Howard W. French

 4,4 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf

Howard W. French, geboren 1957, hat sich als Auslandskorrespondent einen Namen gemacht und das Weltgeschehen für verschiedene Zeitungen kommentiert. 1986 ging er zur New York Times und berichtete von 1990 bis 2008 aus dem Ausland für The Times als Büroleiter für Mittelamerika und die Karibik, für West- und Zentralafrika, für Japan und die beiden koreanischen Staaten sowie für China mit Sitz in Shanghai. Seit 2008 ist er »Professor of Journalism« an der Columbia University.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Howard W. French

Wie wurde der Westen zur globalen Führungsmacht?

Dieses Buch kann einem die Schamröte ins Gesicht treiben. Der US-amerikanische Journalist Howard W. French hat sich die Mühe gemacht, der Rolle Afrikas seit dem Mittelalter bei der Entstehung der modernen Welt nachzugehen. Dabei hat er sich auf die Berichte vieler zeitgenössischer Autoren gestützt, die nicht Eingang in die traditionelle Darstellung von Europa im „Zeitalter der Entdeckungen“ gefunden haben. 

Afrika war, zu dem Zeitpunkt als es von iberischen Abenteurern „entdeckt“ wurde, keineswegs nur von, in Stämmen organisierten, Wilden bewohnt. Es existierten komplexe Staatliche Gebilde, die an Organisation, Handwerk, Kunstfertigkeit und Reichtum mit den Staaten in Europa vergleichbar waren und diese zum Teil sogar übertrafen. Das änderte sich erst mit dem Aufschwung des europäischen Sklavenhandels, an dem übrigens auch die katholische Kirche beteiligt war. 

Um den Handel mit Menschen zu rechtfertigen, wurde der Rassismus erfunden. French meint nicht den Rassismus, mit dem eine Ethnie von einer anderen Ethnie herabgewürdigt wird, sondern einen europäischen Rassismus, in dem eine ungeheure Anzahl an Menschen, nur aufgrund eines äußerlichen Merkmals, ihrer dunkler Haut, das Menschsein abgesprochen und zur Handelsware degradiert wird. Nicht eine Ethnie oder ein Volk wurde herabgewürdigt, sondern viele Ethnien und viele Völker, alle Bewohner des, ungeheuren großen, afrikanischen Kontinentes! 

Und dieser massenhafte Sklavenhandel war auch eine Voraussetzung für den globalen wirtschaftlichen Aufstieg des Westens, der auf den gigantischen Zuckerrohrplantagen, zuerst vor der Küste Afrikas[1] und dann auf dem amerikanischen Kontinent, basierte. Dort wurde auch die Arbeitsteilung erfunden, lange vor Henry Ford. 

Die durchschnittliche Überlebensdauer eines afrikanischen Sklaven betrug nur acht Jahre. Mit „vollwertigen Menschen“ hätte man das, in diesem Ausmaß, über viele Jahrzehnte, mit Billigung der Kirche, nicht machen können, das hätte dem „Europäischen Humanismus“ widersprochen, der ebenfalls zu dieser Zeit erfunden wurde. Mit dem Zucker aus den Sklavenplantagen entstand ein unfassbarer Reichtum. Die Ernährungssituation in Europa wurde so verbessert, dass der industrielle Aufstieg, mit Arbeitermassen, Großstädten und Fabriken, überhaupt erst möglich wurde.

Howard W. French ist Journalist, deshalb ist das Buch auch gut und spannend zu lesen und sehr zu empfehlen.


[1] Auf dem Afrikanischen Festland starben die Europäer massenhaft an Infektionen, so wie die Indigenen in Amerika an Europäischen Mikroorganismen.


Cover des Buches Afrika und die Entstehung der modernen Welt (ISBN: 9783608988192)
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Rezension zu "Afrika und die Entstehung der modernen Welt" von Howard W. French

Kathrin_Schroeder
Zu viel Sklaventhematik - zu wenig andere Aspekte

Afrika und die Entstehung der modernen Welt von Howard W. French gelesen dank Netgalley

Was war die Rolle Afrikas in der Entwicklung der modernen Welt. Zunächst beginnt die Recherche bei Macht und Gold in Afrika in der Zeit, wo Weiße selbst in Küstenregionen eher unbekannt waren. Die ersten Kontakte, die ersten Handelsbeziehungen, das erste Gold, die ersten Sklaven, Möglichkeiten Reichtum in neuen Weltgegenden zu erschaffen (Plantagen) oder zu erhandeln (bedruckte Tücher und Metallwaren gegen Gold und Sklaven).

Einerseits erfahre ich viel Neues, lerne Teile der afrikanischen Geschichte kennen und den gewaltigen Einfluss, den die Ausnutzung dieses Kontinents auf die Vormachtsstellungen einzelner europäische Länder hatte, doch andererseits fehlt mir auf langen Strecken die innerafrikanische Perspektive. Konflikte zwischen Ländern – als Machtkampf und als Mittel Gefangene = Sklaven zu gewinnen schön und gut, doch ich hätte mir mehr vom Geschehen innerhalb des Kontinents erhofft. Gab es in den langen Jahrhunderten so wenig, was gerade oder auf Umwegen für die Entwicklung mit verantwortlich war. Bleibt am Ende nur die unerschöpfliche Quelle für den Handel mit menschlicher Arbeitskraft? Die Globalgeschichte bleibt leider in Vielem auf langer Strecke wieder nur eine Geschichte durch die europäische oder amerikanische Brille.

Auch wenn diese Entwicklungen international als letzte Ursache den Sklavenhandel und damit Afrika haben, hat dieses Buch doch Anderes beschrieben, als der Titel mich erwarten ließ. 

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Cover des Buches Afrika und die Entstehung der modernen Welt (ISBN: 9783608986679)
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Rezension zu "Afrika und die Entstehung der modernen Welt" von Howard W. French

Bellis-Perennis
"Es nicht zu wissen war hart, es zu wissen war härter" (Toni Morrison "Menschenkind")

Wie im folgenden Klappentext beschrieben, eröffnet Autor Howard W. French seinen Lesern eine vermutlich bislang unbekannte Sicht auf Afrika und seine Bewohner: 

In dieser fesselnden Darstellung erkundet Howard W. French die zentrale, aber absichtlich vernachlässigte Rolle Afrikas und der Afrikaner bei der Entstehung von Wirtschaftssystemen und politischem Denken unserer modernen Welt. Souverän und aufrüttelnd zeigt der Autor, wie die tragische Beziehung zwischen Afrika und Europa, die im 15. Jahrhundert begann, unsere Moderne hervorbrachte. (Klappentext) 

Nach einer etwas längeren Einleitung erläutert French seine Aspekte in fünf Kapiteln:

  • Die Entdeckung Afrikas
  • Der Dreh- und Angelpunkt
  • Der Wettlauf der Afrikaner
  • Der Lohn des Pythongottes
  • Der schwarze Atlantik und eine neugestaltete Welt 

Nicht immer ist das Buch leicht zu lesen. Manches muss zwei Mal gelesen werden, was vielleicht auch an der Übersetzung liegen mag.  

Einige Abbildungen, Zitate sowie ein ausführliches Nachwort mit Anhang ergänzen dieses interessante Buch, das zum Verstehen diverser Konflikte auf und um den afrikanischen Kontinent beitragen kann. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

 

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