Hubert-Ralph Schmitt Liebet Eure Banker! Denn ihr werdet sie noch brauchen

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Inhaltsangabe zu „Liebet Eure Banker! Denn ihr werdet sie noch brauchen“ von Hubert-Ralph Schmitt

Dass in der Finanzwelt in der Vergangenheit etliches schiefgelaufen ist – und vielleicht auch noch schiefläuft –, das mag wohl niemand bestreiten. Auch Banker, zumindest die seriösen, sehen dies selbstkritisch.
Als solcher kennt Dr. Hubert-Ralph Schmitt, Privatbankier und Inhaber des Bankhauses Schilling, beide Seiten der Medaille. Einerseits die überzogene Erwartungshaltung vieler Anleger, ihre Selbstüberschätzung, dazu die in der Praxis immer verrückteren und in der Zukunft sicherlich bald unerfüllbaren Regularien des Gesetzgebers. Er kennt aber auch die Banker, die guten und die weniger guten.
In diesem Buch wird das Bankgeschäft aus dem Blickwinkel der anderen Seite des Counters beleuchtet. Der Autor wird mit seinen Thesen keineswegs nur Zustimmung ernten. Es geht nicht um Verständnis, sondern um Verstehen. Denn das Bankgeschäft der Zukunft wird notgedrungen ein anderes sein müssen. Darauf müssen sich alle Beteiligten und besonders
auch die Anleger einstellen.

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    Liebet Eure Banker! Denn ihr werdet sie noch brauchen

    R_Manthey

    Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, was in diesem Büchlein wirklich steht, hätte ich es wohl nicht gelesen. Aber der - sagen wir es freundlich - merkwürdige Titel und der scheinbar mutige Versuch eines Bankers, Thesen zur Lage der Finanzwirtschaft zu veröffentlichen, weckten dann doch ein gewisses Interesse. Auf Banken wird gegenwärtig wohl nicht ganz zu Unrecht eingedroschen. Milliarden von noch nicht einmal erarbeiteten Steuergeldern müssen aufgebracht werden, um sie zu "retten", obwohl sie eigentlich nach den Regeln der Marktwirtschaft aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Doch darum geht es in diesem Buch gar nicht. Leider dauert es eine Weile, bis man das mitbekommt. Eine klare und nachvollziehbare Gedankenentwicklung zeichnet diesen Text nicht besonders aus. Vielmehr stellt er ein diffuses Konglomerat der Selbstverteidigung gegen den öffentlichen Vorwurf miserabler Kundenberatung dar. Mitten in seinen Ausführungen vergleicht der Autor Bankgeschäfte mit dem Kauf von Schuhen. Die Verkäufer in Schuhgeschäften nennen sich allerdings höchst selten Schuhberater. Was sie uns verkaufen wollen, kann man sehen und anfassen und bedarf keiner weiteren Erklärungen. Die Verhältnisse sind klar und eindeutig. Ganz anders sieht die Lage aus, wenn wir Geld anlegen wollen. Zu Recht betont der Autor, dass auch die Kundschaft vom Virus der Gier gepackt zu sein scheint, der den gesunden Menschenverstand bereits erledigt hat. Man erwartet Rendite und blendet nicht selten Risiken einfach aus. Vor allem aber kauft man gelegentlich Produkte, die man nicht wirklich versteht. Der Kunde, so klagt der Autor, entwickle inzwischen eine Vollkaskomentalität, die es bei Geldgeschäften nicht geben könne. Er scheue die Verantwortung für sein Handeln und neige dazu, im Verlustfall die Bank zu verklagen. So weit, so gut. Diese Klage ist wohl berechtigt. Nun zeigen aber Untersuchungen, dass die angebliche Beratung alles andere als eine solche ist und sehr oft darauf hinausläuft, dem Kunden Dinge aufzudrücken, die er gar nicht wollte. Statt darüber einmal tiefer nachzudenken, jammert der Autor über die Rechtssprechung, den Gesetzgeber und die Kundschaft. Von Demut kaum eine Spur. Stattdessen offenbart sich in diesem Text in geradezu entlarvender Weise die Arroganz großer Teile des Bankenmanagements. Schon der Titel dieses Textes klingt höhnisch. Denn nicht der Kunde sollte seine Banker lieben, sondern die Banker ihre Kunden. Für größere Banken sind gewöhnliche Kunden aber eher lästig. Sie machen Arbeit und sorgen keineswegs für wirkliche Rendite. Die entsteht eher, wenn man mit großen Kunden und am liebsten untereinander handelt. Früher war sowieso alles besser: "Der Bankkunde früherer Zeiten verfügte nicht nur über Kapital, sondern in der Regel auch über Bildung." (S. 17). Wenn einer 80-jährigen Witwe ein Bausparvertrag angedient wird, der erst im Alter von 103 zuteilungsfähig wird, dann nennt der Autor das "kurios", nicht etwas kriminell. Und er schiebt es auf die Überforderung der Banken. An dieser Stelle hätte ich das Büchlein eigentlich weglegen sollen. Denn kurios ist lediglich die Argumentation des Autors. Die Schuldfrage an der "Systemkrise" schließlich, liest man später, sei im Kern überflüssig (S. 27). Irgendwie seien alle und damit niemand schuld. Der Autor sollte vielleicht einfach einmal einen Image-Berater konsultieren. Oder noch besser: Er sollte sein Verhältnis zu seinen Kunden überprüfen und es von der Arroganz befreien, von der es offensichtlich befallen ist. Wer einen offenen Immobilienfond ein "Oma-Produkt" nennt, der drückt bewusst oder eher unbewusst seine Geringschätzung gegenüber Kunden aus. Von solchen ungewollten Entgleisungen wimmelt es in diesem Text nur so. Natürlich benötigt eine moderne Wirtschaft ein funktionierendes Bankensystem. Doch es braucht keines, das selbstsüchtig agiert und Verluste auf Kunden und Steuerzahler abwälzt, schlecht berät und die Realwirtschaft schädigt. Wenn man dieses Buch liest, dann kann man neben einigen unbestreitbaren Wahrheiten auch erkennen, dass sich das Finanzgewerbe nicht nur leicht von der Realität abgekoppelt hat. Wenn die Bank immer gewinnt, sollte das allerdings nicht verwundern. Aber es kommt noch besser: "Die Banken ... sind Verwalter der Gegenwart und Zukunft jedes Einzelnen." Das steht auf Seite 16 und zeugt offenbar von einer Art Glauben an eine nahezu göttliche Berufung. Dazu fällt mir dann nichts mehr ein.

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