Howard Jacobson Liebesdienst

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Inhaltsangabe zu „Liebesdienst“ von Howard Jacobson

Ein gefährliches Spiel um Begierde, Eifersucht und Liebe Obwohl Felix Quinn mit der Liebe seines Lebens verheiratet ist, hat er eine große Obsession: die Eifersucht. Eines Tages lernt er zufällig Marius kennen – und plötzlich ist Felix wie besessen von diesem Mann und plant sein eigenes Betrogenwerden, das Fremdgehen seiner Frau mit Marius. Anfangs malt er ihn sich nur als Hauptfigur in einer Fiktion voller Wollust aus – Marius‘ Hände auf dem Körper seiner eigenen Frau Marisa – doch dann wünscht er sich, dass die Fiktion Wirklichkeit wird.

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  • Rezension zu "Liebesdienst" von Howard Jacobson

    Liebesdienst
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    12. December 2012 um 08:43

    Das deutsche Publikum kennt den englischen Schriftsteller Howard Jacobson aus seinem im vergangenen Jahr bei DVA erschienen Buch „Die Finkler-Frage“, das in England mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurde. Wegen des großen Erfolgs legt DVA jetzt einen zweiten Roman Jacobsons nach, der im Original unter dem Titel „The Act of Love“ schon 2008 veröffentlicht wurde. Hier wie dort geht es um menschliche Obsessionen. In „Die Finkler-Frage schilderte Howard Jacobson mit vielen ironischen Stilmitteln sowohl die innerjüdischen Debatten um Sex, Identität, Israel, die Palästinenser, den Holocaust und "den HERRN", als auch in der Person von Julian Treslove eine auch bei etlichen dem Judentum affinen Menschen bei uns eigene Sehnsucht nach dem Jüdischsein. Da konnte man hören von skurrilen Debatten im Kreise der sogenannten ASCHandjiddn, die sich ihres Jüdischsseins schämen, konnte lesen über die Frage , ob die jüdische Sitte der Beschneidung das sexuelle Verlangen nun steigert oder hemmt, von einem jüdischen Blogger, der durch manuelle Stimulation seine entfernte Vorhaut wieder hochziehen will, und immer wieder waren es köstliche Dialoge, die oft in nichts anderem bestanden, als in Fragen und Gegenfragen. Die Obsession im vorliegenden Buch ist die Eifersucht. Sie hat den ich- erzählenden Protagonisten des Buches, den überaus belesenen, gebildeten und wohlhabenden Antiquar Felix Quinn aus dem exquisiten Londoner Stadtteil Marylebone erfasst. Felix Quinn ist verheiratet mit der schönen und attraktiven Marisa, die er vor Jahren einem anderen Mann ausgespannt hatte. Schon in seiner Kindheit hat er die schmerzhafte Erfahrung der Eifersucht kennengelernt, als ein Mädchen, mit dem er ins Kino ging, plötzlich einen anderen küsste: „Wie man Eifersucht überlebt, wurde zur Frage meines Lebens. Wie kann man akzeptieren, dass derjenige, den man liebt, die Liebe nicht erwidert? Wie kann man es aushalten, dass ein anderer die Küsse der Geliebten bekommt? Wie kann man damit fertig werden, wenn man verlassen wird? Wie findet man sich damit ab, das man ungeliebt ist und ungeliebt bleiben wird, ausgestoßen, nicht, weil man selber nichts taugt, sondern weil man dem Glück zweier anderer im Wege steht; dass man bis in alle Ewigkeit einsam bleiben muss, damit die beiden anderen bis in alle Ewigkeit zusammen bleiben können?“ Als Felix` Frau Marisa während der Hochzeitsreise nach Florida in die dortigen Feuchtgebiete erkrankt, hat Felix sein Schlüsselerlebnis als Erwachsener, das seine schon in der Kindheit angelegte Obsession, der er in der Zwischenzeit nur während des Studiums entsprechender Stellen der Weltliteratur von der Antike bis in die Gegenwart gefrönt hatte, mit einem Schlag aktiviert und ihn nicht mehr verlässt. Denn der vom Hoteldirektor herbeigerufene kubanische Arzt bittet nicht nur um einen starken Drink, sondern untersucht Marisas Brust. „Jetzt hatte alle Ungewissheit ein Ende: Ab jetzt war ich ein Mann, der durch den Anblick der Hand eines anderen Mannes an der Brust der Frau, die er liebt, erregt wurde.“ Dieses Erlebnis lässt ihm keine Ruhe. Er findet in dem gut aussehenden Marius den Mann, mit dem er glaubt, seine Fantasien befriedigen zu können. Geduldig und über einen langen Zeitraum bereitet er den Coup vor, für den er allerdings die Unterstützung seiner Frau braucht, die seine außergewöhnlichen sexuellen Bedürfnisse schon länger aus seinen Erzählungen kennt. Howard Jacobson lässt sich mit der genauen Charakterisierung dieser Hauptpersonen viel Zeit, an manchen Stellen zu viel, wie ich finde. Zunächst bleibt das Buch für den, der diese Lust und diesen Schmerz an der Eifersucht nicht kennt (oder der seine entsprechenden Fantasien erfolgreich verdrängt hat) eher befremdlich, an manchen Stellen sogar fast abstoßend. Doch nicht nur die zahlreichen Hinweise auf Analogien in den großen Werken der Weltliteratur und die genauen Beobachtungen der Psychologie seiner Hauptfiguren machen das Buch dennoch zu einer geschätzten Lektüre, sondern auch das Hohelied auf die Liebe, das er anstimmt.

