Wolfsspinne

von Horst Eckert 
4,7 Sterne bei58 Bewertungen
Wolfsspinne
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Bonbosais avatar

Die Vermischung von Realität und Fiktion macht dieses Buch zu einer spannenden Lektüre

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Kommt langsam in Fahrt. Zum Ende hin doch recht viel Action.

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Inhaltsangabe zu "Wolfsspinne"

Ein hochbrisanter Thriller, der die offizielle Version zum Thema NSU infrage stellt.
Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in einem Wohnmobil – Mitglieder des rechtsextremen Terror-Trios, das jahrelang unerkannt gemordet hat. Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den 'Nationalsozialistischen Untergrund' für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er weiß, dass er für immer schweigen muss.
Jahre später wird in Düsseldorf die Promiwirtin Melli Franck ermordet. Hauptkommissar Vincent Veih ahnt noch nicht, dass es sein persönlichster Fall werden wird. Und als weitere Morde geschehen, stößt er auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur 'Aktion Wolfsspinne' – und zum NSU.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499271854
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:496 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:18.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    walli007s avatar
    walli007vor einem Jahr
    Fadenkreuz

    Die bekannte Düsseldorfer Wirtin Melli Franck wird in ihrem Lokal tot aufgefunden. Der Leiter der Mordkommission Vincent Che Veih übernimmt die Ermittlungen. Völlig unklar ist zunächst ein Mordmotiv. Melli Franck war ein eher unbeschriebenes Blatt und so liegt zunächst die Vermutung nahe, es könnte es um eine Zufallstat gehandelt haben. Schnell jedoch ergeben sich Hinweise, die doch eher auf einen geplanten Mord hindeuten. Spuren führen sowohl ins Drogenmilieu als auch in die rechte Szene. Und so gewinnt der Fall eine ungeahnte Brisanz. Gegen Vincent, der im Rahmen einer Demo gegen Rechts, an der er als Privatmensch teilgenommen hatte, in eine Rangelei geraten war, wird ebenfalls ermittelt. 


    Was mit einem relativ harmlos anmutenden Mord beginnt, wächst sich in Vincent Che Veihs drittem Fall zu einer komplizierten und vielschichtigen Ermittlung aus. Drogen, Politik, die Diskussion, wie sich Beamte in der Öffentlichkeit zu verhalten haben vor dem Hintergrund einer Mordserie, die bereits aufgeklärt schien. Für die Ermittler geht es hart zur Sache und für Vincent wird klar, welche seiner Kollegen wirklich hinter ihm stehen und welche eigene Ziele verfolgen. Die Situation ist vertrackt. Doch der Kommissar lässt sich nicht beirren und fährt mit seinen Nachforschungen zur Aufklärung des Mordes und der weiteren Umstände fort. Je tiefer er dabei vordringt, desto unglaublicher und gerade deswegen glaubhafter wird das, was er herausfindet.


    Puh, man zweifelt ja schon so manches Mal an den Vorgängen in diesem Staat. Hin und wieder kommt sogar der Gedanke, mit den Machenschaften des Staates ist es ähnlich wie mit den Packungsbeilagen der Medikamente. Je weniger man liest, desto besser, schließlich soll es ja helfen. Und so ist man hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis zu wissen und dem Wunsch, den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich enden viele Dinge, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, mit strengeren Gesetzen und mehr Einfluss für den Staat. Da sollte es aber irgendwann eine Grenze geben. Gerade gegen den Rechtsextremismus müsste viel stärker vorgegangen werden. Natürlich sind auch andere Krawalle zu verfolgen, doch wirken diese im Vergleich harmloser. Beinahe könnte man befürchten, wir seien sie nie richtig losgeworden. Und so kann es nur eine Aufgabe sein, immer wieder zu mahnen, zu verfolgen und gewissen Entwicklungen möglichst früh entgegen zu treten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Wahlen oder Abstimmungen mitunter sehr eigenartig ausgehen, wollen wir unsere Freiheit und Demokratie behalten, vielleicht sogar den Glauben an den Staat. Wenn dann im Rahmen einer einfachen Mordermittlung ordentlich aufgerüttelt wird und etliche Fragezeichen im Denkapparat erzeugt wurden, kann das Fazit nur lauten: äußerst lesenswert.


