Hier sind Drachen

von Husch Josten 
4,0 Sterne bei18 Bewertungen
Hier sind Drachen
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Die Erzählweise ist teilweise anstrengend und philosophisch, aber wenn man sich darauf einlässt sehr lesenswert. Kein Buch für zwischendurch

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Aktuelle Thematik und spannender Aufbau. Doch der Geschichte fehlt es an Kohärenz und einem roten Faden. Was wird hier eigentlich erzählt?

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Inhaltsangabe zu "Hier sind Drachen"

14. November 2015: Am Morgen nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris macht sich die Reporterin Caren auf den Weg in die französische Hauptstadt. Doch ihr Flug verzögert sich, die Lage ist angespannt, am Heathrow Airport herrscht nach einem anonymen Anruf Alarmbereitschaft. Die bedrohliche Situation und wachsende Nervosität der Sicherheitsbeamten bringen Carens älteren Sitznachbarn allerdings nicht aus der Ruhe, stoisch liest er weiter in Wittgensteins »Tractatus«. Der gleichermaßen unbefangene wie charismatische Philosoph und Zufallsforscher verwickelt Caren, mit deren Gelassenheit es seit Monaten nicht zum Besten steht, in ein faszinierendes Gespräch. Und offeriert ihr dabei – zufällig oder absichtsvoll? – die unmögliche Geschichte, nach der die Journalistin ihr Leben lang gesucht hat.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013484
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:01.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    YvetteHs avatar
    YvetteHvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Die Erzählweise ist teilweise anstrengend und philosophisch, aber wenn man sich darauf einlässt sehr lesenswert. Kein Buch für zwischendurch
    Weiße Flecken in der Geschichte?!

    Klappentext:

    14. November 2015: Am Morgen nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris macht sich die Reporterin Caren auf den Weg in die französische Hauptstadt. Doch ihr Flug verzögert sich, die Lage ist angespannt, am Heathrow Airport herrscht nach einem anonymen Anruf Alarmbereitschaft. Die bedrohliche Situation und wachsende Nervosität der Sicherheitsbeamten bringen Carens älteren Sitznachbarn allerdings nicht aus der Ruhe, stoisch liest er weiter in Wittgensteins »Tractatus«. Der gleichermaßen unbefangene wie charismatische Philosoph und Zufallsforscher verwickelt Caren, mit deren Gelassenheit es seit Monaten nicht zum Besten steht, in ein faszinierendes Gespräch. Und offeriert ihr dabei – zufällig oder absichtsvoll? – die unmögliche Geschichte, nach der die Journalistin ihr Leben lang gesucht hat.

    Meine Meinung:

    Auf dieses Buch wurde ich durch eine Büchervorstellung unserer örtlichen Buchhandlung aufmerksam und wollte es unbedingt lesen.

    Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, der sehr philosophisch und teilweise anstrengend ist, entwickelte ich ein Gefühl für die Geschichte. Die Erzählweise ist distanziert, aber lässt trotzdem alles erkennen.

    Die Protagonisten werden nicht sehr detailiert beschrieben und trotzdem lernt man sie gut kennen. Durch die Erzählweise fehlten mir persönlich die Emotionen, die die philosophischen Passagen verständlicher gemacht hätten.

    In der Handlung ist der Leser sehr gefragt, denn man kann das Buch nicht einfach zwischendurch lesen. Die Geschichte entwickelt sich nach und nach und der Leser muss sich darauf einlassen und mitdenken, die weißen Flecken in der Geschichte finden. Das Buch erzählt in zwei Handlungssträngen, der Hintergrundgeschichte von Clare und die aktuelle Geschichte am Flughafen, was zwischendurch verwirren kann, da teilweise nahtlos gewechselt wird.

    Mein Fazit:

    Ein durchaus lesenswertes Buch, wenn auch nicht für jedermann.
    Von mir gibt es

    3,5 Sterne.

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    leseleas avatar
    leseleavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Aktuelle Thematik und spannender Aufbau. Doch der Geschichte fehlt es an Kohärenz und einem roten Faden. Was wird hier eigentlich erzählt?
    Die unerzählte Geschichte (?)

