⭐
Das Miträtseln im Buch machte mir viel Spaß. Eine große Vorfreude auf Band 2 habe ich noch nicht, da der Fall für mich eigentlich abgeschlossen ist. Aber bestimmt werde ich trotzdem zu Band 2 in näherer Zukunft greifen. Die Serie steht auch auf meiner "Watch List". Ich bin gespannt, wie ich die Welt um Pip da wahrnehme.