    4,5 Sterne

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    Kerstin_KeJasBlogs avatar
    Kerstin_KeJasBlogvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Genial komplexes Werk. Löst Erinnerungen aus, an Namen und Bilder. Fiktiv mit viel "versteckter" Realität
    Genial komplexes Werk - sehr spannend und sehr ehrlich

    Es verblüfft mich immer wieder wie es die AutorInnen schaffen mich so in eine Geschichte hineinzuziehen. Kopfkino, ausgelöst durch ein paar Worte oder Schilderungen bringen Erinnerungen an Vorfälle, Gesichter aus Zeitungsberichten und den Nachrichten, ein verbranntes Wohnmobil, Anschläge, Mord und Totschlag an unschuldigen Menschen.

    Band 1 (Schwarzlicht) fand ich schon gut, Band 2 (Schattenboxer) klasse aber dieser 3. Band toppt alles. Ein unwahrscheinlich komplexes Werk hat der Autor Horst Eckert hier geschaffen. Es liest sich aber trotz dieser Komplexität  unwahrscheinlich gut. Vielleicht auch da die Protagonisten so echt dargestellt sind.

    Der Einstieg mit dem Prolog lässt einen erahnen was da kommt und doch wurde ich durch die mehr als gelungenen Zeitsprünge und denen damit verbundenen Einzelschicksalen überrascht. 

    Vincent Che Veih ist auch hier der Hauptprotagonist. Als Leiter des KK11 kämpft er wieder gegen die Bösen, von denen sich so mancher auch in den eigenen Reihen befindet. Auch seine Mutter Brigitte, eine ehemalige Terroristin ist wieder mit dabei und mittlerweile habe ich mich echt an sie gewöhnt. Vincent ist und bleibt sich treu. Unerschütterlich geht er seinen Weg und stolpert duchaus auch mal über die Wackersteine die man ihm vor die Füße wirft. Ein integer und intelligenter Mensch.

    Neben Vincent ist da aber noch eine andere Person, die durch den Autor stückchenweise erzählt wird – Ronny. Er ist die Wolfsspinne – ein Meister der Tarnung, der irgendwann nach langer Vorbereitung und unendlicher Geduld blitzschnell zuschlägt. Ein V-Man, bereits vor Jahren eingeschleust in die Szene des nationalsozialistischen Untergunds (NSU) weiss selbst nicht mehr so genau wer oder was er wirklich ist. Er verschwimmt mit den Menschen in seinem Umfeld und wird zum Mittäter. Seinen Werdegang zu verfolgen war ein hin und her. Kann ich diesen Menschen verstehen? Kann ich seine Handlungen nachvollziehen? Mag ich ihn auch als Mörder? Seltsamerweise ja, denn um ein vielfaches schlimmer empfand ich die Auftraggeber. Was in dieser Geschichte vertuscht, bereinigt und gelogen wurde hat mich mehr als einmal erschrocken und nachdenklich gemacht. 

    Gewiss, dieser Thriller ist fiktiv aber da hängt ein riesiger Rattenschwanz an Realität hintendran. Mehr als einmal kam bei mir dieser Aha-Effekt auf. Sieh an, sieh an – so läuft es im Buch und wahrscheinlich auch in echten Leben. Geheimdienste, Verfassungsschutz, Terroristen, NSU, Drogenhandel, Korruption und die unersättliche Gier nach immer mehr Geld. Koste es was es wolle – selbst Menschenleben sind da nichts wert.

    Spannung, durchgehend vom Prolog an beginnend. Hier hatte ich keinen Durchhänger sondern musste durchlesen – bei den letzten 100 Seiten habe ich mich fast überschlagen, da diese rasante ‚Fahrt‘ durch die Jahre 2011 und 2015, zwischen Eisenach und Düsseldorf, immer schneller wurde und das Ziel um das Ende dieser Geschichte immer näher kam. So vieles das ich noch wissen wollte. Wer schafft es, wer bleibt auf der Strecke? Gibt es Gerechtigkeit? Kann sich Vincent den Weg zwischen den Hindernissen bahnen? Wer ist Unterstützer, wer Sympathisant? Wer spielt falsch und was erwartet Ronny, Vincent und all die anderen dieser Geschichte noch? Es wurde alles geklärt – keine offenen Fragen mehr. Fast, denn es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Geschichte hat ein Ende aber im wahren Leben geht es einfach weiter….mit dem Wahnsinn.

