Hugo Loetscher War meine Zeit meine Zeit

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Inhaltsangabe zu „War meine Zeit meine Zeit“ von Hugo Loetscher

In seinem letzten Buch zieht Hugo Loetscher Bilanz. Die Stoffe und Themen seines Lebens und seines Werks entfaltet er zu einer weltumspannenden Autogeographie, der Entwicklungsgeschichte eines globalen Bewusstseins. Flüssen entlang, an Brücken, Kanälen vorbei, zu neuen Ufern führt Hugo Loetschers Erzählfluss, mäandernd, tiefgründig und sprudelnd vor Einfällen und Witz.

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  • Rezension zu "War meine Zeit meine Zeit" von Hugo Loetscher

    War meine Zeit meine Zeit
    Clari

    Clari

    15. June 2010 um 12:17

    Weltbrüger oder Schweizer Bürger, das ist hier die Frage. Schon mit dem Titel begründet Hugo Loetscher seinen Stil, der ihn mit immer neuen Fragen bewegt hat, die er z.T. nicht beantworten kann und will. Zürich ist die Stadt der Herkunft und des Aufbruchs von Hugo Loetscher, des Schweizer Schriftstellers, Journalisten und Reiseberichterstatters. Zwischen Melancholie, Zweifel und Skepsis bewegen sich seine Reflexionen, die einer Reise durch das letzte Jahrhundert gleichen. Er ist nicht gefragt worden, ob er geboren werden will,--wie vielen mag es mit dieser Frage ähnlich ergehen wie diesem nachdenklichen und weitgereisten Dichter? Sein sinnierender und eindrucksvoller Lebensbericht beschreibt die Anfänge seines Lebens als eines Bewohners des Diesseits und des Jenseits, womit er seinen Wohnort diesseits und jenseits des Flüsschens Sihl meint. Von der Sihl bis zum Nil und zum Amazonas reichen seine Reiseeindrücke, mit denen sich immer auch Lebenserfahrungen verbinden. Aufmerksam und klar in der Beobachtung erlebt er sprachliche Ausdrücke, und sieht hinter der Sprache Inhalte wie in diesem Satz eines Arabers: "Du hast uns einsam gemacht",--im Schweizerdeutsch gleichbedeutend nach langem Wiedersehen mit "da chunnt ein Frömde"; " da kommt ein Fremder". Er ist und bleibt von Kindheit an ein Fragender und ein Ratloser. Das "Woher" oder "Wohin" beschäftigt ihn über die Jahre wie viele andere seiner Schriftstellerzeitgenossen. Mit einigen verband ihn Freundschaft wie Friedrich Dürrenmatt oder Max Frisch, mit denen er in einem Namen genannt wird. Seine Stadteindrücke von Venedig über Rom und Neapel bilden den Grundstock, von dem aus man seine weiteren Reisen betrachtet. Örtlichkeiten, Mentalitätsgeschichten und atmosphärische Impressionen lassen den Leser unmittelbar teilhaben an seiner Geschichte, die ihn mit den Trümmern des zweiten Weltkriegs in Berlin und Frankfurt ebenso konfrontiert hat wie mit Fragen nach dem Minarettstreit in der Schweiz. Geschichtswissen und politische Historie begleiten ihn in Griechenland zu den Wirkungsorten bekannter Philosophen der Antike. In Istanbul befindet er sich zugleich in Byzanz und Konstantinopel und weiß über die Geschichte dieser Stadt profund zu berichten. Er hat die Welt nicht erobert, sondern beobachtend sie sich zu eigen gemacht. "Das NIE GANZ DAZUGEHÖREN schärfte wohl den Blick für das, was sonstwo und sonstwie nicht dazugehörte". Mit diesen Worten gibt er recht genau wieder, wie er sich in der Welt gefühlt hat. 2009 wurde mit Hugo Loetscher ein Weltbürger zu Grabe getragen, dessen Wirken und Schreiben für viele unvergessen bleibt.

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