Horace Walpole

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Autor von The Castle of Otranto, Die Burg von Otranto und weiteren Büchern.

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Die Burg von Otranto

Die Burg von Otranto

 (12)
Erschienen am 01.03.2016
Das Schloss Otranto: Schauerroman (textura)

Das Schloss Otranto: Schauerroman (textura)

 (1)
Erschienen am 19.03.2014
Hieroglyphische Geschichten

Hieroglyphische Geschichten

 (0)
Erschienen am 31.03.1988
Das Schloss Otranto

Das Schloss Otranto

 (0)
Erschienen am 10.03.2014
The Castle of Otranto

The Castle of Otranto

 (21)
Erschienen am 09.01.2010
Four Gothic Novels

Four Gothic Novels

 (2)
Erschienen am 01.08.1994
Schloß Otranto

Schloß Otranto

 (2)
Erschienen am 01.08.1986

Neue Rezensionen zu Horace Walpole

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Rezension zu "The Castle of Otranto" von Horace Walpole

Schmierenkomödie
sabistebvor 4 Jahren

Was macht ein Berufspoliter, wenn er angepissst von der aktuellen Lage, schmollend auf seinem Landgut sitzt? Genau! Er schreibt einen Roman und zwar einen, zu dem er von einem Traum inspiriert wurde!
Irgendwo im Nirgendwo auf der beschaulichen Insel Sizilien, liegt das kleine Reich Otranto mit seinem Schloss. Regiert wird es von Prinz MANFRED! Richtig gelesen Manni ist diesmal keine Mantafahrer, er ist Prinz auf einem Schloss, dem gleich mal zwei Klöster angelagert sind. Klar, Warpole konnte damals nicht wissen, dass Manfred irgendwann man negativ konnotiert sein könnte, aber so ist es heutzutage nun mal, das ist eben dumm gelaufen.
Manfred hat zwei Kinder. Eine schöne, kluge Tochter, die er nicht ausstehen kann und ignoriert und einen schwächlichen nicht sonderlich begabten Sohn, den er sehr liebt. Alles was diesen Sohn so besonders macht ist ein Y-Chromosom statt 2 X, heißt, er ist halt ein Mann und daher per se das bessere Kind. Dieser Sohn soll nun Isabella heiraten. Isabelle findet Conrad (so heißt der Sohn, aber das ist eher unerheblich) nicht so wirklich toll, hat aber keine Wahl. Immerhin muss sie keinen alten Sack heiraten, das tröstet sei wohl ein wenig.
Am Tag der Hochzeit, die ganze Hochzeitsgesellschaft wartet vor dem Altar, fehlt der Bräutigam (ein Klassiker). Aber diesmal hat er einen wirklich guten Grund zu fehlen: Er wurde von einem RIESIGEN Helm erschlagen. Ein Helm, der einfach aus dem Nichts auf ihn drauffiel und ihn erschlug. Das erinnert stark an den Fuß aus den Monty Python Sketchen, der einfach aus dem Nichts auftaucht und Leute zertritt.
Ein junger Mann aus dem Dorf merkt an, der Helm würde aussehen, wie der Helm der Statue von Don Alfonsos Grab. Die Reaktion ist in etwa jene der Steinigungsszene in „Life od Brian“.