    Absolute Leseempfehlung für alle die noch mit Herz und Verstand lesen und auch die Seiten 479 – 488 nicht überspringen. Was da steht? Die Namen der Opfer rechter Gewalt seit dem 3. Oktober 1990. Ein einziger wäre schon zuviel, hier sind es Dutzende.

    c)K.B. 01/2017

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    robbylesegernvor 2 Jahren
    super spannend und nah an der Realität

    Herr Eckert kann es einfach .Er vermischt auch in diesem, seinem neuen Buch " Wolfsspinne " Realität und Fiktion und bietet dem Leser damit mehr als spannende Lesestunden. Ich konnte mich kaum von seinem neuen Buch lösen, da die Nähe zur Realität mich immer wieder nur denken ließ. Ja, genauso ist es, da hat der Autor wieder ins Schwarze getroffen, aber worum geht es ?

    Es geht um Rechtsextremismus und seine Verflechtung in den deutschen Geheimdienst, es geht um den umstrittenen Tod zweier NSU Leute , die im Jahr 2011 in einem ausgebrannten Wohnwagen gefunden wurden und um einen Mord, der 2015 an einer Restaurantbesitzerin stattfand und Spuren zum Drogenmilieu zeigt.

    Schon Wolfgang Schorlau hat in seinem Buch " Die schützende Hand " den Tod der beiden Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt als Thema genommen und einen sehr realitätsnahen Krimi geschrieben, dessen Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwammen. Horst Eckert leuchtet dieses Thema noch weiter aus und beschäftigt sich in seinem neuen Buch zum Teil mit dem " Mörder " der beiden Terroristen und seiner Verbindung zum deutschen Geheimdienst.

    Für den sympathischen Vincent Veih, den Kommissar des KK 11 in Düsseldorf, ist dieser Fall nicht nur ein persönlicher, sondern auch ein sehr schwieriger Fall, da er mehrere Morde aufklären muss, die alle im Zusammenhang miteinander stehen. Außerdem muss er sich gegen Kollegen und Vorgesetzte zur Wehr setzen, die ihn aus dem Amt boxen wollen. Also viele Baustellen für den Kommissar, dessen Privatleben auch wieder ein Rolle in diesem Buch spielt.

    Trotzdem dieses Buch der dritte Band einer Reihe ist, kann man es auch allein lesen, da es sich um einen abgeschlossenen Fall handelt. Aber ich kann nur sagen, dass man einiges verpasst, wenn man die anderen Bücher dieses Autor nicht liest, da sie alle für sich einfach großartig sind.Die Vermischung von Fiktion und Realität ist fließend und manchmal weiß man nicht, ob das Geschriebene sich wirklich ereignet hat, oder der Fantasie des Autors entstammt,. Auch wenn er die Namen der Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe nicht nennt, weiß man sofort, um wen es sich handelt. Die Geschichte als solches ist gut aufgebaut, die Personen sehr realistisch dargestellt, auch in ihrem Handeln und die Geschehnisse , die geschildert werden, durchaus vorstellbar.

    Die Bücher von Herrn Eckert zu verpassen ist nicht nur eine Bildungslücke, sondern man verpasst auch super spannende Lesestunden, die ich nicht mehr missen möchte.

    Ich bin schon jetzt gespannt, welches Thema er sich in seinem nächsten Buch vornimmt.

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    Pongokatervor 2 Jahren
    Sprachlich eine Zumutung

    Für jeden, der auch an einen Krimi einen gewissen sprachlichen Anspruch hat, ist dieses Werk eine Zumutung. Mag der Inhalt noch so relevant sein, nach 30 Seiten bin ich ausgestiegen.

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    Zickemausivor 2 Jahren
    LeseMaus liest


    🐁🐁🐁🐁🐁
    Ein Highlight des Jahres 

    Zuerst einmal fand ich es sehr spannend, das dieses Buch in Teilen an Orten spielt, die ich kenne und an denen ich zu Hause bin... 
    Zum Inhalt, man wünscht sich das dieses Buch reine Fiktion ist und nichts der Wahrheit entspricht. Aber wir wissen es besser, und das macht mich wütend und auch traurig, das es möglich ist, das in Deutschland die NSU gedeckt und die Pegida so viel Zulauf hat. 
    Ein Thriller, der sehr zeitaktuell ist und und mich vom Prolog an gefesselt hat und mich bis zum Anhang nicht mehr losgelassen hat! 

    R. I. P ALLEN OPFERN RECHTER GEWALT!!!

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    MissNorgevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Brisant und leider immer noch hochaktuell
    Wahrheit oder Fiktion ?