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  • Rezension zu "Liebesdienst" von Howard Jacobson

    Liebesdienst
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    03. December 2012 um 14:41

    Die (süße) Qual der Eifersucht „Es war eine große Versuchung, die Gelegenheit zu nutzen und zu gestehen: „Nein, Marisa, es wird mich nie etwas davon abbringen können, weil es nichts Wichtigeres gibt““. Wobei Marisa die attraktive, lebensoffene Frau des Felix Quinn ist. Seines Zeichens Buchhändler für seltene, antiquarische Bücher. Vor allem aber einer, der einen langen, mit Schmerzen versehenen Anlauf genommen hatte in der Frauenfrage. Und der mehr oder weniger ungeplant jene Marisa aus ihrer vorhergehenden Ehe heraus löste und nun mit ihr verheiratet in London lebt. Aber nun doch alles hat, was sein Leben begehren könnte, oder? Alles könnte gut sein, wenn da nicht Felix jene eigenartige Form des stacheligen Schmerzes in sich tragen würde. Das jemand stolz auf „seine“ Frau ist, diese gerne vorzeigt und sich durch die interessierenden Blicke anderer Männer sich noch bestätigt fühlt, das ginge dem „normal“ denkenden Mann ja noch ins Verständnis. Diese unerhörte Steigerung der persönlichen Lust allerdings durch den „Stachel der Eifersucht“ und das am Besten auch real, tatsächlich geschehend, da benötigt man einen Augenblick und ein wenig der Lektüre schon, um das nachvollziehen zu können. Felix zumindest wird in einem konkreten Augenblick ganz klar, was immer schon latent in ihm lag. Ales Marisa auf einer Reise erkrankt, untersucht sie ein leicht schmieriger Arzt, der vor den Augen des besorgten Ehemanns mit Freude seine Hände länger auf dem entblößten Körper der schönen Gattin verweilen lässt, als es eine Untersuchung brauchen würde und der zudem einen verstehenden Blick zum Ehemann wirft. Felix versteht sofort: von dieser Erregung voller Schmerz kann er nicht mehr lassen und lässt fortan keine Gelegenheit aus, seiner Frau „Gelegenheiten zu verschaffen“. All dies erscheint in einer Welt der emsigen Beharrung auf Treue völlig unverständlich, bis das erste Zitat des Grafen von Masoch auftaucht und die Veranlagung des Felix, verbrämt nur eingestanden, offen zu Tage tritt. In der Qual findet er sich selbst, verliert sich im Schmerz, leidet am Liebeskummer und fühlt sich dabei dennoch unglaublich lebendig. Auf eine eben ganz andere als die gewohnte Art und Weise. Was ihm schon in jungen Jahren deutlich wurde, als seine erste „Freundin“ ihm gar inmitten einer Kinovorstellung „abhanden“ kam. Was man ja erst mal schaffen muss im Dunkeln. Ein Stachel, der tief sitzt, der jene grundlegende Eifersucht begründet hat, die einerseits auch Lust in sich trägt, die andererseits aber auch überwunden werden soll und muss. Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, dass ist die verquere Strategie, der sich Felix verschrieben hat. Um „Eifersuchtslos“ zu werden oder doch um den Stachel zu genießen? Wohl schwingt beides mit. Jacobson führt den Leser tief hinein in die Gedankenwelt und die Empfindungen aller Beteiligter, nicht nur des Felix. Marisa in ihrer Art und Weise, ihrer „Fremdheit“ im eigenen Leben, dass sich nur im Tanz auflöst. Felix selbst, der akribisch Pläne schmiedet, seine Frau mit einem anderen Mann zusammenzubringen. Marius, der Misanthrop und zynische, verbrauchte, dabei aber mit einem unentrinnbaren Charisma Frauen gegenüber ausgestattete Mann, den Felix engmaschig mit hineinnimmt in seine Sehnsucht nach Liebesschmerz. Diese und weitere Personen werden in ihrem Sein, ihrer Geschichte, in ihrer Entwicklung Seite für Seite auf sprachlich hohem Niveau und mit dem Talent für Zwischentöne und plastische, bildkräftige Beschreibungen durch Jacobson durch diese „ver-rückte“ innere Geschichte voran gebracht. Wobei über lange Zeit hinweg das Geschehen doch auch ein wenig zu sehr verharrt, zu sehr im Vagen und Ungefähren verbleibt, bis dann tatsächlich eine reale Dynamik entsteht und alles mit sich zu reißen droht. In dieser langen Vorbereitungszeit kann dann die Lektüre, bei aller sprachlichen Geschliffenheit und bei allem unterhaltsamen Plauderton, den Jacobson an den Tag legt, langatmig werden. Aber es lohnt sich, hier nicht zu überblättern und an der langsamen Entwicklung nicht zu verzagen, denn selten gelingt es im Gesamten, ein solch umfassendes und stimmiges „Innenbild“ einer ganz anderen Seite der Liebe in solch gründlicher und überzeugender Form vor die Augen des Leser zu führen. Mitsamt vielfacher Verweise auf die Betrachtung der Eifersucht in der Literaturgeschichte. Mit einigen Längen legt Jacobson alles in allem eine hervorragend beobachtete „Innensicht“ der „Lust und Schmerz an der Eifersucht“ vor, in der er präzise auch die Ohnmacht dieser Lust gegenüber aufnimmt und eine vordergründig surreale Situation schafft, die in der Tiefe aber dann durchaus gar nicht mehr so befremdlich wirkt. Sprachlich wunderbar umgesetzt und zu vielfachen differenzierten Beschreibungen fähig, hallt das Buch durchaus lange nach.

