Mit dem Tod des Autors Earl Derr Biggers 1933 endeten auch die Kriminalfälle des chinesisch-amerikanischen Detektivs Charlie Chan. Sechs Romane hatte Biggers geschrieben und damit die amerikanische Leserschaft außerordenlich gut unterhalten. Aufgrund dieser Bucherfolge dauerte es nicht lange, bis sich Hollywood dieser Romanfigur annahm und Charlie Chan zu noch größerem Ruhm und obendrein zu Weltbekanntheit verhalf.
Die literarische Lücke musste geschlossen werden und so beauftragte die Zeitung "Saturday Evening Post" den Schriftsteller John P. Marquand, der Leserschaft einen neuen asiatischen Helden zu präsentieren. Die erste Fortsetzungsgeschichte über einen japanischen Detektiven/Agenten erschien 1935 in der Zeitung unter dem Titel "No Hero"... Kurz darauf wurde die Fortsetzungsgeschichte - wie auch die folgenden Abenteuer - als Buch veröffentlicht. Da die "Charlie Chan"-Kinofilme sensationelles Einspiel erzielten, waren die Filmrechte an Mr. (er besitzt den mysteriösen Vornamen I.A.) Moto recht schnell verkauft und man machte sich an die Produktion von insgesamt 8 Kinofilmen in den Jahren 1937 - 1939.
Mastermind hinter diesen Filmproduktionen war Norman Foster (1900-1976), ein fleißiger Schauspieler, Autor und Regisseur, der auch mit der Schauspielerin Claudette Colbert verheiratet war. Twentieth Century Fox, die schon die Rechte an Charlie Chan erstanden hatten, sicherten sich auch die Filmrechte an Mr. Moto und beauftragten Foster mit der Realisierung des Filmes "Think Fast, Mr. Moto". Er überarbeitete mit Co-Autoren die Handlungen und schuf so ein sehr respektables Ergebnis bei 6 von insgesamt 8 produzierten Filmen. Hier war er bei Buch und Regie federführend und drückte der Filmserie seinen eigenen Stempel auf.
Wie sich auch der ungarische Schauspieler Peter Lorre (1904-1964) die Figur des japanischen Detektivs/Agenten Mr. Moto ganz zu eigen machte. Zum Zeitpunkt der filmischen Umsetzung der Romanfigur war Lorre Vertragsschauspieler bei Fox. Die Rolle des Mr. Moto wurde ihm sehr zum Missfallen Norman Foster's vom Studio aufgezwungen und das erste Treffen zwischen Regisseur und Schauspieler fand in einem Sanatorium statt, wo sich Lorre wegen seiner Morphiumabhängigkeit aufhielt. Das gewaltige Filmpensum in den kommenden Jahren bewältigte Lorre mit weiterem Drogenkonsum. 1939 ersuchte Lorre um vorzeitige Vertragsauflösung, da er sein Talent bei Fox nicht richtig einsetzen konnte. Auch Norman Foster wollte Mr. Moto zum Ende bringen, denn die Zeiten begannen sich zu verändern: Das bisherige neugierige und positive Interesse der Amerikaner an Japan und deren Kultur wandelte sich aufgrund der militärischen Expansion Japans in der Mandschurei in Distanz und Misstrauen.
Damals war es in Hollywood üblich, Asiaten von Nicht-Asiaten verkörpern zu lassen: Charlie Chan wurde von Warner Oland (Schwede) und den Amerikanern Sidney Toler und Roland Winters verkörpert. Lorre's kleine Statur, seine Stimme und die Glubschaugen passten zur Figur des Japaners - mit einer Brille und etwas geschicktem Make-Up konnte die Verwandlung des Ungarn in einen Asiaten vollzogen werden.
Heutzutage dürften die Filme wohl kaum mehr gezeigt werden... bei all der Diskussion über politische Korrektheit und dem Einsatz dementsprechender ethnischer und sonstiger Gruppierungen. Erstaunlicherweise fanden und finden die Chan- und Moto-Filme auch heute noch in asiatischen Ländern großen und positiven Anklang und man sieht diesen Umstand nicht als Beleidigung oder Diskriminierung an, sondern als Zeitdokument. So sollten diese Filme auch heute gesehen werden... und es sollte Kleingeistern weltweit kein Versuch erlaubt sein, jetzt im Zuge von populären #-Bewegungen solche Zeitdokumente zu verfälschen, zu verbieten oder zu vernichten. Man kann mit dummen Protesten, millionenschweren Spenden und nichtigen Diskussionen die Fehler der Vergangenheit nicht korrigieren. Vielmehr sollten diese Zeugnisse damaliger Umgangsformen heute dazu verwendet werden, Ungerechtigkeiten von damals AKTIV zu ändern und im besten Sinne für alle umzusetzen!
Das Buch bietet neben ausführlichen Biographien des Autors Marquand, des Schauspielers Lorre und des Regisseurs Foster detaillierte Inhaltsangaben zu den einzelnen Filmen mit interessanten Hintergrundinformationen. Auch werden die Moto-Publikationen genau aufgelistet.
Eine herrliche Ergänzung zu den sehr unterhaltsamen Kinofilmen, die bei "Koch Media" in 2 "Special Edition"-Boxen in restaurierter Form erschienen sind und ein Hollywood und ein Amerika zeigen, das heute gern unter den Tisch gekehrt werden möchte. Die Art der Präsentationen und Darstellungen (auch von dunkelhäutigen Bürgern) in diesen Filmen zeigt einmal mehr, wie wenig sich in diesem Land bis heute wirklich positiv verändert hat...


