Hubert Winkels Klagenfurter Texte. Die Besten 2015

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Inhaltsangabe zu „Klagenfurter Texte. Die Besten 2015“ von Hubert Winkels

Wenn der begehrte Bachmann-Preis verliehen wird, zieht es die vielversprechendsten jungen Autorinnen und Autoren nach Klagenfurt. Uwe Tellkamp, Lutz Seiler, Terézia Mora, Annette Pehnt, Katja Petrowskaja - sie alle haben schon auf den Tagen der deutschsprachigen Literatur ihre noch unveröffentlichten Texte vorgestellt und Ausblicke auf neue Romane gewährt. »Klagenfurter Texte. Die Besten 2015« versammelt auch in diesem Jahr die spannendsten Stimmen unserer Zeit in einem ganz besonderen Lesebuch.

Für anspruchsvolle Leser, die an wirklicher Literatur interessiert sind.

— JulesBarrois
JulesBarrois

Guter Rückblick auf Klagenfurt: Bachmannpreis 2015

— MarinaB
MarinaB
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    Klagenfurter Texte. Die Besten 2015
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    15. October 2015 um 17:15

    Klagenfurter Texte. Die Besten 2015: Die 39. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt - Hubert Winkels (Herausgeber) – 208 Seiten, Verlag: Piper (5. Oktober 2015), 14,99 €, Was soll Literatur? Valerie Frisch meinte in einem Interview „die Welt übersetzen, mit Buchstaben codieren und bewohnbarer machen.“ Literatur scheint mit die Gesamtheit aller Sprachkunstwerke zu sein, die besonderen ästhetischen Kriterien genügen. Und davon gibt es eine Menge in den »Klagenfurter Texten. Die Besten 2015«. Lesen Sie die spannendsten Stimmen unserer Zeit in diesem ganz besonderen Lesebuch. Die Texte Nora Gomringer – Recherche (Ingeborg-Bachmann-Preis) "Recherche" handelt vom Tod eines 13-jährigen Jungen. Als Protagonistin wählt sie "Nora Bossong, die Lyrikerin und Romanautorin. An ihr arbeitet sie ihre Idee ab, eine Schriftstellerin, auf der Suche nach einem neuen Text zu zeigen, den sie ausarbeiten möchte." Der tragische Fall eines Jugendlichen, der aus dem 5. Stock stürzte, ist der Protagonisten aufgefallen. Sie beginnt zu recherchieren. Was sie dort erfährt, bildet sich in Stimmen und Stimmungen in ihr ab und das nimmt sie dann in eine Textproduktion hinein, die sich letztendlich auch gegen sie wendet. Im Text klingt die Frage mit an, ob sich eine Autorin überhaupt derart an der Realität bedienen darf. Nora Gomringer verfasst einen raffiniert abgründigen Text Valerie Fritsch – Das Bein (Kelag- und Publikums-Preis) Sprach- und bildmächtig - Ihr Text über den Phantomschmerz einer Beinamputation ist in einem sehr poetischen Stil gehalten. Sehr überzeugend dieses Kammerspiel mit heimkehrendem Sohn und beinamputiertem Vater, das immer tiefer in die Innen- und Gefühlswelt der beiden Figuren führte. Der Text nimmt die Jahreszeiten als Vehikel, um diese Geschichte zu erzählen. Der Sohn verbringt den Sommer und den Herbst bei seinem Vater. Im Winter stirbt der Vater. Ein Text des Memento mori. Sprachlich ambitioniert, hautnah und mit einer gleichwohl unaufdringlich diskreten Beschreibungsgenauigkeit, insgesamt ein emphatischen und gleichwohl ganz in sich gekehrter Text. Eine hochkonzentrierte, gut gebaute Erzählung Dana Grigorcea – Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit (3sat-Preis) Auszug aus einem kommenden Roman. Hier kommt alles zusammen, was gute Literatur ausmacht: Witz, Komik, Tragödie, Poesie, Melancholie, Trauer, Elend, Liebe. Ein hinreißendes Rumänien-Porträt, episch mit melancholischem Humor. Hier überzeugte mich vor allem die lustvoll überschäumende Erzählkunst, Wunderbar bewegende, ebenso komische wie traurige, bisweilen absurde Episoden. Anna Baar – Die Farbe des Granatapfels Ein Text über die Beziehung, eines sich in der Adoleszenz befindlichen Mädchens, zu Ihrer Großmutter. Eine große Geschichte von Liebe und Versöhnung, Krieg und Frieden, Ausgrenzung, Vereinnahmung und Entfremdung im Heranwachsen zwischen den Kulturen. Geschrieben in einer unerbittlichen und metaphernreichen Sprache. Das ist Zukunftsliteratur Jürg Halter – Erwachen im 21. Jahrhundert Ein Mitteleuropäer ist nach einem Albtraum zurück im 21. Jahrhundert. In diesem Text verarbeitet nun dieser Mensch diesen Albtraum, mithilfe der Angst. Er beschreibt die Handlungen und Gedanken eines Menschen zwischen 5 Uhr 20 und 7 Uhr 55. Sehr tiefgründig und clever, metaphysisch, aber gut zugänglich. Ein zivilisationskritischer Monolog eines gerade aus einem Albtraum erwachten Schriftstellers. Teresa Präauer – Oh, Schimmi! Ein Mann macht sich wortwörtlich zum Affen. Ein perfekter Text – originell, verspielt, witzig und ganz schön ausgebufft. Er spielt auf vielen sprachlichen Ebenen, hat Rhythmus. Hier wird mit allen sprachlichen Mitteln gearbeitet. Ein Text mit enormer Komik, Musikalität und bitterbösem Hyperrealismus, in dem sie die Evolutionsgeschichte rückwärts buchstabiert und den gewalttätigen Mann in einen Affen zurückverwandelt. Für mich der beste und auch witzigste Text. Ronja von Rönne – Welt am Sonntag Ein junger Mensch wacht auf, und fühlt sich nicht gut. Der Mensch befindet sich in Karlsruhe, in einem Hotel. Im Laufe des Tages regt sich dieser Mensch über Kleinigkeiten auf. Nur um am Ende des Tages zu festzustellen, dass eigentlich doch alles ganz gut ist. Die Welt kann vieles sein an einem Sonntag. Es ist ein Text voller Posen, manche davon sind nervig kokett. Er ist auf Provokation hin kalkuliert, und diese Seite macht ihn schwach, weil er zu sehr auf Effekt getrimmt ist, zu journalistisch, zu generationsverhaftet. Monique Schwitter – Esche Liebe in allen Variationen, eine doppelte Spiegelung von Schein und Sein. Wie in einer Art barocken Reigen und mit fabelhaftem Humor spielt Schwitter durch, wie sich über die Generationen hinweg die verschiedenen Paarkonstellationen zusammenfügen, trennen, neu zusammenfügen, mit der unausgesprochenen Hoffnung, dass es womöglich irgendwann etwas wie diese endgültige Harmonie – unter der Esche dann – geben könnte. Die Urteile Die Tage der deutschsprachigen Literatur, wie das Bachmannpreis-Lesen offiziell heißt, sind jedes Jahr auch die Tage der deutschsprachigen Literaturkritik. Und die ist hier gut in Form. Die siebenköpfige Jury dreht und wendet die Texte, analysiert Erzählstrukturen und Erzählperspektiven, durchleuchtet Inhalte und deren Bedeutungsebenen. Nach jedem Text folgen einige Seiten aus der Jury-Diskussion. Sehr aufschlussreich. Außerordentlich beflügelnd, die eigenen Eindrücke vom Text und die eigenen Schlussfolgerungen mit denen der Jury zu vergleichen. Für anspruchsvolle Leser, die an wirklicher Literatur interessiert sind. Sehr empfehlenswert. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages http://www.piper.de/buecher/klagenfurter-texte-die-besten-2015-isbn-978-3-492-05715-8 Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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  • Rückblick Bachmannpreis 2015

