Hugo Hamilton Legenden

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Inhaltsangabe zu „Legenden“ von Hugo Hamilton

Ein Mann voller Geheimnisse auf der Suche nach der Wahrheit über sich selbst Zeit seines Lebens fragt sich Gregor Liedmann, ob er der leibliche Sohn seiner Eltern ist oder eine Flüchtlingswaise, an Kindes statt angenommen in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Diese Unsicherheit hat sein Leben geprägt, ihn zum Einzelgänger gemacht, ihn von Frau und Kind fort- und in die Welt hinausgetrieben. Gregor Liedmann, Musiker in Berlin, ist ein verschlossener Mensch, von vielen Geheimnissen umhüllt. Er sei Jude, heißt es, irgendwo im Osten geboren, ein Findelkind. Der wahre Gregor Liedmann, heißt es, sei im Bombenhagel mit drei Jahren umgekommen. Später, 1968, habe Liedmann mit Steinen geworfen, in einer Kommune gelebt und bald darauf Mara geheiratet, eine anarchistische Künstlerin und seine große Liebe. Und trotzdem habe er sie und den gemeinsamen Sohn Daniel nach ein paar Jahren verlassen. Als Trompeter hätte er Weltkarriere machen können, heißt es, er habe in Kanada und in Irland gelebt, aber nirgendwo lange. So viele Legenden umranken ihn, dass keiner mehr weiß, was wahr und was erfunden ist. Jetzt, mit gut sechzig Jahren, erkennt er, wie wichtig ihm Mara und Daniel sind. An einem Tag im späten September fährt er zur Apfelernte auf ein Landgut südlich von Berlin, wo er die beiden wieder trifft und nach der verschütteten Wahrheit, nach sich selbst, nach seiner großen Liebe sucht.

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    Legenden
    Clari

    Clari

    05. October 2008 um 00:22

    Hugo Hamilton Legenden Luchterhand ISBN 3630872816 Krieg, Nachkriegszeit und eine Spurensuche. Gregor Liedmann gehört zu der Nachkriegsgeneration, die es im jugendlichen Alter aus dem Elternhaus treibt, um ihr Glück irgendwo alleine zu suchen. Ende der sechziger Jahre landet er nach mehreren Auslandsaufenthalten in einer Kommune in Berlin, wo er bald schon seine hübsche Frau Mara trifft. Sie ist Physiotherapeutin, und er verdingt sich als Musiker. Als sich der Sohn Daniel ankündigt, heiraten die beiden und verleben ein paar sehr glückliche Jahre zusammen. Als Missverständnisse und ein dauerhaftes Zerwürfnis mit seinen Eltern die Beziehung zu Mara erschüttert, trennt er sich in Trauer und Schmerz, um fortan alleine zu leben. Im Wechsel zwischen heute und gestern erlebt man ihn als kleinen Jungen auf der Flucht vor den heranrückenden russischen Truppen. Als er auf der Flucht aus den Händen einer fremden Frau in die einer anderen gerät, die gerade den eigenen Sohn durch einen Bombenangriff verloren hatte, wird er zu ihrem verlorenen Sohn. Der unter dem Namen Gregor Liedmann Heranwachsende hegt berechtigte Zweifel daran, dass er der leibliche Sohn seiner Eltern ist. Seiner festen Überzeugung nach ist er jüdischer Abstammung, und die Vorstellung, dass ihm eine Identität aufgedrängt wurde, die nicht die seine ist, treibt ihn dazu, sich aus dem strengen und unaufrichtigen Klima seines Elternhauses zu befreien. Heute ist er um die sechzig Jahre alt. Nach Jahren der Trennung besucht er seine Frau auf einem Hof südlich von Berlin, wo sich eine befreundete Gruppe aus ehemaligen Hippietagen und deren Kindern zusammengefunden haben. Hier geht es fast romantisch zu. Man sitzt beisammen, erntet Obst und die Menschen gehen liebevoll und tolerant mit einander um. Der Kontrast zwischen verlogener, chaotischer Kriegszeit und der späten Nachkriegszeit nach dem Fall der Berliner Mauer ist auffallend. Man pflegt einen ehrlichen, natürlichen und lockeren Umgangsstil. Die Suche nach Gregors wahrer Herkunft bewegt das Paar Mara und Gregor weiterhin. In der Erzählung geht es um das Kriegsende, die sechziger Jahre und das weitere Ergehen einer Generation, die sich von ihren Vätern abwandte, um ihre eigene Lebenswelt zu gestalten. Mit Fantasie und Vielfarbigkeit, sensibel, zart und einfühlsam nähert sich Hugo Hamilton der Mentalität seiner Protagonisten, deren Bilder er lebensgetreu aufzeichnet. Nachvollziehbar beschreibt er, wie in den Kriegsjahren die Welt aus den Fugen geriet und Chaos und familiäre Zerstörungen brachte. Gesellschaftliche und soziale Veränderungen danach gipfelten in dem Versuch, eine neue Welt zu gestalten. Verschlossen, gekränkt und unbeweglich zeigt der Autor die Alten und die Jungen in ihrem Umgang mit einander. Missverständnisse und Misstrauen prägen die Beziehungen zwischen den Generationen und einzelne mutieren dabei zu einsamen Individuen. Poetisch und feinfühlig setzt Hamilton die Tage des Untergangs in Gegensatz zu den friedlichen Jahren der späten Nachkriegszeit. Der Autor hat sich viel vorgenommen und eine Menge Themen in seinem Roman angerissen: Krieg, Identitätssuche, Generationenkonflikte, Hippiekultur und Flower-Powerbewegung geraten zu einem vielgestaltigen Zeugnis der damaligen wechselvollen Jahre. Zuletzt gelingt ihm ein überzeugendes Zeitgemälde, das mit Spannung aufwartet, und in dem die zwischenmenschlichen Irrtümer, Enttäuschungen und Niederlagen der Bewältigung harren.

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