Die Polizisten

von Hugo Boris 
4,2 Sterne bei6 Bewertungen
Die Polizisten
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Ein Buch, welches authentisch zeigt, wie schwierig die Polizeiarbeit heute oft ist

Kathrin_Schroeders avatar

Polizisten bringen einen Illegalen zur Ausreise. Arbeitsalltag, aber es hinterläßt Spuren. Lesenswert

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Inhaltsangabe zu "Die Polizisten"

Am Ende eines heißen Sommertags werden die Polizisten Virginie, Aristide und Érik mit einem Sondereinsatz beauftragt: Sie sollen einen Flüchtling, dessen Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, zum Flughafen bringen. Schnell begreift Virginie, dass den Mann in seiner Heimat der sichere Tod erwartet. Sie und ihre Kollegen geraten in einen Gewissenskonflikt: Gehorsam leisten oder den eigenen moralischen Instinkten folgen? Die Fahrt nach Roissy wird zu einer schweren Prüfung, aus der keiner der Beteiligten unversehrt hervorgeht, wenngleich jeder andere Konsequenzen für sich daraus zieht.

Ein packend erzählter Roman, der einem ungelösten gesellschaftlichen Konflikt ein menschliches Gesicht gibt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783550050466
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:192 Seiten
Verlag:Ullstein Buchverlage
Erscheinungsdatum:10.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Curinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Buch, welches authentisch zeigt, wie schwierig die Polizeiarbeit heute oft ist
    Aktuell und nachdenklich machend

    In Frankreich soll die junge Polizistin Virginie gemeinsam mit zwei Kollegen einen Flüchtling, der abgeschoben werden soll, zum Flughafen bringen. Auf der Fahrt wird verbotenerweise der Umschlag mit den Unterlagen des abgelehnten Asylbewerbers geöffnet, worauf klar wird, dass dem Mann in seiner Heimat Folter und der Tod drohen. Bei allen Beamten meldet sich nun das Gewissen, doch können sie etwas tun und die Abschiebung verhindern?
    Hugo Boris hat sich hier eigentlich zwei sehr aktuellen Themen angenommen und zeigt einerseits wie schwierig und zermürbend die Polizeiarbeit für die Beamten heute ist und vor welche Herausforderung es uns stellt, wem Asyl gewährt werden soll.
    Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Polizistin Virginie, die gerade selbst mit sich und ihrem Leben völlig überfordert ist. Ihren Ehemann hat sie betrogen und ist dabei schwanger geworden. Sie ist es auch, die den verhängnisvollen Umschlag öffnet und dabei sich und ihre Kollegen mit dem Leid des Flüchtlings konfrontiert. Ich persönlich konnte während des Lesens Virginies Verhalten zwar nicht immer ganz nachvollziehen, aber ich fand es gut, dass sie nicht einfach nur stur ihren Auftrag ausführt, sondern auch reflektiert und abwägt.
    Das Buch ist mit seinen nicht mal 200 Seiten sehr kurz, aber dennoch kann man es nicht innerhalb kurzer Zeit durchlesen. Man muss einfach immer wieder inne halten und wird tief bewegt von dem, was man da liest.
    Der Schreibstil von Hugo Boris ist anspruchsvoll und er versteht es, den Leser in die Gedanken seiner Figuren eintauchen zu lassen. Was mir gefehlt hat, ist die Perspektive des Asylbewerbers, der gar nicht zu Wort kommt und von dessen Innenleben man so gut wie gar nichts erfährt.
    Insgesamt ist ,,Die Polizisten" ein besonderer Roman, der den Nerv unserer Zeit trifft und mich persönlich sehr nachdenklich gemacht hat. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

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    Ilaryvor 2 Monaten
    Eine Gewissensfrage

    Schauplatz – Frankreich, Paris

    Die Polizistin Virginie und ihre beiden Kollegen Aristide und Hervé erhalten den Einsatzauftrag, einen Personentransport zum Flughafen zu begleiten. Asomidin Tolirov soll via Istanbul in seine Heimat Tadschikistan abgeschoben werden. Aus Unterlagen geht hervor, daß er im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland umgebracht wird. Das stürzt Virginie und ihre Kollegen in einen Gewissenskonflikt.

     

    Der Autor hat ferner einen Strang um das Privatleben der Polizistin Virginie eingewoben. Sie ist durch eine außereheliche Affäre mit einem Kollegen schwanger geworden. Der Kollege möchte das Kind behalten, Virginie möchte abtreiben. Aber da ist auch noch der nichts ahnende Ehemann.

