Ich mag den Schreibstil. Gradlinig, flott lesbar und vor allen Dingen nicht mit der politischen Korrektheit versehen, die man heute leider allzu oft liest. Was Dr. Schramm nicht mag, das mag er nicht. Und er bringt es aufs Papier. Er mag die harten Einreisebestimmungen für Schiffe und Personal der Amerikaner nicht, Piercings, englische Krankenhäuser und eine Menge mehr. Endlich mal ein Mann, der eine Meinung hat. So was gibt es noch? Ja! Und es ist sehr erfrischend! Nur ein kleiner Mangel am Schreibstil ist, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Episoden weicher sein könnten. Aber was soll's, es passt zum kantigen Charakter des Bordarztes – Episode Ende und Aus. Habe fertig. Kein Geschwafel mehr. Was liegt als Nächstes an?
Beim Lesen fiel mir auf, dass der Autor es versteht, bewußt oder unbewußt, Bilder zu erzeugen. Ich sehe ihn direkt vor mir, wie er und seine Gattin nach getaner Arbeit bei Dunkelheit auf das Meer schauen und den Tag Revue passieren lassen. Herrlich.
Ich empfehle dieses Buch ausdrücklich mit der vollen Sternzahl. Dr. Schramm hat mir interessante Einblicke in das Bordleben verschafft, in den sehr verantwortungsvollen und zum Teil stressigen Bereich der medizinischen Abteilung, er hat mich zum Schmunzeln gebracht und mir die Einsicht geschenkt, ganz sicher nicht in die Karibik zu fahren.
Horst Schramm
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Dr. Kreuzfahrt
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„SOS – Doc zur Brücke“.
So oder ähnlich sind die Rufe, die Dr. Horst Schramm nach seinem eigentlichen Ruhestand empfängt. Auf den „sieben Weltmeeren“, kann man sagen. Auf „großer Fahrt“ an Bord kleinerer, aber umso luxuriöser Schiffe (und nicht schwimmender, riesiger Ferienlandschaften mit tausenden von Menschen an Bord).
Ob in der Karibik, auf dem atlantischen Ozean, ob bei Rundfahrten auf den europäischen Meeren oder gar auf einem Expeditionsschiff in die Antarktis, immer kann etwas passieren, was umgehende, medizinische Hilfe notwendig macht.
Und da Horst Schramm am Ende seines Berufslebens „an Land“ keine sonderliche Neigung verspürte, tatsächlich die Hände in den Schoß zu legen, schloss er einfach eine zweite Berufstätigkeit an. Als Schiffsarzt. Gut so, denn aufgrund dessen ist er in der Lage, interessante, intensive Geschichten zu erzählen, von kleinen medizinischen Versorgungen bis hin zu ausgewachsenen Operationen auf hoher See.
„Sehr geehrte Damen und Herren, suchen Sie vielleicht einen Schiffsarzt“? So beginnt das Abenteuer eigentlich ganz lapidar, denn umgehend erhält Schramm Antwort und ist drei Wochen später auf der ersten Fernreise mit an Bord.
Blinddarm bei Windstärke 10, Darmverschluss auf hoher See, vieles an kleineren, aber auch komplizierten Notfällen kann passieren (und passiert). Bei denen Schramm je auf sich alleine gestellt ohne Möglichkeit, kritische Patienten „mal schnell“ mit dem Rettungswagen in eine nahegelegene Klinik zu ausgewiesenem Fachpersonal zu bringen.
Was zwar in der Regel stimmt, aber hier und da doch dramatisch anders kommt. Denn auch das ist Teil seiner Erfahrungen an Bord, schwer mitgenommene Patienten solange durchzubringen und zu stabilisieren, bis sie (über Umwege) schnellstmöglich in Fachkliniken gebracht werden können. Wobei es manches Mal durchaus Spitz auf Knopf steht und abenteuerlich zugeht.
„Der Hafen ist belegt mit großen Schiffen. Wir haben keine andere Wahl, der Patient muss in der Schleuse vom Schiff“. Was alles andere als einfach und ungefährlich für alle Beteiligten ist.
Munter erzählt Schramm und unterlässt es dabei nicht, immer wieder auch die Freude am Dasein auf See und die exotischen Schauplätze mit in den Blick zu nehmen. Soweit es die Erzählzeit erlaubt, denn sowohl „renitente Patienten“ sind manche Geschichten wert, wie auch die herzergreifende Untersuchung eines noch ungeborenen Kindes.
Sachlich, fachlich kompetent und in fließendem, gut zu lesendem Stil gibt Dr. Horst Schramm dem Leser einen unverfälschten und interessanten Einblick hinter die Kulissen. Da, wo es ernst wird in der schwierigen Situation, oft hundert von Meilen entfernt von möglicher anderer Hilfe zu sein.

