Holm Tetens Gott denken

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Inhaltsangabe zu „Gott denken“ von Holm Tetens

Dieses Buch ist der Versuch, den Glauben rational zu überdenken. Theologie, so Holm Tetens, verdient nur dann rational genannt zu werden, wenn sie 'die ›Sache mit Gott‹ mit vernünftigen Überlegungen ausfechtet', mit Überlegungen also, die geschult sind an klarem philosophischen Denken. Tetens Fazit: Es wird erst dann um die Philosophie 'besser bestellt sein als gegenwärtig, wenn Philosophen mindestens so gründlich, so hartnäckig und so scharfsinnig über den Satz ›Wir Menschen sind Geschöpfe des gerechten und gnädigen Gottes, der vorbehaltlos unser Heil will‹ und seine Konsequenzen nachdenken, wie Philosophen zurzeit pausenlos über den Satz und seine Konsequenzen nachzudenken bereit sind: ›Wir Menschen sind nichts anderes als ein Stück hochkompliziert organisierter Materie in einer rein materiellen Welt‹'.

Ein gelungener Versuch über rationale Theologie

— HansDurrer
HansDurrer

Naturalismus und Theismus werden logisch-begrifflich verglichen und kritisch bewertet.

— dietrich_pukas
dietrich_pukas

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  • Weshalb die Erlösungshoffnung vernünftig ist

    Gott denken
    HansDurrer

    HansDurrer

    07. June 2017 um 08:55

    Für Naturalisten besteht die gesamte Realität nur aus natürlichen Dingen. „Den Glauben von Erwachsenen an Gott hält der Naturalist für intellektuell beschämend ...“, so Holm Tetens, Professor für theoretische Philosophie an der Freien Universität Berlin, der selber kein Naturalist ist und in diesem schmalen Bändchen überzeugend darlegt, dass nicht der Nicht-Naturalist ein Brett vor dem Kopf hat, sondern derjenige, der glaubt, dass allein die Wissenschaften erkenntnistheoretisch vorurteilsfrei offen für die Wirklichkeit sind. Nicht-natürliche Vorgänge gibt es für die Wissenschaften nicht. Bei dieser Ausgangslage ist nicht verwunderlich, dass es weder Gott noch Götter geben kann. „Dürfen und sollen wir das Dasein Gottes behaupten?“, fragt Holm Tetens und wer jetzt gleich, und ohne sich etwa gross Gedanken zu machen, mit: „Ja, klar, sowieso“ antwortet, für den ist dieses Büchlein nicht unbedingt gedacht, es sei denn, er/sie habe auch Phasen, in denen er/sie gerne denkt, denn um die Frage zu beantworten, genügt nicht, einfach eine Meinung zu haben (das wäre etwas gar billig), sondern es setzt die Bereitschaft voraus, „erhebliche Gedankenarbeit“ zu leisten. „Gott will nur das, was vernünftig, gut und schön ist, und er will nichts, was unvernünftig ist. Er will insbesondere nichts, was logisch oder begrifflich widersprüchlich ist. Das logisch und begrifflich Widersprüchliche denkt er noch nicht einmal. Umgekehrt legt er sich auf alles logisch oder begrifflich Wahre fest und will es auch.“ Das klingt fast so, als ob Holm Tetens versuchen würde, sich selbst zu beschreiben. Doch Spass beiseite – Tetens schreibt schliesslich an anderer Stelle, Menschen seien endliche Ich-Subjekte, Gott hingegen ein unendliches Ich-Subjet – , es geht ja hier um den Versuch, Gott zu denken. Und dass man das mit der einem zur Verfügung stehenden Ratio tut, drängt sich so recht eigentlich auf. „Natürlich, wir können uns Gottes 'Denkschaffen' nicht vorstellen. Es ist freilich unerheblich, dass uns unser Vorstellungsvermögen in diesem Falle im Stich lässt. Auch die Quantenmechanik zum Beispiel behauptet über Quantenobjekte vieles, und das meiste davon können wir uns nicht vorstellen, sondern es nur mathematisch widerspruchsfrei beschreiben. Genauso ist es mit Gottes Denken und Wollen. Wir können uns widerspruchsfrei denken, dass etwas existiert und es von Gott mit vernünftigen Gründen als etwas gedacht wird, das auch der Fall sein soll. Und ebenso widerspruchsfrei können wir denken, dass etwas, von dem Gott mit guten Gründen denkend will, dass es der Fall sein soll, auch tatsächlich der Fall ist. Mehr müssen wir nicht wissen; mehr sollten wir auch nicht behaupten.“ Weder die naturalistische noch die nicht-naturalistische Kernthese lassen sich definitiv beweisen oder widerlegen, doch lassen sich die beiden nach vernünftigen Gesichtspunkten miteinander vergleichen und genau dies tut Holm Tetens einleuchtend und nachvollziehbar. Höchst aufschlussreich fand ich insbesondere seine Anregung, die beiden Thesen vom Ende oder der Konsequenz her zu betrachten: Die naturalistische Auffassung bietet die Desillusionierung, die theistische eine Erlösungsperspektive. Reines irrationales Wunschdenken, diese Erlösungshoffnung, werden nun die einen sagen. Doch ist sie wirklich so irrational? Dazu Holm Tetens: „Die Erlösungshoffnung wäre nur dann rumdum unvernünftig, wenn der Naturalismus beweisbar wahr und der Theismus im logischen Gegenzug beweisbar falsch wäre. So ist es nicht, im Gegenteil ...“. Die Gründe dafür finden Sie in diesem höchst anregenden Buch.

