Hugo Boris

 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf von Hugo Boris

Außergewöhnlich und preisgekrönt: Hugo Boris ist 1979 in Paris geboren und lebt auch heute noch in der französischen Hauptstadt. Bereits 2003 gewann er mit seiner Kurzgeschichte „N’oublie pas de montrer ma tête au peuple“ erste Preise. Auch sein erster Roman, „Le Baiser dans la nuque“ („Der Kuss im Nacken“), der 2005 erschien, wurde mit verschiedenen Preisen geehrt – und bildet damit nur den ersten von vielen erfolgreichen Romanen Boris‘. Das erste seiner Bücher, das ins Deutsche übersetzt wurde, ist „Die Polizisten“ von 2018. Der Roman trifft genau den Nerv der Zeit des heutigen Europas, ist brandaktuell und gesellschaftlich relevant. Er erzählt von den drei Polizisten Virginie, Aristide und Érik, die damit beauftragt werden, einen Flüchtling, dem kein Asyl gewährt wurde, zum Flughafen zu bringen. Jedoch begreifen sie, dass der Mann bei seiner Heimkehr sterben wird, was einen tiefen moralischen Konflikt bei den dreien auslöst. Für seine Recherche zu dem Buch begleitete Hugo Boris über mehrere Monate hinweg Polizisten bei ihrer Arbeit und bekam dabei auch viele psychologisch schwierige Situationen aus nächster Nähe mit.

Alle Bücher von Hugo Boris

Die Polizisten

Die Polizisten

 (7)
Erschienen am 10.08.2018
Je n'ai pas dansé depuis longtemps

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 (0)
Erschienen am 22.07.2011

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Rezension zu "Die Polizisten" von Hugo Boris

Aktuell und nachdenklich machend
Curinvor 2 Monaten

In Frankreich soll die junge Polizistin Virginie gemeinsam mit zwei Kollegen einen Flüchtling, der abgeschoben werden soll, zum Flughafen bringen. Auf der Fahrt wird verbotenerweise der Umschlag mit den Unterlagen des abgelehnten Asylbewerbers geöffnet, worauf klar wird, dass dem Mann in seiner Heimat Folter und der Tod drohen. Bei allen Beamten meldet sich nun das Gewissen, doch können sie etwas tun und die Abschiebung verhindern?
Hugo Boris hat sich hier eigentlich zwei sehr aktuellen Themen angenommen und zeigt einerseits wie schwierig und zermürbend die Polizeiarbeit für die Beamten heute ist und vor welche Herausforderung es uns stellt, wem Asyl gewährt werden soll.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Polizistin Virginie, die gerade selbst mit sich und ihrem Leben völlig überfordert ist. Ihren Ehemann hat sie betrogen und ist dabei schwanger geworden. Sie ist es auch, die den verhängnisvollen Umschlag öffnet und dabei sich und ihre Kollegen mit dem Leid des Flüchtlings konfrontiert. Ich persönlich konnte während des Lesens Virginies Verhalten zwar nicht immer ganz nachvollziehen, aber ich fand es gut, dass sie nicht einfach nur stur ihren Auftrag ausführt, sondern auch reflektiert und abwägt.
Das Buch ist mit seinen nicht mal 200 Seiten sehr kurz, aber dennoch kann man es nicht innerhalb kurzer Zeit durchlesen. Man muss einfach immer wieder inne halten und wird tief bewegt von dem, was man da liest.
Der Schreibstil von Hugo Boris ist anspruchsvoll und er versteht es, den Leser in die Gedanken seiner Figuren eintauchen zu lassen. Was mir gefehlt hat, ist die Perspektive des Asylbewerbers, der gar nicht zu Wort kommt und von dessen Innenleben man so gut wie gar nichts erfährt.
Insgesamt ist ,,Die Polizisten" ein besonderer Roman, der den Nerv unserer Zeit trifft und mich persönlich sehr nachdenklich gemacht hat. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

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Rezension zu "Die Polizisten" von Hugo Boris

Eine Gewissensfrage
Ilaryvor 3 Monaten

Schauplatz – Frankreich, Paris

Die Polizistin Virginie und ihre beiden Kollegen Aristide und Hervé erhalten den Einsatzauftrag, einen Personentransport zum Flughafen zu begleiten. Asomidin Tolirov soll via Istanbul in seine Heimat Tadschikistan abgeschoben werden. Aus Unterlagen geht hervor, daß er im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland umgebracht wird. Das stürzt Virginie und ihre Kollegen in einen Gewissenskonflikt.

