Hubert Nowak

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf

Hubert Nowak, geb. 1954, war Radio- und Fernsehjournalist im ORF, Moderator der Nachrichtensendung „Zeit im Bild“, Landesdirektor des ORF Landesstudios Salzburg, Leiter von ORF-3sat. Seit 2014 freischaffender Journalist, Medienberater und Schriftsteller. Er schuf Drehbücher, TV-Dokumentationen, mehrere Bücher über Salzburg, Wien und die Geschichte Österreichs.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hubert Nowak

Cover des Buches Ein österreichisches Jahrhundert (ISBN: 9783222150104)

Ein österreichisches Jahrhundert

(1)
Erschienen am 18.09.2017
Cover des Buches Eleonora (ISBN: 9783992004034)

Eleonora

(1)
Erschienen am 03.11.2025

Neue Rezensionen zu Hubert Nowak

Cover des Buches Eleonora (ISBN: 9783992004034)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Eleonora" von Hubert Nowak

Bellis-Perennis
Armes, reiches Mädchen - Das Leben der Eleonora von Mendelsohn

Hubert Nowak, langjähriger Journalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sich mit seinem Debüt-Roman einer Frau gewidmet, die heute nahezu vergessen ist. Eleonora von Mendelsohn (1900-1951). Sie wächst als Tochter der berühmten jüdischen Berliner Bankiers- und Gelehrtenfamilie in einer kulturell bedeutsamen Umgebung auf. Der Komponist Felix Mendelsohn-Bartholdy ist ihr Cousin. Eleonora träumt schon bald von einer Karriere als Schauspielerin, die zunächst einmal in Erfüllung geht. In den 1920er-Jahren feiert sie einige große Erfolge, lernt Max Reinhardt kennen und lieben. Der exzentrische Regisseur wird ihre große Liebe sein, die über ein Verhältnis, wie Reinhardt es mit vielen (vermögenden) Frauen unterhält, aber nicht hinauskommt. Für Reinhardts kostspielige Theaterträume wird sie in der Bank ihrer Familie intervenieren und zahlreiche Bilder aus der Familienvilla veräußern. 

Die Machtübernahme der Nazis katapultiert sie und ihren Bruder Francesco aus ihren glamourösen Leben. Francesco ist als homosexueller Jude gleich doppelt gefährdet. Man lässt Deutschland ab 1935 hinter sich, nicht ohne in mehreren gewagten Aktionen, zahlreiche Gemälde heimlich in die Schweiz zu bringen.  

Es gelingt Eleonora, wie so vielen Emigranten nicht, in den USA beruflich Fuß zu fassen. Auch ihr Privatleben ist ein ziemliches Desaster. Vier Ehen, endlose Zahl von Liebhabern sowie ihre Drogensucht lassen Eleonora am Rande des Abgrunds balancieren, bevor sie im Jänner 1951 endgültig abstürzt. 

Ihr Leben endet am 24. Jänner 1951 unter mysteriösen Umständen: Man findet sie in ihrem Quartier in New York auf dem Sofa liegend. Ein mit Äther getränktes Tuch über dem Gesicht, eine halbvolle Flasche des Betäubungsmittels, ein leeres Röhrchen Schlaftabletten sowie leere Ampullen von Morphium und die dazu gehörige Spitze. Obwohl keine Anzeichen für Fremdverschulden gefunden werden können und ihr Tod als Suizid eingestuft worden ist, gibt es nach wie vor, wie bei Marilyn Monroe, unbestätigte Gerüchte, dass hier nachgeholfen worden sein könnte.  

„Aus Verzweiflung. Wahrscheinlich. Um Ruhe zu finden. Um zu vergessen. Das Unglücklichsein, das Nichtgeliebtwerden von denen, die sie lieben wollte. Um die trügerischen Erfolge zu verdrängen und die Niederlagen, den unverlässlichen Jubel von Fans, die oberflächlichen Bewunderer ihrer Schönheit, und all die, die nie begriffen haben, was in ihr wirklich vorging.“ 

Meine Meinung: 

Obwohl Hubert Nowak penibel recherchiert, dass er durchaus eine Biografie schreiben hätte können, nennt er sein Werk einen Roman. Das gibt ihm die künstlerische Freiheit die reale Eleonora mit fiktiven Charakteren zusammenzubringen. 

So beschreibt er eine junge Frau, der (fast) alle Möglichkeiten in die Wiege gelegt worden sind, die aber wenig Liebe erfahren konnte. Der frühe Tod des Vaters, die eigenwillige Mutter, der man als Italienerin eine enge Beziehung zu Mussolini und seiner Politik nachsagt, sowie die unerwiderte Liebe zu Max Reinhardt, der nicht nur verheiratet und Kinder, sondern mit Helene Thimig eine besonders eifersüchtige Geliebte, die Eleonoras Feindin bis zu Tod bleiben wird. Als sie von Reinhardt schwanger wird, lässt Eleonora abtreiben, die verpfuscht wird. Weitere Schwangerschaften sind unmöglich. 

