Hugues Le Bret Die Woche, in der Jérôme Kerviel beinahe das Weltfinanzsystem gesprengt hätte

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Inhaltsangabe zu „Die Woche, in der Jérôme Kerviel beinahe das Weltfinanzsystem gesprengt hätte“ von Hugues Le Bret

Sonntag, 20. Januar 2008: Die Leitung der Société Générale entdeckt, dass Jérôme Kerviel im Namen der französischen Großbank mit 50 Milliarden Euro spekuliert hat. Hugues Le Bret sitzt 'im Cockpit'. Er schildert im Stundentakt den genauen Ablauf: wie die Verluste, die Kerviel verschleiert hatte, ans Licht kamen und wie es der Société Générale gelang, den Bankrott abzuwenden. Als einer der fünf leitenden Bankmanager ist Le Bret unmittelbar mit dem Handling der Krise befasst. Zusammen mit der Finanzaufsicht – aber ohne Einschaltung der Politik – arbeiten sie an der Rettung des Weltfinanzsystems; die Rechnungseinheit ist eine Milliarde Euro. Eine weltweite Katastrophe, ein neuer 'schwarzer Freitag' kann abgewendet werden. Nach der Verurteilung Kerviels entschloss sich Le Bret, sein Schweigen zu brechen. Nie zuvor hat jemand die Finanzwelt in ihrer tiefsten Krise so schonungslos dargestellt. Le Bret teilt die Akteure nicht in Gut und Böse, sondern zeigt Männer und Frauen, die das Undenkbare erleben, Mächtige, die auf einmal verwundbar sind, hochprofessionelle Manager, denen die größte Spekulationsblase der Geschichte die Sicht vernebelt hat. Ein wesentlicher Beitrag zum Verständnis der Finanzkrise, ein persönliches Zeugnis, eine rückhaltlose Selbstprüfung.

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    Die Woche, in der Jérôme Kerviel beinahe das Weltfinanzsystem gesprengt hätte
    R_Manthey