    Klagenfurter Texte. Die Besten 2015
    MarinaB

    MarinaB

    14. October 2015 um 15:24

    Jedes Jahr im Herbst erscheint im Piper Verlag ein Rückblick auf den Wettbewerb zum Bachmannpreis in Klagenfurt. Dieses Jahr habe ich die meisten Lesungen und Diskussionen dank 3sat live verfolgt und war ziemlich angetan von den vielen hochkarätigen Texten. Allerdings nicht von allen… Tatsächlich gaben die teilnehmenden Männer ein schwaches Bild ab. Die Frauen waren letztendlich dann auch die Gewinnerinnen! Nora Gomringer, die als Lyrikerin bekannt ist, gewann mit ihrem Text “Recherche”.  Nicht unumstritten, denn es gab auch Einwände, dass ihr Text zu stark auf den Bachmannpreis hingeschrieben wäre und ohne diesen Hintergrund gar nicht funktionieren würde. Ehrlich gesagt stimme ich dem zu und finde durchaus, dass es sprachlich stärkere Texte gab. Dennoch beeindruckte und überzeugte Gomringer die Jury, wohl auch vor allem wegen ihrer perfekt inszenierten Performance. Dana Grigorcea erhielt den 3sat-Preis für einen Auszug aus ihrem Roman “Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit”.  Eine Besprechung zum Buch steht hier auf meinem Blog. Valerie Fritsch gewann den Kelag-Preis und den Publikumspreis mit ihrer großartigen, sprachlich überzeugenden Geschichte “Das Bein”. Besprochen habe ich auf meinem Blog ihren Roman “Winters Garten”. Ohne Preis aber auch in diesem Buch zu finden sind: Anna Baar, meine große Favoritin mit einem Auszug aus dem Roman “Die Farbe des Granatapfels”, die auch von der Jury hochgelobt wurde. Monique Schwitter, ebenfalls mit großer Anerkennung der Jury, mit einem Kapitel ihres Romans “Eins im Andern”. Beide Romane habe ich auf meinem Blog besprochen. Sehr schade empfinde ich es, dass Teresa Präauers witzig skurrile Geschichte “Oh, Schimmi”, wunderbar vorgetragen, so unglücklich “durchgerutscht” ist bei den Abstimmungen der Jury. Jürg Halter (mir auch eher als Lyriker bekannt), der “Quotenmann” sozusagen, hat bei mir mit seinem Text “Erwachen im 21. Jahrhundert” keine sonderliche Begeisterung hervorgerufen. Und Ronja von Rönnes Geschichte ist, wie ich finde kein ausgereifter Text für einen Bachmannwettbewerb. Mit einem informativen Vorwort von Hubert Winkels, der auch Jury-Vorsitzender war und der Eröffnungsrede von Ehemals-Preisträger Peter Wawerzinek, einigen Presseberichten zur Veranstaltung und Kurzbiografien der Autoren bietet es einen übersichtlichen Rückblick auf das Wettlesen am Wörthersee – “Germanistenporno” nannte es Nora Gomringer später in einem Interview. Wie auch immer man dazu steht, ich finde jede Veranstaltung, die dazu beiträgt, Literatur und Autoren bekannter zu machen und den Lesern näher zu bringen, wichtig. Bis zum nächsten Jahr in Klagenfurt… in Erinnerung an Ingeborg Bachmann! Teilen mit:

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