Land sehen

von Husch Josten 
4,5 Sterne bei4 Bewertungen
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Faszinierende Denkansätze in gehobener Literatur

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So muss anspruchsvolle Literatur sein und nicht anders: herausfordernd und unterhaltsam zugleich.

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Inhaltsangabe zu "Land sehen"

Ausgerechnet Priester! Jahrzehntelang war sein Patenonkel Georg von der Bildfläche verschwunden, dieser lebenshungrige Mann, der nie etwas ausgelassen hat. Und nun ist er zurück: Als Mitglied eines umstrittenen katholischen Ordens. Eine grundlegende Wesensänderung oder Läuterung gar vermag Literaturprofessor Horand Roth bei seinem unorthodoxen Verwandten allerdings nicht festzustellen. Wie also passen Onkel und Orden zusammen? Und wie hält er's eigentlich selbst mit der Religion? An unerwarteter Stelle (auf dem Land, wo er wahrlich nie landen wollte) findet Roth die Antwort und noch mehr: ein berührendes Stück Familiengeschichte und deutscher Vergangenheit – eine kleine Heldengeschichte.
Einnehmend leicht und in überraschenden Wendungen erzählt Husch Josten so tiefgründig wie humorvoll von Nähe und Freundschaft, von einem bewegten Leben und dem Ringen um ewige Fragen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013798
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:01.08.2018

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    Gwennileinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Faszinierende Denkansätze in gehobener Literatur
    Faszinierende Denkansätze in gehobener Literatur

    Ein wirklich wundervolles, besonderes Buch – ich lese ja immer und überall, somit bin ich gut darin, störende Nebengeräusche auszublenden. Das war hier etwas anders, somit merkte man direkt, dass man anspruchsvollere Literatur in den Händen hielt, die mich an Umberto Eco´s "Im Namen der Rose" erinnerte. Ich bin ein gläubiger Mensch, weshalb mich das Buch noch einmal mehr angesprochen hat, wobei es auch für Atheisten interessant ist, wie man den Glauben "rechtfertigen" kann. Ich kam jedenfalls aus dem Markieren nicht mehr heraus (was ich erstmalig bei meinem Kindle nutzte). 
    Zwei parallele Geschichten stehen im Vordergrund dieser Geschichte. Zum einen wird die Familiengeschichte des Protagonisten beleuchtet, der Dinge erfährt, von denen er gar nichts ahnte und zum anderen dreht sich alles um seine Beziehung zu seinem Onkel, der einem Orden beigetreten ist. So stehen sich Atheist und Gläubiger direkt gegenüber und kommen so immer wieder in Dialog über den Glauben und die Fragen, die damit verbunden sind. "Du kannst nicht vielleicht an Gott glauben. Du tust es. Oder eben nicht. Wahrscheinlich weiß jeder Mensch im Monment, da er zum ersten Mal darüber nachdenkt, ob er es tut oder nicht." Eine der vielen Notizen, die ich mir gemacht habe. Auch Ansätze für einen modernen Umgang mit Religion werden erstellt, wie wunderbar wäre denn folgender Gedanke: "Müsste man das jahrtausendealte Wissen verschiedener Religionen dazu nicht leicht und bekömmlich und ohne Vorurteile gemeinsam vermitteln? (...) es würde niemanden dümmer machen und auch die Frömmigkeit streng Gläubiger nicht verletzten. Es würde nur dazu führen, dass die Menschen sich öffnen und grundsätzlich darüber nachdenken, ob und was sie glauben können und wollen." Denn das Buch fasst es äußerst passend zusammen: "Für einen evolutionären Wandel ist es längst zu spät. Ein revolutionärer müsste her." Ich könnte durchaus noch weitere tolle Zitate ausführen, doch man sollte bereits merken, dass das Buch nicht einfach zum Lesen gedacht ist. Man kann sich dem gar nicht entziehen, weiter nachzudenken und Denkansätze weiterzuführen. Nein, das Buch ist keine leichte Kost, doch ein anspruchsvolles Lesevergnügen, welches im Gedächtnis bleibt. Und ist es nicht genau das, was sich der Leser (und natürlich auch der Autor) erhofft? 
    Einen minimalen Punkt Abzug gibt es nur für das Ende des Buches, welches sich nicht wie ein solches anfühlt. 

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    M
    michael_lehmann-papevor 2 Monaten
    Kontrolle oder Vertrauen?

    Kontrolle oder Vertrauen?

    Horand Roth, Vorname dem alten Nibelungenlied entlehnt, ist Professor für Literatur. Im mittleren Alter. Gerne für sich und hat es gerne übersichtlich. Nicht nur, was das penibel und sparsam eingerichtete Appartement angeht, dass er nach seiner Ehe bezogen hat (was war das schwer zu ertragen, die zugestellte und mit Zierart überlastete Dreizimmerwohnung vorher). Aber auch, was seine Beziehungen angeht, hat Horand gerne die Kontrolle. Begegnung gerne, aber danach ist es ein Fest, morgens alleine aufzuwachen oder zumindest die gerade aktuelle Liaison kurz zu verabschieden, um wieder alles im Maß und mit Übersicht zu halten.

