Hwang Sok-Yong

 3,5 Sterne bei 70 Bewertungen
Autor von Die Lotosblüte.

Lebenslauf von Hwang Sok-Yong

Hwang Sok-Yong, geb. 1943, wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sein Werk ist in Teilen auch in Deutschland bekannt. Während der Militärdiktatur infolge unerlaubter Reisen in den Norden kurzzeitig interniert, gilt er heute als wichtiger Vertreter Koreas und war als Unterhändler seines Landes in Nordkorea.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hwang Sok-Yong

Cover des Buches Die Lotosblüte (ISBN: 9783958902626)

Die Lotosblüte

 (70)
Erschienen am 10.05.2019

Neue Rezensionen zu Hwang Sok-Yong

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Cover des Buches Die Lotosblüte (ISBN: 9783958902626)Bella5s avatar

Rezension zu "Die Lotosblüte" von Hwang Sok-Yong

Die Geschichte einer Sklavin
Bella5vor einem Jahr


Die Handlung der „Lotosblüte“ ist im 19. Jahrhundert in Asien angesiedelt. Die Geschichte beginnt in Korea. Eine arme Familie verkauft die Tochter als Zweitfrau an einen Chinesen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt, der Chinese ein achtzig Jahre alter Mann! Das Mädchen, das in „Lehnwa“ umgetauft wird, rutscht nach dem Tod ihres Mannes noch tiefer in die Prostitution und landet schließlich in einem Bordell. Nach außen hin ist das Mädchen gehorsam und devot, innerlich aber schmiedet sie Pläne, um sich unabhängig zu machen von einem Leben, das sie nie selbst gewählt hatte.

Als schließlich die Engländer in Asien siegreich sind, sieht Chong – Lenhwa ihre Stunde gekommen…


Der Stil des Autors Hwang – Sok Yong ließ mich in eine fremde Kultur und eine ferne Zeit eintauchen. Das Sujet des Romans legt nahe, dass das Schicksal der Protagonistin kein leichtes ist; dennoch war es mir zum Teil unangenehm, die Beschreibungen der erotischen Szenen zu lesen und ich bezweifle, dass die Frauen die Gewalt und den Zwang genossen haben, wie so oft frage ich mich, ob ein Mann über Frauen schreiben sollte, und ob nicht insgeheim die Prostitution in Asien durch solche Romane (auch wenn der Autor sie vordergründig ablehnt) in gewisser Weise glorifiziert und mystifiziert wird? Zwar ist mir auch nicht wohl dabei, mir als Europäerin ein Urteil anzumaßen, aber ich finde es doch sehr erschreckend, dass das Thema Zwangsprostitution auch in der heutigen Zeit nicht passé ist. Im Zweiten Weltkrieg wurden Koreanerinnen von Japanern als „Trostfrauen“ (ein grauenhafter Euphemismus) versklavt, eine Anerkennung der Tatsache durch die Japaner erfolgte erst kürzlich.

Man sieht in der „Lotosblüte“, wie die Protagonistin sich mit ihrem Schicksal arrangiert, gewisse „Privilegien“ genießt. Es gelingt ihr trotz aller Widrigkeiten, sozial aufzusteigen.

Der Text ist zuweilen sehr poetisch, anrührend und auch abstoßend. Man muss sich aber trotz aller Schönheit der Sprache und trotz der exotischen Szenen vor dem Hintergrund einer wechselvollen Historie vor Augen halten, dass der Weg der Lotosblüte Shim Chong eine Geschichte der Sklaverei ist.


Fazit:


Für „Die Lotosblüte“ von Hwang – Sok Yong vergebe ich vier von insgesamt fünf möglichen Sternen.

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Cover des Buches Die Lotosblüte (ISBN: 9783958902626)Buchfeelings avatar

Rezension zu "Die Lotosblüte" von Hwang Sok-Yong

eher anstrengend, emotional kalt und zu fern MEINER Realität.
Buchfeelingvor einem Jahr

Von der ersten Seite an wird der Leser in ein Buch hinein katapultiert, das mit blumiger Sprache und ausschweifenden Sätzen dominiert. Hier ist erst einmal Konzentration gefordert. Schade, dass nicht näher auf die Zeit der Handlung eingegangen wird. Ich wußte nicht recht, spielt die Handlung in der heutigen Zeit, vor 100 Jahren oder wann.. das erschließt sich aus dem Text erst spät. Eine echte Jahreszahl fand ich nicht direkt.

Das junge Mädchen Chong wurde offensichtlich entführt, was sich aber erst später genauer klärt. Sie wird an einen alten Mann verkauft, der daran glaubt, durch ihre Jugendlichkeit ebenfalls jung zu bleiben. Eine ganze Weile lebt sie in seinem Haushalt, als sein Jungbrunnen… behält aber ihre Unschuld.

Als der Alte stirbt, kommt es zu einem tragischen Zwischenfall und Chong landet in einem Freudenhaus. Hier ist sie zunächst nur für das Bedienen mit Getränken zuständig. Denn der Herr des Hauses beansprucht sie für sich. Doch irgendwann „muß“ auch Chong, bzw. Lenhwa, wie sie mittlerweile heißt, den einen oder anderen hochrangigen Gast auf ein Zimmer begleiten. Dies scheint ihr aber nichts auszumachen. Im Gegenteil genießt sie die Macht, die sie hier über Männer hat und das Geld, dass ihr diese Leistung einbringt. Als sie sich eines Tages in einen jungen Musiker verliebt, heiratet sie ihn heimlich und  arbeitet weiter, als sei nichts gewesen.