    Der Zufall ist trivial, nicht wahr? Man bringt die Ereignisse des Lebens lieber miteinander in Verbindung, weil sie dann einen Sinn ergeben könnten. Also kleben die Menschen alles, was ihnen geschieht, zu einer Narration zusammen, zu ihrem Lebenslauf, zu ihrer Identität. (S. 21)

    Die eindeutige Aktualität der Geschichte und die im Klappentext skizzierte Erzählsituation hatten mich auf Husch Jostens Roman Hier sind Drachen neugierig gemacht: Eine Journalistin, Caren, sitzt am 14. November 2015 am Flughafen Heathrow. Sie wartet auf ihre Maschine nach Paris, wo in der Nacht zuvor Terroranschläge auf das Stade de France, das Bataclan-Theater sowie zahlreiche Cafés und Bars verübt wurden. Der Start ihrer Maschine wird jedoch verschoben, Sicherheitsbeamte erscheinen am Terminal, die Menschen werden unruhig – bis auf einen einzigen Mann, den Caren Wittgenstein nennt, da er im „Tractatus“ des gleichnamigen Autoren blättert. Er entpuppt sich als Philosophieprofessor und zwischen ihm und Caren entwickelt sich ein Gespräch über Zufälle und unmögliche Geschichten…

    Auf eine quasi kammerspielartige Erzählung hatte ich beim Aufschlagen von Hier sind Drachen eingestellt: Journalistin und Philosoph, festgehalten am Flughafen, einem Ort des Aufbruchs, konfrontiert mit dem Thema unserer Zeit, den islamischen Terrorismus. Eine Analyse und Erfassung der aktuellen Weltsituation, untermauert von philosophischen Theorien, als Versuch zu verstehen, was seit einigen Jahren um uns geschieht. Allein: Verstanden habe ich diese nur 160 Seiten umfassende Geschichte so gut wie gar nichts, was vor allem auf die fehlende Kohärenz sowie den nur schwer erkennbaren roten Faden zurückzuführen ist.

    Denn Husch Josten erzählt zwar von Terroranschlägen in unserer Zeit, von der ständigen Bedrohung, dem Weitermachen, dem Abstumpfen, aber eben auch von so vielen anderen Themen: von der Rolle der Medien, vom Geschichtenerzählen, seinen Bedingungen und Grenzen, von Carens eigenen traumatischen Erlebnissen, von ihrer Dreiecksbeziehung, ihrer Affäre, von Zufällen und der mathematischen Informationstheorie, vom Liberalismus und seinen Folgen. Vor allem auf den ersten Seiten erschien mir das Buch ungemein überfrachtet und hinsichtlich seiner Komplexität überambitioniert – ein Eindruck, der sich bis zum Schluss nicht verflüchtigen sollte. Zwar eröffnet der Roman viele interessante Grundgedanken zu der Welt, wie sie uns umgibt und wie wir uns in ihr bewegen (obwohl er in vielen Situationen nicht über die Einführungsvorlesung eines geisteswissenschaftlichen Studiengangs hinausgeht), doch gingen diese in der Fülle der anderen Erzählpassagen – insbesondere in den banal anmutenden zu Carens Liebesleben – eindeutig unter. Am Ende dieser kurzen Lektüre habe ich mir wirklich die Frage gestellt, was ich hier gelesen habe. Und ich muss sagen: Ich weiß es nicht, ich kann nicht sagen, worum es in diesem Buch genau ging, was seine Botschaft ist, wen das interessieren könnte. Ist Hier sind Drachen die unerzählte, ja beinahe unmögliche Geschichte, über die Caren und Wittgenstein diskutieren? Wenn ja, so ist es eine Geschichte, die zu Recht weiter unerzählt hätte bleiben können.

    In thematischer Hinsicht hat Hier sind Drachen für mich das Thema eindeutig verfehlt. Was dem Roman dann doch drei Sterne sichert sind die sprachliche Versiertheit der Autorin, vor allem aber ihre Fähigkeit, spannend und überraschend zu erzählen. Auch wenn ich den Großteil der Lektüre nicht verstanden habe, was hier erzählt wurde, hat mich, wie erzählt wurde, durchaus angesprochen: Das beginnt bei der eigentlichen Erzählkonstellation und endet bei Husch Jostens Mut, dem Leser immer wieder den Boden unter den Füßen wegzuziehen, Gewissheiten zu zerstören und ihn über die Figuren um Caren im Unwissen zu lassen. Der Roman birgt daher eine unheimliche Dynamik, liest sich vor allem in der zweiten Hälfte wie im Rausch und lässt einen an den Seiten kleben.