    Sein Onkel Georg, wohl schwarzes Schaf der Familie, wenn man sich überlegt, wie abrupt und endgültig der Bruch zwischen Horands Eltern und seinem Onkel damals stattfand (er selbst hat keine Ahnung, worum es ging, nur dass er seinen Lieblingsonkelt seit 30 Jahren nicht gesehen hat). Einer, der mit Horand den Flausen nachjagte, der mit dem Jungen von damals elegische Schlachten mit vier Händen am Klavier austrug und der, ganz grundsätzlich, nicht überlegt und kontrolliert lebte, sondern hedonistisch und frei auch nach dem Bruch mit der Familie durch die Welt zog.

    Unter anderem eine gewisse Phase beschäftigt mit Urheberrechten einer Firma mit einem Angebot ganz besonderen „Spielzeugs“. Was in der Gegenwart des Romans besonderer Bedeutung zukommen wird und damit das unorthodoxe dieses Georgs unterstreicht.

    Denn nach 30 Jahren hat sich Georg einfach so bei Horand gemeldet. Von einem Rockfestival in Argentinien aus. Um drei Wochen später vor der Tür des Professors zu stehen. Onkel Georg wird and er gleichen Universität, an der Horand lehrt, seine Promotion vorantreiben. IN Theologie. Schau an. Kaum zu glauben. Dass aber Georg scheinbar nicht nur fromm geworden ist, sondern gar radikal fromm, das vermag Horand überhaupt nicht zu verstehen.

    Mönch. Teil der Piusbruderschaft. Und dennoch, immer noch, durchaus in der Lage, einer Sekretärin an der Universität eindeutige und eigentlich, gerade für einen Mönch und Priester, nicht salonfähige Tipps zu geben. Was nur eine der erstaunlichen Charaktereigenschaften des „besonderen Mönches“ ist.

    Aber wie Horand es auch versucht, wenn es um die Erlebnisse Georgs geht, dann ist dieser recht vage, verschwiegen. Oder, anders gesagt, antwortet in einer Art und Weise, die für Horand wenig Sinn ergibt.

    Noch, sollte man zu Beginn des Romans sagen. Denn das gesamte Werk ist eine abenteuerliche und den Geist herausfordernde Reise ins Innere und in die Essenz des Lebens.

    In die Frage, ob der Glaube (im Sinne eines unbedingten Vertrauens, nicht eines reinen „Für-wahr-haltens“) auch heutzutage noch Kraft genug hätte, Menschen innerlich zu bewegen. Radikal zu verändern. Dem Leben Impulse zu geben, die nicht zu mehr Bequemlichkeit oder einer besseren Karriere führen, wohl aber zu einer inneren Ganzheit, zum „Heil“.

    „Wie hast Du es mit dem Glauben“?
    Jene Frage Gretchens aus Goethes Faust, die Georg nach 30 Jahren umgehend am Telefon stellt. Georg, der dennoch nicht missioniert, der Horand nicht Wahrheiten entgegenruft, sondern ein Miteinander installiert, in dem der Professor selbst mehr und mehr jene Fragen nach Sinn und Sein aus dem Inneren emporsteigen fühlt.

    „Wie und warum bist du in diesem Orden gelandet“?
    „Ich habe ihn mir ausgesucht….: Ich habe mich nach ziemlich viel Leben für die Ewigkeit entschieden“.
    „Eine extreme Ewigkeit“.
    „Das stimmt. Aber alles andere ergab für mich keinen Sinn“.

    Und es wird emotional dicht und ernst, wenn im Lauf der Lektüre ganz langsam die wahren Bewegründe des Mannes zu Tage treten werden.

    Und um diese Frage nach dem Glauben und diese zunächst nebulöse Antwort Georgs entfaltet Josten einen fulminanten Roman, sprachlich meisterhaft verfasst, der den äußeren Erlebnissen der Protagonisten neue Deutungen öffnet, der ganz ernst im Kern und leger in der Sprache den Leser beständig miteinbezieht in eine Reflexion der eigenen Haltung, ob nicht an sich Glaube das Leben mehr bestimmt als die nackten Fakten und ob dabei nicht ein wirklicher „extremer“ Schritt wichtig wäre, um das eigene Leben irgendwann runden zu können.

    Denn, auch das sei gesagt, jeder Ort im Buch, alles Verbindungen familiärer Orte, die Landschaft und die vielen Gedanken, die Seite für Seite den Weg durch das Buch begleiten, bilden am Ende einen Zusammenhang und ergeben ein Gesamtbild, dass den Leser berührt zurücklässt. Und lange weiterwirken wird. Und dabei den Glauben als eine wirksame Erlebniswelt ganz natürlich setzt, ohne mit abstrakten Doktrin zu überfordern.

    Hervorragend.

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    yellowdogs avatar
    yellowdogvor 2 Monaten
    lesenswert

    Romane über Glauben und Religion in Umgebung eines Klosters sind selten. Man denkt an Umberto Eco, aber wir sind in diesem Buch in der Gegenwart.