     

     

    Dieses Büchlein umfasst nur knapp 200 Seiten. Wie der Autor zur Idee für dieses Buch kam, indem er eine Rückführung in den Mittelpunkt stellt, erläutert er in der Danksagung, ebenso kann man über seine intensive Recherchearbeit nachlesen. Das Thema ist derzeit sehr aktuell und könnte durchaus realistisch sein.

     

    Hugo Boris hat die Geschichte in einer schnörkellosen Sprache spannend  geschrieben. Er beleuchtet das Thema Abschiebung aus einer anderen Perspektive als wir es zur Zeit aus den Medien kennen. Denn wir wissen nicht, was und wie denkt bzw. fühlt der ausführende Beamte, der einen solchen Auftrag erhält? Wie ist es, wenn ein Beamter eine Order erhält und er die Durchführung vor seinem Gewissen nicht verantworten kann? Wird er sie trotzdem ausführen oder wie löst er die Situation?

     

    Es gibt nur eine Handvoll Figuren, die mehr oder weniger oberflächlich beleuchtet werden und für mich distanziert wirkten. Nahe gekommen bzw. sympathisch wurde mir keine Person, was aber in diesem Fall keine Rolle spielte. Auch ihre Vorgehensweise und ihre Handlungen erschienen mir unrealistisch, spontan und konstruiert.

     

    Der Autor lässt viele Fragen offen und aus diesem Grunde eignet sich das Buch sehr gut für eine ausgiebige Diskussion und jeder einzelne Leser kann sich seine eigenen Gedanken darüber machen, wie er handeln würde. Derzeit ist eine Verfilmung in Vorbereitung.

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    Kathrin_Schroeders avatar
    Kathrin_Schroedervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Polizisten bringen einen Illegalen zur Ausreise. Arbeitsalltag, aber es hinterläßt Spuren. Lesenswert
    Großes kleines Buch

    Hugo Boris Die Polizisten
    Erscheinungsdatum 10.8.18 gelesen dank netgalley als ebook (kindle) im August 2018
    Genre: Zeitgeschichte, Belletristik
    Der Inhalt dieses ziemlich kurzen Buches ist schnell erzählt.
    Eine Polizistin, schwanger von ihrem Geliebten/Kollegen steht am Vorabend der Abtreibung. Um sich abzulenken meldet sie sich freiwillig für einen Auftrag, ohne vorher gehört zu haben, worum es geht. Ein Flüchtling soll zur Abschiebung gebracht werden. Sie liest die Papiere und zweifelt an der Rechtmäßigkeit.
    In diesem Buch geschieht rein objektiv sehr wenig, es geschieht eigentlich nur etwas in der Innenwelt der Beteiligten und auch das ist nicht eindeutig. Reaktionen erscheinen nicht durchdacht, sondern impulsiv, weil die Gedankenkette vorher in eine ganz andere Richtung ging.
    Das Buch beantwortet keine einzige Frage, es enthält keine Lösung, am Ende ist alles eher noch mehr offen als es am Anfang aussah. Keine der dargestellten Personen ist mir wirklich sympathisch. Sie wirken künstlich und doch echt. Nicht stimmig und unsympathisch, aber überzeugend. Der Autor hat nicht versucht irgendjemanden in der Geschichte leicht zugänglich zu machen. Es gibt keine Rückblicke, die einen Menschen besonders machen oder wichtig.
    Aber trotzdem, obwohl dieses Buch alle Regeln gelungenen Schreibens über den Haufen wirft, kommt mir die Geschichte sehr nah. Auch wenn ich niemanden so richtig mag, berühren sie mich.
    Auch wenn nichts geschieht, geschieht etwas mit mir.
    Das Buch ist schnell gelesen, wenige Seiten, aber es klingt nach.
    #DiePolizisten #NetGalleyDE #HugoBoris #KathrinliebtLesen


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    yellowdogvor 2 Monaten
    Die Entscheidung

    In der Kriminalliteratur beschäftigen sich Polizisten ausschließlich mit dem Aufklären von Mordfällen.

    Aber der preisgekrönte Roman Die Polizisten des französischen Schriftstellers Hugo Boris ist kein Krimi. Er zeigt die realistische Arbeit von Polizisten, das können z.B. Einsätze bei Demonstrationen sein oder die Überführung von Personen, die ausgewiesen werden sollen.