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  • Rezension zu "Liebesdienst" von Howard Jacobson

    Liebesdienst
    HeikeG

    HeikeG

    "Liebe hemmungslos, und aller Schmerz steht dir offen" oder Ein verwundender Zweifel . "Er tanzte nicht gern. Er spielte nicht gern. Er trank nicht einmal gern. Eifersucht war seine einzige Leidenschaft. Er freute sich an ihr, er lebte von ihr." Joseph Roth schrieb diese Worte in seiner großartigen "Geschichte von der 1002. Nacht". Liebe und Eifersucht, ein altes Menschheitsthema, der Stoff, aus dem Dramen und Tragödien gestrickt sind. Dieses stechende Gefühl irgendwo zwischen Herz und Magengegend hat wohl jedes Paar bereits einmal erlebt. Manche weniger, andere mehr. Sie kann zerstörend, ja krankhaft sein, eine kleine Prise von ihr der Beziehung allerdings auch Würze geben. Doch was, wenn die Eifersucht zur Obsession wird? . Wie schon 2010 in seinem mit dem wichtigsten britischen Preis für Literatur, dem Booker-Preis, ausgezeichneten Roman "Die Finkler-Frage"zeigt sich der 1942 in Manchester geborene Howard Jacobson auch in seinem neuen Roman als Meister darin, die Obsessionen unserer Zeit ins Visier zu nehmen. Entstanden ist ein beeindruckendes, wenn auch zuweilen verstörendes Buch über das gefährliche, amouröse Spiel seines Protagonisten und Ich-Erzählers Felix Quinn, eines äußerst belesenen Besitzers einer antiquarischen Buchhandlung im vornehmen Londoner Stadtteil Marylebone. Er lebt mit seiner Frau Marisa zusammen, eine Frau, die für ihn Sokrates und Salome zugleich ist, in ihm also alle Leidenschaften weckt, geistige wie körperliche. Aber seiner Liebe zu ihr und seinem extrem ausgeprägten Masochismus fehlt noch das Zentrum, das Mittel, exquisit zu leiden: die Eifersucht. "Man liebte, um zu verlieren, und je mehr man liebte, umso mehr verlor man. Angst und Eifersucht waren keine Spaltprodukte der Liebe, sie waren die Liebe an sich." So setzt er alles daran, diese Eifersucht in sein Leben zu holen. . In seinem selbstinszenierten Prozess der Vollendung hin zu einem Besessenen läuft ihm der gut aussehende Mittdreißiger Marius über den Weg. In ihm erkennt er das pornographische Komplement seiner noch ausgegorenen Gelüste, "von ihm schien ein kaltes Feuer auszugehen, wie Funken von einer Wunderkerze. (...) Es war aufregend, in seiner Nähe zu sein, irgendwie gefährlich, als wäre der Tod, von dem er sprach, ein Größe, über die er Macht besaß". Er plant, arrangiert und setzt Marius als Figur in eine obszönen Fiktion, die er nach dem Muster sämtlicher pikanter Romane, die er gelesen hatte, entwirft: "von der Schönheit der Abstraktion hin zur Hässlichkeit der