    Kurz zum Inhalt
    ~ 2011 ~
    In Eisenach wird eine Bank überfallen. Kurze Zeit später werden zwei männliche Leichen in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden. Wir kennen diesen Fall auch in "echt" wo die Polizei von Selbstmord ausgeht, Horst Eckert bringt hier aber eine dritte Person ins Spiel, die die Männer ermordet haben soll.

    ~ 2015 ~
    Die Wirtin eines In-Restaurants, Melli Franck, wird brutal ermordet in ihrem Lokal aufgefunden. Veih und sein Team beginnen mit den Ermittlungen und kommen erst auf eine Spur die ins Drogenmillieu führt, aber dann kommen immer mehr Hinweise hinzu, das auch hier die NSU ihre Finger im Spiel hat.

    Meine Meinung
    Mein erster Politthriller und ich habe festgestellt, daß das Thema in einen Thriller verpackt wurde, der sehr gut recherchiert und packend zu lesen ist. Die verschiedenen Handlungsstränge sind übersichtlich und nähern sich logischerweise immer mehr an.
    Extrem berührend fand ich den Prolog, den Epilog und den Anhang. Im Prolog und Epilog kommt ein Kind eines der NSU-Opfers zu Wort und das berührt sehr, wie die Familie ihr "normales Leben" verliert und sehen muss wie sie weiter klarkommen, wie sehr der Vater vermisst wird. Der Anhang, der über 10 Seiten geht, führt uns nochmal namentlich alle Todesopfer rechter Gewalt vor Augen seit 1999. Diese extrem lange Liste hat mich echt geschockt.
    Horst Eckert schafft es die ganzen, immer noch aktuelle Themen, interessant zu beschreiben und in einer Story unterzubekommen, ohne das es beim Lesen gezwungen und überlastet wirkt.
    Als Charakter hat mir Ronny Vogt sehr gut gefallen, als Undercovermann, der bei der NSU-Truppe eingeschleust wurde und sich ihnen anpassen musste, um nicht aufzufliegen. Er ging über seine persönlichen Grenzen, er musste morden und seine Gedanken auf "rechts" drehen um in der Gruppe angesehen zu sein und vor allem um nicht aufzufallen.
    Beim Lesen der Geschichte verwendet Eckert zwar andere Namen für die NSU-Terror-Zelle, aber man weiß sofort wer eigentlich damit in echt gemeint ist.
    Tja und wer weiß wie es nun eigentlich wirklich war? Haben uns Geheimdienst und Verfassungsschutz die Wahrheit gesagt? Ich glaube das wir Bürger gar nicht alles wissen sollen und auch niemals wissen werden.
    Ein Buch welches mich, aufgrund des brisanten Themas fesseln konnte, aber mich nicht zum Fan dieses Genres *Politthriller* machen wird.

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    KruemelGizmovor 2 Jahren
    Rezension zu Wolfsspinne

    Eisenach, 2011: Zwei Männer werden tot in ihrem Wohnwagen aufgefunden, alles deutet zuerst auf einen erweiterten Selbstmord hin. Sie gehörten einer rechtsextremistischen Terror-Gruppe an, dem NSU. Aber was geschah wirklich? Ronny Vogt, Undercoverermittler beim Verfassungsschutz könnte diese Frage beantworten, doch er muss schweigen.

    Düsseldorf, 2015: Melli Franck, Wirtin des Promilokals „Greens“ wird ermordet aufgefunden. Hauptkommisar Vincent Veih ermittelt in diesem Fall. Die ersten Spuren führen ins Drogenmilieu, als aber weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Spur, die in die Vergangheit führt, zur „Aktion Wolfsspinne“, die eng mit der NSU verknüpft ist…

    Wolfsspinne ist der dritte Teil um den Hauptkommissar Vincent „Che“ Veih aus der Feder von Horst Eckert.

    Die Geschichte teilt sich in zwei Erzählsträngen, die sich erst nach und nach zusammenfügen und dann ein Gesamtbild entstehen lassen.

    In Eisenach ermittelt 2011 Ronny Vogt für den Verfassungsschutz in der rechtsextremen Szene und ist dem NSU dabei näher als ihm lieb ist. Als zwei Männer der NSU tot in einem Wohnwagen aufgefunden werden, weiß nur Ronny was genau geschehen ist und muss auf Anweisung seines Vorgesetzten schweigen.