„“Ay, ay; ’tis he, ’tis he: he has stolen the helmet from good Alfonso’s tomb, and dashed out the brains of our young Prince with it,” never reflecting how enormous the disproportion was between the marble helmet that had been in the church, and that of steel before their eyes; nor how impossible it was for a youth seemingly not twenty, to wield a piece of armour of so prodigious a weight.”
Eine nicht unbedingt logische Reaktion, aber das ist man von den Monty Pythons auch nicht gewohnt. An der Stelle erinnerte ich mich, Oups, is nicht von den Monty Pythons, der Autor meint das ernst.
Der junge Mann wird unter dem Helm eingesperrt. Prinz Manfred hingegen ist wütend, weil… das ist seine normale Reaktion auf Alles. Er ist immer wütend, egal wegen was. Da schon mal alles für eine Hochzeit organisiert ist, denkt er sich, wäre doch schade und beschließt sich von seiner Frau scheiden zu lassen, denn sie hat ihm nur einen Sohn geboren und der ist nun tot. Aber, seine Braut is ja noch übrig, die kann ja nun er heiraten und seine Enkel selber zeugen, die wären dann halt seine Söhne.
Das findet Isabelle irgendwie so gar nicht gut. Conrad war ein doofes Weichei, aber zumindest kein alter Sack. Sein Vater geht sowas von gar nicht, daher rückt sie aus und flüchtet durch geheime Kellergänge in eines der angebauten Kloster. Dabei mach sie die Bekanntschaft des Bauernjungen, der durch einen Spalt unter dem Helm in die Kellergewölbe geraten ist.
Der Rest ist leider nicht mehr sonderlich witzig oder unterhaltsam. Manfred will Isabella heiraten, sie ihn aber nicht, sondern den Bauernjungen aus dem Keller. Der liebt aber Matilda die schöne Tochter Manfreds, die Isabellas Pappa heiraten soll. Dazu noch die geheime Herkunft des Bauernjungen Theodore, der eigentlich ein waschechter Prinz ist, der eine schwere Kindheit hatte und von Piraten entführt wurde…
Gewürzt mit Gewittergrollen an pathetischen Stellen.
Die Dialoge sind reinstes Schmierentheater:
“How!” said Theodore; “thinkest thou, charming maid, that I will accept of life at the hazard of aught calamitous to thee?  Better I endured a thousand deaths.”
“I run no risk,” said Matilda, “but by thy delay.  Depart; it cannot be known that I have assisted thy flight.”
“Swear by the saints above,” said Theodore, “that thou canst not be suspected; else here I vow to await whatever can befall me.”
“Oh! thou art too generous,” said Matilda; “but rest assured that no suspicion can alight on me.”
“Give me thy beauteous hand in token that thou dost not deceive me,” said Theodore; “and let me bathe it with the warm tears of gratitude.”
“Forbear!” said the Princess; “this must not be.”

Wie konnte so ein Buch ein Klassiker werden?! Aus zwei Gründen, der Autor war damals im Selfpublishing Geschäft und hat es selber gedruckt. Er war in der ersten Auflage zu feige zuzugeben, dass er das geschrieben hat und meinte, das wäre eine Übersetzung aus dem Italienischen. Als das Buch wider Erwarten ein Erfolg wurde hat er es zugegeben und sich im Ruhm gesonnt. Es bliebt zum Glück sein einziges Werk dieser Art. Die Figuren sin Hölzerne Archetypen, austauschbar, langweilig, profillos. Die Dialoge sie so gestelzt, dass es weh tut. Aber, er hat das gothic Genre begründet und das erste Buch seiner Art muss nicht gut sein, denn es gibt nichts, mit dem es sich messen müsste. So gesehen hat das Buch als Klassiker durchaus seine Berechtigung, auch wenn es schlecht ist.
Natürlich habe sich auch an diesem Buch die Gelehrten abgearbeitet, so gehört es sich bei Klassikern und einfach zuzugeben, dass das Buch schlecht ist, das geht in Geisteswissenschaften nicht, denn man wertet nicht. Alles hat eine tiefere Ebene. Also fing man an, das Buch unter psychologischen Gesichtspunkten (Freud, Träume…) zu interpretieren und würzte das mit der damals recht gespannten politischen Lage. Der Autor saß ziemlich in der Tinte, sein Cousin hatte es sich mit dem Herrscher verdorben. Warpole war sauer, gestresst, hatte Gicht, träumte schlecht, das Ergebnis kann man heute noch lesen.

Kommentare: 2
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Stefan83s avatar

Rezension zu "Schloß Otranto" von Horace Walpole

Der Keim allen Grusels
Stefan83vor 7 Jahren

Geschichte wiederholt sich. Das ist eine altbekannte Tatsache. Und wer immer sich gegen diesen Ausspruch wehrt, braucht bloß einen Blick in die Buchhandlungen zu werfen, in denen sich seit Stephenie Meyers erfolgreicher Bis(s)-Reihe die Vampir-Liebesgeschichten nur so stapeln, um generationsübergreifend die vor allem weibliche Leserschaft zu beglücken. Grusel, Mystery und Horror in Verbund mit Romantik sind wieder richtig angesagt, wobei die Betonung hier auf dem wieder liegen muss, denn wirklich neu ist diese Literaturgattung, trotz Genre-Neologismen wie „Chick-Lit“ oder „Romantasy“, eigentlich nicht. Vielmehr finden sich in diesen modernen Werken verschiedene Motive des klassischen Schauerromans (engl. „Gothic Novel“) und der Schwarzen Romantik wieder, welche Ende des 18. Jahrhunderts den Grundstein für die heutige Horrorliteratur legten. Autoren wie E.T.A. Hoffmann, Bram Stoker oder Edgar Allan Poe sind immer noch, und sei es nur aufgrund einer Bearbeitung in der Schule, ein Begriff. Der Begründer des Genres, der englische Schriftsteller Horace Walpole, ist jedoch vollends in Vergessenheit geraten, was schade, wie der weitere Verlauf dieser Rezension allerdings zeigen soll, auch streckenweise nachvollziehbar ist.