Der Lebenslauf von Eleonora von Mendelsohn, könnte durchaus als Vorlage für einen Film dienen. Dramatik ist genug vorhanden. 

Der Schreibstil ist durchaus gelungen. Max Reinhardt kommt hier nicht sehr gut weg. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er ein Egozentriker gewesen ist, der glaubte, der Nabel der (Theater)Welt gewesen zu sein. Eine um 27 Jahre jüngere, vom Theater faszinierte und reiche Erbin kommt ihm, der ständig in Geldnöten schwebte, sicher gerade recht. Ihr Liebe vorspielen? Nichts leichter als das. Ich bin fast versucht zu sagen: armes, reiches Mädchen. 

Fazit:

Diese romanhafte Biografie habe ich gerne gelesen und gebe ihr 5 Sterne.

 

Cover des Buches Ein österreichisches Jahrhundert (ISBN: 9783222150104)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Ein österreichisches Jahrhundert" von Hubert Nowak

Bellis-Perennis
"Der Rest ist Österreich" - die ersten 100 Jahre

Wenn sich am 12. November 2018 zum hundertsten Mal die Ausrufung der Republik jährt, so können wir Österreicher auf eine bewegte Geschichte unseres Landes zurückblicken.

 

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie auf knapp ein Siebentel seiner ursprünglichen Größe und Bevölkerung zusammengestutzt, glaubte niemand an das Überleben des kleinen, deutschsprachigen Rumpfstaates – am wenigsten die Angehörigen des Staates und deren Politiker.

Zwischen Abspaltungstendenzen und Anschlussgedanken vor allem

der westlichen Bundesländer (Vorarlberg an die Schweiz, Salzburg und Oberösterreich an Bayern) beweist die Regierung trotz aller Querelen Tatkraft und eisernen Überlebenswillen. Abgeschnitten von der Industrie und den Lebensmittelproduzenten ist der Weg ein langer und dorniger.

 

Der Anschluss an Deutschland gelingt dann im Jahr 1938, aber anders als sich das die Menschen 1918 gewünscht haben und endet in der Katastrophe.

Erst mit der Wiedergeburt der Zweiten Republik 1945 scheinen die Österreicherinnen und Österreicher endlich den Wert des Landes zu schätzen. Nicht, dass es nach wie vor das eine oder andere zu verbessern gäbe. Doch ist unser Land im Ausland weitaus angesehener als bei manchen Staatsbürgern.

 

Hubert Nowak nimmt die Leser mit auf einen Streifzug durch die Geschichte. Er zeigt Bekanntes und weniger Bekanntes, führt interessante Interviews z. B. mit Karl Habsburg, dem Enkel des letzten Kaiser, Franz Fiedler, dem ehemaligen Vorsitzenden des Österreich-Konventes oder Christoph Kardinal Schönborn.

 

In 18 Kapiteln werden maßgebliche Personen und Ereignisse geschildert, die am Werden von Österreich großen Anteil hatten. Mit vielen Zitaten und Auszügen aus Briefen und Dokumenten, die mit zahlreichen Fotos anschaulich unterstützt sind, bringt uns Hubert Nowak einiges aus Österreichs Geschichte seit 1918 näher, das bislang vielleicht nicht so bekannt ist.

 

Nach jedem Kapitel finden sich Anmerkungen, sodass ein direkter Zusammenhang und eine unmittelbare Möglichkeit zu weiteren Informationen zu kommen, besteht.

 

Mit dem einen oder anderen tradierten „G’schichterl“ wird ebenfalls aufgeräumt. Besonders interessant finde ich das Kapitel um die Verfassung. Im allgemeinen Sprachgebrauch gilt Hans Kelsen als Vater der Österreichischen Verfassung, doch ist diese nicht sein alleiniger Verdienst. Immerhin gilt sie bis heute.

 

Ein ausführliches Kapitel widmet sich dem „Föderalismus“, der immer wieder ins Gerede kommt. Hier zeigt sich deutlich, wie sich die „normative Kraft des Faktischen“ auswirkt. Die Macht, die einzelne Landesfürsten (und Fürstinnen) zu haben glauben, steht so, wie sie von den Landespolitikern verstanden wird, in keinem Gesetz geschrieben.

 

Ob der Föderalismus Segen oder Fluch ist, lässt sich auch hier nicht eindeutig beantworten. Allerdings wäre eine Harmonisierung einiger Landesgesetze durchaus nötig, wünschenswert und angebracht. Denn, warum sind in den neun Jugendschutzgesetzen die Jugendlichen unterschiedlich behandelt? Sind Halbwüchsige in Wien wenige oder mehr schützenswert?

Oder wozu braucht es neun Landesfeuerwehrgesetze? Ist Brandverhütung und Brandbekämpfung nicht in jedem Bundesland oberstes Ziel?

 

Nach ausführlichen Rückblicken und einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation darf auch der Ausblick in die Zukunft nicht fehlen.

 

Österreich ist weder eine „Insel der Seligen“ noch ein Sozialparadies, sondern ein Land, auf das seine Staatsbürger stolz sein dürfen.

 

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