In kurzen, sehr stark komprimierten Sätzen erfährt der Leser nun von der Besetzung Chinas durch die Brieten, von Unruhen und dem Angriff auf die Stadt. Lenhwa muß mit den Frauen fliehen und es gelingt ihr, sich mit ihrem Geliebten abzusetzen. Doch in einer fremden Stadt wird sie durch einen Mädchenhändler entführt und wieder einmal verkauft.

Sie landet mit vielen anderen Mädchen weit entfernt auf einer Insel und ernennt sich, durch ihre Erfahrungen, kurzerhand zur Aufpasserin über die Mädchen.

Die Story ist gefüllt mit vielen Nebensächlichkeiten, die blumig ausgeschmückt werden. Viele chinesische Sagen, Lieder und Legenden. Politische Veränderungen und Unruhen werden dagegen viel zu kurz umrissen, um sie verstehen zu können. Sie sind aber für die Story wichtig.

Lenhwa selbst ist eher kühl distanziert, was aber durch ihre Vergangenheit und die chinesische Erziehung verständlich ist. Allerdings kann man sich als Europäer wohl eher weniger in sie hinein versetzen. Aber das störte mein Lesevergnügen nicht. Ich hatte eher ein Problem mit den vielen Nebensächlichkeiten, den zu ausschweifenden Erklärungen des Alltags, den Kleinigkeiten auf den Wegen, die Lenhwa nahm… ohne viel über ihre Gefühle zu erfahren.

Nach einem Drittel des Buches kam bei mir leider Langeweile auf. Ich verstand die politischen Hintergründe nicht, die zu den vielen Unruhen führten, denn sie wurden kaum erklärt. Und ich verstand den Umgang mit den Mädchen nicht, denn auch hier fehlte mir ein genauerer Einblick in die Kultur des Landes. Es wird leider zu viel Wissen vorausgesetzt.

Und so flog ich am Ende eher durch das Buch, übersprang immer mal wieder Seiten… was eigentlich schade ist, denn die Story ist durchaus interessant.

Das Buch erklärt den Weg einer jungen Frau, der zwar als „Leidensweg“ bezeichnet werden könnte, aber wenig Leid spüren lässt. Durch Lenhwa´s distanzierte, berechnende Art fällt eine emotionale Bindung mit der Protagonistin schwer.

Mit viel Geduld und Fantasie bekommt der Leser hier sicher eine interessante Geschichte. Allerdings ist das Verständnis für die jeweilige Situation schwer.

Für mich war die Story eher anstrengend, emotional kalt und zu fern MEINER Realität.

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Cover des Buches Die Lotosblüte (ISBN: 9783958902626)schafswolkes avatar

Rezension zu "Die Lotosblüte" von Hwang Sok-Yong

So ganz konnte mich das Buch nicht überzeugen
schafswolkevor einem Jahr

Chong wird als junges Mädchen von ihrer Familie an einen alten Mann verkauft und dient ihm als junggebendes Elixier. Als er verstirbt, geht sie mit seinem Sohn Kuan fort, doch ihr Leben wird nicht besser. Chongs Weg führt sie duch verschiedene Freudenhäuser und verschiedene Länder Asiens.

Bei der Bewertung tue ich mich schwer, denn es gab Momente, da hat mir das Buch gefallen und dann fand ich es stellenweise zäh und unangenehm zu lesen. Oft dachte ich "jetzt breche ich das Buch ab", aber das fällt mir generell eher schwer und so habe ich dann immer wieder weitergelesen, manchmal sehr gerne und dann schon fast überflogen.
An den Schreibstil habe ich mich recht schnell gewöhnt, leider ist er eher distanziert, sodass ich mich mit Chong schwer getan habe. Ich konnte vieles ihrer Handlungen nicht nachvollziehen. Die sexuellen Stellen werden oft sehr genau beschrieben, Chongs Innenleben wird aber oft außen vorgelassen. Ich empfand die Erzählweise ein wenig unausgeglichen, einiges wird seitenweise detailgetreu beschrieben und dann geht es wieder im Schnelldurchlauf, besonders das letzte Drittel wird schnell erzählt, obwohl es zum Teil Jahre sind.
Chongs Leben führt sie durch verschiedene Länder und mit fast jedem Wandel bekommt sie auch einen Namen, viele Personen kreuzen ihren Weg, aber nur sehr wenige haben Bestand.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Buch nicht warm geworden, wahrscheinlich liegt es einfach an den anderen Kulturen und meine Vorstellungen bzw. Erwartungen waren aufgrund des Klappentextes irgendwie anders. Ich bereue allerdings nicht das Buch gelesen zu haben, würde es aber nur bedingt weitererempfehlen.

Zwischen knappen 2 und 4 Sternen ist hier alles für mich dabei und so gibt es am Ende 3 Sterne von mir.

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Letzter Beitrag von  nonostarvor 14 Stunden

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