 

Der Autor hat ferner einen Strang um das Privatleben der Polizistin Virginie eingewoben. Sie ist durch eine außereheliche Affäre mit einem Kollegen schwanger geworden. Der Kollege möchte das Kind behalten, Virginie möchte abtreiben. Aber da ist auch noch der nichts ahnende Ehemann.

 

 

Dieses Büchlein umfasst nur knapp 200 Seiten. Wie der Autor zur Idee für dieses Buch kam, indem er eine Rückführung in den Mittelpunkt stellt, erläutert er in der Danksagung, ebenso kann man über seine intensive Recherchearbeit nachlesen. Das Thema ist derzeit sehr aktuell und könnte durchaus realistisch sein.

 

Hugo Boris hat die Geschichte in einer schnörkellosen Sprache spannend  geschrieben. Er beleuchtet das Thema Abschiebung aus einer anderen Perspektive als wir es zur Zeit aus den Medien kennen. Denn wir wissen nicht, was und wie denkt bzw. fühlt der ausführende Beamte, der einen solchen Auftrag erhält? Wie ist es, wenn ein Beamter eine Order erhält und er die Durchführung vor seinem Gewissen nicht verantworten kann? Wird er sie trotzdem ausführen oder wie löst er die Situation?

 

Es gibt nur eine Handvoll Figuren, die mehr oder weniger oberflächlich beleuchtet werden und für mich distanziert wirkten. Nahe gekommen bzw. sympathisch wurde mir keine Person, was aber in diesem Fall keine Rolle spielte. Auch ihre Vorgehensweise und ihre Handlungen erschienen mir unrealistisch, spontan und konstruiert.

 

Der Autor lässt viele Fragen offen und aus diesem Grunde eignet sich das Buch sehr gut für eine ausgiebige Diskussion und jeder einzelne Leser kann sich seine eigenen Gedanken darüber machen, wie er handeln würde. Derzeit ist eine Verfilmung in Vorbereitung.

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Kathrin_Schroeders avatar

Rezension zu "Die Polizisten" von Hugo Boris

Großes kleines Buch
Kathrin_Schroedervor 3 Monaten

Hugo Boris Die Polizisten
Erscheinungsdatum 10.8.18 gelesen dank netgalley als ebook (kindle) im August 2018
Genre: Zeitgeschichte, Belletristik
Der Inhalt dieses ziemlich kurzen Buches ist schnell erzählt.
Eine Polizistin, schwanger von ihrem Geliebten/Kollegen steht am Vorabend der Abtreibung. Um sich abzulenken meldet sie sich freiwillig für einen Auftrag, ohne vorher gehört zu haben, worum es geht. Ein Flüchtling soll zur Abschiebung gebracht werden. Sie liest die Papiere und zweifelt an der Rechtmäßigkeit.
In diesem Buch geschieht rein objektiv sehr wenig, es geschieht eigentlich nur etwas in der Innenwelt der Beteiligten und auch das ist nicht eindeutig. Reaktionen erscheinen nicht durchdacht, sondern impulsiv, weil die Gedankenkette vorher in eine ganz andere Richtung ging.
Das Buch beantwortet keine einzige Frage, es enthält keine Lösung, am Ende ist alles eher noch mehr offen als es am Anfang aussah. Keine der dargestellten Personen ist mir wirklich sympathisch. Sie wirken künstlich und doch echt. Nicht stimmig und unsympathisch, aber überzeugend. Der Autor hat nicht versucht irgendjemanden in der Geschichte leicht zugänglich zu machen. Es gibt keine Rückblicke, die einen Menschen besonders machen oder wichtig.
Aber trotzdem, obwohl dieses Buch alle Regeln gelungenen Schreibens über den Haufen wirft, kommt mir die Geschichte sehr nah. Auch wenn ich niemanden so richtig mag, berühren sie mich.
Auch wenn nichts geschieht, geschieht etwas mit mir.
Das Buch ist schnell gelesen, wenige Seiten, aber es klingt nach.
#DiePolizisten #NetGalleyDE #HugoBoris #KathrinliebtLesen


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Hugo Boris wurde am 18. November 1979 in Paris (Frankreich) geboren.

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