Dieses Buch kann einem die Schamröte ins Gesicht treiben. Der US-amerikanische Journalist Howard W. French hat sich die Mühe gemacht, der Rolle Afrikas seit dem Mittelalter bei der Entstehung der modernen Welt nachzugehen. Dabei hat er sich auf die Berichte vieler zeitgenössischer Autoren gestützt, die nicht Eingang in die traditionelle Darstellung von Europa im „Zeitalter der Entdeckungen“ gefunden haben.
Afrika war, zu dem Zeitpunkt als es von iberischen Abenteurern „entdeckt“ wurde, keineswegs nur von, in Stämmen organisierten, Wilden bewohnt. Es existierten komplexe Staatliche Gebilde, die an Organisation, Handwerk, Kunstfertigkeit und Reichtum mit den Staaten in Europa vergleichbar waren und diese zum Teil sogar übertrafen. Das änderte sich erst mit dem Aufschwung des europäischen Sklavenhandels, an dem übrigens auch die katholische Kirche beteiligt war.
Um den Handel mit Menschen zu rechtfertigen, wurde der Rassismus erfunden. French meint nicht den Rassismus, mit dem eine Ethnie von einer anderen Ethnie herabgewürdigt wird, sondern einen europäischen Rassismus, in dem eine ungeheure Anzahl an Menschen, nur aufgrund eines äußerlichen Merkmals, ihrer dunkler Haut, das Menschsein abgesprochen und zur Handelsware degradiert wird. Nicht eine Ethnie oder ein Volk wurde herabgewürdigt, sondern viele Ethnien und viele Völker, alle Bewohner des, ungeheuren großen, afrikanischen Kontinentes!
Und dieser massenhafte Sklavenhandel war auch eine Voraussetzung für den globalen wirtschaftlichen Aufstieg des Westens, der auf den gigantischen Zuckerrohrplantagen, zuerst vor der Küste Afrikas[1] und dann auf dem amerikanischen Kontinent, basierte. Dort wurde auch die Arbeitsteilung erfunden, lange vor Henry Ford.
Die durchschnittliche Überlebensdauer eines afrikanischen Sklaven betrug nur acht Jahre. Mit „vollwertigen Menschen“ hätte man das, in diesem Ausmaß, über viele Jahrzehnte, mit Billigung der Kirche, nicht machen können, das hätte dem „Europäischen Humanismus“ widersprochen, der ebenfalls zu dieser Zeit erfunden wurde. Mit dem Zucker aus den Sklavenplantagen entstand ein unfassbarer Reichtum. Die Ernährungssituation in Europa wurde so verbessert, dass der industrielle Aufstieg, mit Arbeitermassen, Großstädten und Fabriken, überhaupt erst möglich wurde.
Howard W. French ist Journalist, deshalb ist das Buch auch gut und spannend zu lesen und sehr zu empfehlen.
[1] Auf dem Afrikanischen Festland starben die Europäer massenhaft an Infektionen, so wie die Indigenen in Amerika an Europäischen Mikroorganismen.