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  • Naturalismus und Theismus im Widerstreit

    Gott denken
    dietrich_pukas

    dietrich_pukas

    18. October 2016 um 16:54

    AHolm Tetens: Gott denken Ein Versuch über rationale Theologie Stuttgart 2015 (Reclam UB 19295) Rezension vom 17.10.2016   Holm Tetens, Philosophie-Professor an der Freien Universität Berlin, unternimmt entgegen dem Trend moderner Philosophie zur naturalistischen Metaphysik den Versuch, Gott rational zu denken, indem er einen kritischen Vergleich von Naturalismus und Theismus bzw. theistischer Ideologie auf der logisch-begrifflichen Argumenationsebene durchführt, um dem verbreiteten materialistischen Denken in heutiger Zeit sozusagen auf Augenhöhe zu begegnen.   Die Kernthese des Naturalismus lautet: Die materielle Welt der konkreten Dinge und Ereignisse stellt die einzige und eigentliche Wirklichkeit dar, wie sie von den Erfahrungs- und besonders Naturwissenschaften treffend beschrieben wird. Danach sind auch wir Menschen nichts Anderes als ein Stück kompliziert organisierter Materie, existieren nur als körperhafte Wesen und funktionieren nach Naturgesetzen. Nach der Emergenz-Theorie, dass aus dem bislang Vorhandenen durchaus unerwartet und unvorhergesehen etwas qualitativ Neuartiges entstehen kann, wird vorausgesetzt, das Mentale emergiere aus dem Physischen, also unser Bewusstsein entspringe der höher entwickelten Materie. Wie dies geschieht, kann zwar wissenschaftlich empirisch heute noch nicht nachgewiesen werden, weil bisher nur eine winzige Probe des Universums in einer zu kurzen Zeitspanne seiner Existenz zur Verfügung steht, aber die ungeheuere Leistungsfähigkeit der kollektiven menschlichen Inelligenz wird das wie jede existenzielle Frage, auch auf welche Weise der Prozess der Kosmogenese ohne Gott als allmächtigen Akteur in Gang gesetzt werden konnte und einst beendet wird, im Laufe der Zeit schlüssig erklären können. Mit dem leiblichen Tod löst sich unser Geist als angenommenes Körpersubstrat einschließlich Selbstwertgefühl total auf; die Seele erweise sich nur als Metapher in einer gottlosen Welt, in der wir neben anderen, unerkannten Welten zufällig leben (vgl. Atkins 2013). Die Erwartung des endgültigen Aus der menschlichen und universalen Existenz ruft fundamentale Angst, Frustration, Resignation, Panik hervor. Die daraus resultierende Aussichtslosigkeit, tief empfundene Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit provozieren rücksichtslosen Egoismus und die Hinwendung zum Bösen; Ausdruck dafür ist die Philosophie des Absurden von Jean Paul Sartre.   Demgegenüber lautet die von Tetens vertretene Kernthese des Theismus: Gott existiert als allmächtiger Schöpfer der Welt in der Qualität eines unendlichen vernünftigen Ich-Subjekts und schafft uns Menschen als endliche geistige Ich-Subjekte. Er will unbedingt unser Heil, indes ist der Fortschritt der Welt mit dem Menschen als Gestalter prinzipiell offen und Gott muss das Böse, Leid und Tod zulassen, damit sich das Gute durchsetzen kann und schließlich durch  Auferstehung der Toten, höchstes Gericht, Vergebung und Versöhnung der Menschen  in einer neuen, besseren Welt Gnade und Gerechtigkeit walten können. Teilhard de Chardin setzt für diese letzte Entwicklungsphase des Kosmos und der Menschheitsgeschichte den Begriff der Christogenese oder „Einmütigung“, nämlich der gottgewollten Einswerdung, christlichen Verbrüderung aller Menschen. Indes können wir in unserer Begrenzheit Gott in seiner Transzendenz nicht direkt erkennen und als Wirklichkeit beweisen, jedoch können wir ihn als ernst zu nehmende Möglichkeit rational denken und mit seiner überragenden Rolle als allmächtiger Schöpfer der Welt und seiner Bedeutung für unser Leben argumentieren. Wir können seine Macht und Fähigkeiten definieren und er kann durch uns in der Erfahrungswelt indirekt gegenwärtig sein. So können wir auf ihn hoffen, ihn in unserer Not anrufen, loben, fürchten, eine Beziehung zu ihm aufbauen, unterhalten, abbrechen, was unsere Haltung und unser Handeln im Leben maßgeblich beeinflussen kann. Der Gottgläubige vertraut auf den gerechten, barmherzigen Gott, der grundsätzlich unser Heil will, er akzeptiert ihn als Richter und Erlöser, selbst wenn er ihn nicht versteht und zum Verzweifeln neigt. Allerdings lässt sich dieser tiefe Gottesglaube nicht durch den Verstand erzwingen, er muss als Gnade oder Geschenk Gottes – wodurch auch immer – jeweils selbst erfahren und verinnerlicht werden. Wem und wievielen dies jemals zuteil wird, bleibt freilich offen.   