Horace Walpole wurde im Jahr 1717 als dritter Sohn des ersten Premierministers von Großbritannien, Sir Robert Walpole, und dessen Frau Catherine in London geboren. Trotz der kriselnden Ehe seiner Eltern (Sir Robert war ein notorischer Fremdgänger) verbrachte Walpole, nicht zuletzt wegen dem beruhigenden Wohlstand der Familie, eine äußerst behütete und unaufgeregte Jugend. Später genoss er wie ein Großteil der britischen Oberklasse eine hervorragende Ausbildung am Eton College, wo er unter anderem mit den Dichtern Thomas Gray und Richard West Freundschaft schloss. Zeit seines Lebens hielt der Vater die schützende Hand über ihn und verschaffte seinem Sohn unter anderem eine Reihe von Wahlbezirken. Von 1741 bis 1768 war Horace Walpole Mitglied des englischen Parlaments, 1791 erbte er nach dem Tod seines Neffen den Titel eines Earl of Oxford. Walpole heiratete nie (Gerüchte lassen eine Homosexualität vermuten) und leistete sich als betuchter Junggeselle jeglichen Luxus. Dazu gehörte auch ein Schloss in Twickenham an der Themse, das er für sich erbauen und auf den Namen „Strawberry Hill“ taufen ließ. Es sind wohl jene feudalen Gemäuer im gotischen Stil, welche ihm als Vorbild und Inspiration für die Burg Otranto dienten. Der Handlungsort seines gleichnamigen, im Jahre 1764 zuerst anonym erschienenen Erstlingswerks „The Castle of Otranto“ (dt. „Schloss Otranto“ oder „Die Burg von Otranto“).

Dunkle Wolken über Burg Otranto
Apulien, Italien, Mitte des 12. Jahrhunderts. Während junge Ritter und Edelmänner aus ganz Europa am Kreuzzug teilnehmen, sind über der Burg Otranto dunkle Wolken aufgezogen. Schlossherr Manfred plagen Ängste. Auf den Gemäuern, welche einst sein Großvater unrechtmäßig dem wahren Besitzer Alphonso dem Guten abnahm, lastet eine alte Prophezeiung, laut der seine Familie die Herrschaft über Otranto verlieren wird, sobald der rechtmäßige Eigentümer „über die Burg hinausgewachsen“ ist. Lediglich ein männlicher Erbe kann dies verhindern. Doch der Sohn Manfreds, der kränkliche Conrad, gibt nicht nur wenig Anlass zur Hoffnung, sondern findet auch am Tag seiner Hochzeit den Tod unter einem herabstürzenden überdimensionalen Eisenhelm. Für die Trauer findet der Vater keine Zeit. Stattdessen nimmt der cholerische Tyrann kurzerhand den Platz des eigenen Sohnes ein, um an seiner statt die schöne Isabella zu heiraten. Diese kann dank der Mithilfe eines mysteriösen Bauernjungen durch ein unterirdisches Labyrinth aus dem Schloss fliehen und findet Zuflucht im örtlichen Kloster bei dem frommen Pater Jerome.

Manfred lässt nun nichts mehr unversucht, Isabella habhaft zu werden, während sich überall die schlechten Vorzeichen mehren: Eine riesige scheppernde Rüstung wandelt durch die Gänge, eine Statue blutet aus der Nase und das Porträt von Manfreds Großvater rutscht stöhnend aus dem Rahmen. Und als dann noch ein geheimnisvoller Ritter samt Gefolge auf der Zugbrücke erscheint, überschlagen sich schließlich die Ereignisse …

Historische und zeitgenössische Themen vor schauriger Kulisse
Nein, ein wirklicher Horrorroman ist „Schloss Otranto“ beileibe nicht. Das wird bereits nach dieser kurzen Zusammenfassung deutlich. Vielmehr handelt es sich bei dem Buch um einen klassischen Ritterroman, der, angereichert und überhäuft mit übernatürlichen und unheimlichen Geschehnissen, streckenweise voll unbeabsichtigter Komik steckt. Selbst zu damaliger Zeit ging die eigentlich erwünschte Wirkung des Romans oft fehl. Statt des gewollten Grusels blieb zumeist nur ein lauthalsiges Lachen, weshalb Walpoles Werk, was den literarischen Wert anging, trotz seiner Popularität innerhalb der Gesellschaft und der Lobeshymnen von so berühmten Romanciers wie Sir Walter Scott, stets eher gering geschätzt wurde. Tatsache aber bleibt, dass „Schloß Otranto“ einen ungeheuren Einfluss ausübte, da er nicht nur alle elementaren Zutaten des Gothic Novel einführte, sondern auch die Regeln dieser literarischen Gattung für die kommenden Jahrzehnte festlegte und somit als Inititalzündung anzusehen ist.