    Schlussendlich ist es gerade diese eindrückliche Demonstration von Jostens Erzähltalent, die mich am Ende – das nichts wirklich auflöst und keine Fragen beantwortet – so enttäuscht zurücklässt. Hier hätte ein kleines, feines Büchlein entstehen können, eine besondere Literaturperle. Stattdessen bleibt die Autorin hinter ihren Möglichkeiten zurück und serviert lediglich einen leichten Literaturhappen: Schnell verdaut, aber nicht sättigend!

    Kommentare: 2
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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein kurzer, aber sehr dichter Roman, der den Leser herausfordert, mit ihm in Dialog zu gehen.
    Husch Josten - Hier sind Drachen

    Wieder ein Anschlag, wieder ein Job für die Journalistin Caren. Nach dem verheerenden Attentat am Abend des 13. November 2015 in Paris, macht sich die junge Reporterin auf von London in die französische Hauptstadt, um für ihre Zeitung vor Ort zu recherchieren. Anschläge wurden ihr Spezialgebiet, nachdem sie unerklärlicherweise den 11. September in New York und auch den Boston Marathon unversehrt überlebt hat. In Heathrow wartet sie auf das Boarding, doch es kommt zu einer Verzögerung. Plötzlich wird ihr Gate umstellt, die Fluggäste sind abgesperrt und eingesperrt und eine Zwangsgemeinschaft entsteht. Caren kommt mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der die Lage mit stoischer Ruhe über sich ergehen lässt. Er liest weiterhin in Wittgensteins „Tractatus“ als wenn es die Welt um ihn herum nicht gäbe. Caren versucht mit ihrem Presseausweis etwas in Erfahrung zu bringen, doch die Mitarbeiter des Flughafens sind angespannt, also plaudert sie weiter wartend mit „Wittgenstein“ über dessen Zufallsforschung und die Frage, wie ein Journalist die eine Geschichte, die noch nie berichtet wurde, finden und erzählen kann. Und plötzlich ist sie da, die unglaubliche, nie erzählte Geschichte.

    Husch Jostens Roman „Hier sind Drachen“ weckt zunächst Erwartungen, die sich völlig in sich auflösen. Der Titel, der alte Seefahrerspruch zur Kennzeichnung der noch nicht betretenen und erforschten Gebiete, lässt auf eine Reise hoffen, durchaus an einen unbekannten Ort und der Flughafen ist ein passender Ausgangspunkt. Tatsächlich verlassen wir diesen jedoch quasi nicht, fast die komplette Handlung spielt sich im Wartebereich ab. Die zweite Falschannahme ergibt sich aus der Seitenzahl, die mit 160 Seiten einen kurzes Lesevergnügen erwarten lässt. Allerdings weist der Roman eine solche inhaltliche Dichte auf, dass ein Lesen ohne Pausen für mich nicht möglich war und ich viele Passagen – insbesondere die philosophischen Gedanken der beiden Protagonisten – mehrfach lesen musste, damit mir nichts entgeht.

    Es ist auch nicht einfach zu bestimmen, worum es in dem Buch eigentlich geht. Gerade durch das unerwartete Ende wird der Fokus nochmals völlig verschoben und es bleiben unzählig viele Themen und Gedankenansätze, die alle in sich wichtig und beachtenswert sind. Der Roman beginnt mit der Frage, was der Terror, wie wir ihn seit einigen Jahren in Europa erleben, mit uns als Beobachter oder gar Zeugen macht. Caren leidet zunehmend. Konnte sie die beiden Ereignisse in den USA noch erstaunlich gut durch ihren Job verarbeiten und sogar fruchtbar damit umgehen, war ihr der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo unerklärlich nahegegangen – vor allem vor dem Hintergrund, dass sie dieses nicht unmittelbar miterlebte. Niemand wird die Nachrichten dieser Horrorszenarien verfolgen können ohne nicht an einem Punkt ganz persönlich auch getroffen zu werden. Doch wie soll man als Individuum und wir als Gesellschaft damit umgehen?