    2015: in Düsseldorf wird die Wirtin Melli Franck brutal ermordet, die ersten Spuren führen Vincent Veih und sein Team ins Drogenmillieu, aber bald ist klar das wesentlich mehr dahintersteckt. Die Ermittlungen erweisen sich mehr als schwierig, und das Vincent Veih sich auch noch gegen innerpolitische Machtkämpfe in der Abteilung wehren muss, gestaltet die Sache nicht einfacher.

    Für mich war dieser dritte Teil der erste den ich aus dieser Reihe gelesen habe. Für das Verständnis fand ich es nicht notwendig die beiden Vorgänger zu kennen, während der Geschichte wird genug erläutert um die Dynamik um Vincent Veih verstehen zu können.

    Die Geschichte beginnt wirklich spannend und schnell war ich von ihr richtig gefesselt. Dem  Autor ist es wunderbar gelungen aktuelle Themen, wie NSU, die Widersprüche des Prozesses, V-Leute des Verfassungsschutzes Fremdenfeindlichkeit, Flüchtlingspolitik und politische Ränke in den Führungsetagen der Polizei in einem spannenden und fesselnden fiktiven Politthriller zu verweben, ohne dass ich das Gefühl einer Verschwörungstheorie bekam.

    Die Protagonisten empfand ich glaubhaft und sympathisch, allerdings empfand ich Vincent Veih doch so ein klein wenig zu gut um wahr zu sein. Mit Ronny Vogt, hat der Autor einen Charakter geschaffen, der mir als Leser das Undercoverleben eines Ermittlers näher gebracht hat, die Konflikte die sie austragen müssen, gegen ihre inneren Überzeugungen zu handeln, sich gegen Beeinflussungen zu erwehren und in welche Gefahr sie sich und ihre Seele bringen können.

    Der Spannungsbogen war geschickt aufgebaut und blieb für mich konstant hoch bis zum Finale. „Wolfsspinne“ stellt für mich auf jeden Fall ein Lese-Highlight in diesem Jahr dar.  

    Mein Fazit:

    Ein wirklich spannender Politthriller, ein Pageturner und Lese-Highlight! Klare Leseempfehlung für diesen tollen Thriller!

    Kommentare: 8
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    Haverss avatar
    Haversvor 2 Jahren
    Der Schoß ist fruchtbar noch

    Wie Wolfgang Schorlau ist auch Horst Eckert ein Schwergewicht unter den deutschen Thrillerautoren. Beide behandeln in ihren Büchern aktuelle Themen der gesellschaftspolitischen Situation in Deutschland. Und beweisen einmal mehr, dass die Realität sehr oft wesentlich spannender als die Fiktion sein kann.

    Wie Schorlau in „Die schützende Hand“ beschäftigt sich Eckert in seinem neuesten Politthriller „Wolfsspinne“ mit den Aktivitäten der NSU und deren aktiver und monetären Unterstützung durch staatliche Stellen. Aber er geht noch einen Schritt weiter als der Stuttgarter Autor, belässt er es doch nicht bei der bloßen Auflistung der Fakten und deren Interpretation (wobei das allein schon höchst spannend ist), sondern entwickelt aus den tatsächlichen Ereignissen eine überaus realistische und plausible Was-hätte-sein-können-Story.

    Vincent Che Veih und Ronny Vogt, 2011 und 2015, Düsseldorf und Eisenach, Polizeiarbeit und Verfassungsschutz. Dazu Tötungsdelikte, Drogen, Banküberfälle, betrügerische Immobliengeschäfte sowie NSU, Neonazi-Organisationen, Pegida, Flüchtlinge und diverse private Verwicklungen. Das mag auf den ersten Blick eine unglaubliche Stoffmenge sein, aber die Meisterschaft Eckerts besteht darin, all diese unterschiedlichen Themen so gekonnt miteinander zu verquicken, dass der Leser zu keinem Zeitpunkt den Eindruck hat, eine völlig überfrachtete Geschichte zu lesen, im Gegenteil. Alles hat seine Berechtigung und jedes Steinchen ist an seinem Platz, um abschließend ein Mosaik zu präsentieren, wie es perfekter nicht sein könnte.

    Verschiedene Perspektiven und Orts- und Zeitenwechsel bringen von Beginn  an Spannung und ein hohes Tempo in die Handlung, das bis zum Ende anhält. Und jeder Leser, der auch nur ansatzweise durch die Medien mit den Ermittlungen in der NSU-Affäre vertraut ist, wird den quasi fiktiven Personen reale Namen zuordnen können.