    Die Polizisten sind aber auch Menschen, doch die beruflich starke Beanspruchung bringt sie in eine Position zwischen Pflicht und Menschlichkeit. Hinzu können auch private Beziehungsprobleme kommen, die Entscheidungen mit beeinflussen..

    Virginie, Erik und Aristide kommen in einen moralischen Konflikt, als sie einen Flüchtling zum Flughafen Charles de Gaule bringen sollen. Die Abschiebung würde seinen sicheren Tod bedeuten.


    Hugo Boris meistert den gesellschaftsrelevanten Stoff mit seinen sprachlichen Mitteln.

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    J
    jamal_tuschickvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Der beste Polizeiroman, seit Simenon nicht mehr für die Gegenwart zuständig ist.
    Kollegensex

    „Das Blut auf ihrer Diensthose ist nicht ihr eigenes.“
    So beginnt ein Polizeiroman in glänzender belgisch-französischer Manier. Das Flair der Simenon-Romane, das Licht der Melville-Filme, die melancholische Härte des von Grund auf desillusionierten, mit dem Milieu verwandtschaftlich vertrackt-vertrauten Flics, die Monumentalität von Gabin bis Ventura tauchen in Transformationen der Gegenwart wieder auf. Aristide ist ein Typ wie der junge Gérard Depardieu, ein atavistischer Durchbruch der Ordnung in der Uniform eines Garanten der Ordnung. Sein Chef, der geborene Mittelstreckenläufer Érik, erinnert an André Bourvil als Commissaire Mattei in „Vier im roten Kreis“. Auch wenn der Roman das nicht zugibt, verkörpert Érik die bewaffnete Sturheit der Korsen; eine kriegerische Art zivil zu sein, die sich mit einer pedantischen Beachtung der Vorschriften tarnt. Nie käme der Mann auf die Idee, weibliche Untergebene ohne männliche Begleitung auf Streife zu schicken. In der „Männerumkleideatmosphäre“ der Dienststellen stecken alle Polizistinnen in Mehrfachklemmen. Bei voller Schmerzzuteilung und sonstiger unterbezahlter Überforderung erhalten sie nie die volle Anerkennung. Während sich Männer in den Routinen uralter Rituale abreagieren, sich in Rülpswettbewerben zu ihrer Entlastung überbieten und ihre „Desensibilisierung als Resilienz“ falsch verstehen, verstummen die Kolleginnen oder kehren zum steinzeitlichen Reiz-Reaktionsschema zurück.
    Virginie sucht ihre Rolle auf einer Außenbahn. Sie garniert Anpassung mit Autonomiebehauptungen. In ihr rumort nicht zuletzt die Erinnerung an einen Vater, der seinen Sohn zur Strafe in den Kühlschrank steckte und ihn da vergaß. Virginie wechselt die von fremdem Blut kontaminierte Uniform nach einer schweren Auseinandersetzung, in der sie keine gute Figur abgegeben hat und Ériks Vorbehalte von ihren Reaktionen bestätigt wurden. Virginie ist verheiratet, Mutter - und schwanger nicht von ihrem Mann. Der Abtreibungstermin steht fest. Er verändert das Betriebsklima, denn Aristide möchte in der schrägen Verbindung gern Vater werden, ohne den Gatten spielen zu müssen. Der Prachtbulle will, dass Virginie das Polizistenkind dem Ehemann unterjubelt. Vielleicht habe ich etwas überlesen, jedenfalls verstehe ich nicht, wieso sich Aristide so sicher ist, dass Kind gezeugt zu haben.
    Ach so, der narrative Dreh verspult die Information, dass Virginie die Pille nur einmal zu nehmen vergessen hat, mit einem passenden Datum.
    Keine Rückkehr nach Roissy
    Der Korpsgeist gibt der Kumpanei, der reduzierten Humanität und dem Kollegensex einen brüchigen Rahmen. Der Rahmen bricht, als Virginie und Aristide einen abgelehnten Asylbewerber am Flughafen Charles de Gaulle aka Roissy „abladen“ sollen. Asomidin Tohirovs Abschiebung ist rechtswidrig. In seiner Heimat erwartet den Tadschiken der Tod. Die Polizist*innen wissen das.

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    PrinceXLs avatar
    PrinceXLvor 2 Monaten

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    Pressestimmen

    »Am Gewissenskonflikt dieser Polizisten zeigt sich das Dilemma einer ganzen Gesellschaft.« Le Nouvel Observateur

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 4 Monaten
    Spannendes Thema. Ich bin gespannt.
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