Beide Denkansätze offenbaren Probleme und Chancen. Hinsichtlich der naturalistischen Kernthese erweist sich als unbefriedigend und höchst unwahrscheinlich, dass die empirischen Wissenschaften irgendwann den Ursprung der Welt aus dem absoluten Nichts schlüssig nachweisen können, da aus einer Voraussetzung logisch nur folgen kann, was sie impliziert. Damit wird gleichfalls die Emergenz des Mentalen aus dem Physischen ad absurdum geführt. So konnte nach Richard David Precht die Hirnforschung bisher nicht ermitteln, wie sich die Hirnströme in Denken verwandeln. Außerdem ist nicht erklärbar, warum es in einer rein materiellen Welt erlebnisfähige und selbstreflexive Ich-Subjekte gibt. Demgegenüber erweist sich die Kernthese des Theismus als argumentative Stärke, insofern die Zielvoraussetzung Gottes als Schöpfer der Welt und der Menschen als geistige Ich-Subjekte theoretisch gewährleistet, dass sich die Kosmogenese in einem unendlichen Prozess und in der Gerichtetheit auf den höchsten (göttlichen) Wert widerspruchsfrei entwickeln kann. Die Überzeugung, dass ein vernünftiger, gerechter, gütiger Gott unser Schicksal letztlich zum Guten wenden wird, schafft Zuversicht für ein sinnvolles Leben, spornt zu christlicher Daseinsbewältigung an und hilft auch, die Unzulänglichkeiten und das Leid in Gegenwart und Diesseits, die allzu oft als Gottesgegenbeweise empfunden werden, eher zu ertragen.   Doch sei Tetens bevorzugter Position entgegen gehalten: Ebenfalls die Anhänger des Naturalismus und die Atheisten müssen nicht verzagen und das Leben in der vorfindlich unvollkommenen Welt verdammen. Da kein Mensch als selbstreflexives Wesen absoluter Nihilist ist, resultiert aus der Konzentration auf das Diesseits ohne göttliche Geborgenheit durchaus die Übernahme hoher Eigenverantwortung, weil es darauf ankommt, aus seinem begrenzten Dasein in dieser Realität selbst das Beste zu machen. Sei es, dass wir durch Fortpflanzung und Vererbung, Familiengründung, Aufzucht von Nachkommen Spuren unseres Menschseins über den leibhaftigen Tod hinaus setzen. Oder sei es, dass wir durch soziale Taten, geistige Werke, geniale Erfindungen Erfüllung finden und Manche gar Großes leisten und fast unsterblichen Ruhm erlangen. Gottgläubigkeit erweist sich nicht als notwendige oder ausschließliche Bedingung zur Verwirklichung der Menschenrechte sowie der Weltverbesserung für ein brüderliches und friedliches Zusammenleben aller Menschen in Einklang mit der Natur, also als optimale Annäherung an die Zielsetzung, die wir als Christogenese postuliert haben. Und die Glaubens hemmende Wiederauferstehungsthese kann gekontert werden, nämlich mit Immanuel Kants nüchterner Feststellung, dass wir berechtigt sind, an die Unsterblichkeit der Seele zu glauben.   Beide metaphysischen Kernthesen sind durch die Argumentation weder bewiesen noch widerlegt, sondern nur als theoretische Möglichkeit begründet, naturalistische und theistische Weltdeutung logisch-begrifflich mit einander zu vergleichen und abzuwägen. Sowohl das naturalistische als auch das theistische Szenario können sich durch die reale Entwicklung der Welt als falsch oder richtig erweisen. Von beiden Positionen aus kann man indes die Fragen nach dem Sinn unseres Daseins stellen und die Erfahrungen und Erkenntnisse interpretieren. Und man kann im Einzelnen unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Wichtig wäre, dass möglichst viele – gleich  welcher Gesinnung – das Buch lesen und sich dem als wertvoll erkannten, humanen, welterhaltenden Ziel stellen.   Weiter führende Literatur: Peter Atkins: Über das Sein. Ein Naturwissenschaftler erforscht die großen Fragen der Existenz, Stuttgart 2013 (Reclam 20273); Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? München 2007 (Goldmann 15528); Dietrich Pukas: Die Logik in der Welt – Ansätze zur Weiterentwicklung des Neukantianismus, Frankfurt/M. 1978 (Haag+Herchen);  

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