    Als gelernter Journalist hat Eckert ausgezeichnete Recherchearbeit geleistet, die seinen neuesten Thriller um Vincent Veih und das Düsseldorfer KK11 nicht nur zu einer spannenden sondern zugleich auch einer erschreckenden Lektüre machen. Siehe dazu auch den Anhang, in dem unzählige Opfer rechtsextrem motivierter Gewalttäter seit 1990 aufgezählt werden, denn „statt die Radikalisierung der Szene zu stoppen, förderte der Geheimdienst sie mit Steuergeldern“ (S. 415). Absolut beschämend! Wie bereits Bertolt Brecht in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ schrieb: „Der Schoß ist fruchtbar noch…“.

    „Wolfsspinne“ ist definitiv ein Highlight unter den Thriller-/Krimiveröffentlichungen  in diesem Jahr. Deshalb nachdrückliche Leseempfehlung meinerseits!

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    Gulans avatar
    Gulanvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Starker Polizeiroman mit der Spekulation, wie die Ereignisse rund um die NSU abgelaufen sein könnten.
    Neues vom NSU.

    Ronny fuhr nicht schneller als achtzig Sachen und hielt sich strikt auf der rechten Spur, um keinen Unfall zu riskieren. Er war noch immer aufgewühlt. Eine Art Schüttelfrost und Übelkeit. Auch das Pfeifen im Ohr wollte nicht vergehen.
    Schluss damit, sagte sich Ronny. Nie mehr Undercover. Gebt mir einen Schreibtischjob: Eingangspost sortieren, Stempel auf Aktenstücke drücken, Vorgänge abheften, irgend so etwas.
    Nur eine letzte Sache gab es noch zu tun. Eine weitere Person war auszuschalten, und Ronny war sich bewusst, was vom Gelingen der Aktion Wolfsspinne abhing. Nicht bloß die Karriere einiger Beamter. Nicht nur seine eigene Freiheit. Es ging um weitaus Grundsätzlicheres. (S. 162)

    Hauptkommissar Vincent Veih ermittelt im Mordfall an einer Düsseldorfer Promiwirtin. Die Tote konsumierte und dealte in kleinem Rahmen mit Crystal Meth. Somit verfolgt die Mordkommission eine Spur ins Drogenmilieu. Dort hält sich auch der LKA-Undercover-Beamte Ronny Vogt auf. Er ist erst seit kurzem in Düsseldorf und war vorher für den Thüringer Verfassungsschutz in der Neonaziszene tätig. Dabei war er bei den Geschehnissen rund um den NSU näher dran als ihm lieb sein konnte. Und nun scheint ihn diese Vergangenheit in Düsseldorf wieder einzuholen.

    Ronny ist beim Imbissbudenbetreiber Bischoff eingeschleust worden, da dieser im Verdacht steht, nicht nur Pommes und Würste, sondern auch Crystal Meth in der Stadt zu verteilen. Doch Bischoff setzt Ronny bevorzugt im Imbisslokal des Pächters Dennis Molitor ein, einer stadtbekannten Neonazigröße. Da Ronnys V-Mann-Aktivitäten nie aufgedeckt wurden, ist er bei den Neonazis ein geachteter Mann, stand er damals doch in engem Kontakt zum Nationalsozialistischen Untergrund. Doch seine Tarnung droht aufzufliegen, als ausgerechnet sein Cousin Vincent Veih, den er seit Anfang der 90er nicht mehr gesehen hat, im Rahmen seiner Ermittlungen bei den Bischoffs auftaucht.

    Nachdem ich erst vor kurzem der zweiten Teil der Reihe, „Schattenboxer“, gelesen habe, habe ich mir nun den nächsten Teil deutlich schneller vorgenommen. Mit „Wolfsspinne“ greift Autor Horst Eckert eines der heißesten Themen derzeit in Deutschland auf: Der NSU und das zunehmende Wiedererstarken rechtsradikaler Gruppen. Aber anders als sein Kollege Wolfgang Schorlau in „Die schützende Hand“ begnügt sich Eckert nicht mit der Enthüllung der Ungereimtheiten, sondern erzählt die Geschichte weiter. Dabei verwendet er allerdings nicht die Klarnamen des NSU-Trios, Beate Zschäpe heißt bei ihm Liese Schittko. Außerdem begnügt sich Horst Eckert nicht nur mit dem Thema NSU und „neue Rechte“, sondern zieht Verbindungen zwischen verschiedenen Milieus und schafft Raum für weitere Themenfelder wie Crystal Meth und schmutzige Immobiliendeals. So ergeben sich zwei Handlungsstränge, die sich freilich am Ende miteinander verbinden.