    Nach vielen Jahren trifft der Ich-Erzähler Hora seinen Onkel Georg wieder, der überraschenderweise Mönch geworden ist. Hora kennt ihn nur als weltoffenen Mensch und jetzt gehört Georg zu den Pius-Brüdern, der erzkonservativen Traditionalisten.

    Hora beginnt darüber nachzudenken und versucht zu verstehen, was Georg dazu bewegt hat. Er besucht sogar für 3 Tage ein Kloster. Gerade in diesen Passagen gibt es sehr schöne Beschreibungen und Husch Jostens ruhiger Stil entfaltet sich.


    Ein Großteil der Handlung nehmen Horas Überlegungen und Gedanken ein. Fast ist es überraschend, dass sich das Buch in der zweiten Hälfte doch noch in eine Familiengeschichte entwickelt und sogar zurück in die Zeit vor Georgs Geburt geht. Die dreißiger, vierziger Jahre in Deutschland beinhaltet ein Familiengeheimnis, über das nicht gesprochen wurden. Hier möchte ich aber besser nicht zu viel verraten.


    „Land sehen“ ist ein lesenswerter Roman!

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: So muss anspruchsvolle Literatur sein und nicht anders: herausfordernd und unterhaltsam zugleich.
    Husch Josten - Land sehen

    Horand Roth ist Professor in Bonn und nähert sich dem Leben ganz wie in seinem Beruf auch mit analytischer Klarheit. Mit Hilfe von Büchern und reiflichem Nachdenken lässt sich alles erklären und verstehen, doch als sein Onkel Georg plötzlich vor ihm steht und ihm eröffnet, Mönch in einem Orden der strenggläubigen Pius-Brüder geworden zu sein, übersteigt dies seinen geisteswissenschaftlich geprägten Horizont. Er will verstehen, wie ein so klardenkender Mensch seine geistigen Freiheiten für einen streng organisierten, extremen Orden aufgeben kann. Er geht selbst ins Kloster, liest die Bibel und beginnt zunehmend sein eigenes Dasein und seinen Glauben als Agnostiker zu hinterfragen. Doch er kommt den Beweggründen seines Onkels so nicht näher – kann er auch nicht, denn der Grund liegt ganz woanders.

    Husch Jostens fünfter Roman ist eine Einladung und Herausforderung zugleich. Mit „Hier sind Drachen“, einem Roman, in dem sie bereits philosophisch die Frage nach dem Dasein in der modernen Welt gestellt hat, konnte die Autorin mich bereits begeistern und von sich überzeugen. „Land sehen“ steht dem in nichts nach, wenn auch die Thematik eine ganz andere ist. Interessanterweise hat ihr Roman wieder einen Titel mit Bezug zu Seefahrt, wenn man ihn wörtlich nimmt, im übertragenen Sinne symbolisiert er das Ende einer langen Durststrecke, ein Hoffnungszeichen, wieder eine Orientierung im Leben haben. Genau das sucht Hora, wenn er sich dessen zu Beginn auch noch nicht bewusst ist.

    Gemeinsam mit dem Erzähler und Protagonisten begibt man sich in den theologischen Diskurs, der versucht den Glauben und das Gläubigsein zu ergründen. Man hat an seinen Gedankengängen Anteil, zweifelt mit ihm, findet Klarheit und Struktur. Man muss am Ende kein überzeugter Christ sein, kann aber vielleicht nachvollziehen, weshalb es andere sind; ja gerade der Zweifel und Skepsis sind es, die den Weg zum Glauben öffnen. Aber es ist nicht nur die Frage nach dem Glauben, die Hora umtreibt. Im Laufe der Handlung muss er auch seine Familiengeschichte neu schreiben und so manches in ein anderes Licht rücken. Seine Mutter mit ihrem vielfach schematisch-unflexiblen Verhalten erklärt sich plötzlich und auch sein unkonventioneller Onkel hat nachvollziehbare Beweggründe für seine Entscheidungen.

    Husch Josten hat einen klaren, einerseits schnörkellosen Stil, der es ihr erlaubt, die Gedankengänge der Figuren präzise nachzuzeichnen, andererseits wirken ihre Worte poetisch und leicht, was die Lektüre trotz des nicht einfachen Inhalts zu einem Genuss macht. Es ist keine typische Sommerlektüre, die man mal eben nebenbei am Strand verschlingt. Immer wieder habe ich Sätze ein zweites, gar drittes Mal lesen müssen - doch was gibt es Schöneres, als einen Text nicht nur zu verschlingen, sondern ihn sich auch ein Stück weit zu erarbeiten und sich von ihm über die Buchseiten hinaus gedanklich begleiten zu lassen? So soll anspruchsvolle Literatur sein und nicht anders: einladen auf Gedankenexperimente, geistig herausfordern und unterhalten zugleich.

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    Du kannst nicht vielleicht glauben. Du tust es. Oder eben nicht.

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    Simi159s avatar
    Simi159vor 4 Monaten
    Die Autorin habe ich 2017 entdeckt und bin somit gespannt auf ihr neues Buch.
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