Walpole nimmt in „Schloß Otranto“ Abstand von der üblichen realistischen Erzählweise seiner Zeitgenossen und versucht stattdessen historische und zeitgenössische Themen vor schauriger Kulisse zu vereinen. Dabei ist auffällig, dass sich Walpole aber immer noch den Gesetzen der Aufklärung verpflichtet fühlt. Vernunft und Moral sind wichtige Elemente in dieser Geschichte, welche aus heutiger Sicht mit äußerst klischeebeladenen Figuren besetzt worden ist. Vom düsteren Schlossherrn, über die Jungfrau in Nöten bis hin zum frommen, blaublütigen Helden bietet er ein Mosaik, das man von Kindesbeinen an aus den Märchen kennt und auch im Aufbau diesen doch verblüffend ähnelt. Handlungsort ist (wie auch in vielen späteren Schauerromanen) ein altes, dunkles Gemäuer, welches mit schattigen Ecken, verwinkelten Fluren, Verliesen und Geheimgängen im Verlauf des Buches ein unheimliches Eigenleben entwickelt und die Fantasie des Lesers anregen soll. In gewissem Sinne verkörpert der Schauplatz die zentrale Person der Handlung, von der diese erst ihre Spannung und den Grusel bezieht. Wie in manchem Theaterstück lebt das Buch mehr von der Kulisse, als von den Akteuren. Eine Technik, die in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten viele Nachahmer fand. So auch in den Kriminalromanen von John Dickson Carr, der seine Mordfälle oft in Burgruinen und verwunschenen Schlössern platzierte.

Das die versuchte Erzeugung einer schaurigen Atmosphäre in Schloss Otranto heutzutage seine Wirkung verfehlt, liegt letztlich dann nicht nur an der unfreiwilligen Komik, sondern auch an der bereits oben erwähnten stereotypen Charakterisierung der Figuren. Hinzu kommt die Tatsache, dass Walpole das in seiner Gänze doch sehr kurze Werk („Schloß Otranto“ hat nur fünf Kapitel) mit allzu vielen Handlungssträngen und Ideen überfrachtet, die locker für ein doppelt so langes Buch gereicht hätten. Und auch diese unheimliche Ruhe und gespannte Atmosphäre, welche den Nährboden für den feinen Grusel darstellt, fehlt in „Schloß Otranto“. Stattdessen hetzt man von einem Ereignis zum nächsten, während auf dem Weg der Effekt der so wohlplatzierten Schauerelemente wirkungslos verpufft.

Insgesamt tut das der wegweisenden Bedeutung dieses allererstes Schauerromans jedoch keinen Abbruch. Wer die Ursprünge des Gothic Novel erkunden und bis hin zum ersten Keim verfolgen will, für den ist „Schloß Otranto“ auch heute noch ein heißer, wenngleich auch momentan vergriffener Tipp.

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jedigirls avatar

Rezension zu "The Castle of Otranto" von Horace Walpole

Rezension zu "The Castle of Otranto" von Horace Walpole
jedigirlvor 9 Jahren

Ein Prinz wird von einem gigantischen Helm erschlagen, der zu allem Überfluss auch noch vom Himmel fällt. Die Mutter des Prinzen fällt in jedem der fünf Kapitel mindestens einmal in Ohnmacht und die einzige Sorge des Vaters ist es seine Erbfolge zu sichern. Und wie macht man das am Besten? Genau. Man versucht die Verlobte des nun verstorbenen Sohnes zu ehelichen.
Verwechselungen und Enthüllungen sind an der Tagesordnung und gespukt wird auch in dieser ersten aller „Gothic Novels“.
Gute Unterhaltung und eine sehr gute Einführung in die Welt der „Gothic Novel“ des ausklingenden 18.Jahrhunderts.

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Horace Walpole wurde am 24. September 1717 in London (Großbritannien) geboren.

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