    Eckerts Protagonist Vincent Che Veih ist eine authentische, durchweg positiv besetzte Figur. Leiter des Kommissariats, ein ehrlicher, loyaler, unbestechlicher Polizist. Das Besondere an ihm ist seine Familiengeschichte: Mutter Ex-RAF-Terroristin, Großvater Ex-Nazi, der später in der Düsseldorfer Polizei Karriere machte. Manch einer mag dies für zu konstruiert halten, aber Eckert versteht es geschickt, diese Konstellationen für seine Plots zu nutzen, so dass er entgegen seiner alten Überzeugung doch eine Krimireihe begonnen hat (siehe unten). In diesem Buch tritt dann noch ein Verwandter von Vincent auf den Plan. Ronny, sein Cousin aus dem Osten, vom ewigen Undercover-Job ausgebrannt, aber immer noch im Dienst. Seine Vergangenheit lastet auf ihm, war er doch so etwas wie der vierte Mann der NSU und weiß genau, was damals im November 2011 in Eisenach tatsächlich passierte, als zwei rechte Terroristen in einem Wohnmobil starben.

    Der Roman ist zugleich Whodunnit und Politthriller. Und was man bei Horst Eckert auf jeden Fall mit dazubekommt: Einen waschechten Polizeiroman. Der Leser bekommt also nicht nur die Ermittlungsarbeit und den üblichen Privatkram der Hauptfigur mit, sondern einen Einblick in eine Mordkommission und Polizeibehörde, mit Intrigen, Verfehlungen, Machtspielen, aber auch Loyalität und Freundschaft. Sehr selten in deutschen Landen.

    Der Autor erzählt die Geschichte mit wachsender Spannung, wechselnden Perspektiven und einer gelungenen Mischung aus Fakten und Fiktion. Insgesamt ist „Wolfsspinne“ ein absolut stimmiger Kriminalroman mit politisch-brisantem Thema.

    Kommentare: 8
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    marion_galluss avatar
    marion_gallusvor 2 Jahren
    Ein brisanter Thriller, der geschickt (erschreckend viel) Realität und (weniger) Fiktion vermischt

    Die bekannte Gastronomiebesitzerin Melli Franck wird in ihrem Restaurant brutal ermordet. Ermittlungsfäden führen ins Drogenmilieu, doch Vincent Veih deckt während seinen Ermittlungen Zusammenhänge auf, die um viele Jahre zurückreichen. Dem Kommissar werden seine Ermittlungen erschwert, man will ihn wegen angeblichem Fehlverhalten während einer Demo aus der Leiterfunktion kicken.


    Doch Vincent Veih geht seiner Spurensuche ungeniert weiter und er deckt Verbindungen auf, die zur sogenannten Aktion „Wolfsspinne“ führen, einer verdeckten Aktion die vor langer Zeit direkt zum NSU (Nationalsozialistischen Untergrund) führte ….

    ***

    Ich lese die Romane von Horst Eckert „erst“ seit seinem Roman „Sprengkraft“. Und auch wenn ich mich wiederhole: Ich lese die Krimis/Thriller von ihm einfach sehr gerne, weil er die wunderbare Gabe hat, spannende politische Thriller zu schreiben, die mich fesseln, obwohl ich politische Thriller nicht mag.

    Dies ist der dritte Roman um seinen Kommissar Vincent Che Veih, dem Ermittler mit einer Mutter, die eine extrem terroristische Vergangenheit hat und einem Großvater, der auch nicht ohne Ruf ist.

    Der Roman wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Einmal in der Gegenwart und dann immer wieder im Jahre 2011, als die Aktion „Wolfsspinne“ lief. Und diese zwei Plots verbinden sich im Laufe der Story miteinander, fügen sich immer mehr zusammen.