    Der weniger konkrete, nicht auf den unmittelbaren Alltag bezogene Aspekt, der sich durch das ganze Buch spinnt, ist die philosophische Frage nach dem Geschichtenerzählen und die Frage, ob es noch eine Geschichte geben kann, die noch nie erzählt wurde. Welcher Journalist träumt nicht davon, mit dieser einen Reportage zu Ruhm und Anerkennung zu gelangen? Doch Geschichten gab es schon lange vor dem Journalismus, das Erzählen ist so alt wie die Menschheit selbst und eines der wenigen kulturübergreifenden und –verbindenden Dinge. Doch die Geschichte lebt nicht nur von ihrem Erzähler, denn sie erhält ihren Sinn erst durch den Zuhörer oder Leser, der etwas damit anfangen kann und den Worten einen Sinn zuschreibt.

    Neben diesen beiden ganz großen Themen, werden Fragen nach Werten im Leben, der Lebensgestaltung als solches und den Beziehungen aufgerissen. Mit Carens Lebensgefährten wird der Figur und damit dem Leser gnadenlos vor Augen geführt, wie wenig man manchmal seine Mitmenschen und Liebsten kennt. Nach all der Philosophiererei über Geschichten: hören wir einander zu? Und ist das, was bei uns ankommt auch das, was gesagt werden wollte?

    Ein durchaus herausfordernder Roman, der dem Leser, der sich auf ihn einlässt, viel zu bieten hat und weit über die Lektüre hinaus begleitet. Der Sinn entsteht beim Lesen im Leser und Husch Josten macht ein sehr großes Angebot. Daneben bietet er sogar noch einen Plot mit Spannung und recht unerwarteten Wendungen – im Ganzen ein Roman, wie er eigentlich unmöglich zu schreiben ist. 

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Stilistisch sehr schön und philosophisch inspiriert. Die Erzählung selbst konnte mich aber trotz schöner Worte nicht ganz überzeugen.
    Die unerzählbare Geschichte

    „Der Zufall ist trivial, nicht wahr? Man bringt die Ereignisse des Lebens lieber miteinander in Verbindung, weil sie dann einen Sinn ergeben könnten. Also kleben die Menschen alles, was ihnen geschieht, zu einer Narration zusammen, zu ihrem Lebenslauf, zu ihrer Identität.“

    Inhalt

    Caren, eine junge Journalistin, die für das Magazin Independent schreibt, hatte schon mehrfach in ihrem Leben unwahrscheinliches Glück. Immer auf der Suche nach brandaktuellen Storys reist sie rund um den Erdball und befasst sich in ihren Artikeln in erster Linie mit diversen Terroranschlägen, Attentaten und ihren Verursachern oder anderen vernichtenden Ereignissen, die viele Unschuldige erbarmungslos mit in den Tod reißen. Doch wie durch ein Wunder, war sie zwar immer hautnah am Geschehen, doch passiert ist ihr nichts. So erschüttert es sie auch nicht an diesem Tag, als sie auf dem Flughafen in Heathrow festsitzt, weil es anscheinend einen anonymen Anrufer gab, der eine Bombendrohung ausgesprochen hat. In der erzwungenen Wartezeit unterhält sie sich mit einem Mann, den sie Wittgenstein nennt, weil er just in diesem Moment die Schriften des gleichnahmigen Philosophen studiert und wie sich wenig später herausstellt, Zufallsforschung betreibt. Doch noch während die beiden in eine Unterhaltung über den Sinn des Lebens, das Schicksal ganz allgemein und bloße Zufälle an sich vertieft sind, erfüllt sie die schlechteste aller Möglichkeiten, denn das angedrohte Attentat nimmt seinen Lauf … und nichts wird mehr sein, wie es war…