Tat." Es kommt, wie Felix es bis ins Detail geplant hat, die Menage a trois beginnt, Marius und Marisa werden ein Liebespaar und Felix Quinn der (geistige) Voyeur der Erlebnisse seiner Frau. Aber ob Felix, der Glückliche, dessen Name natürlich ironisches Programm ist, damit nun tatsächlich sein Glück gefunden hat? . "Liebesdienst" ist nicht im konventionellen Sinne eine Familiengeschichte und genauso wenig eine klassische Liebesgeschichte, obwohl es wiederum genau als solche durchgeht. Wenn überhaupt, dann ist es eine Antifamiliengeschichte, in dem der Ich-Erzähler als Beispiel dafür dient, "wie sich ein Mann vom evolutionären Imperativ befreien kann." Howard Jacobson, der manchen nicht zu Unrecht als bedeutendster Schriftsteller Großbritanniens gilt, hat einen technisch brillanten Roman vorgelegt, der über weite Teile seine Handlung in einer kunstfertigen Schwebe zwischen Illusion und Wirklichkeit hält, sich durch seine ungeheure Musikalität der Sprache, kraftvolle Charakterisierungen und unglaubliche Scharfsinnigkeit auszeichnet. Das zuweilen schockierende, streitlustige, unverschämte, aber auch durch die Überzeichnung seiner Charaktere witzige und auf jeden Fall intellektuell stimulierende Buch offenbart eine imaginative Kraftentfaltung des Begehrens und der Zerstörung in einem Menschen und gibt durch die ungeschönte "Lichtdurchlässigkeit des Fleisches, den Blick auf die bibbernde Nacktheit unserer Seele" frei. Gespickt mit unzähligen Verweisen auf literarische Analogien von Joyce, Klossowski, Dickens, Dostojewski, Tolstoi, Bukowski oder D. H. Lawrence spinnt er den Leser ganz allmählich in ein dichtgewobenes Netz aus scharfsinnigen psychologischen Beobachtungen ein, die er mit höchst unterhaltsamen Aphorismen zu Ehe, Liebe, Leidenschaft und Kunst garniert, bis Felix' Ansinnen gar nicht mehr so abwegig erscheint. . Fazit: "Liebesdienst" von Howard Jacobson erweist sich als Buch, das Grenzen überschreitet und virtuos und gekonnt auf dem schmalen Streifen jenes Territoriums zwischen Sakrament und Schund wandelt und mit der versöhnlichen Quintessenz aufwartet: Die Liebe mag kompliziert, komisch, grausam, abartig sein, doch können und wollen wir von ihr nicht lassen - ebenso wenig wie von diesem überaus amüsanten, zugleich tiefgründigen und vor allem auch spannenden Roman, der hervorragend und kongenial von Thomas Stegers ins Deutsche übertragen wurden. . Ich bin die Wunde, bin der Stahl, Ich bin der Streich und bin die Wange, Ich bin das Glied und bin die Zange, Und bin der Quäler und die Qual (Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen)

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