    Man merkt zum einen, dass sich dem Autor beim Thema NSU und Rechtsradikalismus mehr als die Nackenhaare sträuben und er zum zweiten sehr intensiv recherchiert hat. Dies zeigt sich nicht nur im Laufe der Handlung, wo er Realität und Fiktion geschickt miteinander verknüpft.
    Man merkt es auch am, für mich, extrem beklemmenden Anhang. Hier listet Eckert sämtliche Opfer rechter Gewalt seit dem ersten Tag der Deutschen Einheit im Jahre 1990 auf. Mich hat es betroffen gemacht, die Namen der Opfer von Mölln und Solingen (Familie Gen) wieder vor mir zu sehen. Schreckliche Ereignisse, die als weit entfernte Erinnerungen tief in meinem Hirn schlummerten. Unter all diesen Opfer sind sowohl Deutsche, als auch Ausländer und sie sind in allen Bundesländern zu verzeichnen. Erschreckend und leider immer noch unser täglicher Begleiter.

    Die Handlung ist spannend, fesselnd und hat mich absolut in ihren Bann gezogen. Verwicklungen und Verbindungen der irrsinnigsten Art und Weise werden hier aufgezeigt. Der Leser weiß stellenweise nicht mehr, wer nun überhaupt für wen arbeitet und ob diese Person tatsächlich die ist, die sie vorgibt zu sein. All dies ist sehr geschickt ausgearbeitet und man fiebert einfach mit.

    Neben Vincent Veih sticht für mich die sehr gute und tiefgründige Zeichnung des Charakters von Ronny Vogt heraus. Diese Figur ist aus sich selbst gewachsen. Mehr verrate ich nicht, lest einfach selbst.
    Auch wenn es sich hier um eine Reihe handelt bin ich der Meinung, dass auch jeder Roman für sich selbst steht und es dem Verständnis keinen Abbruch tut, wenn man „quer einsteigt“.

    .
    Mein Fazit: Ein hochbrisanter Politthriller, der geschickt (erschreckend viel) Realität und (weniger) Fiktion vermischt und dadurch eine spannende Lektüre bietet, die viel Stoff zum Nachdenken liefert und einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlässt.

    © Buchwelten 2016

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Horst_Eckerts avatar

    Liebe Thriller- und Krimi-Fans!

    Ich möchte euch ganz herzlich zu einer Leserunde meines neuen Thrillers „Wolfsspinne“ einladen. Es ist, nach "Schwarzlicht" und "Schattenboxer", der dritte Fall für Vincent Che Veih, Kriminalhauptkommissar in Düsseldorf.

    Und darum geht es:

    Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch Ronny Vogt kennt die Wahrheit. Er hat den „Nationalsozialistischen Untergrund“ für den Thüringer Verfassungsschutz beobachtet. Und er muss für immer über das schweigen, was unter dem Codenamen „Aktion Wolfsspinne“ geschah.

    Heute arbeitet Ronny als verdeckter Ermittler im Düsseldorfer Drogenmilieu. Als Hauptkommissar Vincent Veih ihn im Zuge einer Mordermittlung befragt, droht seine Tarnung aufzufliegen. Seine Vergangenheit holt ihn ein und sein Leben gerät endgültig aus den Fugen …

    Ein Politthriller, der die offizielle Version zum Thema NSU in Frage stellt.

    Ich freue mich über eure Bewerbungen bis zum 9. August.

    Eine Frage an alle Bewerber um ein Verlosungsexemplar: Wie hast du das vor knapp fünf Jahren erlebt, als bekannt wurde, dass der NSU hinter den jahrelangen sogenannten Dönermorden steckte? Wie geht es dir, wenn du von der Verstrickung des Verfassungsschutzes oder vom NSU-Prozess in München hörst? Welche Gefühle löst das aus?

    Ich werde versuchen, alle Fragen, die ihr vielleicht habt, möglichst zügig zu beantworten. Habt schon mal vielen Dank für euer Interesse! Und viel Glück bei der Verlosung und Spaß beim Lesen!

    Mit herzlichen Grüßen aus der Schreibstube
    Horst Eckert

    „Eckert hat sich als einer der großen deutschen Krimiautoren etabliert. Seine Polizeithriller sind populär und packend.“ (Die Welt Kompakt)

    Ein erstes Interview zum Roman findet ihr hier: http://www.horsteckert.de/interview-ueber-wolfsspinne.html

    Einen Werkstattbericht, wie ich mich dem Stoff genähert habe, hier: http://www.horsteckert.de/verbrannt-und-geschreddert.html

    Horst_Eckerts avatar
    Letzter Beitrag von  Horst_Eckertvor 2 Jahren
    Danke für den Lesetipp und erst recht für die Rezension!
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