    Meinung

    Ein ungewöhnlicher Buchtitel und eine spannende Ausgangssituation haben mich dazu animiert, mich mit der Lektüre des neuen Romans der deutschen Autorin Husch Josten, die ich bisher nicht kannte, zu befassen und in dieses kurze Kammerspiel über Schicksalhaftigkeit und Willkür einzutauchen. Der Inhalt selbst bleibt bis zum Ende etwas rätselhaft und undurchsichtig, gleichwohl die aktuelle Thematik von Terrorismus und Fanatismus immer wieder gestreift wird, handelt es sich dennoch um einen sehr persönlichen Text, der sich mit den Lebensumständen und Beziehungen der Hauptprotagonistin beschäftigt. Caren ist der Inbegriff einer Frau, die einerseits genauso lebt, wie sie es möchte, nämlich frei, engagiert, sattelfest im Job und emanzipiert und die dennoch nicht das gefunden hat, was sie sich wünscht, nicht in dem Maße, wie sie es selbst erhofft. Wittgenstein, der charismatische Fremde, der vom Sicherheitspersonal als potentieller Täter verdächtigt wird, weckt in ihr Gedankengänge, die sie sich bisher verboten hat, sät Zweifel und schürt Hoffnungen bezüglich ihrer direkten Zukunft. Und dann gibt es da noch Ben, Carens sporadischen Lebensgefährten, den sie nie so lieben kann, wie sie es sich vorstellt und dennoch nicht ohne weiteres gehen lassen kann …

    Denkansätze, philosophische Betrachtungen und alternative Lebensmodelle streift das Buch sehr oft und setzt sie wie kleine Stücke aneinander, so dass der Leser nach und nach ein Gesamtbild konstruieren kann, welches mit der schicksalhaften Verkettung aller Umstände ein jähes Ende findet. Und genau diese leicht diffuse Erzählung, gespickt mit fundamentalen Wahrheiten und weitreichenden Entscheidungen konnte mich leider nicht so ganz fesseln. Zu schwammig war mir die Intention der Autorin, zu wenig greifbar die Kernaussage des Buches, zu zerstreut und unentschlossen die Protagonistin.

    Während des Lesens entfalten sich zwei Welten, zum einen die persönliche Hintergrundgeschichte von Caren und zum anderen das Geschehen auf dem Flughafen – beide Erzählstränge wechseln nahtlos, manchmal auch spontan aber immer sehr gut nachvollziehbar. Auch die Sprache der Autorin lebt von bedeutungsschweren Sätzen und schönen Formulierungen, die den Leser gefangen nehmen und ihn trotz der Kürze des Textes einen gewissen Mehrwert erschließen lassen. Distanziert aber nicht unpersönlich, aussagekräftig aber nicht aufdringlich – so führt Husch Josten den Leser durch die Stationen des Buches und weckt immer wieder neues Interesse.

    Fazit

    Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für ein nicht alltägliches, alternatives Buch, welches die großen Fragen unserer Zeit mit den noch größeren Fragen eines erfüllten Lebens kombiniert. Die Lektüre selbst spricht für sich und zielt sehr genau auf die Objektivität und Beobachtungsgabe des Lesers. Tatsächlich fordert der Roman ein „um die Ecke“ denken, ein Abweichen von vorgegebenen Mustern und hinterfragt diverse Handlungsweisen. Dieses gedankliche Konstrukt, wirkt neuartig und gut, hat aber zur Folge, dass sich jeder Leser genau die Dinge entnehmen kann, die ihm wichtig sind und diese verlieren sich leider über die Zeit, so dass mir am Ende des Buches schlicht und einfach eine konkrete Aussage fehlte. Empfehlenswert ist der Roman auf jeden Fall, denn so ungewöhnlich wie sein Titel ist auch die verborgene Geschichte – jeder wird sie wohl anders empfinden.

     

     

    Kommentare: 9
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    Simi159s avatar
    Simi159vor einem Jahr
    Kurzmeinung: absolut lesenswerte Buchperle, die gefunden und gelesen werden will
    Wieviel Zufall steckt in Deinem Leben?

    Oft sind es die kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Bücher, die einen am Meisten umhauen und nachhallen.

    So ist das auch mit diesem Buch „Hier sind Drachen“ von Husch Josten, in dem die Journalistin Caren von London nach Paris reisen will. Dort will sie von den Terroranschlägen vom Vortag berichten. Immer scheint Caren in der Nähe von solchen Ereignissen zu sein und immer scheint neben dem Zufall auch ein bisschen Glück im Spiel zu sein. Am Flughafen  kommt sie mit einem älteren Herren, denn sie Wittgenstein nennt, weil er ein Buch dieses Autors liest, ins Gespräch. Wittgenstein forscht über den Zufall und stellt sich wie Caren ähnliche Fragen…dann wird die Abflughalle abgesperrt, Bombenalarm…

    Alles Zufall?