    R_Manthey

    29. June 2015 um 11:28

    Diese Worte legt der Autor dem damaligen Chef der französischen Großbank Societe Generale, Daniel Bouton, auf Seite 44 in dessen Gedanken. Ein dem Management völlig unbekannter Arbitrage-Eigenhändler mit einem Jahresgehalt von etwa 100.000 Euro plus Bonus bringt der Bank Ende Januar 2008 einen Verlust von über fünf Milliarden Euro ein, zu dem sich dann auch noch die Fehlleistungen aus der damals gerade in Europa angelangten amerikanischen Subprime-Krise gesellen. Dennoch weist die SG zu diesem Zeitpunkt noch einen kleinen Gewinn aus. Doch das interessierte nicht wirklich, denn niemand konnte damals verstehen, wie es einem unbedeutenden Eigenhändler gelingen konnte, eine Großbank so heftig ins Schleudern zu bringen. Der Autor dieses Buches war damals Kommunikationschef der SG und erzählt uns nun, wie die entscheidende Woche und die nachfolgenden Monate aus der Sicht des Managements der Bank abliefen. Wenn man das zuvor erschienene Buch des Übeltäters Jerome Kerviel gelesen hat, wird nun einiges wesentlich deutlicher und erscheint in einem anderen Licht. Leider begreift man aber auch nach Le Brets Darstellung nicht, warum es Kerviel gelingen konnte, seine riesige Verlustposition so einfach zu verschleiern. Schließlich hatte der Eigenhändler unmittelbare Vorgesetzte, die also entweder völlig blind oder in irgendeiner direkten oder indirekten Form mit eingebunden waren. Doch dieser eigentlich interessante Teil der Geschichte wird auch hier nicht erzählt, obwohl einzig er zum wirklichen Verständnis der Abläufe beitragen könnte. Kerviel hatte 2007 in europäischen Aktienindizes, insbesondere im Dax eine völlig überdimensionierte und ungesicherte Long-Position in Futures aufgebaut. Doch eine solche Art des Eigenhandels war weder seine Aufgabe als Arbitrage-Händler, noch im Interesse der Bank. Er verschleierte diese Position durch fiktive Gegengeschäfte, die er gegen Monatsende ebenso fiktiv auflöste und im neuen Monat wieder eröffnete. Er kannte die monatliche Vorgehensweise im Controlling, weil er dort vorher gearbeitet hatte. Obwohl dies völlig unverständlich ist, fielen durch diesen einfachen Trick seine Manipulationen nicht auf. Erst als die Bank Anfang 2008 aus externen Gründen neue Kontrollberechnungen anzustellen begann, entdeckte ein Mitarbeiter eine dieser fiktiven Positionen, die von der Größe her nicht zu dem angegebenen Handelspartner passte. So kam der Stein ins Rollen. Und dort beginnt der Autor seine Darstellung der Geschichte. Im ersten Teil beschreibt er die Situation im Management der Bank vom 20. Januar bis zum 23. Januar 2008 (Sonntag bis Mittwoch). In dieser Zeit versuchte die Führung der SG erst einmal zu verstehen, was wirklich geschehen war. Dann suchte man nach Auswegen und beschloss, niemanden außerhalb der Bank über die riesige Verlustposition zu informieren, bevor man nicht sämtliche Futures abgestoßen hatte. Mit diesen Transaktionen beauftragte man einen Trader, der allerdings zunächst das große Bild nicht kannte. Ihm gelang es schließlich, innerhalb von drei Tagen sämtliche Order abzuarbeiten. Dabei musste er sehr vorsichtig vorgehen, denn die Gesamtgröße der SG-Position im Dax überstieg bei weitem das tägliche Handelsvolumen an der Eurex. Als man die Position abgestoßen hatte, wurde die Öffentlichkeit informiert, zu der auch der französische Staatspräsident gehörte. Hätte man ihn früher ins Vertrauen gezogen, dann hätte die Gefahr bestanden, dass die kritische Situation der Bank über seinen Stab öffentlich bekannt geworden wäre. Man muss nur wenig von den Märkten verstehen, um zu begreifen, dass dies der Untergang der SG gewesen wäre. Leider besaß Sarkozy nicht einmal ein solch geringes Verständnis, wie sich im Nachhinein an diesem und anderen Beispielen zeigte, die in diesem Buch beschrieben werden. Der zweite Teil des Buches umfasst die Zeit vom 24. Januar bis 30. Januar 2008 und beschreibt die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Hiobs-Botschaft. Darin eingebettet ist eine Beschreibung der Aufdeckung der Kerviel-Position beginnend mit dem 7. Januar 2008. Insbesondere wird darin aus einer Kommunikation Kerviels mit einem seiner Broker zitiert, die klar zeigt, dass sich Kerviel sehr wohl seiner misslichen Lage bewusst war. Diese Kommunikation steht in klarem Widerspruch zur Darstellung in seinem Buch, in der er immer wieder darauf hinweist, er hätte für 2007 einen Gewinn von über 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, den er verstecken wollte, um einen Puffer für eventuelle Verluste im folgenden Jahr zu haben. Im dritten Teil beschreibt der Autor die Ereignisse in der Zeit vom 31. Januar bis 19. Mai 2008. In dieser Zeit kämpfte die Bank, in der weit über 100.000 Menschen einen Arbeitsplatz besitzen, immer noch ums wirtschaftliche Überleben. Wegen der zu geringen Eigenkapitalquote brauchte man eine Kapitalerhöhung. Außerdem sah man sich Übernahmeabsichten des innerfranzösischen Konkurrenten BNP ausgesetzt. Im kurzen letzten Teil geht es um die Entmachtung des Bankchefs Daniel Bouton, dessen sofortiger Rücktritt in den Tagen der Entdeckung der Kerviel-Position innerhalb der Bank abgelehnt wurde. Wir werden nie erfahren, was bei einer SG-Pleite passiert wäre. Insofern ist der Titel dieses Werkes vielleicht eine Übertreibung. Von einem schwarzen Schwan zu sprechen, wie es die Aufmachung des Buches suggeriert, scheint mir ebenfalls etwas fragwürdig. Denn so interessant und aufschlussreich dieses Buch auch ist, es beantwortet (aus möglicherweise verständlichen Gründen) die entscheidende Frage nicht, die da lautet: Wieso konnte ein Eigenhändler eine Position in einem die Bank bedrohenden Ausmaße eingehen, ohne dass das jemandem auffiel? Fazit. Obwohl auch dieses Buch die entscheidende Frage nicht beantwortet, ist es sehr aufschlussreich, weil es Vorgänge im Management der Bank offenbart, von denen man sonst nie etwas erfahren würde. Außerdem wirft es ein anderes Licht auf die Vorgänge als Kerviel es mit seinem Buch tat. Dadurch erhält man insgesamt ein wesentlich besseres Verständnis für die wirklichen Abläufe. Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben. Es erfordert zum Verständnis keine speziellen Kenntnisse.

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