Hugh Raffles

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Insektopädie.

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Hugh RafflesInsektopädie
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Insektopädie
Insektopädie
 (3)
Erschienen am 01.10.2013

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Rezension zu "Insektopädie" von Hugh Raffles

Sssagenhaft!
ChiefCvor 5 Jahren

Sssssagenhaft, diese Insektopädie, dieses Lexikon der außergewöhnlichen Art über die Welt der summenden, brummenden und krabbelnden Spezies der Kerbtiere, der artenreichsten Tierklasse, die unseren Planeten vor uns, mit uns und vielleicht noch lange nach uns in millionenfacher Ausprägung besiedeln wird. Als Schulkind treuer Abonnent des „Kleinen Tierfreunds“, war die Enttäuschung erst groß, als das monatlich erscheinende Heft eine der sehnsüchtig erwarteten Ausgaben, anstatt Großkatzen oder Pferden, Bienen, Ameisen und Käfern widmete. Es war wider Erwarten der Beginn einer wunderreichen und lebenslangen Faszination. Die „Insektopädie“ bestätigt sie auf wunderbare Weise – allein schon die traumhafte Ausstattung zieht den Bibliophilen an wie Motten das Licht.

Der kostbare Leinenumschlag mit eingeprägten Insekten changiert schillernd zwischen Blau und Grün, in etwa wie ein irisierender Libellenflügel – traumhaft. Das Buch ist erschienen in der neuen Reihe „Naturkunden“ des Berliner Verlags Matthes & Seitz – herausgegeben von Judith Schalansky. Dieser Name bürgt für zweifache Qualität, denn Schalanksy hat sich sowohl als Buchgestalterin wie auch als Schriftstellerin („Der Hals der Giraffe“, das Hardcover liegt ebenfalls in bibliophiler Ausstattung vor) einen Namen gemacht.

Der Inhalt der „Insektopödie“ ist ebenso ungewöhnlich, weit entfernt von einem konventionellen Lexikon trotz der Kapitelanordnung von A bis Z. Der in New York lebende und lehrende Anthropologe (!) Hugh Raffles bietet in der Tat einen „fesselnden Streifzug durch Wissenschaft und Philosophie, Anthropologie und Zoologie“, wie der Buchrückentext verspricht. Denn er schreibt bei weitem nicht nur über die Kerbtiere selbst, sondern darüber, was sie mit dem Menschen verbindet und was die Menschen mit ihnen verknüpfen – bis hin zur verächtlichen Diffamierung von Volksgruppen als Ungeziefer, wie das Kapitel „Juden“ auf beklemmende Weise illustriert. Das dem Buchstaben „K“ gewidmete Kapitel heißt Kafka, aus naheliegendem Grund. Doch in dem Kapitel geht es keinesfalls nur um den weltberühmten Literaten aus Prag, sondern etwa auch um Maria Sibylla Merian, die als Frau (!) im frühen 18. Jahrhundert eine bemerkenswerte Karriere absolvierte als Weltreisende und Illustratorin, unter anderem von Schmetterlingen und Motten.

Das Buch ist sicher nicht immer eine leichte aber immer eine spannende Lektüre. Die Arbeit des Übersetzers Thomas Schestag wurde vom Deutschen Übersetzerfonds gefördert, zu Recht. Und selbst Menschen, die in der Lage wären, Raffles Buch problemlos auf Englisch zu lesen, sei die deutsche Ausgabe wärmstens empfohlen: Sie ist nämlich unvergleichlich prächtiger als die 2010 erschienene Originalversion.

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