    Fazit:

    So harmlos und leise wie diese Geschichte anfängt, so schnell hat die Autorin einen als Leser in einer Parabelartigen Geschichte gefangen. Bei der man selbst anfängt sich über den Zufall im eigenen Leben und wieviel Absicht dahinter stecken könnte, nachdenkt.

    Caren ist dieser Zufall schon sehr oft begegnet und so ist er ein fester Teil ihres Lebens. Wittgenstein, der ältere Mann, gibt ihr und ihrem Denken über den Zufall ein paar neue Denkanstöße, die man als Leser mitgeht und auch gleich mitdenkt.

    Und genau hier baut die Autorin verschiedene überraschende Wendungen ein, die zum Teil den Zufall in der Geschichte eine Bedeutung geben und einen gleichzeitig staunen und schmunzeln lassen.

    Die Charaktere sind glaubwürdig und lebensnah. Authentizität zieht sich durch die ganze kleine Geschichte, denn Caren hat zwar beruflich ihren Platz gefunden, doch für die Liebe und den passenden Mann an ihrer Seite, gilt dies nicht. Zufall?

    „Hier sind Drachen“ ist eine von diesen versteckten Buchperlen, die gefunden, gehoben und gelesen werden wollen. Die Geschichte berührt, läßt einen über die Rolle des Zufalls im eigenen Leben nachdenken und halt nach.


    Von mir gibt es 5 STERNE.

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    raven1711s avatar
    raven1711vor einem Jahr
    Sehr lesenswert

    Klappentext:
    14. November 2015: Am Morgen nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris macht sich die Reporterin Caren auf den Weg in die französische Hauptstadt. Doch ihr Flug verzögert sich, die Lage ist angespannt, am Heathrow Airport herrscht nach einem anonymen Anruf Alarmbereitschaft. Die bedrohliche Situation und wachsende Nervosität der Sicherheitsbeamten bringen Carens älteren Sitznachbarn allerdings nicht aus der Ruhe, stoisch liest er weiter in Wittgensteins »Tractatus«. Der gleichermaßen unbefangene wie charismatische Philosoph und Zufallsforscher verwickelt Caren, mit deren Gelassenheit es seit Monaten nicht zum Besten steht, in ein faszinierendes Gespräch. Und offeriert ihr dabei – zufällig oder absichtsvoll? – die unmögliche Geschichte, nach der die Journalistin ihr Leben lang gesucht hat.

    Meinung:
    Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, einen Terroranschlag unmittelbar mitzuerleben? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies einem mehrmals passiert? Was löst das bei einem Menschen aus?
    Dieses eigentlich sehr unwahrscheinliche Szenario passiert in Hier sind Drachen der Protagonisten Caren. Bereits bei den Anschlägen von New York auf das World Trade Center 2001 hielt sie sich in der Stadt auf, ebenso bei den Anschlägen in Boston und auf das Satire Magazin Charlie Hebdo. Doch all diese eigentlich traumatischen Ereignisse konnte Caren bisher gut verarbeiten. Nun nach Charlie Hebdo setzen bei ihr Panikattacken ein. Doch was hat sich seitdem für sie geändert? Liegt es daran, dass sie selber Journalistin ist? Am Tag nach den Anschlägen im November 2015 in Paris sitzt Caren in London auf dem Flughafen, um nach Paris zu reisen. Eine Verzögerung des Flugs und eine unerwartete Begegnung sorgen dafür, dass sie sich mit sich und ihrem Leben auseinander setzen muss.
    Husch Josten hat hier ein interessantes Gedankenspiel gestartet und sich stark mit dem Thema Terrorismus und seine Auswirkungen auf den Menschen beschäftigt. Sie blickt in die Menschen hinein, zeigt Gedanken, Ängste, Sehnsüchte und Wünsche betroffener Menschen auf und folgt interessanten Ansätzen, die den Leser zum Nachdenken anregen.
    Aber nicht nur das Thema Terror steht hier im Fokus, auch ihre Hauptfigur Caren wird einer genauen Analyse unterzogen. Denn in Carens Leben ist nicht alles so einfach. Ihr Freund hat eine feste Partnerin, deren Existenz Caren ohne Probleme duldet, muss sie sich doch nicht allzu sehr auf ihn festlegen und in ihrer Freiheit einschränken lassen. Denn Carens Beruf geht ihr scheinbar über alles und gerade das Thema Terrorismus setzt einen ihrer Recherche-Schwerpunkte in ihrer Karriere. Carens Figur ist komplex und vielschichtig aufgebaut, interessant, aber auch manchmal schwer greifbar und nicht immer sympathisch. Aber gerade das hat diesen Charakter so spannend gemacht und für Kurzweile im Roman gesorgt.
    Denn kurzweilig ist dieses Büchlein alle mal. Flüssig geschrieben und mit überraschenden Wendungen, hat das Buch für einige spannende und unterhaltsame Lesestunden gesorgt. Die zum Teil recht langen Kapitel fielen bei der fesselnden und aktuellen Thematik kaum auf.

