Horst Bastian Gewalt und Zärtlichkeit

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Inhaltsangabe zu „Gewalt und Zärtlichkeit“ von Horst Bastian

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  • Rezension zu "Gewalt und Zärtlichkeit" von Horst Bastian

    Gewalt und Zärtlichkeit
    Heike110566

    Heike110566

    09. August 2010 um 12:24

    Der dritte Teil des Roman-Zyklus, erschienen 1981 im Verlag Neues Leben (DDR), beschäftigt sich mit der Zeit wenige Wochen vor dem 13. August 1961 und die Jahre danach. Horst Bastian (1939-1986) befasst sich sehr kritisch mit dieser Epoche. Viele Menschen denken, dass die Literatur der DDR unkritisch gegenüber dem eigenen Land war und das kritische Äußerungen nicht verbreitet wurden, aber: dieser Roman zeigt, dass dem durchaus nicht per se so war. Auch in diesem dritten Band der Reihe geht es um Max Spinnt, dem Jungen aus Bruch, der nun als FDJ-Funktionär hauptamtlich arbeitet, und dessen Familie, die kleine Frau Spinnt, dem Reiter, Max' großer Liebe, Karin, die aber mit einem anderen verheiratet ist und so weiter. Eingebettet aber alles in eine Rückschau auch auf die Gesellschaft in der DDR jener Jahre. Der Reiter heiratet endlich die kleine Frau Spinnt, die Mutter von Max. Karin fährt die Hochzeitskutsche ins Dorf. Am Nachmittag, während alle beim Feiern sind, verunglückt der Sohn von Karin und ihren Mann bei einem Unfall mit einem Traktor tödlich. Karin stürzt in eine Krise. Ihre Reaktion: Flucht nach Hamburg. Es ist wenige Wochen vor dem 13. August 1961. - Max erfährt von Karins Flucht in den Westen. Er reist in die BRD, will Karin zurückholen. Aber noch bevor er ihr dort begegnet, ist der Morgen des 13. August. Er erfährt über die westlichen Medien, dass die DDR-Führung die Grenze begonnen hat dicht zu machen. - Ad hoc muss er zurück nach Hause. Aber wie? - Er reist illegal in die DDR ein, indem er im Norden Berlins über dort einen noch offenen "grünen Streifen" in die DDR eindringt. Von den Kampfgruppen wird er gestellt und landet in Untersuchungshaft. ... Der Autor ist Kommunist, parteiisch. Aber: er ist nicht unkritisch. Auch nicht gegenüber diesen Ereignissen jener Zeit. So liest man in den Roman zB Stellen, wie: "Aber unmittelbar an der Grenze, im Zentrum der Stadt, hatten ihn einzelene Episoden tief berührt, ja erschüttert: winkende, rufende, weinende Menschen vor und hinter der Postenkette, Junge und Alte, Kinder, Männer und Frauen. Zerrissene Familien ab heute, behinderte, vielleicht gar gesprengte Freundschaften. Ehrliche Trauer. Wirklicher Schmerz." Oder zu dem gesellschaftlichen System Sozialismus: "Doch jedes Jahr in den Zeitungen vermerkt man uns Hunderte von Helden - hohe Tiere und davon sehr viele. Regierung und Funßjonäre, auch Arbeiterfiteranen, wobei ich mich frag, sind das solche wie ich, ich kenn nämlich keinen, nun ja, ich bin nicht viel rumgekommen, und plötzlich, Max, tun mich schlechte GEdanken bedrängen, böse Gedanken: die Hohen, die ehren sich gegenseitig, gib heute du mir, geb morgen ich dir. Friher war es so iblich, gewiß - gerade darum tut es mir weh. Schöne Absichten habt ihr, wirklich sehr gut, nur tut ihr die Menschen zu häufig verletzen - die ist die Mehrzahl von der, nicht wahr-, seid ihr zu oberflächlich, würdigt sie nicht genügend, seid zu sehr beschäftigt mit Zahlen und zu wenig mit euch. [...] Sozialismus nicht wahr, braucht Menschenliebe zu allererst. Ohne Liebe wird er verkümmern wie ein Baum ohne Regen." Der Roman bietet viel: die ganze Palette von Gewalt und Zärtlichkeit. Ein Roman, der meines Erachtens auch heute noch sehr lesenswert ist. Der Roman ist auch ohne Vorkenntnis der anderen beiden ersten Bände verständlich und daher auch einzeln lesbar, da es eine entsprechende Einführung innerhalb des ersten Kapitels gibt, sodass man die Zusammenhänge und Personen entsprechend kennt.

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