    Fazit:
    Husch Josten spielt in ihrem Roman viele Gedankengänge rund um das Thema Terrorismus nach, regt ihre Leser zum Nachdenken an und kann mit einer überraschenden Geschichte richtig fesseln. Denn nicht nur das Thema Terror steht hier im Vordergrund, sondern auch die Entwicklung einer Frau und das Verlassen von eingefahrenen Wegen.
    Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
    Vielen Dank an den Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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    Winterzaubers avatar
    Winterzaubervor einem Jahr
    Ungewöhnlich

    Am Tag nach den Terroranschlägen in Paris 2015 will Journalistin Caren von Heathrow Airport in die französische Hauptstadt fliegen, um von dort über die Anschläge zu berichten. Doch ihr Flug startet nicht und das Gate wird abgeriegelt wegen eines anonymen Anrufes. Ihr Sitznachbar ein Philosoph verwickelt sie in ein interessante Geschichten und Zufälle. Caren war hautnah bei den Terroranschlägen in NY und Boston dabei und hat diese unbeschadet überstanden. Sie wird vom Sicherheitschef befragt, die natürlich längst wissen, wer sie ist warum sie nach Paris will. Ihr Privatleben ist nicht einfach, obwohl sie es sich genauso ausgesucht hat.

    Ich bin sehr schwer reingekommen, da die Autorin auch furchtbare Dinge mal so nebenbei erzählt. Ich konnte zur Hauptperson keine Beziehung aufbauen, da sie für mich eher blaß geblieben ist, obwohl Caren eine interessante Person ist. Ich konnte ihre Verhaltensweisen oft nicht nachvollziehen. Die Geschichte trotz vieler tragischer Momente auch einiges an Komik zu bieten.Ungewöhnliche Schreibweise, ungewöhnliche eindringlische Geschichte, die dazu anmutet, über das Leben nachzudenken.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Zum Warten verdammt

    ist die Journalistin Caren - und sind es mit ihr viele andere Passagiere - am Flughafenterminal in London Heathrow. Es ist Samstag, der 14. November 2015, der Tag nach dem Pariser Anschlag und eben Paris ist das Ziel der Reise - Caren soll von dort für ihr Blatt über den Anschlag berichten. Doch nun gibt es eine Verzögerung aus unklaren Gründen - die Wartenden sind auf sich gestellt. So kommt Caren mit einem Herren ins Gespräch, den sie Wittgenstein nennt, da er ein Buch ebendieses Philosophen liest.

    Und es stellt sich heraus - nicht nur, aber auch durch diesen Wortwechsel - dass jeder seiner eigene, subjektive Wahrnehmung von Dingen, ja von allem, was um ihn herum passiert, hat. Jedenfalls ist es so, dass am Ende dieser Warterei Carens gesamtes Leben auf den Kopf gestellt wurde. Ihr Leben, von dem sie glaubte, es bestens im Griff zu haben - sowohl ihren Bereich als auch ihr Verhältnis zu den Menschen um sie herum.

    Caren hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Terroranschlägen, kann man sagen: sie hat ihre persönlichen Bezüge sowohl zu Ground Zero als auch zu Charlie Hebdo. Sie hat dem Drachen ins Auge geschaut, kann man sagen, doch wie ist es mit den Drachen in ihrem persönlichen, dem ganz privaten Bereich?

    Einerseits ein leises Buch, andererseits so explosiv, wie eben ein Anschlag sein kann. Der Pariser Terroranschlag wird in einen Vergleich zu einem Anschlag auf Carens Leben gestellt und zeigt eindringlich, wie achtsam man stets sein sollte - sowohl, was sein eigenes Leben als auch, was das Leben der anderen betrifft. Ein Anschlag der persönlichen, der stillen Art kann uns jederzeit ereilen, völlig unerwartet - so wie hier.

    Ein Buch, das den Leser - jedenfalls mich - auf der einen Seite fassungslos, auf der anderen ein bisschen unbefriedigt hinterlassen hat. Manches war zu viel, anderes wieder fehlte. Doch das waren Kleinigkeiten, die mich nicht davon abhalten, dieses durchaus ungewöhnliche Buch der Kölner Autorin Husch Josten von Herzen zu empfehlen. Es ist ein sehr internationales Buch, so weltoffen, wie man in diesen Zeiten nicht immer ist, aber unbedingt sein sollte - finde ich jedenfalls.

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    BettinaR87s avatar
    BettinaR87vor 2 Jahren
    Hic Sunt Dracones

    Die Überschrift ergibt übersetzt den Buchtitel: Hier sind Drachen. haben Seemänner auf die weißen Bereiche der Seekarten geschrieben, denn sie waren unbekanntes Gebiet. Fühlt sich diese Welt, die im Terrorismus gefangen scheint, nicht ähnlich unbekannt an?

    Caren hat Glück. Eigentlich hätte sie im World Trade Center gearbeitet, als die Flugzeuge in die Türme gelenkt wurden. Beim Marathon in Boston hat sie sich nur einige Blocks entfernt von den Attentaten mit ihren Freunden getroffen. Bei Paris war sie ebenfalls nahe am Geschehen. Je suis Charlie? Von wegen. Für Caren ist das zu viel Zufall. Sie weiß gar nicht mehr, wie sie das emotional alles aufarbeiten soll. Auch jetzt sitzt die Journalistin wieder mal an einem Flughafen und das Flugzeug verspätet sich. Als dann Stück für Stück mehr bewaffnete Polizisten und sogar der Leiter der Flugschutzbehörde auftauchen, wähnt sie sich in einem immer wiederkehrenden Albtraum. Schon wieder so etwas in der Art. Neben ihr sitzt ein älterer Mann, den sie kurzerhand Wittgenstein tauft – nach dem Buch, das er gerade liest. Er verwickelt sie in eine Unterhaltung, die sie ziemlich in den Bann zieht – und den Leser auch.

    Wir leben in der exakt gleichen Welt wie die Protagonistin. Wir kennen die Szenen, die sie gesehen hat und wir saßen vielleicht auch schon mal in den gleichen Flughäfen. Insofern stellt man sofort eine Beziehung zur Hauptperson her.  Dass wir uns die gleichen Fragen stellen, unterstützt das ganz erheblich.

    Im Fokus des Buchs stehen zwei Aspekte: Die Beziehung von Caren zu Ben, die polyamourös ist – Ben hat also eine zweite Freundin, alle wissen darüber Bescheid und akzeptieren es. Ist es das Rezept für wahrhaft glückliche Beziehungen in dieser unruhigen Welt? So viel Freiheit wie möglich, aber trotzdem nicht alleine sein? Der zweite Aspekt ist die lange Unterhaltung mit Wittgenstein. Dieser Dialog ist sehr anspruchsvoll und bedarf der Aufmerksamkeit. Aber just, wenn er in prätentiöses möchtegern-intellektuelles Gerede abzurutschen droht, kratzt die Autorin die Kurve. Soll heißen: Man muss als Leser nicht gegen die Story und um das Verständnis kämpfen, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

    Worauf will die Geschichte hinaus? Diese Frage lässt sich aus meiner Sicht gar nicht so richtig beantworten. Denn Die Welt wird bleiben, wie sie ist. Zumindest für die nächsten paar Jahre wird das Wort Terrorismus so schnell nicht aus unseren Köpfen verschwinden. Vielleicht müssen wir deswegen unsere Wahrnehmung ändern.

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    Lykes avatar
    Lykevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Dichter, aktueller Roman mit Sogwirkung! Hintersinnig und voll philosophischer Gedankenspiele. Eine sehr lesenswerte kleine Buchperle!
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